AW: Spieleentwicklung: Branchenveteran hält 80-Stunden-Woche für legitim und erntet Kritik
Was für ein Quatsch...
Schwarze Schafe? Ich hab 5 oder 6 Lehrer im unmittelbaren Bekanntenkreis, nicht einer arbeitet auch nur annährend 80 Stunden. Nichtmal 60 Stunden in der Woche. Was für Vorstellungen hast du bitte von diesem Beruf.
Immer dieses Schwachsinnsargument: ich habe einen Lehrer schon mal auf der gegenüberliegenden Straßenseite gehen gesehen, ich weiß also, er arbeitet keine 60h.
Das kommt meistens von Leuten, die eine Schule nie über die Pflicht hinaus von innen gesehen haben. Und das sinnerfassende Lesen ist auch nicht so deins, aber dazu kommen wir noch:
Erklär mir das bitte mal: du hast 24h die Woche Unterricht, dann hast du 4h Bereitschaften, Sprechstunde, Bürokratische Verpflichtungen, Klassendienste einteilen/Klassenbuch führen (das dauert etwa als KV schon so einige Zeit). Man sitzt also mal leicht 30h die Woche in er Schule.
DANN kommen wir mal zum Unterricht: eine Stunde unterricht muss man genauestens vorberieiten. Wenn eine Stunde nicht so läuft wie geplant, muss man sich die Vorbereitung erneut überlegen. Außerdem natürlich nachbereiten (das heißt: Hausübungen absammeln, kontrollieren, Feedback geben). Das erklärst du mir jetzt mal wie das geht:
Beispiel: ich unterrichte Deutsch in der Oberstufe in 10 Klassen á 2 Stunden. Also habe ich jede woche 20 Hausübungen(2HÜs pro Klasse) zu kontrollieren (à 500 Wörter). Außer ich geb' nix auf, dann lernen die halt nix, weil in der Schule starren sie hauptsächlich in die Luft.
Also haben wir 20 Hausübungen von (in jeder Klasse nehmen wir an sitzen ca 25 SchülerInnen) x500 Wörter. Also 25x20x500 jede Woche. Da sind Schularbeiten, Tests usw natürlich nicht miteingerechnet.
Also du würdest das jetzt alles was vorne beschrieben ist locker in 10h schaffen? Schwachsinn.
Dann kommen noch Schülergespräche, Elterngespräche dazu (außer man will sich nicht um die SchülerInnen kümmern).
Also du magst 5 LehrerInnen kennen, ich kenne 120 und ich kann dir sagen keiner geht unter ner 60 Wochenstunde durch - außer die, die kurz vor der PEnsionierung stehen und nicht mehr wollen, oder die die Turnen und Zeichnen (oder ähnlich) unterrichten. Aber davon sprach ich ja nicht. Der motivierte Junglehrer fängt in den meisten Ländern mit einem Minimalgehalt an. Du redest stehts vom Höchstgehalt, das heutzutage kaum mehr jemand kriegt, weil die ver-beamtung aufgehört hat. Die Junglehrer, sofern sie denn überhaupt volle Stunden kriegen, kommen anfangs leicht über 80h.
Korrigieren, Kontrollieren, Vorbereiten, Nachbereiten, Protokolle, Klassenbücher, sich um 25-30 Kinder kümmern wo die Eltern oft schon mit 1-2 überfordert sind (hier kommt hinzu, dass man sich in seiner "Freizeit" enorm oft Gedanken macht, wie man mit diversen Problemen und SchülerInnen umgeht) usw usf... wer das alles nicht sieht ist einfach blind. Oder dumm. Oder beides.
Ja, ich träum mir das zusammen, die Statistik lügt nicht wahr? Versuch mal als Lehrer eine "Arbeitsunfähgikeitsversicherung" abzuschließen. Weißt du, die gilt dann gegen alles: Schwere Verletzungen usw usf.
Weißt du gegen was sie nicht gilt? "Burnout".
Ruf mal wo an und frag nach. Macht dir keine Versicherung. Und warum? Weil Lehrer eben die am höchsten Burnoutgefährdete Berufsgruppe sind.
Also du magst Lehrer irgendwie kennen, aber ich lade dich höchstpersönlich zu mir in die Schule ein. Du bereitest den Unterricht Minutiös vor, du trägst ihn vor, du interagierst mit den SChülerinnen, du machst die Wissensüberprüfung, die Elterngespräche oder Vorbereitungen, die Protokolle, schreibst die Tests/Schularbeiten, kontrollierst diese... oh und das alles für eine Doppelstunde die du dann halt 2-3 Wochen von mir bekommst.
Ich schaue dir gerne zu, gebe Feedback was du alles gut oder noch nicht ganz so gut gemacht hast, um es beim nächsten Mal zu verbessern... Wetten du brauchst nicht nur die kolportierten 2h, sondern eher 6-8?
Wenn du dich wirklich traust, können wir das nämlich tatsächlich machen. Ich nehms auf Video auf und stells hier dann zur Verfügung, damit sich auch die anderen Member hier ein Bild davon machen können, wie es ist als außenstehender "einfach mal so" zu unterrichten.
Du kriegst dann auch gerne mein Gehalt dafür.
Und was deine Gehaltsvorstellungen angeht, Lehrer verdienen im Vergleich zur Bevölkerung in Deutschland verdammt gutes Geld. Und nicht nach 30 Jahren... Mit Verbeamtung A13... das sind >3000 netto im Monat.
Die Mär dass sich Lehrer totarbeiten, dass ich nicht lache. Beamtenstatus, damit unkündbar, A14 vorprogrammiert. Der Job hat seine Hürden, keine Frage, aber SO wie du es darstellst ist es definitiv nicht.
Beamtenstatus hilft dir wenig. Denkst du die 30 SchülerInnen die unterrichtet werden wollen interessiert dein Status? Wenn du einen schlechten Unterricht machst, werden Kinder unruhig und machen dich mit der Zeit fertig. Siehe Burnout. Ja Burnout ist nicht dasselbe wie tot... aber so viel besser ist es dann auch nicht.
Zum Gehalt: Meine ersten 4 Jahre 2LL2 Vertrag, 17 Unterrichtsstunden (20 Stunden sind das Äquivalent zu 38.5 Wochenstunden in der Privatwirtschaft), 1060€ Netto im Monat. Kann ich auch belegen du Schlauberger.
Dann ab dem 5. Jahr 2L1 Vertrag, da bin ich bei 1600 dann (20 Stunden), +300 Sonderzulage (Mangelfach, KV, Vertrauenslehrer).
So wie du das berichtest, war das vielleicht mal vor 40 Jahren, vielleicht noch vor 20, aber ein halbwegs junger Mensch hat heute längst nicht mehr diese Konditionen. Da können wir auch gleich von einem Postler reden, der um 10 von der Arbeit zu hause war (in der guten alten Zeit) und bereits 1 Promille hatte.
Der Spruch, am Ende verdient man als Lehrer ganz ok... ist dermaßen lächerlich wenn man sich das Durchschnittseinkommen in DEU und die derzeit grassierende Debatte über Altersarmut mal ansieht UND dann noch erkennt was Lehrer tatsächlich bekommen.
Wieso vergleichst du es ständig mit dem Durchschnittseinkommen? Was stimmt mit dir nicht? Wir reden hier von AKADEMIKERN. Derselbe Status wie Ärzte oder Dipl. Ing. usw. Aber halt einen wesentlich geringerem Gehalt.
Und zu deinen Gehaltsvorstellungen, klar 200.000€ Brutto (was man braucht um das dreifache eines verbeamteten Lehrergehaltes zu bekommen) macht man mal eben locker. Und am besten noch im ersten Jahr in der freien Wirschaft.
Das haben vllt 2% der Arbeitnehmer in ganz DEU, wenn überhaupt.
Also ich sprach von meinem Studium, und das kriegen bestimmt keine 2% in Deutschland hin, somit finde ich es nur angemessen, dass ich mehr als diese 2% verdiene. Außer diese 2% haben alle Informatik bis zum Dipl.Ing oder PhD studiert... aber nö, das sind beim kurzen Google cheken nicht 2%.
Und wenn du dir das Brutto Einstiegsgehalt eines vernünftigen Informatikers ansiehst, bist du schnell bei 110/Stunde (Brutto). Dabei rede ich halt nicht vom Lehrling der Computerfachmann gelernt hat.
Sorry aber ich glaub dir nicht ein Wort.
Du kannst dir weiterhin die Zahlen alle schöndenken, aber ich spreche von inzwischen 8 Jahren Berufserfahrung, während du nur "Leute kennst" und vielleicht irgendeine reißerische Boulevardzeitung liest, die in den Überschriften stets erwähnen wie viel der böse Lehrer doch verdient wenn er in Pension geht (aber keine von diesen schreibt, dass man die ersten paar Jahre einen Hungerlohn hat. Denn wenn man das Glück hat und fast vollbeschäftigt einsteigt (siehe oben), ist das was man kriegt immer noch nicht viel... in der "Probezeit" quasi. Und dann kriegt man aber meist keine 20 WE, also kannst gern mal von 10 ausgehen. Die ersten 5 Jahre an einer Schule, speziell in Gebieten außerhalb von Deutschland (in Dtl kriegt man etwa 20-25% mehr noch als im ansonsten gleichen Österreich) kriegst die ersten paar Jahre ungefähr so viel wie eine Putzfrau. Bzw in meinem Fall weniger.
Selbst wenn einem die 80 Stunden gut vergütet werden - was will man dann mit der Kohle noch anfangen? Bei einem Tagesablauf ausgehend von 11,4 Stunden pro Tag und damit einer 7 Tage-Woche...
- 6 Uhr aufstehen
- 7 Uhr zur Arbeit fahren
- 7:30 Uhr ankommen
- 19:30 Uhr nach Hause fahren
- 20:00 Uhr ankommen
- bis 21 Uhr Essen
- spätestens 22 Uhr schlafen gehen
... lebt man nur noch für die Arbeit. Da bringt mir ne tolle Wohnung oder ein Haus auch nix...
Man sollte froh sein, dass hier in Deutschland 40 Stunden-Wochen üblich sind und wir keine japanischen Verhältnisse haben. Ein Mensch ist keine Maschine und braucht seine Freizeit... Sei es rein für Hobbies, Erledigungen wie Einkaufen, Behördengänge oder soziale Dinge, vorallem natürlich Familie....
Also meine Frau unterrichtet nun seit 10 Jahren 2 Hauptfächer. Der Alltag sieht während der Woche UND MANCHMAL AUCH AM WOCHENENDE genau so aus.
Aufstehen um 6:30, Frühstücken -> in die Arbeit. Unterricht bis 13/14 Uhr mit Bereitschaften, Kopieren, Elterngespräche, Schülergespräche, Nachmittagsbetreuung usw usf. Nach Hause, es ist 14:30. Essen Kochen&Essen 15:30. So, jetzt die Hausübungen kontrollieren, die Schularbeiten, die Tests. Sie ist Klassenvorstand also auch Entschuldigungen eintragen, Reisen organisieren usw usf.
Gut es ist 19 Uhr, sie hat wieder Hunger. 20 Uhr vielleicht noch ein bisschen was kontrollieren, oder doch mal etwas private Zeit. Vorbereiten für den nächsten Tag: was wird in welcher Klasse gemacht (Stoff). Wie sollte es am besten gemacht werden (ist in jeder Klasse anders vorzutragen, also sollte es evtl etwas angepasst werden). Dann um 23 Uhr ins Bett.
Bei einer größeren Schularbeit (Gymnasium Oberstufe) kontrolliert man ein paar Tage, also sind meistens auch die Wochenenden angepatzt.
Ich spreche hier nicht dich an iGameKudan, aber manche haben einfach keine Ahnung wie viel Arbeit man hat als LehrerIn, wenn man seine Sache gut machen möchte.
Natürlich gibts, wie erwähnt, schwarze Schafe: Keine Hausübungen, keine Kontrollen, wenige Tests, keine Elterngespräche. Keine Schülergespräche, wenn einem Missstände auffallen (das finde ich persönlich das traurigste, es fallen täglich Missstände auf wenn man genau hinsieht), keine Vorbereitung oder Nachbereitung (was gleichzeitig heißt, dass es extrem anstrengend und ermüdend ist zu unterrichten, schließlich erzählt man jeden Tag und jedes Jahr dasselbe...).
Man kann also den Lehrerjob, nach einigen vielen Jahren mit Routine auf 45-50h runterbrechen, kein Problem. Aber dann macht es halt keinen Spaß mehr. Und will man wirklich noch weitere 20-30 Jahre wo arbeiten wo man keinen Spaß hat? Dafür verdient man anscheinend ja so viel
