Ich frage mich halt, wozu braucht es eine Frauenquote und gleichzeitig einen Gleichstellungsbeauftragten (m/w/d)...
Das widerspricht sich doch!
Ich habe schon Ausschreibungen für "Gleichstellungsbeauftragte (w)" gesehen. Männer waren kategorisch ausgeschlossen.
Das ist der Unterschied zwischen "Gleichberechtigung", also alle Gruppen haben die gleichen Rechte, etwas aus ihrer Lage zu machen, und "Gleichstellung", also alle Gruppen werden in die gleiche Lage gebracht, ungeachtet sonstiger Eigenschaften und Aktivitäten.
Und wohlgemerkt geht es dabei um die Gruppen als ganzes bzw. deren Durchschnitt. Wenn also irgendwo ein Mann aus gutem Hause einen Managamentposten mit Millionengehalt bekommt, weil sein Onkel ihn damals in die richtige Burschenschaft geschickt hat, dann gehört es zum Konzept, am anderen Ende 100 Arbeitersöhnen die Einstellung zu verweigern, damit im Schnitt das Einkommen einer Frau rauskommt, die deswegen eine schlecht bezahlte Stelle als Friseurin hat, weil sie gerne was mit Haaren und Beauty und keinesfalls einen drögen Ingenieursjob haben wollte.
Ja, eben. Das bestätigt doch nur meine Annahme. Menschen mit Handicaps können aus gesundheitlichen Gründen nicht so viel leisten, wie kerngesunde. Bei einer positiven Diskriminierung sollten diese Menschen trotz Handicaps jedoch gleich verdienen können. Ihre Leistungen müssen ja honoriert werden und nicht die bloße Stunde an Arbeit, die sie gar nicht in dem Umfang wie ein gesunder Mensch leisten können.
"Müssen" ihre Leistungen honoriert werden? Das Leistungsprinzip, so wie es bei uns praktiziert wird, sagt nein: Menschen werden nicht danach beurteilt, wie viel Mühe sie sich geben, sondern wie viel jemand anderes für die Produkte ihrer Arbeit zahlt. Wenn jemand geistig dazu nur in der Lage ist, Kugelschreiber im Wert von 5 € pro Stunde zu montieren, ""verdient"" der nach geltender Vorstellung also weniger, als jemand der Erdbeeren für 50 € pflückt oder jemand, der Autoteile im Wert von 500 € anfertigt. Man
könnte jetzt sagen, dass der Unterschied zwischen ersteren beiden ausgeglichen werden muss. Aber warum eigentlich zwischen der ersten und der dritten Person? Und warum gleicht man das Gehalt des Erdbeerpflückers nicht an das des Erdölkonzernleiters an, dessen Arbeit mit 5000000/h bewertet wird? Alle vier sind gleich fleißig, aber die Leistungsgesellschaft behandelt sie Dinger von verschiedenen Sternen.
Dieses Prinzip nur bei "Behinderten" in Frage zu stellen, ist ziemlich willkürlich. Und genauso willkürlich ist die Definition, was überhaupt als Behinderung zählt. Mangelnde geistige Belastbarkeit zählte zum Beispiel lange Zeit nicht dazu und wird bis heute angezweifelt oder ignoriert (Stichwort Post Covid), Personen mit Down-Syndrom bestehen darauf, ganz normal zu sein und niemand käme auf die Idee, Personen mit "Eulen"-Biorythmus eine Entschädigung zu zahlen, obwohl zahlreiche Studien nachgewiesen haben, dass sie unter den von der Gesellschaft vorgeschrieben Tagesrythmen leiden und insbesondere durch frühen Schulbeginn systematisch in ihren Chancen beschnitten werden.
Ab einem gewissen Grad der Behinderung sollte man sich zudem fragen, was eigentlich Ziel der Sache ist: Gleichstellung um jeden Preis oder ein angenehmes Leben für möglichst viele? Wenn der Aufwand soweit geht, dass jemand über weite Teile seiner Schul- und Arbeitszeit oder gar in seinem gesamten Tagesablauf individuelle Assistenz erfordert, nur um am Ende trotzdem eine weit unterdurchschnittliche Leistung abzuliefern, wird Inklusion imho fragwürdig. Am Ende führt die so unterstützte Person ein schlechtes, stressiges Arbeitsleben, aber die gesellschaftlichen Kosten für die Assistenten entsprechen den Kosten eines guten, arbeitsfreien Lebens. Warum nicht letzteres direkt ermöglichen, sondern eine kaum arbeitsfähige Person zur Arbeit zwingen? Nur damit sie sich "dazugehörig" fühlen kann? Für fünf Sekunden mit geschlossen Augen, weil sowohl berufliche Wertschätzung noch normale private Teilhabe an den harten Unterschieden scheitern? Ich käme auch nicht auf die Idee, Bundesliga-Fußballern Metallkugeln ans Bein zu binden, damit ich Fußballunfähiger mich "dazugehörig" = auf gleichem Niveau (nicht-)spielen kann.