Ich habe schon eine Firmenpleite hinter mir, war hochverschuldet (> 1Mio. E) und arbeitslos.
Ich weiss ganz genau wie es ist, nicht zu wissen, woher der Euro für ein McDoof Burger herkommen soll.
Evtl. sogar besser als Du, wenn du so eine Krise noch nicht durchgemacht hast.
Ohhh nein, du weißt rein gar nichts, nur weil du durch dein Pleite gegangen bist, weil das ist kein Vergleich dazu wenn man schon mit miesesten Chancen / Vorraussetzungen in das eigene Leben starten muss!
Ja, zum Glück ist mir das persönlich erspart geblieben, aber ich weiß sehr genau was das bedeutet, wie das aussieht und die Konsequenzen davon für solche Personen sind, weil ich es fast täglich bei einem ehemaligen sehr guten Schulfreund miterleben konnte und kann!
Also wollen wir mal "Klartext" reden, willst du mal wissen wie sich sowas für solche Betroffnen Menschen wie meinen ehemaligen Schulfreund äußert?
In der DDR zur Welt gekommen, in eigentlich keinen so wirtschaftlich und sozial schlechten Elternhaus, Vater gelernte Maurer, Mutter gelernte Bürokauffrau, mit eigenen Haus in irgend einem kleinen Dorf am Ende der Welt.
Eltern gehörten zu den Wendeprofiteuren, Vater Mitte der 1990er Jahre mit eigener irgendwas um die 200 Mitarbeiter Firma Pleite gegangen, Trennung der Eltern im schlechten, da war er irgendwas um die 7 Jahre.
Mutter nimmt beide Kinder aus der Beziehung mit, unterbindet Kontakt zum Vater.
Mutter sucht sich einen neuen Lebensgefährten, welchen sie 1 Jahr nach Trennung auch in die Wohnung holt.
Der neue Lebensgefährte steht auf Erziehung ganz alter Schule, wo es für jeden Scheiß eine setzt, schon alleine wenn du bei den Hausaufgaben nach seinen Maßstäben "zu langsam bist".
Mutter unterbindet das nicht und zieht auch keine Konsequenzen für die Beziehung daraus.
Mit etwa 10/11 Jahren haut mein Schulfreund ab zu seinen Vater, ewig langer Sorgerechtstreit, wie das bei sowas dann ist entsteht, mit zwischenzeitlichen Zwang durchs Jugendamt das mein Schulfreund zeitweise sogar wieder zurück zur Mutter und deren Lebensgefährten muss.
Mit 12/13 rum verzichtet die Mutter auf das Sorgerecht, äußert dem Jugendamt gegenüber das sie sowieso nicht mehr wüsste was sie sich noch mit ihren Sohn zu erzählen habe und bricht den Kontakt vollständig ab.
Der Vater war aber auch ein ziemlich heftiger Choleriker der viel gearbeitet hat und generell nicht der einfühlsamste Mensch war, aber wohl zumindest nicht zu physischer Züchtigung neigte (traurig im Grunde wenn man das schon als Verbesserung betachten muss, vor allen bei dem was noch folgt).
Mit 13 rum ist auch das väterliche Elternhaus wegen defekten Kabel im Obergeschoss ausgebrannt, danach bestanden fast alle Wochenenden und Ferien für meinen Schulfreund nur noch aus Abeit mit seinen Vater, das wieder in Stand zu setzen, kaum noch eigene Freizeit, oder Möglichkeit Zeit mit anderne Altersgenossen zu verbringen (hab ihn nur selten mal außerhalb der Schulzeit getroffen und das auch nur in der Woche, an Wochenenden / Ferien was machen konntest nie mit ihm nie).
Vater ist irgendwann dann auch nochmal mit einer zweiten Firma Pleite gegangen.
Hat danach über die schon relativ alte Großtante eine GmbH aufgemacht, welche die Großtante als Gesellschafter halten musste und wo der Vater als Geschäftsführer waltete und schaltete.
Mit 18, nach der Schule, hat der Vater dann die GmbH auf meinen Schulfreund als Strohmann überschrieben.
Da war mein Schulfreund auch bereits völlig abhängig vom Vater gemacht worden, billiger Arbeitsknecht, kein eigenes Konto, kein eigenes Geld, kein Führerschein, keine Ausbildung, keine sozialen Kontakte abseits vom Vater und der Oma, auf einem Dorf wo du ohne Auto nicht weg kommst (Bus abgesehen vom Schulbus 1x die Woche), kein eigenes Telefon.
Musste die kranke Oma (Mutter vom Vater) komplett alleine pflegen (Pflegestufe 3).
Selbstmordgedanken, versuchter Suizid, schwere Depressionen aus dem ganzen Mist als Folge in den folgenden Jahren, keine Hilfe durch den Vater oder irgend jemanden, nur immer weiteres ausnutzen (bescheißen des Arbeitsamtes auf seinen Namen, Kreditkarten, Telefonverträge, Leasingvertrag für Auto, usw. usf, natürlich alles vom Vater genutzt und alles nicht durch diesen bezahlt worden).
Als er 21 rum war ist ist die Oma verstorben, ist dann von Zuhause abgehauen und stand plötzlich eines Tages bei mir vor der Tür und bat mich um Hilfe.
Hab ihn dann geholfen an die richtigen Hilfestellen zu kommen, Jugendhilfeeinrichtung, betreutes Wohnen sind dann die nächsten Jahre gefolgt.
Einfacher war es da auch nicht, wirtschaftlich war er schon im Grunde mit etwa 18 durch den Vater vollständig ruiniert worden (mehrere zehntausend Euro Schulden, vieles davon Steuerschulden (keine Chance mit private Insolvenz) durch die GmbH, keine Unterlagen um dem Vater irgendwas nachzuweisen, Schufa Score von irgendwas um die 5 Score Punkte.
Irgendwann dann über das betreute Wohnen in eine eigene Wohnung, absolute runtergekommene Siffbude, fast genauso schlimm wie die die man aus den Reportagen zu irgendwelchen Vermietern kennt, die eigentlich nicht mehr vermietbare Buden an osteuropäische Zigeuner vermieten.
Hat dann mit Mitte 24 trotzdem eine Ausbildung über den zweiten Bildungsweg gemacht, hatte aber niemand der ihn finanziell unterstüzen konnte, ab dem zweiten Ausbildungsjahr dann auch mit etwa 100 Euro weniger als ein ALG 2 Empfänger im Monat, da mit 25 der Anspruch auf Kindergeld weggefallen ist.
Heißt letzte Woche bis 1 1/2 Wochen im Monat waren über 2 Jahre kein Geld mehr für irgendwas da, hatte keinen der ihm finanziell unter die Arme greifen konnte (Auszubildene hatten damals keinen Anspruch auf ALG II nur auf Zuschuss zur Miete, hab zumindest dafür gesorgt das er nicht hungernd in die Ausbildung muss, niemand sollte unverschuldet hungern müssen, alleine das ist ein absolutes Armutszeugnis für dieses Land).
Er hat es trotzdem geschaft seine Ausbildung mit einem 3er IHK Abschluss abzuschließen, ist aber seitdem arbeitslos, weil niemand einen schwer depressiven Typen will der suizidale Tendenzen hat und wirtschaftlich vollständig ruiniert ist, was zu ersteren genannten Dingen führt.
Die letzten paar Jahre jetzt hast auch richtig gemerkt wie er immer mutloser geworden ist und innerlich im Grunde aufgegeben hat, Sch*eiße da werd ich direkt schon wieder sauer auf dieses System und das sowas einem Menschen hier überhaupt passieren kann ohne das es irgend einen Arsch interessieren würde, oder man dagegen was machen kann (12 Jahre versucht diesen Mist irgendwie zu entwirren und gelöst zu bekommen, kannst vergessen).
Aktuell ist er stationär in Behandlung, heißt wenn bisschen bla bla und Medikamente gegen Depressionen, lösen tut es nichts, im Grunde nur Sympthombehandlung und danach steht er mit den Ursachen der Symtphome trotzdem für sein weiteres Leben alleine da.
Soviel mal dazu, habe versucht diesen ganzen Mist irgendwie verständlich runterzubrechen und jetzt erzähl mir doch nochmal wie so ein Mensch wie mein Schulfreund hier, mit um die 21 Jahren irgend eine verdammte Chance in seinem Leben hatte daraus wie ein Gates oder Musk was machen zu können und "seines eigen Glückes Schmied werden soll", ich bin ganz Ohr!
Im Grunde ist sein verdammtes Leben ruiniert und für dieses System existiert er nicht, bzw. ist er selbst daran Schuld, während sein Alter sich Schuldenfrei einen ablachen kann und die Mutter sich schon in seiner Kindheit aus der Verantwortung gestohlen hat!