Was diese Leute nicht tun, ist Dinge konkret umzusetzen.
Und das ist auch nicht ihr Job. Solche Posten werden von Leuten, in letzter Instanz immer von Politikern, geschaffen, die keine Ahnung von geschweige denn eine Lösung für eine Problemsituation haben, aber behaupten, sie wollen "etwas ändern". Was machen sie? Sie setzen jemanden hin, der erstmal beobachtet und berichtet und im günstigsten Fall Vorschläge ausarbeiten soll, was man denn ändern könnte. Der aber selbst nichts ändern darf. Und da es ein von Personen ohne Fachkenntnis und oftmals für neue Fragestellungen geschaffener Posten ist, ist die Wahrscheinlichkeit auch eher gering, dass die Personalentscheidung anhand von Fachkenntnissen getroffen wurde.
Hinzu kommt dann noch, dass sowohl überlastete Arbeiter als auch Beamtenmentalitäten in aller Regel eins am meisten hassen: Jemanden, der den Arbeitsablauf durch Änderungen stören will.
Auch mehr so eine alte Sichtweise vom Stammtisch. Jedenfalls passt das nicht so zur Wirklichkeit meiner Frau, deren Job eben Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung fast 20 Jahre lang war. Klar, man wird noch Papierwege finden, weil das dann gerne mal an veralteten Gesetzen liegt, die so etwas wie z.B. eine handschriftliche Unterschrift zwingend erfordern, doch in aller Regel gibt es verbreitet den Einsatz von E-Akten.
Also in meinem Bekanntenkreis gibt es Beispiele für ÖD, wo sich noch sehr viel um Papier dreht. Nicht unbedingt in Papierform, aber die E-Akten enthalten dann nur Scans. Eine direkte Arbeit mit Daten in Form einer Datenbank ist nur intern möglich, aber wie schon von dir gesagt: Für den gesamten Input und Output, der einen erheblichen Teil der Arbeit ausmacht, fehlen einfach allgemeingültige Formate. Ein PDF statt einem Fax zu verschicken spart dann lediglich ein paar Hilfsstelles im Sekretariat ein und 5 Minuten Hauspost. Dafür braucht man ein paar ITler für die Datensicherheit mehr (welche entsprechend höhere Gehälter verlangen oder deren Stellen gar nicht besetzt werden können) und die eigentliche Bearbeitung der Inhalte dauert natürlich weiterhin Stunden bis Tage, weil weiterhin jemand die Texte lesen und durchdenken muss, vollkommen egal wie sie übertragen werden.
Das ist das, was die ganzen "Digitalisierungs"-Fanatiker (auch in der Politik) nicht sehen: Die Hauptaufgabe von Behörden ist nicht die Verwaltung von Akten, sondern das Fällen von Entscheidungen mit entsprechenden Folgen, je nach Amt. Wenn beim aktuellen Lieblingsthemenkomplex der Populisten, Asylverfahren, in der Summe monatelang auf Dokumente aus dem Ausland, auf Gerichtsentscheide, auf Anwaltsantworten, etc. gewartet werden muss, dann machen in der Summe eine Stunde Handling von Papierakten mehr oder weniger einen großen Unterschied. Das ist ein "ferner liefen"-Problem, um das man sich zwar auch mal kümmern sollte, aber wer "Digitalisierung" als Lösung wichtiger Probleme propagiert, der beweist damit in aller Regel nur, dass er die Natur der Probleme überhaupt nicht kapiert hat. Eine entscheidende Arbeitserleichterung kann digitale Arbeit nur bei primitiven Massenaufgaben, z.B. Melde- oder Zulassungsstelle bringen. Aber oh Wunder: Genau da ist oft schon alles, was nicht die persönliche Identitätsüberprüfung erfordert, schon längst digitalisiert.
Das Land hat da eigentlich ein Onlineportal für. Bezeichnenderweise ist es zumindest mit meinem Firefox nicht aufrufbar.
"Digitalisierung" heißt für die Politiker von heute halt in der Regel: "Wer seine persönlichen Daten an Google, ggf. auch Apple, verschenkt hat, kann eine App dafür runterladen."
Ein weiterer Grund, hellhörig zu werden, sobald irgend ein seiender oder wannabe Minister das Wort in den Mund nimmmt.
Auf der Wahlkarte war ein QR Code für den Antrag. Der funktioniert nur nicht. Daher Postweg.
Das ist dann aber schon ein Problem in vierter Ebene:
1. Es gibt einen Vorgang, bei dem ein digitaler Weg möglich ist.
2. Es ist ein Vorgang, bei dem ein digitaler Weg tatsächlich Aufwand einsparen würde.
3. Ein digitale Abbildung des Vorgangs wurde vollzogen.
4. Blöd: Das Ergebnis ist verbuggt. Wie so oft, wenn man IT aus Kostengründen will, denn fehlerfreie Software ist i.d.R. alles andere als bezahlbar.
Funfact 1: Der QR-Code auf meiner Wahlbenachrichtigung funktioniert ist so klein gedruckt, dass ich reinzoomen muss, damit die Kamera ihn als solchen erkennt, bevor die Naheinstellungsgrenze erreicht ist.
Less fun fact 2: Die dann aufgerufene Webseite beginnt mit der Zeile "Derzeit gibt es keine Wahlen, für die Briefwahlunterlagen beantragt werden können". Erst wenn man mehr als einen Viewport nach unten scrollt, sieht man, dass man schon im Formular zur Beantragung für die Bundestagswahl ist. Aber die meisten Leute werden wohl eher direkt schließen.
Absolutely not funny fact 3: Die QR kodierte URL ist nirgendwo im Klartext abgedruckt. Wer kein (aktuelles/sicheres) Smartphone hat, wird mal wieder komplett von der Digitalisierung ausgesperrt. Obwohl der Vorgang auch an jedem PC funktionieren würde. (Aber natürlich nicht an jedem Browser oder mit allen Sicherheitseinstellungen. Javascript, für einfache Textfelder absolut überflüssig, ist z.B. schon mal Pflicht.)