AW: Star Citizen: Crytek lässt Klage fallen - vorerst
Weiß eigentlich jemand, ob CIG die Lizenzgebühren für die nicht mehr genutzte CryEngine in vollem Umfange bezahlt hat?
würde also bedeuteten dann man "einfach eine Quest" in Star Citzern einbauen könnte die SQ42 heist? Läuft über den gleichen Launcher und somit ist es "ein" spiel.
Das wäre möglich und würde der Sichtweise von Crytek entsprechen. Allerdings verpflichtet der verlinkte Vertrag CIG dazu, CryEngine, etc. auch tatsächlich in diesem einen Spiel zu promoten und verbietet umgekehrt alles, was einer Konkurrenzengine förderlich sein könnte.
Wer weiß, welche außergerichtliche Einigung im Hintergrund auf der Zielgeraden ist.
Für Crytek sind Star Citizen und dessen Spinoff als Referenz mindestens ebenso wichtig, wie sie die Kohle gut gebrauchen können, während Cloud Imperium Games so weit im Projekt nicht auf Lizenzstreitigkeiten, wohl aber auf den umfassendem Support Wert legt.
Kurz, beide profitieren sehr davon, sich zu vertragen.
CIG braucht und bekommt praktisch keinen Support mehr von Crytek, da sie ja mit Amazon-Technik arbeiten. Genau das ist das Problem Cryteks: Der einzig verbliebene große Kunde und das einzige Aushängeschild für die CryEngine sind weg und promoten stattdessen Lumberyard. Wenn die Liste in Wikipedia vollständig ist, dann sind 2019 Sniper: Ghost Warrior Contracts und Pandemic Express (early access) auf Basis der Cryengine erschienen und nächstes Jahr folgt noch Alien Cube. Absolute AAA-Blockbuster-Vorzeige-Titel, oder? Ich gebe zu, dass ich gar nicht mehr versuche, Alpha-Versionen und Ankündigungen zu überblicken, aber die einzigen noch mit der CryEngine assoziierten Titel, die einen gewissen Bekanntheitsgrad haben, sind BattleCry und Star Citizen. Ersteres liegt seit Jahren auf Eis, das zugehörige Studio hat seitdem an der Creation Engine und Fallout 76 gearbeitet und nebenbei einen nennenswerten Teil seines Personals verloren. Ich würde sagen:
Wenn Crytek überhaupt noch einmal was für die CryEngine bekommt, dann wegen Star Citizen.
Das liegt aber daran, dass man damit einfach einen abstrusen Vorwurf CryTek völlig unreflektiert wiedergegeben hat. CIG hat 2016 von CryEngine auf Lumberyard umgestellt. Das ist Fakt. Lumberyard ist aber faktisch auch ein Fork der CryEngine und war damals sehr sehr ählich zur CryEngine 3.5 die auch CIG damals verwendet hat. Der Umstieg war also recht einfach. CryTek versucht nun es so hin zu drehen, dass CIG niemals die Engine gewechselt habe, weil der Code fast identich ist. Für mich zweifelhaft ob man das Rechtlich so sehen kann.
Das werden die Gerichte klären müssen, allerdings könnte Crytek in beiden Fällen als Gewinner vom Platz gehen, spätestens in einer Folgeklage: Im oben verlinkten Vertrag lese ich nämlich "Licencsee ... shall not ... engage in ... supporting, maintaining, promoting, selling or licensing any game engine ... which compete with CryEngine ..."
Das heißt wenn CIG Werbung für Lumberyard machen (z.B. im Vor- oder Abspann oder auf Pressekonferenzen erwähnen, was sie machen), Lumberyard weiterentwicklen (was sie ständig machen) oder auch nur lizensieren dürften sie gegen den Lizenzvertrag verstoßen, es sei denn Lumberyard wird nicht als Konkurrent, sondern als Teil der CryEngine gewertet.
Das Gericht könnte es aber so sehen, dass es keinen Unterschied macht, ob das Spiel fertig ist. Ansonsten müssten ja alle Titel, die über Vorbesteller verkauft werden, auch frei von Engine Lizenzgebühren sein. Die sind ja auch nicht fertig. Ein Starterpaket ist ja keine Spende, sondern schon eher mit Vorbestellung vergleichbar. Denke ich zumindest mal.
Ich finde das ziemlich schwierig einzuschätzen. Sollte Crytek Geld bekommen, wäre es trotzdem eine Schweinerei. Ich werde dann auf jeden Fall noch ein kleines Schiff kaufspenden und hoffe, dass das viele Backer machen, die noch ein paar € entbehren können. Nur um Crytek den Vogel zu zeigen und die Verluste für CIG mit abzufedern.
Der verlinkte Vertrag scheint keine Stückzahl-bezogenen Gebühren zu enthalten. Also ist es eigentlich egal, was wann verkauft wurde. Unabhängig davon würde man eher die Auslieferung betrachten, denn dem Lizenzgeber ist es immer egal, ob Produkte für 0 Euro verschenkt oder tatsächlich verkauft werden.
Das ist wohl das letzte Rückzugsgefecht von Crytek. Sicher ist schon heute das Crytek sich mit der Klage keinen Gefallen getan hat: die Kosten des Rechtstreites übersteigen schon heute die Summe die ev. doch noch für Crytek rausspringen könnte.
Ev. sind die Kosten des (verlorenen) Rechtstreites der letzte Sargnagel für Crytek und das ganze endet mit einer Übernahme samt Abwicklung von Crytek durch Amazon oder CIG.
Wenn Crytek auf ganzer Linie gewinnt, muss CIG die Verfahrenskosten tragen.