New Yorker Stock Exchange

Nun ja, Handel ist das auch, das ist klar, aber sowas passiert ja mehr oder weniger nicht an der Börse, obwohl dort ja alles gehandelt wird.
Allerdings weiß ich nicht, ob die deutschen Landesbanken die faulen Pakete über die Börse gekauft haben, ich denke mal eher nicht.
 
Also um das richtig zu verstehen.

Die Broker schnüren Pakte am PC für die Banken ( noch in der Börse ). Diese werden dannn von den Rating Agenturen bewertet und später von einer Bank gekauft?
 
Nicht die Broker.
Broker machen eigentlich recht wenig selbst - das sind einfach "nur" Leute, die die Lizenz haben, tatsächlich an der Börse tätig werden. Du/die Bank/das Unternehmen sagst dem Broker, was du kaufen/verkaufen willst (ggf. berät er dich auch - aber das ist nicht, was ihn zum Broker macht) und er führt es dann aus. Denn wie schon gesagt: Wenn einfach jeder virtuell kaufen/verkaufen könnte, hätte man ganz schnell das Problem, dass sehr viele Leute Dinge verkaufen (abkassieren und verschwinden), die sie gar nicht besitzen.

Pakete werden, wie alle abstrakteren Wertpapiere von Finanzunternehmen geschnürt (z.B. Fonds, Banken,... . Eben nicht wie bei Aktien, die nur und immer von der Firma ausgegeben werden, auf die sie sich eben beziehen). Die nehmen ein mehr-oder-buntes Mischmasch von Dingen (z.B. welche die sich sehr gut verkaufen lassen und welche, die man sonst nicht loswerden kann. Oder viele ähnliche Dinge, die man so einfach handhabbarer macht) und bündeln sie. "Kredit A", "Kredit B", "Kredit C",... verschwinden vom Markt/in den Tresoren der Bank und dafür gibt es den "Kredit Megadeal", definiert als "(Zusammenstellung von Krediten A B C)", der stattdessen gehandelt wird.
Damit stellt er ein neues Produkt dar, von dem erstmal niemand weiß, was das eigentlich ist - und was es taugt. Da heutzutage nur sehr wenige in unbekanntes investieren (und dann nur so zögerlich, dass die Bank draufzahlen würde), wird dieses Kreditgesamtpaket anschließend einer Ratingagentur vorgelegt (genau wie z.B. Staatsanleihen). Diese fungiert als Gutachter und bescheinigt dem Papier eine gewisse Qualität -> Anleger können jetzt von einer unabhängigen Instanz nachlesen, dass dieses neue Produkt etwas taugt und kaufen es.
Ggf. sind diese Anleger selbst Banken o.ä. und da wird es spannend: Denn genauso, wie die erste Bank "Kredit A" rumliegen hatte, hat die neue jetzt "Kredit Megadeal" rumliegen - und auch den kann sie jetzt in eigenes Paket packen. Dieses Spielchen setzt sich immer weiter fort, bis eine regelrechte Matroschka entstanden ist, bei der sich auch die Ratingagenturen gar nicht mehr die Mühe gemacht haben, nachzugucken, ob da denn z.B. der gute alte "Kredit C" enthalten ist - und ob dieser Kredit überhaupt sicher ist. So kam es (kommt es?) zu der massenhaften Fehlberwertung von Wertpapieren.
Und es kommt zu einer enormen Verpflechtung der Banken untereinander. Denn die erste Bank weiß z.B. nur, dass sie für "Kredit Megadeal" geradestehen muss und ihrerseits "Kredit A" einfordern kann. Wenn sie jetzt erfährt, dass "Kredit A" platzt, steht sie immer noch für "Kredit Megadeal" gerade. Wenn jetzt jemand kommt und seine Anteile an "Kredit Megadeal" einlösen möchte, muss die Bank das Geld irgendwo anders hernehmen - "Kredit A" ist ja geplatzt. Aber die Bank ist ja nicht so eng aufgestellt und Verkauft z.B. ihre Paketanteile am "Toprendite Kreditbundle", in das sie irgendwann mal investiert hat.
Und jetzt schlägt die Falle zu bzw. platzt die Blase, die die ganze Zeit am brodeln war, denn was unsere Bank nicht weiß, weil sich nie jemand um die Details gekümmert hat: "Kredit Megadeal" ist, irgendwo fünf Bündelungsstufen weiter unten im "Toprendite Kredibundle" enthalten. D.h. durch den Verkauf von letzterem setzt die Bank eine Verkaufswelle bei anderen Banken in Gang, die irgendwann wieder Forderungen an sie selbst auslöst. Anstatt den Ausfall von "Kredit A" zu kompensieren, hat sich die Bank also noch mehr Ärger eingehandelt.

Und genau nach obigem Schema haben in den vergangen Jahr(zehnt)en verdammt viele Banken verdammt große Geschäfte getätigt (und sie tätigen sie heute wohl wieder...) und wie man sich denken kann und wie man sehen musste: Ein paar Unstimmigkeiten im US-Immobilienmarkt haben gereicht, um dieses System zum Einsturz zu bringen. Und so verschwinden dann innerhalb von z.T. Stunden Billionen an virtueller Handelsware aus dem "Lager", mit entsprechenden Auswirkungen auf die Bilanz.
Schlimmer noch: Gekauft wurden die Pakete mit guten Bewertungen zu hohen Summen, verkauft wurden sie z.T. in äußerter Eile und unter Druck - d.h. zu niedrigen Preisen. D.h. es ist kein Nullsummenspiel, sondern einzelnen Banken haben am Ende, auch wenn sie nur im Kreis gehandelt haben und eigentlich ihre eigenen Pakete an sich selbst hätten zurückzahlen müssen, unterm Strich große Verluste gemacht und so mit virtuellen Paketen real Geld verloren.

Und da wir in einer kreditbasierten Wirtschaft leben, wurde aus diesen börsengehandelten Paketen dann gleich noch eine Weltwirtschaftskrise (aus der bis heute niemand zu lernen scheint).
 
Und keiner weiß eben wie neutral die Rating Agenturen bei den Bewertungen wirklich sind. Denn letztendlich wollen sie Geld verdienen.
Strafen sie einen Bank oder mehrere Banken ab, in dem sie sagen, dass diese Pakete nichts taugen, müssen sie damit rechnen, nicht mehr mit dem Rating beauftragt zu werden und dann machen auch sie Verlust.
Die Rating Agenturen sind also auch sehr abhängig von den Banken, denn nur die beauftragen sie ja, die machen das ja nicht von selbst, weil sie gerade Zeit haben.
 
In wie fern hat das noch was mit der Börse zu tun? Eigentlich ja gar nichts. Die finanzunternehmen und Rating Agenturen sind daran ja nur beteiligt, soweit wie ich das sehe.

Und was ich mich noch frage ist, was denn Rating Agenturen mit der Börse zu tun hat?
 
Ratingagenturen haben einen entscheidenden Einfluss darauf ob/wie ein Finanzprodukt gehandelt wird. Ohne Rating gibts keine Käufer.
Mit dem Konzept Börse als solches haben sie also nichts zu tun, aber für die Aktionen wegen denen derzeit alle Welt über das Geschehen an den Börsen redet, sind Ratingagenturen wesentlich wichtiger, als die Börsen selbst. (Man kann/könnte geratete Papiere auch direkt ohne Börse noch ganz gut handeln, aber ungeratete an der Börse würde floppen)
 
Sollte ich es deiner Meinung nach in meiner Projektarbeit ( wo es nur um die nyse und die Funktionen geht ), dass mit den Rating Agenturen noch einbringen?
 
Musst du wissen, welchem Zweck diese Arbeit dient. Wenn du nur den Auftrag "erkläre, was die NYSE macht" erfüllen willst, dann ist es sicherlich fehl am Platze. Wenn das Ganze z.B. als Grundlage für eine Diskussion über die heutige Bedeutung von Börsen dienen soll, dürfen diese Informationen imho nicht fehlen. (bzw.: Eigentlich sollte man die dann seperat in einem ergänzenden Block von jemandem bearbeiten lassen)
 
Ohne die Rating Agenturen funktioniert die Börse letztendlich auch nicht.
Denn die Rating Agenturen "raten" ja ein Unternehmen, das an die Börse geht oder wenn neue Aktien des Unternehmens ausgegeben werden um frisches Kapital zu bekommen. Je besser das Rating ist, desto eher kommen Investoren und kaufen die Aktien.
 
Bei Unternehmen (d.h. das, wofür die u.a. Börse mal gedacht war) können die Investoren aber auch selbst anhand der Unternehmensberichte urteilen, bei Rohstoffen und Waren (der andere, sinnstifende Teil) sowieso. Nur bei abstrakten Finanzkonstrukten und am Kreditmarkt (d.h. dass, womit nun wirklich nicht spekuliert werden sollte, die wenn die Börse nützlich und nicht nur ein Risikofaktor sein soll), ist zwingend auf Ratings angewiesen, weil es nunmal kein reales Gegenstück hat, dessen Eigenschaften man beurteilen könnte.
 
Ja, wo die Urteile bei Unternehmen hingeführt haben, hat die Dotcom Blase Ende der 90er gezeigt. :D

Ach ja, die Sache mit der Dotcom Blase würde ich auf jeden Fall mit einbauen, denn daran kann man das Versagen sehr gut sehen. ;)
 
Das mit der Dotcom Blase hatte ich mir auch überlegt, aber ich habe schon über den Crash von 1929 ausführlich berichtet. Und so richtig unterscheiden tun sich die nicht. Ich meine bei beiden Fällen haben die Ratingagenturen und falsch "gerated".

Oder siehst du da ein Unterschied?
 
Der Crash von 1929 hatte aber grundlegend andere Ursachen als diese Dotcom-Blase. Die Dotcom-Blase war eine reine Spekulationsblase. Die Krise von 1929 war wesentlich durch politische Eingriffe in die Wirtschaft verursacht.
 
Die globale Wirtschaftskrise von 29/30 entstand über politische Mechanismen (und ein vernetzendes Kreditwesen - was mal wieder zeigt, dass die Leute viel lieber zweimal Fehler machen, anstatt zu lernen), aber der sie auslösende Börsencrash war ein einfacher Blasenblatzer.
 
Das mit der Dotcom Blase hatte ich mir auch überlegt, aber ich habe schon über den Crash von 1929 ausführlich berichtet. Und so richtig unterscheiden tun sich die nicht. Ich meine bei beiden Fällen haben die Ratingagenturen und falsch "gerated".

Oder siehst du da ein Unterschied?

Du kannst die Dotcom Blase nicht mit dem Crash von 1929 vergleichen.
Zwei völlig andere Sachen. Bei der Dotcom Blase hat praktisch niemand gewusst, was diese Internetunternehmen überhaupt machen. Die meisten haben auf die Ideen gewettet und als sich diese Ideen als Luftnummer entpuppt haben, ist die Blase geplatzt.
 
Bei der Blase von 29 haben diejenigen, die überrascht wurden, es genauso wenig gewusst. Der einzige Unterschied war, dass man sich damals altbekannte Branchen nicht genau angeguckt hat, bei .com waren es halt komplett neue (aber auch bei denen konnte man mit sehr wenig denken sehen, dass sie nicht annähernd soviel Gewinn bringen können, wie erhofft).
 
Letzendlich war beides pure Spekulation. Im crash hatte man spekuliert, dass die Kurse, aufgrund der damaligen Lage, steigen.
Bei der Dotcomblase dachten alle, dass jetzt dank dem Internet alle Firmen ganz reich werden und haben investiert.
 
Bei der Blase von 29 haben diejenigen, die überrascht wurden, es genauso wenig gewusst. Der einzige Unterschied war, dass man sich damals altbekannte Branchen nicht genau angeguckt hat, bei .com waren es halt komplett neue (aber auch bei denen konnte man mit sehr wenig denken sehen, dass sie nicht annähernd soviel Gewinn bringen können, wie erhofft).

:wow: Und nach Jahren erfahre ich also, daß meine VWL-Dozenten an der Uni wohl völligen Unsinn erzählt haben müssen. Wenigstens ein Standardwerk der VWL muß wohl jetzt auch umgeschrieben werden. Danke für diesen höchst aufschlußreichen Augenöffner!
 
Aber warum haben die Ratingagatenuren Schuld an der dotcom börse? Die Anleger hatten doch totale hohe Gewinnerwartungen und die unternehmen wurden ja negativ bewertet, wenn ich das richtig sehe.
 
:ka: Wie die meisten Unternehmen da bewertet wurden, weiß ich gar nicht. Wenn die meisten Unternehmen, die dann auch gecrasht sind, negativ bewertet waren, können die Ratingagenturen ja gar keine Schuld haben. Der Punkt ist wohl eher, daß die Anleger völlig wahnsinnig geworden waren und alles für möglich gehalten haben. Da haben sie in jeden Schrott investiert und dann kam eben, was kommen mußte. Es galt zu dem Zeitpunkt wohl in besonderem Maße die alte Regel "Gier frißt Hirn."
 
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