Eine RX 6900 XT hat eine TDP von ab Werk 300W. Und genau die verbraucht sie auch unter Vollast. Das ist exakt so wie es sein soll.
Wäre dem so, müssten die Definitionen von diversen Bezeichnungen komplett neu geschrieben werden und es würde die Begriffe Scheinleistung, Verlustleistung, Schleppleistung (z.B. bei Motoren), Blindleistung (bei Wechselstrom), Wirkleistung etc. nicht geben.
TDP gibt an, mit welcher Abwärme zu rechnen ist, damit die Kühlung ausreichend dimensioniert werden kann. (Sprich: Es ist die Angabe der benötigten Kühlleistung, die das Kühlsystem liefern soll.) Es handelt sich dabei also nicht um die aufgenommene Leistung, sondern eine thermische Verlustleistung.
Manche Hersteller geben TDP unter Volllast an, manche bei einer "durchschnittlichen" Belastung. Und was ein Hersteller unter "durchschnittlich" versteht, darf er auch noch selbst definieren, da es dafür keine einheitliche Richtlinie gibt. Eine einheitliche Definition ist auch kaum möglich, da es abhängig von der Architektur und Prozessorgeneration unterschiedliche Lastverteilungen erfordert, um einen Prozessor (CPU genauso wie GPU) voll auszulasten.
Die Leistungsaufnahme liegt über der thermischen Verlustleistung.
Bei Grafikkarten ist die TDP für den Anwender zunächst jedoch irrelevant - die Karten haben bereits Kühlsysteme, die vom Kartenhersteller für die zu erwartende Abwärme ausgelegt sein sollte. Es kann höchstens noch interessant werden, wenn man die im PC-Gehäuse verbleibende Abwärme (was dann ein Mix aus diversen Wärmequellen ist) aus dem Gehäuse herausbefördern will. Nur habe ich noch nie einen Endverbraucher im privaten Bereich gesehen, der sich mit solchen Berechnungen auseinander gesetzt hat. Ausreichend Gehäuselüfter eingesetzt und gut ist.
Bei CPUs hingegen ist die TDP für die Auswahl eines passenden Kühlers schon hilfreich.
Am Rande:
Mir erschliesst sich allerdings nicht, warum Grafikkarten häufig auf die GPU reduziert werden.
Damit werden die hersteller- und modellabhängigen Unterschiede zwischen verschiedenen Karten mit gleicher GPU völlig unterschlagen. Wenn die alle absolut identische Leistungsdaten hätten, wäre es reichlich unsinnig für die Kartenhersteller diverse Modelle zu entwickeln. Dann würde es auch keinen Unterschied machen, ob eine Grafikkarte nun mit 4GB oder 12GB VRAM ausgestattet ist und ob sie mit Referenztakt oder als OC-Version mit höherer Taktfrequenz auf den Markt kommt.
auf der Herstellerseite ist eine Leistungsaufnahme angegeben von <400W
Kommt darauf an, was als Herstellerseite betrachtet wird. (AMD wäre in dem Fall völlig daneben.)
Die im Titel genannte Bezeichnung "Sapphire Toxic RX 6900 XT" wäre zudem unvollständig.
Sapphire hat in der Toxic-Serie mit diesem Chip
a) Toxic Radeon 6900 XT Extreme Edition (Leistungsaufnahme kleiner 430W; TDP nicht angegeben.)
b) Toxic Radeon 6900 XT Air Cooled (Leistungsaufnahme kleiner 400W; TDP nicht angegeben.)
c) Toxic Radeon 6900 XT Limited Edition (Leistungsaufnahme kleiner 400W; TDP nicht angegeben.)
Die gelieferte Bezeichnung lässt also eine Auswahl aus drei verschiedenen Karten zu. Die genannte Leistungsaufnahme-Angabe reduziert das lediglich auf die Air Cooled und Limited Edition. Bleibt eine 50:50-Chance, die falsche Karte zu betrachten. (Im IT-Bereich ein verdammt schlechtes Verhältnis.)