Für uns nicht direkt, für sie schon.
Das Problem ist dass wir viele viele Jahre eine (Geld-)Politik gefahren haben, die keinerlei Schmerzen mehr zulässt und die Märkte extrem einschränkt. Ein Staat macht jedes Jahr Milliardenverluste? EZB kauft Anleihen mit Geldneuschöpfung. Ein Unternehmen hat keine Rücklagen für eine Krise zu bestehen? Retten wir mit neuem Geld. Eine Bank hat sich verzockt und ist insolvent? EZB regelt, neues Geld für nix für die Bank. Die Börse fällt? Oh mein Gott! Sofort neue Liquidität in die Märkte pumpen dass die stonks always up gehen!
Bei einer "normalen" Politik von früher (tm) wären unrentable Betriebe, verzockte Banken und notfalls auch politisch unhaltbare Staaten eben mal insolvent gewesen. Die Börse hätte auch mal 20 oder 30% korrigiert. Das Maastricht-Kriterium wäre irgendwann irgendwo mal konsequent eingehalten worden.
Dann wären die Zeiten insgesamt vielleicht ein bisschen weniger luxuriös gewesen - aber dann stände man jetzt nicht da mit 9 Billionen Euro Bilanzsumme der EZB und rund 100% BIP Verschuldung der Eurozone.
Ums mal ganz hart zu sagen: Wir sind pleite weil wir 10 Jahre lang über unseren Verhältnissen gelebt haben und alles und jeden gerettet haben der nicht bei 3 aufm Baum war. Und jetzt kommt der große Knall und die Fallhöhe ist immens hoch.
Der Knall kann nun auf verschiedene Arten kommen. Und da ist eine länger andauernde Inflation von 10% bei Null Zinsen wahrscheinlich noch die harmloseste Version - denn das kostet nur Geld und macht Leute ärmer. Die Variante hohe Zinsen einführen führt zu Staatspleiten, Währungsreformen, ggf. Aufständen. Nicht so geil. Grade in Zeiten wo auch noch Krieg ist und in Industrieländern eine rechte kandidatin über 40% der Stimmen bekommt wäre das noch weniger geil - das letzte Mal als ne ähnliche Situation war kam dann son Seitenscheiteltyp und hat den Leuten erzählt das warn alles die Juden schuld.
Ich will hier keinesfalls die EZB verteidigen, das ist ein unehrlicher Saftladen wegen dem wir alle mächtig blechen werden. Aber man darf auch nicht aus den Augen verlieren, dass es noch viel viel schlimmere Möglichkeiten gibt wie sowas ausgehen kann.
...aber wir entfernen uns ein bisschen vom Ursprungsthema wo der TE im Wesentlichen wissen wollte wie man selbst damit umgeht (oder?).
Wenn ich lese was du schreibst, macht mir das noch mehr Angst.
ich habe aktuell 100.000€ angespartes Bargeld auf dem Konto liegen - Geld dass ich mir 20 Jahre lang selber durch harte 50 Stunden Wochen gespart habe…..—mein haus (Kaufpreis ist vertraglich gesichert, es können auch durch Krisen oder rohstoffpreisererhöhungen keine Preissteigerungen mehr stattfinden) steht in frühestens 1,5 Jahren (wie, durch rohstoffprobleme etc. Alles sich verzögert). Dashaus wird komplett übereignen Kredit gezahlt.
Ich wollte das Geld für Außenanlagen, photovoltaik, Garage etc. einsetzen - befürchte aktuell aber, dass es dann einfach nichts mehr wert ist.
es ist zum kotzen.
ich bin in einem bauherrenforum bei Facebook mit mehr als 10.000 Mitgliedern und da eskaliert es aktuell immens.
die Preise für die Häuser sind in den letzten 5 Monaten nochmal um 20% gestiegen, die kfw Förderung ist weggebrochen, die darlehenszinsen sind mittlerweile von 1-2% auf 2-4% gestiegen.
beim Hausbau sind alleine in den letzten 5 Monaten die Kosten für ein 400.000€ Bauvorhaben auf 550.000€ angestiegen. Die Leute verzweifeln gerade, auch weil sie bereits Verbindlichkeiten eingegangen sind.
ich hatte in der Hinsicht Glück. Kfw Förderung habe ich erhalten, guter zinssatz, hauspreis noch gesichert - und ich und meine Partnerin verdienen zusammen ca.8000€ netto im Monat - aber der Traum vom Hausbau wird jetzt gerade nochmal 20% unmöglicher für viele als vor 5 Monaten.
Hey, die Chaostage hatten ein politisch wichtiges Ziel. Die größere Angst hab ich vorm Zulauf zu den rechten Parteien. In Frankreich hat man ja am Wochenende gesehen wie bedrohlich diese Situation ist. Der rechte Rand rückt immer weiter in die Mitte , destabilisiert damit die Demokratie und unsere Freiheit. Dabei bekommen die nichtmal mit wessen Marionette sie sind.
Man muss aber hier eben auch sagen: das ständige finanzieren und Geld ins ausland schieben, sorgt eben dafür dass der Wohlstand in Deutschland sinkt und diese Situation aktuell wurde ja maßgeblich herbeigeführt durch die viel zu großzügigen Ausgaben auch in diesen Bereichen. Da liefert man der rechten Ecke eben auch ordentlich Material Und ich merke auch wie in meinem gut situierten Umfeld die Meinung immer mehr nach rechts tendiert - das ist schade, aber lässt sich eben durch das, was gerade passiert nicht mehr abwenden.