Eine Kirche definiere ich fuer meinen Teil als Glaubensgemeinschaft.
Das Christentum etwa hat sich urspruenglich als Religion von Unterdrueckten entwickelt und staatsfern verstanden ("So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!" - Matthaeus 22, 21). Erst mit der "Bekehrung" des Kaisers Konstantin entstanden Verquickungen von Kirche und Staatsapparat. Die wuerde ich aber eher als zivilisatorisches Abfallprodukt bezeichnen.
Der Islam hingegen wurde von seinem Begruender nicht als Kirche, sondern als Staat errichtet - eine Kirche gab es in diesem nicht und war auch "by design" nicht noetig. Oberhaupt war der Prophet - er herrschte, sprach Recht, erhob Steuern, fuehrte Kriege und schloss Frieden. Nach dem Tod des Propheten 623 n. Chr. war dessen Aufgabe -die Uebermittlung des Buches Gottes an die Menschheit- aber eben noch nicht erfuellt, weshalb der Stand eines Stellvertreters eingefuehrt wurde: Khalifa. Erster Kalif war Abu Bakr, Mohammeds Schwiegervater. Massgeblich unter ihm erstarkte im ersten Jahrhundert nach Mohammeds Tod der Islam zu einem System, in dem Glaube und Politik untrennbar miteinander verwoben waren. Und daran hat sich, jedenfalls beim orthodoxen Islam, bis heute nicht wirklich viel geaendert.
Das ist im Kern auch der Unterschied zwischen islamischer und christlicher Welt - die Einen haben sich weiterentwickelt, die Anderen dagegen sind (trotz Aenderungen, die es durchaus gab) stehengeblieben. Deshalb waere es perspektivisch klueger, die Frage nach Minaretten nicht auf die Religionsfreiheit zu reduzieren, sondern auch deren politischen Aspekt zu beachten - etwa dadurch dass man verlangt, dass dort Gesetze im Allgemeinen und Grundrechte im Besonderen eingehalten werden. Zum Beispiel der Gleichheitsgrundsatz (Stichwort: Rolle der Frau im Islam).
EDIT:
"Quelle" der von dir zitierten Zeilen ist die BILD unter Berfung auf die Hurriyet (wenn du noch Fuad Abazovic und SPON in die Kette der Märchenerstellung reinkriegst, gibts nen Keks), nicht der Focus, auf den du verlinkst und der seinerseits bereits darauf hinweist, dass Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen wurden, um einen falschen Eindruck zu erwecken.
Natuerlich darfst Du das.
Das Zitat mag aus dem Kontext herausgeloest worden sein, ja - mein Tuerkisch ist nicht gut genug, um das zu ueberpruefen (Deins?). Fakt ist aber, dass es ein
Zitat ist (und mitnichten ein "Maerchen"), dass der Zitierte auch gar nicht abstreitet, sondern nur zu relativieren gesucht hat. Es gibt auch noch weitere Zitate von Herrn Oeger, die er zwar auch fleissig relativiert hat, die aber in der Summe einen ganz eigenen Kontext bilden und ein, sagen wir: nicht sonderlich modernes Gleichberechtigungsverstaendnis vermuten lassen. Und Fakt ist auch, dass das Zitat fatalerweise zur Realitaet passt (die Fortpflanzungsrate von Personen mit entsprechendem Migrationshintergrund ist nachpruefbar hoeher als von Nativen). Letzteres finde ich auch ungleich interessanter als das Zitat selbst.