AW: Watch Dogs vs. GTA 5: Welches Spiel macht Open-World-Fans glücklicher?
Ich würde so gerne mal GTA V auf dem PC spielen. Es hört sich einfach grandios an, mit 3 unterschiedlichen Charakteren und einer großen freien Welt ein Gangsterdasein zu durchleben.
Nun zu Watch Dogs und was mir garnicht daran gefällt. Kurz und knapp: zu konsolig.
Es ist ein typisches Konsolen-ActionAdventure mit vielen Arcade-Inhalten. Es erinnert mich vom Spieldesign und der Mechanik sehr stark an Sleeping Dogs, wobei ich letzteres kurzweiliger und vergnügsamer empfand, da mir das virtuelle HongKong und die KungFu-Einlagen sehr gut gefielen. Auch die Fahrphysik empfand ich akzeptabler, wenngleich man auch dort besser mit dem GamePad steuerte.
Zum Fahren, laufen und Vollkontakt-Kämpfen geht so ein GamePad ja noch, aber zum flinken Schießen komme ich garnicht damit klar (schon garnicht mit der JoyStick-view).
Beide Spiele haben eine in mehrere Teilabschnitte aufgeteilte Karte, welche ich erst sukzessive aktivieren muß. Es gibt einen haufen Nebenquests und Minispiele, für welche ich Punkte erhalte, um meinen Charakter weiter zu skillen.
Aber aus irgendeinem Grund fesselt mich Watch Dogs nicht wie erhofft, und das, obwohl ich mich für die Thematik begeistern kann. Alles wirkt irgendwie aufgesetzte und nicht wirklich miteinander verbunden. Zu oberflächlich ...
Ich denke, Watch Dogs ist eines der Spiele, das darunter leidet, zu sehr gehyped worden zu sein. Zu große Erwatungen wurden geweckt, welche nun entäuscht werden.
Was hatte ich mir alles erträumt, als da vollmundig von 'lebender atmender OpenWorld' gesprochen wurde, von Einflussnahme auf die Umwelt und dass die NPC auf den Spieler reagieren, dass jeder NPC seine eigene Persönlichkeit und Hintergundgeschichte haben würde ...
Da denkt man doch gleich an eine große freie Spielwiese, ein Sandkasten, in dem man sich entfalten kann, wie es einem beliebt und in dem jede Handlung Konsequenzen und dynamisch einen Einfluss auf die Spielwelt hat. Töte ich aus versehen einen Passanten, wird seine Familie um ihn trauern und ihr Verhalten anpassen, die Medien berichten von Schiessereien. Kommt ein Wachmann ums Leben, verrichtet fortan ein anderer den Dienst und diskutiert über den Vorfall mit seinen Kollegen ...
Jede Handlung hat Auswirkungen und führt zu einer sich ständig ändernden, sich dynamisch anpassenden Welt.
So etwas.
Und was ist statt dessen? Die 'Reaktionen' der NPCs auf den Spieler reduzieren ich auf Gepöbel oder Protest, bestenfalls auf einen Polizeianruf bei allzu offensichtlicher Gesetztesüberschreitung. Das wars dann auch schon. Eben noch hatte eine Dame eine Beziehungstreit mit ihrem dunkelhäutigen Freund, den sie zu einer Ohrfeige drängte. Am nächsten Tag das gleiche mit einem nun hellhäutigen Freund an genau der gleichen Stelle.
Die NPCs laufen ihre Routinestrecken ab. Erschieße ich einen, ersetzt ein neuer seinen Platz und setzt die Routine fort. Klaue ich das Auto, kommt er am nächsten Tag mit einem neuen. Geld kann ich nur von bestimmten NPCs klauen und dann hab ich keine Wahl, wieviel ich von wem abknöpfen möchte. Evtl. möchte ich ja einem Geringverdiener garkein Geld abnehmen, sondern ihm welches überweisen? Eingreifen, wenn der Grobian mit Schlägen droht? Die Drahtzieher und Handlanger des Prostitutionsringes, der junge Mädchen versklavt ordentlich bluten lassen? Miener Schwester mit Ihrem Sohn Geld schenken, oder ein Auto oder nur dem kleinen einen Teddy zum Geburtstag mitbingen? Fehlanzeige.
Die 'Verhindere Verbrechen'-Quests sind zu repetitiv, immer das selbe Mantra. Das nervt.
Dass die Spielerhandlung da überhaupt auch nur ansatzweise den Storyverlauf beeinflusst, geschweige denn zu unterschiedlichen Enden führt, kann man getrost ad acta legen.
Verstreht mich nicht falsch. Ich kann mich auch schon mal mit einem linearen Interaktiven-Actionfilm wubderbar beschäftigen und eine tolle Zeit haben. ABER, hierfür braucht es dann gute Indentifikation, vielschichtige Spannende Charaktäre mit einer mitreißenden Hintergrundgeschichte, in die ich mich einfühlen und mit denen ich mitgehen, mitfiebern, mitbangen - ja mitleiden kann. Und genau hier bleibt Watch Dogs zu blas, zu Oberflächlich. Das geht dann natürlich auch gehörig schief, wenn mann dramatisch auf die Tränendrüse drücken will.
Ich schätze, ersten bin ich kein Konsolengamer, zweitens komme ich mit dem linearen arcadigen nicht so klar -ich bin eher ein Rollenspieler.
Für mich ist Watch Dogs eine Entäuschung, da hatte ich mir weit mehr erwartet. Es ist nicht schlecht - das auf keinen Fall. Aber es ist auch kein Stern am Himmel, kein großer Wurf. Es ist kurzweiliger Baller-Spaß, ein Action-Spektakel - Unterhaltung wie im Film: linear ohne Eingriffsmöglichkeit.
Der überaus große Hardwarehunger erschließt sich mir garnicht.
Ich hatte mir sowas wie 'Blade Runner' mit seinem alternativen Storyverlauf gewünscht; eine so dynamische Umwelt, wie sie 'Kingdom Come: Deliverance' plant. Eine Welt, in der ich mich frei entfalten kann und verschiedensten Berufen nachgehen. In der ich vom Wrack in der Gosse, über den Untergrund-Ganoven, vom ausgestoßenen Rächer bis hin zum rechtschaffenen Expolizisten alles sein kann. Sowas muß doch heutzutage machbar sein. (Natürlich nicht für Konsolen, die kriegen ihr Arcade-Geballer, ihr Last-Gen Game für einen gesalzenen Preis).
[Ich denke, das ist es, worin sich das Gros der Konsolen-Spieler und PC-Spieler weitestgehend voneineander unterscheiden: die einen wollen Unterhaltung und bombastische aktionlastige Kurzweil : der interaktive Unterhaltungs-Film in den sie als Protagonist eintauchen; die anderen wollen Freiheit, Simulation und Entfaltungsmöglichkeiten : eine lebende virtuelle Welt, in der sie interagieren, sich entfalten und die sie mitgestalten - einen Sandkasten]