Das Teufel Concept E300 im Dauereinsatz
Das Teufel Concept E300 im Dauereinsatz
Da ich das Teufel Concept E300 nun schon beinahe 5 Monate im ausgiebigen Einsatz habe, möchte ich nun mal beschreiben, wie sich das System im Dauereinsatz am PC schlägt.
Die Lautsprecher kamen ausführlich in den üblichen Anwendungsgebieten zum Einsatz, als da wären:
- Musik Stereo
- Musik Raumklang
- Film Raumklang
Doch bevor es losgeht noch etwas zur Ausstattung, Aufstellung und den Einstellungen:
Das vordere Satelitten-Triplett des E300 ist noch immer genauso wie auf den Bildern im eigentlichen Test aufgestellt, auch die anfängliche Position des Subwoofers hat sich im Dauereinsatz als optimal bewährt.
Die hinteren Satelitten mussten anfänglich auf zwei Stühlen hinter mir platz nehmen, bekamen aber kurze Zeit später Unterstützung in Form der Lausprecherständer...
Teufel M 50 P in schwarz.
Die M50 P in Einzelteilen
Die Chromverzierung am Standfuß
Die Befestigung am Satelitten-Lautsprecher und die Kabelführung
Die Ständer überzeugen mit guter Lack-Qualität, einer schönen verchromten Zierde und Kabeldurchgang durch den Ständer und im Fuß. Selbiger hätte aber durchaus 5cm mehr Durchmesser vertragen, auf Teppich kommt er relativ schnell ins Wackeln, ist mir aber trotzdem bisher noch nie umgekippt. Ständer und Satelitten passen perfekt und harmonisch zusammen.
Die Satelittenabstände wurden alle ausgemessen und betragen 2m bis 2,10m von der idealen Hörposition. Der Subwoofer steht ca. 40cm hinter dem Center-Lautsprecher da ich sonst genau in einer stehenden Welle sitzen würde. Die Frontlautsprecher befinden sich, wie auf den Bildern zu sehen etwas unterhalb der Brusthöhe und sind ca. 15° nach oben angewinkelt. Ich hatte die Frontlautsprecher zwischenzeitlich durch Bücher ca. 30cm höher aufgestellt, allerdings wurden die Höhen dadurch unangenehm spitz.
Die Rear-Lautsprecher befinden sich exakt auf Ohrhöhe im Sitzen.
Der Basspegel am Subwoofer hat sich in einer 3/5-Stellung als ideal für meinen Raum erwiesen. Den Volume-Regler bediene ich nur in Ausnahmesituationen wenn ich weit über Zimmerlautstärke hinaus will, ansonsten steht auch er etwa in 3/5-Position. Als Klangquelle dient immernoch die Asus Xonar D1, mittlerweile mit dem Treiber 6.12.8.1764. Die Vorgänger-Version sorgte ab und an für Aufhänger von Winamp im zusammenspiel mit ASIO.
Die Samplingfrequenz wird für Musik von CD auf 44.1 Khz eingestellt, für Audio- sowie Film-DVD's auf 48Khz, für HQ-Vinyl-Rips auf 96KHz, sodass der Sound nie resampled wird. Hier erweist sich die Xonar als absolut flexibel. Sowohl der Mischer als auch der Equalizer sind neutral eingestellt, Upmixing ist ausgeschalten und die LFE-Frequenz hat sich auch mit 150Hz bewährt. Eine Ortung des Subwoofers ist aufgrund der guten Aufstellposition nicht wahrzunehmen.
Als Klangquellen dienten verlustfrei gerippte Original-CD's und Audio-DVD's die mit foobar2000 wiedergegeben werden. Der Filmbereich wird durch DVDs und teilweise Blu-Rays in Verbindung mit VLC repräsentiert.
Doch nun zu den klanglichen Eindrücken.
(alle Beschreibungen spiegeln lediglich meine persönlichen Eindrücke wider. Auf professionelles Mess-Instrumentarium habe ich verzichtet

)
Musik - Stereo
1) Glasvegas - Glasvegas
Der eine oder andere Indie-Fan mag die Band eventuell kennen. Glasvegas stehen für atmosphärischen Stadion-tauglichen Rock. Breite Gitarren-Wände werden von einem einzigartig klingenden Standschlagzeug und einem wunderbar dialektreichen schottischen Gesang unterstützt.
Das Concept E300 ist bei dieser CD leider nicht überzeugend in der Lage, den Sound der Background-Klampfe völlig vom Lautsprecher zu lösen, Gesang und Schlagzeug stehen dagegen angenehm im Raum. Die Dynamik lässt sich bei dieser CD schlecht bewerten, da es kaum leise Passagen in den Liedern gibt. Dafür werden andere Musikstücke herhalten müssen.
Das Schlagzeug erzeugt einen angenehm sanften Druck, die Hi-Hats spielen wunderbar warm. Vom tiefen Mittelton ist leider kaum etwas zu hören, hier zeigen sich die physikalischen Schwächen eines Satelitten-Subwoofer-Gespanns.
2) Emilíana Torrini - Me and Armini
Wer von Emilíana Torrini nur Sound wie "Jungle Drum" erwartet liegt völlig daneben. Ihr aktuelles Album wartet mit Abwechslungsreichtum durch alle Genres von Reggea über Soul bis zum Psychedelic Rock auf.
Der Opener "Fireheads" startet mit einem Bass-Gitarren-Solo. Da ist er dann plötzlich, der bei Glasvegas vermisste Tiefmittelton. Doch sobald Torrinis Gesang startet geht ihm wieder die Puste aus. Zu früh gefreut. In diesem Frequenzbereich fehlt dem E300 also augenscheinlich Pegelfestigkeit und Frequenztrennung, der Tiefmittelton wird einfach von höheren Frequenzen verschluckt. Eine 120mm-Membran statt der 80mm hätte hier sicher Wunder gewirkt, bleibt aber leider den Motiv-Satelitten vorbehalten...der Aufpreis muss ja auch irgendwo gerechtfertigt sein.
Instrumententrennung, Dynamik, Klarheit...in allen Disziplinen überzeugt das Concept E300 bei dieser CD. Beim folgenden Albumtitelgeber "Me and Armini" kommt das System dann wahrlich richtig in Fahrt. Die Satelitten zeigen ihre volle Spielfreude, der Subwoofer gibt den Reggea-Rhythmus spaßig rüber, sauber und druckvoll. Auch bei diesem Stück zeigt sich die warme Abstimmung des Hochton-Bereichs als wahrer Glücksgriff. Die Hi-Hats treten nicht in den Vordergrund und überlassen das Feld Emilíanas Stimme. So und nicht anders gehört sich das.
3) Mitsuko Uchida & Mark Steinberg - Mozart - Sonatas for Piano & Violin - Philips SACD
Nun kommen wir zur ersten SACD. Hierfür bekam ich dankenswerterweise von einem Freund einen SACD-Player gestellt.
Paradestück der CD ist für mich das 10-minütige "Tema Con Variazioni, Andante (K377)".
Den Anfang macht das Piano...hier fehlt es leicht an Tiefgang, der Hochtonbereich kommt sehr überzeugend rüber. Die Details werden sehr gut herausgearbeitet, teilweise sind die Finger-Anschläge auf den Tasten hörbar.
Die einsetzende Violine vermag es dann, mir die Sprache zu verschlagen.
Das E300 spielt bittersüß und samtig weich. Man hört das Absetzen und Reiben des Bogens auf den Saiten, den holzigen Klang des Resonanzraumes, jede Bewegung der Griffhand. Hier wird klar: Violinen sind die Parade-Disziplin des E300. Piano-Liebhaber sollten sich dagegen lieber nach einem anderen System umschauen.
Musik - Raumklang
4) Dire Straits - Brothers in Arms - 20th Anniversary Edition Mehrkanal-SACD
Eine weitere SACD mit Referenzcharakter soll nun die Fähigkeiten im Mehrkanal-Musik-Bereich aufzeigen. Hier interessieren vor allem die Titel "Money for Nothing" und "Brothers in Arms"
"Money for Nothing" hat den Weg ins Repertoire vor allem wegen dem gelungenen Duett zwischen E-Gitarre und Bass-Gitarre geschafft. Beide spielen hervorragend voneinander getrennt, hier gewinnt auch der Tiefmittelton deutlich an Präsenz. Die Raumnutzung ist dafür lediglich durchschnittlich, was, wie sich später zeigt, aber an der Abmischung liegt. Gesang, Gitarren und Schlagzeug spielen alle sehr dominant von mittig vorn. Die von Mark Knopfler gespielte Lead-Gitarre wandert periodisch von Links nach Rechts und wieder zurück, sein Gesang bleibt aber in der Mitte festgenagelt. Das mag zwar den Eindruck einer Bühne erzeugen, wirkt jedoch
etwas paradox und wenig glaubwürdig. Hier hat der Tontechniker schlichtweg versagt. Schade!
Das Abschließende "Brothers in Arms" klingt dagegen in einer völlig anderen Liga. Das Synthi-Vorspiel zieht sich durch den ganzen Raum, kommt von Überall, wie ein Raumschiff, was genau über einem schwebt, mit donnernden Triebwerken. Der Einsatz der Lead-Gitarre zerrt den Höhrer aus dem sich ankündigenden Gewitter. Was für eine Atmosphäre!!! Knopflers Gitarren-Spiel wird absolut sauber und klar wiedergegeben. Hier zeigt sich also noch eine weitere Disziplin, die das E300 wirklich souverän bewältigt...E-Gitarren klingen aus dem System wirklich klasse!
Der Gesang wiederum zeigt erneut den relativ schwachen Tiefmittelton des Systems, Knopflers Stimme klingt zwar durchaus gut, aber bei genauem Hinhören doch künstlich, wenn man die Augen schließt entsteht nicht der Eindruck, er würde vor einem stehen und singen. Beim Raumklang kündigt sich schon an, was das E300 beim Film noch unterstreichen wird. Das Raumklang-Potential des Systems ist immens. Die Keyboards schaffen ein Rundherum was einem das Gefühl gibt wirklich mittendrin zu sein, nicht als Zuhörer, sondern als Bandmitglied. Fantastisch!
Film - Raumklang
5) Luc Besson - Das fünfte Element
Was den Filmgenuss angeht bin ich mittlerweile etwas enttäuscht. Das liegt aber nicht am Concept E300 sondern viel mehr an der vielzahl der getesten Filme, denn das E300 zeigt gnadenlos, dass ein Großteil der Filme klanglich mehr schlecht als recht abgemischt ist. "Wir waren Helden" zum Beispiel ist sehr basslastig abgestimmt, ein schwammiger Tiefton zieht sich durch alle Kampfsequenzen des Filmes, die Schussgeräusche klingen dünn, die Sprache flach. Diese Blu-Ray war ein echter Fehlkauf, denn auch das körnige und extrem unscharfe Bild macht sich die Möglichkeiten des neuen Mediums nichtmal ansatzweise zunutze. Eine Enttäuschung auf ganzer Linie.
Im krassen Gegensatz dazu steht Luc Bessons Meisterwerk "Das fünfte Element". Das Bild ist für einen Film diesen Alters durchaus in Ordnung, die Tonabmischung gehört mit zum Besten was ich bisher beim Film erlebt habe. In der Anfangssequenz des Filmes, in der Höhle, wirkt der Hall-Effekt wirklichkeitsgetreu und angemessen. Die Sprache bleibt dabei deutlich und klar. Die Klangkulisse im Weltraum und in der Megacity ist gespickt mit Tonbewegungen quer durch den Hörraum. Da ziehen Fahrzeuge von links nach rechts, von oben nach unten vorbei, Actionszenen bauen einen spaßigen Druck auf. Der Zuschauer wird intensiv ins Geschehen hineingezogen, man fühlt sich durchaus als Teil der Geschichte. Kampfszenen und Schusswechsel sind gespickt mit überzeugenden Explosionen, vorbeipfeifenden Querschlägern und herumsplitterndem Interieur. Da macht das Zuhören einfach Spaß! In diesem Klanggebiet fühlt sich das Teufel-System hörbar wohl und es lässt sich auf keine Schwäche ein. Kompromisslos Gut! Das System zeigt ganz klar wofür es konzipiert wurde.
Abschließendes Fazit
Nach 5 monatigem Kennenlernen überwiegt weiterhin der positive Ersteindruck. Dem Concept E300 zu lauschen macht noch immer Spaß, immer wieder entdecke ich neue Facetten an alten Songs, tausendmal gehört und plötzlich taucht da ein bisher ungehörter Effekt auf. Meine anfängliche Befürchtung, ich würde mich schon nach wenigen Wochen an den neuen Sound gewöhnt haben, hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Jeden Tag aufs Neue macht es Spaß den Lautsprechern bei ihrer Arbeit zuzuhören.
Natürlich, man muss realistisch sein. Wer sich für das Concept E300 entscheidet, der entscheidet sich zwar nicht klar gegen Stereo-Musik-Genuss, doch er entscheidet sich doch eher für spaßigen (Raum)klang als für High Fidelity.
Die eindeutige Schwachstelle des Systems bildet der etwas knapp bemessene 80mm-Mitteltöner und der damit unterrepräsentierte Tiefmitteltonbereich. Der verliert schnell an Durchsetzungsvermögen und ergibt sich zu leicht höheren Frequenzen.
Tief- und Hochton sind erwartungsgemäß sehr gut dargestellt. Der Subwoofer spielt immer angemessen und sauber ohne schwammiges Nachschwingen. Die Satelitten zeichnen einen unglaublich weichen Hochtonbereich der vor allem bei Violinen wirklich erstklassig zur Geltung kommt. Das ist ganz Groß was Teufel da bietet!
Der Raumklang des Systems ist als sehr gut zu bezeichnen und kann mit der überwiegenden Zahl an Amateur-Heimkino-Anlagen mithalten. Gegen ein Gespann aus hochwertigem A/V-Receiver und ausgewachsenen Stand/Regal-Lautsprechern muss sich das E300 verständlicherweise trotzdem geschlagen geben.
Man kann auch nicht für einen Golf bezahlen und einen Ferrari erwarten.
Leistung liefert das Concept E300 satt. In meinem 15m² Zimmer habe ich es noch nie auf wirklich voller Leistung betrieben, das wäre nicht erträglich. Das System kann also getrost in Räumen bis 20m² eingesetzt werden. Für größere Räumlichkeiten sollte man sich dann aber doch Gedanken über das E400 machen, bringt es doch einen fülligeren Subwoofer mit mehr Leistung mit.
So bleibt mir abschließend zu sagen, dass ich den Kauf nicht bereue und noch immer meinen Spaß mit dem System habe. Für die Raumklangbeschallung eines PC-Platzes oder kleinen Zimmers wird man in dieser Preisklasse schwer Besseres finden, für den gehobenen Musikgenießer wird das E300 die eine oder andere Überraschung aber auch kleine Enttäuschungen bereit halten. Für High Fidelity Musik-Genuss sollte man aber trotzdem über den Kauf eines 2.0-Systems nachdenken.
Teufel hat ein überzeugendes System gebaut, nutzt die physikalischen Möglichkeiten gekonnt aus und sorgt damit für guten Stereo- und sehr guten Raumklang-Genuss.