Wenn die besagte Kanzlei nur international arbeiten würde und der Kundenstamm EU-weit oder auf der ganzen Welt verteilt wäre, würde man das ganz anders sehen.
Der Gedanke ist ähnlich absurd wie ein Verkäufer von Hochseeluxusyachten im Erzgebirge, bedenkt man allein die Unterschiede, wie Gerichte alleine innerhalb Deutschlands Sachverhalte handhaben.
Und Menschen haben eine Sozialisierung, die sich idR. mit zunehmendem Alter auch immer stärker lokal orientiert. Und dies ist in jüngeren Generationen eher noch stärker als denn schwächer ausgeprägt, Stichwort höherer Individualitätsdrang. Auch Highperformer streben heutzutage außerdem zunehmend mehr als nur die Arbeit an - einerseits weil es dem Networking enorm hilft, andererseits ist es gesellschaftlich heute weniger verständlich zu machen, nur für die Arbeit zu leben. Es wirkt schlicht befremdlich, ja gar abschreckend, da es meist mindestens unterbewusst gleichbedeutend mit dem auch nur theoretischen Fehlen einer gemeinsamen Basis gleichsetzbar ist.
Es wirkt außerdem ziemlich absurd, dass du meinst, dass sich jede geistige Tätigkeit international ausrichten und per Skype erledigt werden kann. Der Gedanke an sich ist auf dem ersten Blick sinnvoll - aber warum wohl gehen Menschen zunehmend von dem rein digitalen workplace weg? Weil die Menschen dabei einfach viel weniger produktiv sind. Es gibt mehr Missverständnisse in der Kommunikation, einen höheren Krankenstand, höhere Distanz zwischen den Mitarbeitern schafft wiederum weniger Corporate Identity und und und... es ist nicht so, dass diese Wirkungen nicht erforscht sind und Unternehmen da nicht die letzten Jahre in Massen krachend den Rückwärtsgang eingelegt haben.
Und davon gibt es immer mehr. Immer mehr Stellen sind vom Ort unabhängig, flexibel was Zeitzonen angeht usw. Und die werden ausgelagert. Selbst ein ganzes Callcenter lagern die Firmen mittlerweile aus. Warum? Na weil das halt Sinn macht, betriebswirtschaftlich. Und sehr viele Leute sind mittlerweile zum Umzug bereit. Gerade jüngere Leute die eine steile Karriere hinlegen, sind oft flexibel was ihren Wohnort angeht.
Du, ich rede hier nicht von Callcentern, die du problemlos irgendwo in die Pampa knallen kannst und welche eine bestenfalls rudimentäre Infrastruktur benötigen. Und mit einem Callcenter lockt man exakt niemanden, sondern bietet Standardleistungen nahe am Mindestlohn in einem hochgradig kompetitiven Markt. Man kann über Skype eine Klitsche von vielleicht 30 Personen international managen, letztlich aber ist jedes Unternehmen über 50 Mann ohne festen Standort und Stammpersonal eines: ineffizient. Jeder, der schon mal ein Skypemeeting mit >5 Personen gleichzeitig hatte, der weiß auf Anhieb, was ich meine. Das geht maximal mit der Managementebene, mit allem darunter geht das einfach nur kolossal schief, wenn es nicht gerade um Ankündigungen oder sonstige one-way-Kommunikation geht, bei der keine Debatte erforderlich ist.
Weiter sucht man erstens "junge Leute mit steilem Karrierewunsch" eine ganze(!) Weile, wenn die auch noch was drauf haben sollen und nicht lediglich der Sprössling des hohen Vaters ist, der seine eigenen Karriererfahrungen im Zuge einer späten Midlifekrise auf den Nachwuchs projiziert. Zweitens wollen auch die es irgendwann etwas ruhiger angehen lassen.
Man sollte sich halt in allen Bereichen umsehen, nicht nur in dem, wo man selbst arbeitet. Vor allem sollte man nicht warten bis einem die Realität in den Hintern beißt.
Ja, was kann dir jemand mit >15 Jahren Erfahrung in der Unternehmensberatung in verschiedensten Branchen und Arbeitsfeldern schon von alltäglicher Unternehmensführung, strategischen & operativen Unternehmensentscheidungen sowie deren Entscheidungsgrundlagen vermitteln.
Mehr als dir zu sagen, dass deine Vorstellungen jedes Unternehmen einer gewissen Größe hierzulande schnell und radikal in die Ineffizienz treiben würde, kann und werde auch ich an der Stelle nicht machen.
Schönes Wochenende an der Stelle, auf mich wartet ein Wochenende am Cospudener See in der Heimat.