AW: Klarnamenpflicht: Gesetzentwurf könnte Jugendliche aus sozialen Netzwerken und Spieleplattformen werfen
Könnten wir eventuell zum Thema zurückkehren? In der DDR gab es kein Internet und damit auch keine Klarnamenpflicht im selbigen.
Davon abgesehen geben die Menschen in der digitalen Welt heutzutage aus Ignoranz, Fahrlässigkeit oder Gleichgültigkeit dem Staat, der freien Wirtschaft und Kriminellen (Überschneidungen genannter Gruppen möglich) so viel von sich preis, dass der reflexartige Verweis auf "prähistorische" Überwachungsdiktaturen allmählich schal klingt.
Was konkret die Klarnamenpflicht angeht, gibt es - so sie den in irgend einer Form kommt - ein sehr probates Mittel, damit umzugehen: nämlich nachzudenken, bevor man den erstbesten lauwarmen Hirnfurz auf die Weltöffentlichkeit loslässt.
Sollte der Name für jedermann sofort ersichtlich sein? Nein, dafür sind mittlerweile zu viele Spinner unterwegs, wegen denen man über eine solche Pflicht ja überhaupt erst nachdenken muss. Aber eine Möglichkeit, den Klarnamen von einer sicheren Ident-Verwaltungsstelle begründet abzufragen, sollte es geben. Die Einrichtung eines solchen Systems ist kein Hexenwerk, man dürfte es halt nur nicht den Vollpfosten überlassen, die bis dato im Staatsauftrag vergleichbare Projekte versemmelt haben.
Wenn die Abfrage entsprechende Hürden voraussetzt und außer bei Verdunklungs- oder Fluchtgefahr die Person standardmäßig über die erfolgte Abfrage informiert wird bzw. in bestimmten Fällen sogar der Herausgabe zuerst aktiv zustimmen muss, sehe ich darin kein grundsätzliches Problem.
Und, wie schon geschrieben, bei Minderjährigen ohne Identifikationsdokumente sind so oder so die Erziehungsberechtigten in der Pflicht und sollten ohnehin zumindest grob wissen, wo sich ihre Sprösslinge virtuell herumtreiben. Es verlangt ja niemand, dass sie Kontrolle über den Account ihrer kleinen Scheißer haben sollen, sondern nur, dass sie wissen sollten, dass so ein Account existiert, weil sie ihn verifiziert haben. Dann hat beim nächsten Fall von Radikalisierung, Cyber-Grooming und Ähnlichem nämlich wenigstens nicht wieder keiner von irgend etwas gewusst ...
Und wenn es dann noch nicht einmal für jedes kleine Wald- und Wiesenforum, sondern nur für Plattformen mit entsprechender Reichweite gilt, ist erst recht alles in Ordnung. Dann kann man nicht anonym im Fressenbuch hetzen, darf aber im Chat des Interessenverbands "Sex mit Zimmerpflanzen" o.ä. trotzdem heimlicher Genießer bleiben.