Shadows hat von vornherein den Anspruch, historisch authentisch zu sein. Da kannst du nicht einfach so die Geschichte biegen, wie sie dir gefällt. Yasuke war nur rund ein Jahr in Japan. Dass das gereicht haben soll, um Schwertkampf, Sprache und Kultur zu lernen, dazu zum Samurai aufzusteigen und an eine Paraderüstung zu kommen, bei der selbst hochrangige Adlige neidisch werden könnten, ist völlig aberwitzig und widerspricht historischen Quellen. Wirklich alle Umstände sprechen dafür, dass die Charakterwahl erfolgt ist, um DEI-Brownie-Points für ESG-Finanzierung zu sammeln. Das hätte man alles auch authentischer haben können: Man hätte es z.B. einfach so machen können, dass Yasuke als einfacher Krieger anfängt und sich langsam in der Gunst hocharbeiten muss.
Wollte Ubisoft aber nicht, sondern hat sich im Gegenzug dazu entschieden, Yasuke als Karikatur darzustellen. So ziemlich jeder afroamerikanische Influencer, den ich dazu gesehen habe, war nicht gerade erfreut, dass Yasuke mit der Hip-Hop-Musik als stereotypischer Afroamerikaner dargestellt wurde. Die Entwickler - ein Haufen priviligierter Weißer - haben es in ihrem Wahn nach diversity also geschafft, sowohl Afroamerikaner als auch Japaner gegen sich aufzubringen - eine völlig absurde Situation, die hätte mit gesundem Menschenverstand hätte vermieden werden können.
Sucker Punch hingegen traue ich zumindest zu, dass sie eine authentische Erfahrung liefern können. Die Authentizität könnte allerdings gebrochen werden, wenn sie anfangen, die Protagonistin als Samurai zu bezeichnen. "Samurai" ist - das schein vielen nicht klar zu sein - ein sozialer Status und kein Beruf wie bspw. "Krieger" oder "Shinobi". Weibliche Krieger - sogenannte Onna-musha - gab es tatsächlich viele, weshalb eine weibliche Kriegerin Authentizität nicht bricht. "Samurai" gab's im Übrigen im Schauplatz von GoY nicht, da Ezo damals nicht Teil Japans war.
Das hat nichts mit Rassismus zu tun, sondern mit Authentizität. Wenn gerade Ubisoft sich hier ein strengeres Korsett auferlegt, in dem Ubisoft mit einer besonders hohen historischen Authentizität wirbt, muss Ubisoft eben auch den Backlash ertragen, wenn das Produkt nicht historisch authentisch ist. Zumindest bei GoY sehe ich bislang noch keine Anhaltspunkte, dass diese Authentizität gebrochen wird. Sucker Punch hat schon GoT sehr gut historisch umgesetzt, weshalb das Spiel gerade in Japan sehr positiv aufgenommen worden ist. Ich glaube nicht, dass Sucker Punch den dadurch erarbeiteten guten Ruf für irgendwelchen politischen Aktivismus auf's Spiel setzen werden.
Letztendlich kommt's aber auch darauf an, was die Erwartungshaltung ist. Als jemand, der sich für japanische Kultur und Geschichte interessiert und der auch immer Wert auf die historische Umsetzung in AC-Titeln gelegt hat, habe ich da deutlich strengere Anforderungen als jemand, der einfach nur unterhalten werden will.