Manche Diskussionen sind auch ermüdend.

Ist jedenfalls nicht die erste hier zur Tatsache, dass es sehr viele Distributionen gibt ...
Kann ich bestätigen. Seit über 30 Jahren immer wieder die gleiche Diskussion.
Diese Form der Berichterstattung bringt Linux im Hinblick auf Softwareverfügbarkeit keinen Schritt weiter.
Was für eine Standardisierung meinst Du? Es gibt seit längerem 4(?) Hauptstränge an Distros (Debian, Arch, Fedora...).
Was nützen vier Hauptstränge, wenn es am Ende hunderte Distributionen gibt, die sich in relevanten Punkten unterscheiden? Das ist keine Standardisierung.
Es gibt FOSS sowie proprietäre Software für Linux. Wenn nicht schon geschehen, kannst Du Steinberg doch anschreiben, dass sie doch bitte ihre Software auch für Linux anbieten mögen.
FOSS deckt das Spektrum professioneller Windows-Applikationen nicht ab.
Und ja – Hersteller werden seit Jahren kontaktiert. Lies in den einschlägigen Foren nach. Das Interesse an Linux ist bei vielen schlicht nicht vorhanden.
Die Frage sollte lauten: Warum eigentlich? Statt intern die Gräben weiter zu vertiefen.
Der typische Linux-Veteran, der die Forenlandschaft dominiert – ebenso wie viele Fachmagazine – scheint der Meinung zu sein, dass alles bestens ist. Das ist aber offensichtlich nicht der Fall.
Dann sind Treiber zuallererst Sache des Herstellers. Und je Distro braucht es doch keine eigenen Treiber, oder?
Ein Beispiel aus dem Recording-Bereich zeigt, dass es eben nicht nur um Treiber geht.
Du benötigst auch DSP-Mixer, Tools, DAWs, VSTs. Da sind eine Menge Hersteller und Produkte beteiligt.
Was Linux anbelangt: auch der Kernel muss angepasst sein, ebenso die Audio-Infrastruktur, um latenzfreien Audiotransport zu ermöglichen. Ohne diese Komponenten funktioniert keine professionelle Audio-Umgebung.
Und das ist nur
ein Marktsegment.
Gibt es welche, so können die doch für andere/alle Distros verfügbar gemacht werden?
Theorie. In der Praxis führen unterschiedliche Kombinationen von Kernel, Toolchains, Libraries und Systemumgebungen zu Seiteneffekten. Die lassen sich nur durch Tests auf der Zielplattform ausschließen.
Wo Produktsupport geleistet wird, geht es oft nicht nur um das eigentliche Produkt, sondern auch um die Betriebssystem-Integration und den Support des Kunden auf der Plattform, wenn er auf der auch nicht firm ist.
Das erfordert stabile und reproduzierbare Umgebungen – auch für Remote-Support.
Wenn sich Distributionen stark unterscheiden – in Shell-Umgebung, Pfadstruktur, Paketmanagement – ist das nicht gewährleistet. Solche Heterogenität ist in professionellen Support-Setups schlicht nicht tragbar.
Darum ist Linux in 30 Jahren – jenseits des Serverbereichs – kaum weitergekommen.
Und auch dort setzen große Anbieter wie Oracle oder Red Hat nicht auf Community-Distributionen, sondern auf eigene – weil sich nur so SLAs für Kunden absichern lassen und sich der Supportumfang in kalkulierbaren Bahnen bewegt. Keine Firma, egal welche Größe, kann es sich leisten, dass der Entwicklungs-, Test- und Supportaufwand aus dem Ruder läuft.
Der Desktop-Bereich bleibt unterentwickelt, weil das Mantra von Distributionsvielfalt als
Stärke verklärt wird.
Diesen Irrglauben lese ich seit Jahrzehnten und jetzt auch wieder in der PCGH.
Sinnvoller wäre ein Umdenken.
Fachmedien könnten einen Beitrag leisten – indem sie ernsthaft der Frage nachgehen, warum Linux im Bereich kommerzieller Hard- und Softwareprodukte nicht vorankommt.
Diese Art der Berichterstattung würde dem Linux-Ökosystem langfristig mehr helfen als der nächste Artikel über „YALD – Yet Another Linux Distribution“.