Nein. Aber eine Hebamme ist bestenfalls eine Frau, eine Musikerin kann bestenfalls hören und ein Integrationsbeauftragter hat bestenfalls Migrationserfahrung.
Es gibt (dem Vernehmen nach gute) männliche Hebammen (trotzdem wird da irgendwie nie gegendert...), es gibt Gynäkologinnen und in der heutigen Gesellschaft ist ein Integrationsbeauftragter (leider) einen Großteil seiner Zeit damit beschäftigt, die Mehrheitsgesellschaft dazu zu bringen, seiner Arbeit die nötigen Ressourcen zukommen zu lassen und seinen Schützlingen überhaupt eine Chance zu gewähren. Da kann es sogar ein größerer Vorteil sein, die eine Gesellschaft zu kennen, in die integriert werden muss, als Erfahrung mit einer einzelnen von 50-100-150 denkbaren Herkunftsgesellschaften zu haben. Ganz besonders wenn eine von den nicht gerade wenigen ist, mit der eine andere spinnefeind ist, was Integrationsarbeit in dieser Kombination unmöglich macht.
Oder anders gesagt: Wenn jemand einen objektiv soliden Job machen soll, ist es keineswegs notwendig, dass er individuelle, subjektive Erfahrungen mitbringt. Gerade in komplexen Bereich ist es sogar bestenfalls "egal", schlimmstenfalls aber sogar störend: Es gibt so viele Variationen geschlechtsbezogener Diskriminierung, dass von sechs Fällen nicht einer Überlappungen mit einem der anderen haben muss. Wenn der/die Zuständige jetzt selbst eine der Diskriminierungsformen erlebt hat und die anderen fünf nicht, muss er/sie permanent dagegen ankämpfen, den einen, subjektiv näheren Fall zu bevorzugen. Darf bei diesem Balanceakt aber auch keinesfalls über das Ziel hinausschießen und härter mit diesem Fall umgehen. Ansonsten hätte man in beiden Fällen nämlich erneute Diskriminierung der Opfer durch einen nicht neutralen Gleichstellungsbeauftragten. (Und Neutralität bei zwischenmenschlichen Themen ist schon schwer, wenn man nicht aus persönlich-individuellen Gründen mitfühlt.)
Und dein Beispiel mit der (nicht-)tauben Musikerin ist übrigens absolut ungeeignet, da es da nicht um Erfahrung/Bezug, sondern um praktische/körperliche Vorraussetzungen geht. Es gibt zwar auch blinde Maler, aber eher wenig armamputierte Lagerarbeiter. Soweit ich weiß, bist du im Rettungswesen tätig (/gewesen)? Würdest du da in Umkehr deiner Logik auch sagen, dass verunfalte Motorradfahrer nur von Querschnittsgelähmten geborgen werden sollten, weil die einen persönlichen Bezug zur Situation haben?
Es geht darum, einer Benachteilung zu begegnen, indem die benachteiligte Gruppe Vorteile erhält; das Ziel ist Gerechtigkeit. Die Interpretation, "Ich als Mann werde benachteiligt!", beruht auf der Unkenntnis oder dem unzureichenden Verständnis, dass Männer vielerorts priviligiert sind, diese Privilegien aber gar nicht erkennen oder spüren.
Ich spreche nicht aus subjektiver Erfahrung, sondern aus objektiver Beobachtung bezüglich der Auswirkung von Quoten in Bewerberverfahren. Das Problem ist eben, dass pauschal eine "benachteiligte" und eine "priveligierte Gruppe" postuliert werden, sobald es eine statistische Häufung gibt, ohne die Kausalzusammenhänge (auch nur) zu untersuchen (wollen). Das führt dazu, dass die Gruppen teils weit von realer Diskriminierung zugeschnitten/abgegrenzt werden und dann finden sich zwar Diskriminierte in der Gruppe "zu fördern" und Priveligierte in der Gruppe "zu benachteiligen", aber auch umgekehrt. Man hat dann doppelt-diskriminierte und doppelt-priveligierte. Und überall, wo die zu diskriminierende Gruppe sehr viel größer ist, kann es sehr leicht vorkommen, dass die Zahl der Diskriminierten durch die Gegenmaßnahme sogar ansteigt.
Rechenbeispiel: Ein Maschinenbauer hat immer absolut fair eingestellt. Da der Bewerberpool über die letzten 40 Jahre zu 95% aus Männern bestand, ist eine zu 95% männliche Belegschaft entstanden, es gab halt Anfang der 80er kaum Maschinenbaustudentinnen. Der Frauenquotenlogik nach müsste die Firma jetzt, die bislang 0 Diskriminierung praktiziert hat, auf Jahre hinaus nur noch die heute vielleicht 25% der Bewerber einstellen, die weiblich sind. Solange, bis "mindestens" (!) 50% weibliche Belegschaft erreicht sind.
Die 75% männlichen Bewerber wären in der Region auf 10-20 Jahre hinaus von ihrem Berufsbild ausgeschlossen, im Nahmen von "weniger Diskriminierung dank angewandter Frauenquote"

(Alles unter Annahme gleicher Qualifikation, versteht sich.)
Ja, da gehe ich voll mit.
Beim Gender Pay Gap ist es ja ähnlich. Die Position, es müssten mehr Frauen in Männerberufen arbeiten, um das Problem zu lösen, ist Unfug. Eine bessere Lösung ist, dass typische Frauenberufe besser bezahlt werden sollten.
Exakt. Man beachte in diesem Zusammenhang auch den absoluten ""Gender Pay Gap"" und den tatsächlichen Unterschied beim Lohn für gleiche Arbeit. Obige Forderungen/Quoten werden nämlich mit unschöner Regelmäßigkeit mit ersterem begründet, also der Feststellung das Frauen im Schnitt 18% weniger verdienen. Dass das aber eben nicht daran liegt, dass der Maschinenbauer aus dem Beispiel ihnen die Einstellung verweigert, sondern daran, dass der Kindergarten so schlecht zahlt (und seinerseits nach Einstellung des einzigen männlichen Bewerbers nur noch die Wahl hat "überwiegend Erzieherinnen oder überwiegend geschlossen"), das wird unter den Teppich gekehrt.
Gefühlt auch nicht zuletzt deswegen, weil sich ein nicht unerheblicher Teil der Fordernden dann an die eigene Nase fassen müsste, denn es gehört noch eine zweite Komponente zu dem Problem: Sogenannte "Männer-" und "Frauenberufe. Da muss sich nämlich eigentlich mal massiv was in der Gesellschaft und bei der Erziehung (die nochmal wer überwiegend verkackt?

) ändern. Vier Jahrzehnte nach Erlangung der weitestgehenden Gleichberechtigung wundert sich die Gesellschaft führt man es ernsthaft immer noch auf die Genitalien zurück, dass die Kinder, denen man Autos, Flugzeuge und Lego vorgesetzt hat, in MatNatIng-Berufen enden, während diejenigen, die sich um Puppen gekümmert und als Karriereziel "Prinzessin" und "Ponypflegerin" genannt haben, im Care-Bereich landen oder erst zu spät umsatteln?
Anm.: Was nicht heißen soll, dass die Bundesregierung nicht gegen tatsächlich diskriminerende Bezahlung vorgehen sollte. Aber anscheinend sind es mittlerweile nur noch 4-5 Prozentpunkte für "gleiche Arbeit" (=25% des Gesamtproblems "unterschiedliche Entlohnug) und die kann man in vielen Unternehmen bei Erweiterung auf "... und gleiche Betriebszugehörigkeit" allein durch nicht-paritätische Verteilung zwei jähriger Elternauszeiten erklären. Also erneut keine Diskriminierung, sondern persönliche Lebensplanung. Gesellschaftlich ungerecht, aber ebenfalls keine sexuelle Diskriminierung, sind Akkordarbeit und Leistungszuschläge in vielen körperlichen Berufen am unteren Ende der Lohnpyramide. Da verdienen zierliche Personen, trotz nominell gleicher Anstellung, einfach weniger, weil sie weniger leisten können. Das trifft Frauen überdurchschnittlich häufig, aber es ist keine Diskriminierung von Frauen, die man mit Frauenquoten kompensieren könnte, denn zierliche Männer leiden darunter genauso. (Während sogeannte "Mannsweiber" genauso davon profitieren, wie muskelgepackte Cis-Männer.)
Am Ende bleiben vielleicht 1-2% Nachteil, die auf echte, geschlechtspezifische Diskriminierung zurückzuführen sind. Aber das ist dann eine Durchschnittsangabe, bei der auf jedes echte Arschlöcher mit 20-30-40% Frauenbenachteilung 9 bis 19 Fälle ohne Diskriminierung kommen. Wenn man da blind mit einer Frauenquote draufhaut, sorgt die einfach nur 9 bis 19 mal für MEHR Diskriminierung. Und in dem einen Fall, wo es was zu tun gab, wird sie ggf. auch noch missachtet.
Ähnliche Beispiele lassen sich für diverse Teil dieses Diskriminierungskomplexes bilden sowie für zahlreiche andere "im Schnitt" benachteiligte Gruppen. Z.B. bei Kindern von Migranten liegen da seit Jahrzehnten diverse Aspekte und Lösungsmöglichkeiten auf dem Tisch, vor allem in den Schulen, bei denen es eher um die Tradierung von Armut und Bildungsferne geht. Aber die Politik unternimmt - nichts. Und Debatten über Quoten und selektive Förderung nach Herkunft wird keinen dieser Missstände beheben, sondern eher Wähler zur AFD treiben, wenn die sehen, dass benachteiligte nicht-migrantische Kinder sitzen gelassen werden, wortwörtlich, während andere eine Vorzugsbehandlung erhalten.
Ob die sich auch Tickets gekauft haben?
Ob einem Rassismus/Diskriminierung/etc vorgeworfen wird, wenn man die gleichen drei Personen in einem Flugzeug zeichnet und dem großgewachsenen, zum gleichen Preis, in die First Class setzt, während der kleinste ins Gepäckfach gestopft wird?
Wenn kleine Leute bei Veranstaltungen die teuren Karten ganz vorne kaufen müssen (dadurch aber immerhin auch ganz vorne sind), um etwas zu sehen, wird das als ein von der Gesamtgesellschaft zu lösendes Problem. Wenn ich für meine Schuhe das Doppelte bezahlen muss, weil Schleichmann & Co die Größe nicht mehr führen, dann ist das dagegen Privatsache

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(Und von Autos fange ich besser gar nicht erst an. Da habe ich beim letzten Mal ebenfalls Faktor 2 draufgelegt und das war wortwörtlich Torschlusspanik, denn es war die letzte in Frage kommende Baureihe, die dann ersatzlos eingestellt wurde. Und ich bin nicht einmal extrem groß, sondern nur etwas über dem Durchschnitt.)