Die personelle Anmeldung ist nur eine Verfahren zur Aktivierung/Deaktivierung eines Filters auf Anschlussebene. Für Jugendschutz ist sie daher generell nur eingeschränkt brauchbar, da Haushaltsmitglieder jedes Alters gleich getroffen sind, während ein Passwort am System User-spezifisch arbeiten kann. Selbst wenn Umgehungen auf Systemebene befürchtet, ist sie ein bürokratisches Monstrum im Vergleich zu einem aktivierbaren Filter im Router.
Das Grundproblem bleibt aber die Filterinfrastruktur als solche, ungeachtet des An-/Abschalters: Abzulehnende Seiten müssen von jemandem geblacklistet werden und ein System, dass den gesamten Internetverkehr erfasst, muss Blacklist-Zugriffe blocken. Eine derartige Filterinfrastruktur, wie sie zwischen sämtlichen Bürgern Großbritanniens und dem Internet steht, ist ein extrem mächtiges Zensurwerkzeug. Insbesondere wenn es weit jenseits relativ klar definierbarer Pornographie auch auf "Hass" und ähnliches angewandt werden soll. Externes Blacklisting wiederum lädt zu Machtmissbrauch ein. An dieser Stelle sei auf Australiens Filtersysteme hingewiesen, die unter anderem auch genutzt werden, um Satire über und politische Opposition gegen die Filterung mundtot zu machen.
Suchtmanagement ist immer eine Frage von Beherrschung. Wenn man Fremdbeherrschung ablehnt, also genau das Risiko, dass bei einer Etablierung von Zensursystemen besteht, dann bleibt nur Selbstbeherrschung. Wie leicht diese fällt hängt von vielen Umständen ab. Darunter unübersehbare Angebote im Alltag (bei Pornographie eher weniger ein Thema), Erziehung, soziales Umfeld, eigene Vorgeschichte und bei einigen Süchten auch genetische Veranlagung. Aber am Ende ist es immer der Süchtige selbst, der zugreift oder Selbstbeherrschung zeigt. Ihn in letzter zu unterstützen ist natürlich wünschenswert. Allgemeine Verbotsmechanismen sind dabei aber gegen die persönliche Freiheit anderer abzuwiegen. Bei harten Drogen ist der gesellschaftliche Konsens, dass ein allgemeines Verbot angemessen ist, weil die Zahl der verantwortungsvollen Nutzer minimal verglichen mit der Zahl der zu erwartenden Süchtigen und dem Grad von deren Selbstschädigung ist. Cannabis und Alkohol tänzeln derzeit um die Grenze, aber die Mehrheit strickte Einschränkungen befürwortet respektive dies gerade eben noch nicht tut. Pornographie liegt dagegen tief im unproblematischen Bereich: Die Mehrheit der Bevölkerung hat kein Problem damit (meinem Wissen nach auch ohne christliche Verankerung), die Zahl der Süchtigen ist klein und schwere Gesundheitsschäden sollten selbst bei Süchtigen eher selten sein oder zumindest nicht ursächlich verknüpft.
Deine Argumentation, dass es der heutigen Jugend wegen den Auswirkungen von Pornographie schlecht geht, leidet, wenn du alle nach-80er-Jugendlichen, also Personen ab Jahrgang 1975, zu dieser "Jugend" zählst.