Wie schon geschrieben: Nein, die Erdanziehung verringert nicht die Energie. Sie verändert nur die Bewegungsrichtung. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie du das betrachten kannst:
1. Aus der Perspektive des Satelliten in einem sich drehenden Inertialsystem. Das heißt "unten" ist immer "zum Erdmittelpunkt" und "vorn" ist immer in Richtung der Umlaufbahn. Die Gravitation versucht permanent, den Satelliten näher an die Erde zu ziehen. Zugleich bewegt er sich aber mit hoher Geschwindigkeit auf seiner Kreisbahn, was eine Fliehkraft nach außen verursacht. Beide Kräfte heben sich gegenseitig auf, sodass sich seine Höhe gar nicht ändert. Und in Richtung der Umlaufbahn, als bremsend oder beschleunigend, wirkt gar keine Kraft, also behält er diese Geschwindigkeit auch bei. (Wenn er hoch genug kreist, um atmosphärische Reibung vernachlässigen zu können.)
2. Aus der Perspektive eines feststehenden Beobachters. Das ist etwas abstrakter, kommt dem Ball-Beispiel aber näher. Stell dir Viertel der Erde vor, also einen Kreisbogen von links oben nach rechts unten. Der Satellit schwebt links über dem Anfang, befindet sich also in Y-Richtung über dem Erdmittelpunkt, und ist mit hohem Tempo nach rechts, also in X-Richtung unterwegs. Um die 2.000 km in Y-Richtung zurück zu legen, also auf die Y-Höhe der Erdoberfläche unter seinen Ausgangspunkt zu fallen, braucht er eine gewisse Zeit. In dieser Zeit bewegt er sich auch ein gehöriges Stück nach rechts, sodass die Erdkrümmung ins Spiel kommt: Weiter rechts hat die gekrümmte Erdoberfläche ein niedrigere Y-Koordinate. Obwohl sich der Satellit aus Sicht des externen Beobachters "nach unten" (genauer: in Y-Richtung) bewegt hat, ändert sich der Abstand zur Erdoberfläche also nicht, denn diese ist hier ebenfalls weiter "unten" (korrekt: in Y-Richtung verschoben). Dieses Betrachtung lässt sich solange fortsetzen, bis der Satellit sich komplett rechts des Erd-Kreisbogens befindet, also komplett an der Erde vorbeigefallen ist, ohne je die Oberfläche berührt zu haben. (In dem Moment kannst du das Bild um 90° drehen und das Spiel für das nächste Viertel des Orbits wiederholen.) Die Analogie zum Ballwerfen wäre einmal der Wurf in der Ebene und einmal von einem Berggipfel. Obwohl der Ball in beiden Fällen genau gleich lang braucht, um von der Höhe deiner Hand auf die Höhe deiner Füße zu fallen, braucht er beim Wurf vom Berg viel länger, bis er aufschlägt, weil deutlich unter das Niveau deiner Füße in den Abgrund fallen kann. Du wirfst den Ball nicht auf den Boden des Berggipfels, sondern auf den Boden der Ebene unter dem Berg. Im Falle des Satelliten ist der Maßstab so groß und Geschwindigkeit so hoch, dass man auf Unterlage der Erdkugel wirft - und die gibt es bekanntermaßen nicht, der Satellit fällt frei an der Erde vorbei. (Respektive, da sich in diesem Maßstab dann auch die Richtung der Gravitation und somit das "unten" ändert: Er fällt um die Erdkugel herum, bis er an seinem Ausgangspunkt ankommt. Und da er dabei nie was berührt, verliert er auch kein Tempo.)