Ich höre mir schlussendlich aber gerne deine Erfahrungen an > wie gehst du vor, damit jene Menschen Selbstreflektion betreiben?
Bisher habe ich ein paar Wege, die bei solchen Diskussionen gut (aber leider nicht immer) funktionieren:
- Nachfragen, was genau einen an etwas stört bzw. was genau man nicht glaubt
Nicht nur, weil man oft aneinander vorbei redet, sondern auch, weil sich viele Leute erst dann klar werden, was genau sie stört (oder dass es eigentlich keinen rationalen Grund haben und sich einfach emotional verrannt haben).
- Erzwingen, beim Thema zu bleiben
Oft führen Diskussionen zu nichts, weil (mindestens) eine Seite immer wieder auf andere Punkte wechselt.
Dadurch kann man nicht in die Tiefe gehen und bleibt bei oberflächlichen Themen, bei denen dazu noch die Aussagen schwer nachzuprüfen sind
- Rhetorische Stilmittel (er-)kennen
Viele Diskussionen entarten dadurch, dass bestimmte rhetorische Mittel genutzt werden, die vom eigentlichen Thema ablenken.
Hängt mit dem Punkt davor zusammen, ist aber speziell genug, um extra drauf zu achten.
Typische sind z.B.
ad hominem,
Scheinkausalität oder
Whataboutism.
- Fakten nachprüfen
Wenn Leute Fakten vorlegen (häufig mit Wiederholungen von Phrasen wie "Fakt ist"), diese auch nachprüfen.
Wenn Quellen vorgelegt werden, diese prüfen - ist sie allgemein glaubwürdig, was hat die Quelle zu gewinnen durch ihre Meinung etc.
- Hintergrundinfos geben
Mir ist aufgefallen, dass z.B. viele Leute ein extrem falsches Bild von dem "Beruf" des Forschers bzw. Wissenschaftlers haben.
Die sehen dann eine kleine Gruppe Weißkittel, die im kleinen Rahmen Dinge entscheiden, und alle anderen das so zu glauben haben. Hollywood sei Dank.
Da kann es helfen, zu erklären, dass wissenschaftliche Prozesse prinzipiell von fast jedem Studenten oder wissenschaftlich interessierten Laien nachvollzogen werden können, da die allermeisten Studien offen verfügbar sind.
- Schwarz-Weiß-Denken durchbrechen
Nur, weil ein Teil von etwas schlecht ist, heißt es nicht, dass dadurch alles, was damit zu tun hat, auch schlecht ist.
Ein aktuelles Beispiel ist die Tatsache, dass aktuell die Gastronomie und Kulturschaffenden kaputt gehen, weil man keine Gäste haben kann, und dass die Politik da zu wenig hilft.
Das mag ja wahr sein, das heißt aber nicht automatisch, dass deswegen alle Maßnahmen unsinnig und übertrieben sind.
Ein Unterpunkt hiervon ist die Einsicht, dass man Dinge gleichzeitig richtig und scheiße finden kann.
Ich z.B. finde den Lockdown extrem anstrengend und scheiße, gleichzeitig glaube ich aber auch, dass er sinnvoll ist und teilweise noch strikter durchgesetzt werden sollte.
Das Wichtigste an all dem ist aber, was du auch schon erwähnt hast:
Man muss offen und freundlich bleiben.
Ein "Du erzählst doch nur Quatsch" oder "Du glaubst auch jeden Mist" hilft niemandem.
Aber mit "Hab ich so noch nicht gehört. Hast du da ne Quelle zu, damit ich mir das genauer durchlesen kann?" kommt man deutlich weiter.
Das war ein "kurzer" Abriss von dem, was mir spontan dazu einfällt

Ich hoffe, gegen das Offtopic hat hier keiner was.