Sicherung raus, PC startet nicht

PierreDole

Schraubenverwechsler(in)
Moin, als ich heute meinen Rechner einschalten wollte, ist prompt die Sicherung geflogen und seitdem startet der Rechner nicht. Es tut sich buchstäblich gar nichts. Kein Piepen, kein Rattern, nichts.
Was ich bisher alles gelesen habe, soll es an am NT liegen. Nun ist aber bei mir eine kleine Besonderheit, denn die LEDs der GraKa leuchten immer noch. Mein NT hat einen Ein-Ausschalter. Wenn ich den betätige, gehen diese LEDs aus. Liegts bei mir trotzdem am NT, oder ist da blöderweise was anderes kaputt?

Meine Hardware: sysProfile: ID: 169504 - Pierre Dole
 
Du könntest ein anderes NT gegentesten, aber so wie es aussieht wirst du ein neues MB benötigen. Und zum NT

Das liegt daran, dass das L8 Gruppenreguliert ist.

Gruppe bedeutet, dass die drei Spannungen im Netzteil, also 3,3 und 5 und 12 Volt gemeinsam erzeugt werden.
Das bedeutet aber auch, dass die drei Spannungen voneinander abhängig sind.
Belastest du nun eine Spannung sehr stark -- und heute wird praktisch nur noch die 12 Volt Leitung benötigt. 5 Volt brauchst du für USB und Festplatten, 3,3 Volt eigentlich gar nicht mehr -- sinkt diese ab, so dass du statt 12 Volt nur noch 11,6 Volt hast. Die 11,6 Volt sind noch innerhalb der ATX Spezifikation, aber bei 11,4 Volt wird es schon kritisch. Gleichzeitig steigen die anderen Spannungen an, sodass die 5 Volt Leitung schnell mal bei 5,5 oder gar 6 Volt landet.
Ausgleichen kannst du das nur, indem du die entsprechende Spannung belastest. Du müsstest also die 5 Volt Leitung stärker belasten, damit sie wieder sinkt. Was aber eben in der heutigen Zeit nicht einfach ist, weil ja nichts mehr da ist, was die 5 Volt braucht. Eine SSD oder eine HDD reichen da nicht.
Wenn du dann noch Netzteile hast, die eine billige Filterung und Glättung haben -- man kann das anhand der verbauten Caps erkennen -- ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass neben der steigenden Spannung auch die Restwelligkeit ansteigt. Die Restwelligkeit beschreibt die noch vorhandene Wechselspannung in der Gleichspannung. Du kannst die Wechselspannung nie komplett herausfiltern, das ist technisch nicht möglich. Man kann sie aber so weit reduzieren, dass sie keinen Einfluss mehr auf die Hardware hat.
Steigt sie aber an, hat sie ab einem gewissen Punkt durchaus wieder Einfluss auf die Hardware. die Steigende Restwelligkeit ist einer der Gründe, wieso Festplatten ausfallen.
Wenn du also jemanden kennst, der in letzter Zeit eine defekte Festplatte hatte, frag ihn mal, wie alt sein Netzteil ist, das er verwendet. :D

Hast du nun brauchbare Netzteile, die entsprechende Schutzschaltungen haben, schalten die ab, wenn die Spannung unterhalb eines Wertes sinkt.
Hier im forum gibt es einen User, dessen Netzteil -- ein S7 mit 450 Watt -- abschaltet, wenn er die Grafikkarte übertaktet.
Nominell sollte die Leistung des Netzteils reichen, aber weil die 5 Volt Leitung nicht mehr belastet wird, sinkt die 12 Volt Spannung unterhalb des Auslösewertes und das Netzteil schaltet ab.
Andere Netzteile schalten z.B. gar nicht ab, wie das Corsair RM. Das powert auch noch, wenn nur noch 10 Volt anliegen [was eben an der fehlenden Schutzschaltung liegt und deswegen wird es hier um Forum auch verrissen -- zu Recht]. Die thermaltake Germany Serie hatte ich ja schon erwähnt.
Schlimm wird es aber dann, wenn du hochgelabelte Gruppen Netzteile hast, wie das S7 mit 700 Watt oder das L8 mit der gleichen Leistung oder vergleichbar.
Bei denen ist die Spannungsstabilität extrem schlecht, sodass man sie nicht nutzen sollte. Schon gar nicht für Multi GPU, auch wenn die 700 Watt suggerieren, dass es eigentlich reichen müsste.


Bei Indy Netzteilen wird, wie der Name schon erahnen lässt, die Spannungen unabhängig voneinander erzeugt.
Das passiert mit DC-DC Converter. Daher nennt man diese Netzteile auch DC-DC Netzteile.
Der Vorteil ist die Spannungsstabilität. Auch wenn die 12 Volt Leitung bis zum Bersten belastet wird, hat das keine Auswirkungen auf die kleineren Spannungen.
Aber auch hier gibt es Grenzen. Wichtig sind Schutzschaltungen. Wenn die nicht vorhanden sind -- wie beim Corsair RM als Beispiel -- nützt die Spannungsstabilität nichts. Das Netzteil kann bei einem Fehler nicht abschalten und wird im Grenzfall die Hardware beschädigen.
Dann gibt es da noch Netzteile, wie die P10 Serie, die so stark gebaut ist -- was eben die Caps angeht -- dass sie auch problemlos deutlich mehr Leistung stemmen kann.
Ich hatte zwei P10 mit 550 Watt an der SunMoon getestet und beide waren in der Lage, über 700 Watt zu leisten, ohne dass sich die Spannungsstabilität geändert hatte, ohne dass die Restwelligkeit angestiegen ist. Die sind nicht mal lauter geworden.
Das ist schon sehr beeindruckend und einer der Gründe, wieso ich bei Multi GPU Systemen gerne das P10 empfehle. Ich weiß da aus erster Hand, dass es das leistet, was es verspricht.


Zusammengefasst:
Gruppe Netzteile haben bei einseitiger Belastung der Spannung -- was heute eben Fakt ist angesichts der dominierenden 12 Volt Leitung -- ein Problem mit der Spannungsstabilität, was im geringsten Fall zum Abschalten des Netzteils führt, wenn die Schutzschaltungen vorhanden sind, und im schlimmsten Fall zur Beschädigung der Hardware führt, wenn die Filterung und Gättung schlecht ist.
Indy Netzteile oder DC-DC Netzteile haben das Problem der Spannungsstabilität nicht. Nachteil hier ist einfach der, dass im Max Last Bereich die Restwelligkeit zum Teil stark ansteigt, was auf schlechte Komponenten im Form von minderwertigen Caps zurück zu führen ist.
Und natürlich sollten grundlegende Schurtschaltungen verbaut sein, die auch greifen.
Es nützt nichts, wenn der Hersteller OCP verbaut, das aber erst jenseits von 80 Ampere greift. Schon bei weiniger als 50 Ampere schmelzen Leitungen.


Und dann will ich das mit den Peak werten noch mal aufgreifen.
Aktuelle Grafikkarten wie die 900er Serie von Nvidia, haben zum Teil stark schwankende Peak werte. Das liegt daran, dass die Karten ständig zwischen Max Last und Idle hin und her schalten.
Das liegt wiederum am Boost Modus, den aktuelle Karten besitzen.
die Karte versucht immer den maximalen Boost Takt zu erreichen und taktet ständig darauf zu, wird aber gleichzeitig vom Power Limit und Temperatur Limit eingegrenzt.
So kann es passieren, dass eine Karte zwar eine durchschnittliche Leistungsaufnahme von 180 Watt hat, aber einen Peak Wert von über 300 Watt.
Gerade bei übertakteten Karten wird der Unterschied größer -- Toms Hardware hatte da mal einen Test zu gemacht, als die 900er Karten auf den Markt kamen -- da liegt die durchschnittliche Leistungsaufnahme bei 190-200 Watt und der Peak Wert kratzt an der 400 Watt Marke oder ist darüber.
Moderne Netzteile, wie das E10 oder auch das Antec Edge -- gibt natürlich noch viele weitere Netzteile -- haben keine Probleme mit den Peak Werten. Die kann die Filterung problemlos abfangen.
Hast du aber ein älteres Netzteil drin oder eben ein Gruppe Netzteil, kann es passieren, dass das Netzteil abschaltet, weil der Peak Wert zu hoch war und die Schutzschaltung gegriffen hat, eben wegen der abfallenden 12 Volt Spannung.
Gerade ältere Netzteil, die schon belastete Caps haben, die auch schon einen Alterungsprozess unterliegen, können da einen Schaden kriegen, weil einer der Caps platzt.

Ich will damit nicht sagen, dass wir alle Netzteile, die älter als 4 Jahre sind, entsorgen sollen. Das ist Unsinn.
Solange du die Hardware nicht veränderst, wird das Netzteil keine Probleme haben und auch 10 Jahre laufen. Ich kenne da mehr als genug Beispiele, wo Rechner seit 10 oder 15 Jahren problemlos laufen, eben auch weil die Hardware nie verändert wurde.
Nur sind wir hier in einem Hardware Forum und da ändert man seine Konfiguration von Zeit zu Zeit und wer noch ein Sockel 775 System mit einer GTx 280 hat und nun auf ein aktuelles System mit GTX 980 wechsel will, sollte sich im Klaren sein, dass sein Straight Power E6, das er seit 8 Jahren nutzt, und das immer noch läuft, für die aktuelle Hardware einfach nicht geeignet ist. Hier ist dringend anzuraten, das Netzteil zu tauschen.

Und deines ist noch unter dem L8 einzuorden
 
So ein Netzteil baut man höchstens in einen Büro-PC und hofft das es die Gewährleistungsfrist überlebt.

Leih dir mal ein anderes Netzteil aus und schliess das an. Wenns alles gut geht war's nur das. Und dann Bitte... Nicht wieder so ein Chinakraftwerk. Das Herz deines Rechners ist nicht die CPU oder GraKa, es ist das Netzteil.
 
Hmm, das war schon interessant, und mir komplett neu. nun habe ich aber nichts an meiner Hardware geändert. Warum ist mein MB trotzdem durch? Und, was mich jetzt auch noch brennend interessiert, kann noch mehr kaputtgegangen sein? SSD, HD, CPU, etc?
 
Jetzt eine erweiterte Diagnose zu starten, wäre verfrüht. Leih dir bei einem Freund das Netzteil und schliess das an. Dann kann man Aussagen bezüglich weiterer Schäden machen.

Wenn es nur das Netzteil ist. Kauf bitte nicht Blind den nächsten "Schrott" und bau den ein. Lass dich Beraten.

Nicht ohne Grund wird zum Beispiel hier im Forum, zu 90%, die bequiet Netzteile der Serie Straight Power E10 empfohlen. Die haben zwar Ihren Preis, aber auch das hat seinen Grund.
 
Eine neue GraKa + highend NT... Ich werde mir das nicht leisen können.

Mal schauen, wo ich ein NT geliehen bekomme. Glaub kaum, daß jemand in meinem Umkreis freiwillig auf seinen Rechner verzichtet, bis ich mit meinen "Experimenten" fertig bin. ;)
 
High End Netzteil? Welches meinst du?
Das Netzteil sollte ja sowieso getauscht werden, da muss was neues her. Also neues bestellen und hoffen das alles andere überlebt hat.


Gesendet von iPhone mit Tapatalk
 
Ich habe jetzt ein neues NT gekauft und auch angeschlossen. Ein be quiet System Power 8 mit 600 Watt. Der Rechner ist immer noch tot. Was komisch ist, die LEDs der GraKa und der Tastatur leuchten nicht mehr. Stattdessen leuchten kurz nach dem Einschalten des NTs die LEDs des Gehäuselüfters auf und die Lüfter drehen sich dann paar mal.
 
Ich habe jetzt ein neues NT gekauft und auch angeschlossen. Ein be quiet System Power 8 mit 600 Watt. Der Rechner ist immer noch tot. Was komisch ist, die LEDs der GraKa und der Tastatur leuchten nicht mehr. Stattdessen leuchten kurz nach dem Einschalten des NTs die LEDs des Gehäuselüfters auf und die Lüfter drehen sich dann paar mal.


Na herzlichen Glückwunsch. Du hast Vogelgrippe gegen Schweinegrippe getauscht. Bitte sofort umtauschen den Schrott.
Wohl tatsächlich das Mobo hinüber.
 
Danke für dein Ehrlichkeit, aber leider hilft es mir nicht weiter, wenn ich nicht genau weiß, worauf ich beim Kauf achten soll.


Das ist die Produktbeschreibung von dem NT:

Modellserie: System Power 8
Leistung: 600 Watt
Kühlung: 120mm Luefter
Spezifikation: ATX 2.4
Effizienz (bei 230V): 87%
80 Plus Zertifikat: 80+
+3,3V: 24 Ampere
+5V: 15 Ampere
+5Vsb: 3 Ampere
+12V1: 28 Ampere
+12V2: 22 Ampere
-12V: 0.3 Ampere
Anschlüsse: 1x ATX 24pol, 1x ATX12V 4+4pol, 4x PCI Express 6+2pol, 2x 5.25 Zoll, 6x SATA
Kabelmanagement: Non-Modular
Besonderheiten: active PFC, ErP Lot 6, Haswell C6/C7 Low-Power States

Was muss da stehen oder was darf da nicht stehen, damit ich erkennen kann, ob es was taugt?
 
Leider gar nicht ohne Testberichte zu lesen oder Foren wie dieses hier.

Gute Budgetlösung ist das Cougar GX-S450 oder Super Flower Golden Green HX450
 
Oder günstiger das Corsair Vengeance 400W.

Was muss da stehen oder was darf da nicht stehen, damit ich erkennen kann, ob es was taugt?

Leider nichts und alles. Du kannst ja mal das SP8 gegen ein E10 stellen, da wirst du keinen oder nur sehr geringen Unterschied feststellen, aber das E10 ist Klassen besser. Bis auf Testberichte lesen und verstehen (und dann auch noch die richtigen finden und keine Beweihräucherungen :ugly: )
oder in nem HW Forum nen Thread zur Kaufberatung eröffnen, kann man nicht im Laden oder online zwischen gut und schlcht unterscheiden.

Genausowenig kann man sagen ein Hersteller durchweg gut der andere durchweg schlecht (Nagut bei Interknaller halte ich die Wette :devil: ), es kommt immer auf das jeweilige Modell an. Bspw um bei BQ zu bleiben, ist das "neue" PurePower 9 (L9) nur aufgewärmtes L8 Design und für Gamingrigs weniger empfehlenswert, das E10 dagegen (bis 500W) durchweg gut. Anstatt das E10 600W holt man sich dann eher die Königsklasse von BQ dem DarkPower 10/11 oder vergleichbar.

Beim Board am besten in der Bucht schauen, denn Neu gibt es nichtsmehr (nur unbezahlbares halbgares) oder im Marktplatz einer hiesigen Hardwareseite (bei PCGH fehlen dir noch 91 Beiträge zur Freischaltung)
 
Zuletzt bearbeitet:
Das ist natürlich etwas frustrierend. Ich schaue mir die beiden NTs an.

Würde aber gerne auch zum zweiten Teil meines Problems kommen. Mein altes MB hat einen 1155 Sockel und meine CPU eine Ivy-Bridge. So ein Mainboard kriege ich heute nicht mehr neu gekauft. Gibt es irgendwelche "geheimen" Shops mit Restposten?
 
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