AW: Intel stopft 77 Sicherheitslücken mit Microcode-Updates und entdeckt neue Zombieland-Malware
Spectre war ein Sonder- weil Erstfall und die Panik auch bezüglich Endanwendern gerechtfertigt: Angriffe waren (und sind!) vom System nicht erkennbar, aber via Java Script ohne Zugriff das System und ohne Schutzmöglichkeit durch Firewalls oder Virenscanner möglich. Während nahezu alle anderen Sicherheitslücken Kooperationen des Anwenders voraussetzen, war Spectre ein offenes Loch in der Wand. Zudem waren die Forscher nach kurzer Zeit in der Lage 80-90 Prozent aller in den letzten Jahren verkauften Architekturen auszutricksen und die Angriffe erfolgen konzeptbedingt zielgerichtet Angriffe auf die gewünschten Daten. Trotz des hohen Entwicklungsaufwandes wäre so etwas für beispielsweise Kreditkartenbetrüger sehr interessant.
Man muß allerdings für jede Architektur einzeln den Angriff planen. Dann braucht man dazu auch noch unglaubliches Fachwissen, da sind die ultimativen Profis gefragt. Was man damit abgreifen kann ist auch weit von extrem nützlich entfernt. Den RAM mit 10 bis 500KB/sec auslesen können ist zwar durchaus verwertbar, aber weit entfernt vom Komfort eines Keyloggers und einem Video, von dem, was auf dem Desktop vorsich geht. Am schlimmsten ist, dass man das Opfer auch noch dazu bringen muß, die Software zu installieren.
Besonders das letzte ist der Todesstoß für jegliche Praxistauglichkeit. Dann kann man auch über Zero Day Lücken in Windows usw. einbrechen und sich sich Administratorrechte erschleichen. Virenscanner auszutricksen ist ebenfalls kein absolutes Hexenwerk. Da braucht man dann keinen eigenen Geheimdienst, es reicht Schadsoftware, die man sich irgendwo zusammenkaufen (der Innemminister weiß wo) oder aus dem sogenannten Darknet beziehen kann.
Wirklich nützlich ist das ganze wohl nur für große Geheimdienste (im Moment wohl eher die USA [NSA], Israel und eventuell China), die in irgendeiner Anlage einen virtuellen Server kompromittiert haben und nun auch noch in alle anderen VR Maschinen auf dem Server einbrechen wollen. Sollten es diese Mächte auf mich abgesehen haben ist eh alles zu Spät, die können dann gleich bei mir einbrechen (einfacher, billiger und effektiver).
Wirklich erschreckend war z.B. Heartbleed. Das haufenweise Server ihre Passwörter usw. mit einer einfachen Anfrage rausgerückt haben war schon ein starkes Stück oder wie es ein Sicherheitsexperte beschrieben hat "auf einer Skala 1 bis 10 ist das die 11". Spectre wäre dann meiner Meinung nach die 0, Meltdown und Zombieload die 0,5.
Würde man bei anderen Sicherheitslücken ähnlich reagieren, dann bräuchten wir alle mindestens 4 PCs (je einen für Spiele, Internetsurfen, Bürotätigkeiten, Onlinebanking), die möglichst mit Boot DVDs arbeiten und jeweils ihren eigenen Internetzugang hätten (O2 Free ist mit seiner 1 MBit Flat für unter 10€ recht preiswert). Das würde alles sogar eine Menge bringen, macht nur fast keiner.
Siehe oben.