Jo, das ist alles total fishy aktuell. Angeblich soll der Vorhof getroffen worden sein und dabei sterben dann 500 Menschen?
In einem Kriegsgebiet, wo viele Verletzte ärztliche Hilfe suchen? Oder sich um Verwandte sorgen, die in Behandlung sind? In dem viele Menschen Obdachlose werden und Hilfe suchen? In dem viele Menschen einfach nur Angst vor einem gewaltsamen Tot haben und sich deswegen bevorzugt an Orten aufhalten, die Anzugreifen ein Kriegsverbrechen gemäß Genfer Konvention ist, das vorbildiche Freunde westlicher Nationen niieeee begehen würden?
Klingt für mich jetzt nicht so unrealistisch. Übertreibung um Faktor 2-5 je Einzelfall muss man bei der Hamas natürlich immer in Betracht ziehen, aber es bleibt eine Greultat. Und afaik bestreiten auch die Isrealis weder eine Explosion über/in dem Gebiet noch die resultierenden Opferzahlen. Strittig ist nur, was da explodiert ist, wo es herkam und wo es hin sollte.
Was ist denn das eigentlich mit den Siedlern? Die Israelis haben ja nen Zaun zum Gazastreifen, bauen die den jede Woche mal ab und versetzen den?
Im Gazastreifen gibt es, wie bereits gesagt, keine Siedler mehr. Der Zaun steht aber teilweise deutlich jenseits der völkerrechtlichen Grenzen Israels und zudem wird ein mehrere 100 m breiter Streifen dahinter als Sicherheitszone betrachtet, die zu betreten für Palästinenser regelmäßig mit der unmittelbar vollstreckten Todesstrafe endet. Klingt erstmal nach wenig, aber man sich vor Augen hält, dass der ganze Gaza-Streifen teils nur 6 km breit ist und der Strand auf der anderen Seite nicht gerade den besten Kartoffelacker abgibt, dann stellen allein die Grenzanalgen schon eine Besetzung von bis zu 5% dar.
Wo es Siedler gibt, das ist im Westjordanland, dessen Bewohner sich die Hamas weiterhin verbunden fühlt (umgekehrt nicht so sehr), da das auch Palästinenser sind. Dort sind die israelischen Grenzanlagen weniger fest und ja, die werden von den Siedler versetzt: Israel beansprucht bereits jenseits der Grenze die volle polizeiliche (und wenn das nicht reicht auch militärische) Kontrolle über die meisten Verkehrswege. Dass heißt Siedler können sich im "palästinensischen Land" frei bewegen (während Palästinenser teilweise für eine Strecke von 2 Kilometern einen 20-km-Umweg fahren müssen, weil die direkte Strecke "only Israeli" ist. 1A Südstaatenvibes). Und das nutzen die Siedler nicht nur, um mal mit dem Auto shoppen zu fahren. Sondern auch z.B. für eine Kolonne LKWs mit Containern und einen Kran, der selbige auf den nächstbesten Hügel pflanzt. Einen Hügel, der in Palästina liegt und der Palästinenser gehört, aber der dann eine neue israelische Siedlung darstellt. Zaun drum rum (natürlich nicht um den Hügel, sondern um ein paar km² eigentlich-palästinensisches Ackerland drum rum) fertig. Das ganze ist zwar illegal, aber der militante Arm der Siedler hat kein Problem damit, "sein" Eigentum mit der Waffe zu verteidigen. In der letzten Woche gab es sogar mehrere Fälle, in denen Siedler einfach in das nächste palästinensische Dorf sind und da insgesamt 1-2 Dutzend Palästinenser erschossen haben. Bei uns wäre das schlichtweg Mord, im Westjordanland verfolgt des israelische Polizei wenig bis gar nicht und wenn Palästinenser jeglicher Art, einschließlich Behörden, sich Zugang zu den Siedlungen verschaffen wollen, werden diese vom israelischen Militär verteidigt. Auch die illegalen, die Netanjahu und seine Freunde sowieso in regelmäßigen Abständen legalisieren.
Zudem weiß ich ja nicht mal, was dieser "Gazastreifen" überhaupt ist? Ist das nen Staat?
Das ist alles so verworren und undurchsichtig...genau wie dieses "Palestina", das scheint auch nur so nen feuchter Traum zu sein, glaub ich.
Offiziell ist das ein Restgebiet, dass den Palästinensern zugeteilt wurde, um da einen eigenen Staat zu gründen, zusammen mit dem Westjordanland. Aber als in letzterem selbiges Palästina vor ein paar Jahren tatsächlich ausgerufen wurde, haben Israel & Verbündete dafür gesorgt, dass dieser von der Mehrheit der Welt nicht anerkannt wurde. Im Gazastreifen gab es nicht einmal den Versuch. Zusätzlich sind beides aber auch Gebiete, die Israel militärisch besetzt hat(te), ohne es aber zu annektieren, um ihnen anschließend unter Bedingungen (die nicht wirklich erfüllt werden) eine gewisse Selbestveraltung zu erlauben. Dazu wiederum sollen die Bewohner eine Regierung wählen, im Falle des letzten Gaza-Wahl war das die Hamas. Die wiederum hat sich aber die Vernichtung Israels auf die Fahne geschrieben (mehr oder minder wortwörtlich) und wird somit von den Besatzern, die aber militärisch gar nicht mehr vor Ort sind, nicht anerkannt. Außerdem wurde sie nur bis 2010 gewählt und hat es seitdem nicht für nötig gehalten, "ihr" Volk noch einmal zu befragen.
Das Energebniss ist eine formell teilautonome Region. Aber nicht in einem Mutterstaat (wie z.B. Grönland innerhalb Dänemarks), sondern daneben. Mit einer radikalen Autonomieregierung, die weder von besagtem Mutterstaat noch vom ansässigen Volk anerkannt wird, gegen die beide aber auch nichts unternehmen (weil sie es ohne Blutbad an Unschuldigen nicht können). Eine Autonomieregierung, die sich wiederum selbst für sowas wie Herrscher eines Staates aufführen, als solche aber von niemandem anerkannt werden und rein praktisch auch nicht einmal die absoluten Basics des Staatsseins wie z.B. "eigene Grenze schützen" hinbekommen. Umgekehrt wiederum schert sich der Besatzer-/Mutterstaat die meiste Zeit über einen Dreck darum, was eigentlich in dieser assoziierten, autonomen Region vor sich geht.
Alles in allem also ein Ding, dass keiner der von dir genannten Optionen entspricht. Man bräuchte ein eigenes Wort dafür. Weil es das ganze weltweit nur einmal gibt, nennt man es der Einfachheit halber "Gaza".
Es zerfiel in 2 Teile? Ist das ne Art BRD und DDR? Wie gesagt, ist sehr verworren das ganze.
BRD und DDR waren beides vollwertige funktionierende Staaten. Komplett mit Außenpolitik ordnungsgemäßer Grenze dazwischen, nur halt mit einer gemeinsamen Vergangenheit und dem Traum einer gemeinsamen Zukunft. Gaza und Westjordanland haben ein Israel dazwischen, dass alle Verbindungen nach außen reguliert und träumen davon, irgend eine Zukunft zu haben.
Dann erzähl mal oder erkläre mal, wo Juden oder Zionisten in DE auf die Straße gehen und für die Vernichtung der Palästinenser demonstrieren
Wofür sollen Zionisten denn noch demonstrieren, wenn unser Verteidigungsminister schon freundschaftlich und mit uneingeschränkten Solidaritätsbekundungen jemandem die Hand schüttelt, der Einwohner Gazas als "Tiere" bezeichnet und ihnen somit die Menschenrechte abgesprochen hat? Davon abgesehen gibt es in Deutschland vermutlich eher wenig Zionisten, das ergibt sich direkt aus der Ideologie des Zionismus.
Juden wiederum sind einfach Menschen mit einer bestimmten Religion. Aber es macht Konflikte ja auch so viel unterhaltsamer, wenn sie einfach pauschal auf ganze Glaubensgemeinschaften überträgt, nicht?