Darauf muß sich auch eine Baufirma erstmal einlassen. Bin mir nicht sicher, ob die da mitspielen, zumal bei großen Pojekten auch erstmal Material und Maschinen angekauft werden müssen. Wenn es Geld erst nach Leistung gewisser Bauabschnitte gibt, kann es gut sein, daß es eben gar keine Bauabschnitte gibt. Die finanzielle Überlebensfähigkeit seiner Firma wird so schnell niemand freiwillig aufs Spiel setzen.
Irgendwer muss irgendwann ein gewisses Risiko tragen, das stimmt. Derzeit ist es zu 100% der Staat, in Zukunft teilweise die Firmen. Dass das für die ein Rückschritt gegenüber der jetztigen "also Betongerippe haben wir fertig, aber wenn noch ein Dach drauf soll, muss nochmal soviel gezahlt werden, denn Geld ist alle"-Prinzipes ist, ist klar - und Sinn der Sache. Je nach Unterteilung sollte das Risiko aber handhabbar sein, es sind ja keine 10-Mann-Firmchen, die ein Konzept für ein Milliardenprojekt unterbreiten.
Einer der beliebtesten Gründe für explodierende Baukosten scheint sowieso immer wieder eindringendes Grundwasser zu sein, d.h. man merkt sehr früh, dass da was nicht nach Plan läuft. (Im aktuellen Schema aber eben trotzdem erst nach Vertragsunterzeichung und Zahlungsgarantie in großer Höhe)
Und wie ich eigentlich schon vorhin schrieb: Der Anbieter wird eine Sicherheitsmarge einkalkulieren, die über den tatsächlichen Kosten liegt. Im Endeffekt fährst Du mit so einem Konzept der Fixkosten also im Schnitt immer teurer als mit dynamischen Nachzahlungen.
Bei gleich seriös kalkulierten Kosten würde das stimmen - aber nicht viel teurer, denn genau das ist der Punkt, wo ein Unternehmer seine Konkurrenten unterbieten kann (weswegen ich ja bei einer schlagartigen Einführung auch bei teuersten Projekten eine Reihe von Reinfällen erwarten würde, bei denen sich Firmen, die noch nie eine seriöse Rechnung anstellen mussten, mit unthaltbaren Dumpingpreisen anbiedern). Der Ist-Vergleich sind aber eben nicht seriös durchgerechnete, sondern schöngerechnete Vorschläge, bei denen selbst naheliegenste Risiken nicht berücksichtigt werden (um beim Wasser zu bleiben: Beispiel Berliner Hauptbahnhof alias "der See". Grundwasser ist in Berlin bei so ziemlich jedem Bau, der mehr als ein Kellergeschoss hat, ein Problem. Aber bei einem 7-8 Etagen in die Tiefe gehenden Bau mit umfangreichem Tunnelsystem kam es "überraschend" und führte zu "unerwarteten" Mehrkosten und Verzögerungen

). Denn das würde nur den Angebotspreis steigern (und damit die Chancen auf den Zuschlag gegen 0 senken), aber es hätte keinerlei Vorteile für die Firma, da sämtliche Nachbesserungen eh bezahlt werden. Mit Nachbesserungen wird das ganze dann aber deutlich teurer, als wenn man von Anfang an gründlich statt billig geplant hätte.
Einfaches Beispiel:
reine Projektkosten 1. Mio. Euro -> Sowas kann gut und gerne 1,3 Mio. im Endeffekt kosten. Das weiß auch der Bauunternehmer, der sich auf die Ausschreibung bewirbt. Da er keinen Verlust machen will, wird er keinesfalls ein Gebot unter 1,3 Mio. abgeben, sondern wahrscheinlich eher die Region 1,4 bis 1,5 anpeilen. Lautet das günstigste Angebot nun auf einen Fixpreis von 1,4 Mio., wird dieses angenommen und bezahlt werden. Wenn der Bau aber tatsächlich nur 1,1 Mio. gekostet hat, weil manche Dinge vielleicht nur unwesentlich teurer wurden, als man annehmen konnte, hat der Auftraggeber ganz pauschal 300.000 Euro zuviel bezahlt. Gut, den Bauunternehmer freut's. Aber ist das wirklich das, wo Du hinwillst? Kann ich nicht so ganz glauben...
Mach das ganze zweimal und der Konkurrenzunternehmer wird dir ein Angebot für 1,2 Millionen unterbreiten. (Das sich, wie ich unsere Finanzdienstleister kenne, aus erwarteten 1 Million Kosten und 0,2 Millionen Versicherungsbeitrag gegen etwaige Steigerungen zusammensetzt)
Schreibe es dagegen mit Nachzahlungen aus und du bekommst ein Angebot über 0,8 Millonen, dass dann für 0,5 Millionen nachgebessert werden muss und aufgrund der einhergehenden Verzögerungen nochmal 15% teurer wird.