Gendern? Ja/Nein/Vielleicht

Fräulein fand ich schon immer suspekt, gibt es in anderen Sprachen auch.
Wobei Madmoiselle im Französischen doch weiterhin Usus ist und daher wohl auch nicht negativ konnotiert. Dazu kommt es auch auf Ort und Kontext an: Ein kleines Mädchen "Fräulein" zu nennen, halte ich für unbedenklich. Eine erwachsene Frau so zu nennen, selbst wenn jünger, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Aber gut, ich bin als Millenial da auch sprachlich anders sozialisiert und empfinde diese Worte als sehr alterstümlich.
 
Merkst was? ^^

Opt-out ist doch immer und überall mieser als Opt-in. Findest du das nicht auch?
Opt-In funktioniert aber nicht immer - vor allem nicht bei der Ansprache, außer vor dem "Hallo" (einer muss ja anfangen mit der Begrüßung) kommt direkt ein "Bitte weibliche/männliche/personifizierte Pronomen benutzen". Daher ist Opt-Out bequemer und - das ist das wichtigste - reeller umsetzbar. Wenn mir jemand sagt, er möchte gerne mit Frau/Mann/divers angesprochen werden, ist das gut und wird selbstverständlich umgesetzt. Aber wir haben leider nicht die Möglichkeit, ohne eine Gespräch mit dem Gegenüber herauszufinden, was jetzt korrekt ist. Da ist Okhams Razor erstmal nicht falsch - weil man da nunmal in ~95% der Fälle richtig liegt. Und die 5% können gerne korrigieren - wie gesagt, wird ann natürlich umgesetzt?
 
Miss gibt es auch immer noch, nicht nur Madmoseille.
Was aber auch fürs gendern wieder egal.
Aber hauptsache der Feminismus wird immer wieder von unserem interessierten Rotkäppchen mit rein gebracht und schon die Leute beleidigt.
 
Wobei Madmoiselle im Französischen doch weiterhin Usus ist und daher wohl auch nicht negativ konnotiert. Dazu kommt es auch auf Ort und Kontext an: Ein kleines Mädchen "Fräulein" zu nennen, halte ich für unbedenklich. Eine erwachsene Frau so zu nennen, selbst wenn jünger, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Aber gut, ich bin als Millenial da auch sprachlich anders sozialisiert und empfinde diese Worte als sehr alterstümlich.
Keine Ahnung, wie das in anderen Ländern gehandhabt wird.
Meine Tochter habe ich auch hin und wieder mit Fräulein angesprochen, meist dann, wenn sie was angestellt hatte.
Eher Deutsches Reich in den Grenzen von 1914 oder dann doch in Richtung Sonnenstaatland?
Mich interessieren Grenzen nicht. Ich will nur nicht zum Tragen von Hosen gezwungen werden. :ugly:
 
Wie wäre es, wenn wir zum Ausgleich zwischen Mann und Weib einfach mal generisch feminin reden? Dann lassen wir Diverse noch immer außen vor, aber immerhin wäre es mal ein Ansatz diejenigen zu erkennen, die eigentlich nur ein Problem mit der Männlichkeit haben. XD

Liebe Mitbürger*innen ? :P

In den meisten Fällen wäre das, aufgrund des Aufbaus der deutschen Sprache, einfach nur länger und umständlicher. Bei den wenigen Ausnahmen, wo eine weibliche Form mal die silbenärmere ist, kommt es durchaus vor, dass selbst Männer damit angesprochen werden und es ist vollkommen normal, dass die weibliche Form für gemischte Gruppen genutzt wird. Z.B. "Schwester"(n) statt "Krankepflegerinnen und Krankenpfleger", "Huren" statt "sich Prostituierende" oder "Putze" statt "Reinigungsfachkräfte.

Sind halt nicht viele Tätigkeiten und vor allem sind es zu einem nicht unerheblichen Teil welche, auf die man nicht übermäßig stolz ist. Das ist aber keine aktive Diskriminierung durch den sprechenden, sondern das ist einfach Sprachgeschichte: Deutsch ist inklusive seiner Wurzeln über einen Zeitraum von rund 1,5 Jahrtausenden entstanden und das nach den jeweiligen Strukturen dieser Zeit. Nur die letzten 0,5 Jahrhunderte hatten Frauen dabei überhaupt eine nenneswerte Chance auf mehr (oder minder) tolle Aufgaben, und dementsprechend wenig hat die Anwesenheit von Frauen die Sprache dafür geprägt.

Kann man scheiße finden, dass dem so war, kann man scheiße finden, dass das solche Folgen hatte, kann man scheiße finden, dass diese Folge bis heute andauert. Aber man sollte sich darüber im klaren sein, dass eine vehemente Bekämpfung dieser Folge keine Bekämpfung der Ursache ist, also der historischen Diskriminierung, denn die liegt weit zurück. Die Sprache vehement zu bekämpfen ist einfach nur das: Ein Kampf gegen die deutsche Sprache. Und das mag ein (zu großer) Teil der Deutschen überhaupt nicht gern; denen geht bekanntermaßen schon die Hutschnur, wenn jemand ihr Deutsch nicht richtig spricht (und gar noch die falsche Hautfarbe hat). Wenn man bei dieser großen Gruppe ankommt und ihr erzählen will, dass Deutsch so wie sie es kennen und mögen abgeschafft gehört, man jetzt was ein anderes nicht-Deutsch sprechen soll ...
Dann gibts Knatsch. Und zwar so richtig. Und man sollte nicht erwarten, dass man sich neben so einem Konflikt noch mit irgendwas anderem, möglicherweise wichtigeren beschäftigen könnte. (z.B. nicht mit Diskriminierung)


Dann sagst du eben Herr Scholz oder Frau Baerbock, je nach dem.

Aber wenn z.B. "Frau" Söder, trotz der Plautze, die "sie" an Stelle von Titten vor sich herträgt und der von Wirtshausgrölereien geprägten Stimme ab morgen als "Ministerpräsidentin" angesprochen werden will, wie machst du dass dann bei der ersten Anrede/ohne vorherige Aussprache richtig? Ist ja nicht so, als würden 99,9% der Bevölkerung mit Namenskärtchen und "mein Pronom ist ..." herumlaufen.

Wir haben in der deuschen Sprache ein über Jahrhunderte herausgebildetes Regelwerk, wie man jemanden höflich/unhöflich/angemessen/unangemessen anspricht. Und dieses Regelwerk geht allein von einer Erkennung des Geschlechts nach optischen Merkmalen aus. Dass jemand sich einer anderen sozialen Rolle zugehörig fühlt oder eine kreative Vorliebe bezüglich Sexualpartnern für so wichtig hält, dass er die bei der Führerscheinkontrolle berücksichtig sehen will, dass ist in diesem Regelwerk nicht vorgesehen und daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Hat ja schließlich Jahrhunderte gedauert, um den heutigen Stand zu erreichen.

Natürlich kann man einen Menschen auch einfach ungeachtet irgendwelcher Regeln ansprechen, z.B. mit einem klassisch-Berlinerischen "zieh Leine". Aber das ist dann halt keine höfliche Anrede im Sinne der deutschen Sprache mehr und wenn man eh unhöflich ist, sobald man irgendwas anders macht, dann kann man auch noch direkt auf Genderwünsche scheißen.
 
Welches Wort könnte man für "Diverse" verwenden?

"Er" geht nicht
"Sie" geht auch nicht
Dann "Es"?

Aber "Es" hört sich abwertend an als wenn es ein Gegenstand ist.
 
In den meisten Fällen wäre das, aufgrund des Aufbaus der deutschen Sprache, einfach nur länger und umständlicher. Bei den wenigen Ausnahmen, wo eine weibliche Form mal die silbenärmere ist, kommt es durchaus vor, dass selbst Männer damit angesprochen werden und es ist vollkommen normal, dass die weibliche Form für gemischte Gruppen genutzt wird. Z.B. "Schwester"(n) statt "Krankepflegerinnen und Krankenpfleger", "Huren" statt "sich Prostituierende" oder "Putze" statt "Reinigungsfachkräfte.

Sind halt nicht viele Tätigkeiten und vor allem sind es zu einem nicht unerheblichen Teil welche, auf die man nicht übermäßig stolz ist. Das ist aber keine aktive Diskriminierung durch den sprechenden, sondern das ist einfach Sprachgeschichte: Deutsch ist inklusive seiner Wurzeln über einen Zeitraum von rund 1,5 Jahrtausenden entstanden und das nach den jeweiligen Strukturen dieser Zeit. Nur die letzten 0,5 Jahrhunderte hatten Frauen dabei überhaupt eine nenneswerte Chance auf mehr (oder minder) tolle Aufgaben, und dementsprechend wenig hat die Anwesenheit von Frauen die Sprache dafür geprägt.

Kann man *** finden, dass dem so war, kann man *** finden, dass das solche Folgen hatte, kann man *** finden, dass diese Folge bis heute andauert. Aber man sollte sich darüber im klaren sein, dass eine vehemente Bekämpfung dieser Folge keine Bekämpfung der Ursache ist, also der historischen Diskriminierung, denn die liegt weit zurück. Die Sprache vehement zu bekämpfen ist einfach nur das: Ein Kampf gegen die deutsche Sprache. Und das mag ein (zu großer) Teil der Deutschen überhaupt nicht gern; denen geht bekanntermaßen schon die Hutschnur, wenn jemand ihr Deutsch nicht richtig spricht (und gar noch die falsche Hautfarbe hat). Wenn man bei dieser großen Gruppe ankommt und ihr erzählen will, dass Deutsch so wie sie es kennen und mögen abgeschafft gehört, man jetzt was ein anderes nicht-Deutsch sprechen soll ...
Dann gibts Knatsch. Und zwar so richtig. Und man sollte nicht erwarten, dass man sich neben so einem Konflikt noch mit irgendwas anderem, möglicherweise wichtigeren beschäftigen könnte. (z.B. nicht mit Diskriminierung)




Aber wenn z.B. "Frau" Söder, trotz der Plautze, die "sie" an Stelle von Titten vor sich herträgt und der von Wirtshausgrölereien geprägten Stimme ab morgen als "Ministerpräsidentin" angesprochen werden will, wie machst du dass dann bei der ersten Anrede/ohne vorherige Aussprache richtig? Ist ja nicht so, als würden 99,9% der Bevölkerung mit Namenskärtchen und "mein Pronom ist ..." herumlaufen.

Wir haben in der deuschen Sprache ein über Jahrhunderte herausgebildetes Regelwerk, wie man jemanden höflich/unhöflich/angemessen/unangemessen anspricht. Und dieses Regelwerk geht allein von einer Erkennung des Geschlechts nach optischen Merkmalen aus. Dass jemand sich einer anderen sozialen Rolle zugehörig fühlt oder eine kreative Vorliebe bezüglich Sexualpartnern für so wichtig hält, dass er die bei der Führerscheinkontrolle berücksichtig sehen will, dass ist in diesem Regelwerk nicht vorgesehen und daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Hat ja schließlich Jahrhunderte gedauert, um den heutigen Stand zu erreichen.

Natürlich kann man einen Menschen auch einfach ungeachtet irgendwelcher Regeln ansprechen, z.B. mit einem klassisch-Berlinerischen "zieh Leine". Aber das ist dann halt keine höfliche Anrede im Sinne der deutschen Sprache mehr und wenn man eh unhöflich ist, sobald man irgendwas anders macht, dann kann man auch noch direkt auf Genderwünsche scheißen.
Ich weiß gar nicht wo ich da anfangen soll... Also vielleicht einfach von vorne nach hinten?
In den meisten Fällen wäre das, aufgrund des Aufbaus der deutschen Sprache, einfach nur länger und umständlicher.
Verstehe, Dir ist also der Respekt für andere Menschen nicht ein paar Silben mehr wert?
"Huren" statt "sich Prostituierende"
Das sind übrigens heutzutage SexarbeiterInnen.
Sind halt nicht viele Tätigkeiten und vor allem sind es zu einem nicht unerheblichen Teil welche, auf die man nicht übermäßig stolz ist.
Auf die DU offensichtlich nicht stolz wärst, wenn Du sie durchführen würdest. Wäre vielleicht was anderes, wenn das gut bezahlte Jobs wären?
Wenn der Großteil der Menschen in diesen Jobs Männern wären, sähe das vielleicht anders aus...

[...]Sprachgeschichte: Deutsch ist inklusive seiner Wurzeln über einen Zeitraum von rund 1,5 Jahrtausenden entstanden und das nach den jeweiligen Strukturen dieser Zeit. Nur die letzten 0,5 Jahrhunderte hatten Frauen dabei überhaupt eine nenneswerte Chance auf mehr (oder minder) tolle Aufgaben, und dementsprechend wenig hat die Anwesenheit von Frauen die Sprache dafür geprägt.
Verstehe ich das richtig? Nur weil es 1500 Jahre gut so war, bloß nichts dran ändern? Möchtest Du dann gerne auch wieder so leben wie im Mittelalter? Abgesehen davon hat sich die deutsche Sprache ständig gewandelt. Schonmal versucht einen Text mit Sütterlin-Schrift zu lesen? :)
[...]und dementsprechend wenig hat die Anwesenheit von Frauen die Sprache dafür geprägt.
Klasse. Dann ist ja jetzt die Gelegenheit da, das einfach nachzuholen. Es gibt so viele Entwicklungen in den letzten 100-200 Jahren, die unglaublich schnell gingen (Industrialisierung, Frauenrechte, etc), da muss man halt jetzt mal die Sprache nachziehen.

Die Sprache vehement zu bekämpfen ist einfach nur das: Ein Kampf gegen die deutsche Sprache. Und das mag ein (zu großer) Teil der Deutschen überhaupt nicht gern;
Ein Großteil der deutschen Bevölkerung zahlt auch nicht gerne Steuern. Ein anscheinend nicht unwesentlicher Anteil der deutschen Bevölkerung wählt Parteien, die überhaupt nicht ihre Interessen vertreten... (Warum wählen z.B. so viele arme Menschen konservative Parteien und nicht eher sozial ausgerichtete Parteien?) Mag sein, das viele Frauen auch sagen, das sie das mit dem Gendern stört, aber manchmal muss man die Leute auch zu ihrem Glück zwingen, weil sie Ihre eigenen Interessen gar nicht vertreten, weil ihnen als Kind/JugendlicheR eingebläut worden ist, das es gut so ist.

Hat ja schließlich Jahrhunderte gedauert, um den heutigen Stand zu erreichen.
Sehr richtig. Die deutsche Sprache hat sich ständig verändert und ändert sich immer noch. Und deswegen steht sie aktuell da, wo sie jetzt gerade ist. Und wenn man den Jugendlichen (ja auch den Muttersprachlern) zuhört, reden die auch anders, als die Großeltern. Weil sich Sprache immer weiterentwickelt.
Und wenn wir jetzt schon "künstlich" nachhelfen unsere Gesellschaft zu verbessern (enormer technischer Vorschritt, Rechte für Benachteiligte, etc), ist es doch nur logisch, auch die Sprache mitzunehmen, oder?
 
Kann man *** finden, dass dem so war, kann man *** finden, dass das solche Folgen hatte, kann man *** finden, dass diese Folge bis heute andauert. Aber man sollte sich darüber im klaren sein, dass eine vehemente Bekämpfung dieser Folge keine Bekämpfung der Ursache ist, also der historischen Diskriminierung, denn die liegt weit zurück. Die Sprache vehement zu bekämpfen ist einfach nur das: Ein Kampf gegen die deutsche Sprache.
Das sehe ich fundamental anders. Es geht um zweierlei Dinge beim Gendern: Erstens dem (wie du selber sagst, über Jahrhunderte eben auch durch die absichtliche Unterdrückung von Frauen) entstandenen generische Maskulin etwas entgegen zu setzen und zweitens über Sprache die non-binären Geschlechter sichtbarer zu machen.

Was du (und andere) als Kampf gegen eine Sprache umdeuten, ist für mich der klägliche Versuch etwas in Stein zu
gemeißelt und als ewig gegeben zu definieren, was in Wahrheit über Jahrhunderte einem stetigen Wandel unterlag. Woran liegt das? Einfach nur Faulheit, Ignoranz oder verletzte Eitelkeit?
 
Ich muss ja sagen, dass ich eben meinen ersten Text lass, bei dem ich schmunzeln musste und ihn nach wenigen Zeilen weg legte. Man kann es auch übertreiben.

Es begann ungefähr so: Wenn ein:e Kunde:in ....
Und das zog sich durch den ganzen Text. Da wird die Lesbarkeit dann wirklich absurd und ich glaube, von der Versicherung war das eher eine Parodie. Die können das nicht ernst gemeint haben. Es gibt andere Optionen, mit denen es merklich einfacher und besser umzusetzen ist.
 
Zuletzt bearbeitet:
Verstehe, Dir ist also der Respekt für andere Menschen nicht ein paar Silben mehr wert?
Sprache muss vor allen halbwegs praktisch / praktikabel sein, wer aber meint er muss es allen gerecht machen macht es am Ende niemanden gerecht und produziert nur unpraktikablen Käse.

Auf die DU offensichtlich nicht stolz wärst, wenn Du sie durchführen würdest. Wäre vielleicht was anderes, wenn das gut bezahlte Jobs wären?
Wenn der Großteil der Menschen in diesen Jobs Männern wären, sähe das vielleicht anders aus...
Ich weiß ja nicht ob du noch in 1960 lebst, aber heute arbeiten zumindest im Reinigungsgewerbe auch eine Menge Männer und ist das alles andere als noch ein klar dominierter Frauenjob. ;)

Abgesehen davon hat sich die deutsche Sprache ständig gewandelt. Schonmal versucht einen Text mit Sütterlin-Schrift zu lesen?
:)
Weißt du wer die Sütterlin-Schrift abgeschafft hat?

Klasse. Dann ist ja jetzt die Gelegenheit da, das einfach nachzuholen. Es gibt so viele Entwicklungen in den letzten 100-200 Jahren, die unglaublich schnell gingen (Industrialisierung, Frauenrechte, etc), da muss man halt jetzt mal die Sprache nachziehen.
Und wirklich keine davon, die letzten 200 Jahre, ging ohne starke Verwerfungen und gesellschaftliche Spaltungen und Unruhen, wie meistens wenn man etwas mit dem Kopf durch die Wand durchsetzen will.
Aber wenn es das ist was man, für sein ganz persönliches Stöckchen, in Kauf nehmen will ist, sollte man wohl so weiter machen.

Aber bitte hinterher auch nicht über die Entwicklungen beschweren.
 
Zuletzt bearbeitet:
[...]Es begann ungefähr so: Wenn ein:e Kunde:in ....
Und das zog sich durch den ganzen Text. Da wird die Lesbarkeit dann wirklich absurd[...]
Japp, man kann es natürlich auch übertreiben. Manchmal kann man auch wunderbar einfach ein anderes passendes Worte benutzen. z.B. Beschäftigte statt Mitarbeiter (oder MitarbeiterInnen oder "Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter").

Sprache muss vor allen halbwegs praktisch / praktikabel sein, wer aber meint er muss es allen gerecht machen macht es am Ende niemanden gerecht und produziert nur unpraktikablen Käse.
Klar. Aber wenn wir keine Diskussion darüber führen, wie man das ggf. verbessern kann, wird es sich vermutlich auch nicht ändern.

Ich weiß ja nicht ob du noch in 1960 lebst, aber heute arbeiten zumindest im Reinigungsgewerbe auch eine Menge Männer und ist das alles andere als noch ein klar dominierter Frauenjob. ;)
Klar. Kenne ich bei mir in der Firma:
Die eher klassischen Putzkräfte sind bei uns alles Frauen (die Meisten mit Migrationshintergrund). Wenn es aber dann alle paar Monate ums Fensterputzen geht und damit externe "Fachkräfte" gefragt sind (inkl Kranbedienung), dann sind das fast immer Männer...

Weißt du wer die Sütterlin-Schrift abgeschafft hat?
Ja weiß ich. Habe ich auch nur als Beispiel genommen, weil es so schön plastisch ist. Und ich glaube wir sind uns alle einig darüber, das ein Schwenk von Sütterlin auf die "normale" Schreibschrift wohl eine der ganz wenigen guten Entscheidungen der damaligen Regierung war...

Und wirklich keine davon, die letzten 200 Jahre, ging ohne starke Verwerfungen und gesellschaftliche Spaltungen und Unruhen, wie meistens wenn man etwas mit dem Kopf durch die Wand durchsetzen will.
Welche Entwicklung der deutschen Sprache hat denn für eine Spaltung oder Unruhe in der deutschen Bevölkerung ausgelöst? Hats Du mal Beispiele?
Die einzige sprachliche Spaltung der ich mir bewusst bin, ist höchstens, das die Oberschicht eine ganze Zeit lang französisch geredet hat um sich abzugrenzen. Aber das hat ja nichts mit der Entwicklung der deutschen Sprache an sich zu tun, oder?
 
Welches Wort könnte man für "Diverse" verwenden?

"Er" geht nicht
"Sie" geht auch nicht
Dann "Es"?

Aber "Es" hört sich abwertend an als wenn es ein Gegenstand ist.

Gilt das gleiche wie für die Anrede:
Der Grundzustand ist nicht nicht-höfliche Sprache und davon abweichend haben wir ein paar Formen als höflich definiert. In dem Fall "Sie" und "Er". Wenn einem das nicht reicht und man trotzdem höflich sein will, muss man eine neue Höflichkeit entwickeln. Also die Sprache in einer Art und Weise umstricken, die eigentlich Jahrhunderte dauert.


Verstehe, Dir ist also der Respekt für andere Menschen nicht ein paar Silben mehr wert?

Wenn mir jemand mitteilt, dass er sich nur bei einem bestimmten Umgang ihm gegenüber respektiert vorkommt, versuche ich das nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Aber wenn ich die Wahl habe, zwischen etwas, dass A als Respekt empfindet, etwas das B, C und D als Respekt empfinden und etwas, dass E und F als Respekt empfinden, dann nehme ich die pauschal, automatisch und für alle die von A gewünschte Form, wenn die auch noch umständlicher ist. Das übrigens weniger aus Bequemlichkeit (obwohl ich sehr faul sein kann), sondern vor allem der Verständlichkeit wegen. Ich tendiere so ja schon zu unnötig komplexen Satzstrukturen, bei denen dann bei vielen Leuten nur die Hälfte ankommt und stattdessen was anderes reingedichtet wird. (q.e.d.)

Das sind übrigens heutzutage SexarbeiterInnen.

Sexarbeitende ist eine Sammelbezeichung für alle, die Geschlechtsverkehr für Geld haben. Also auch Pornodarsteller, von denen ich aber nicht sprach.
Das ist übrigens eine unschöne Tendenz, die ich bei der Gender- aber auch anderen über-politisch-korrekte-Sprache-Verfechtern beobachte: Mit jeder neuen Runde von Bezeichnungen werden die verwaschener und somit für präzise Sprache ungeeigneter. (Sehr schön am jeweils tagesaktuellen Wort-für-Leute-mit-ethnischen-Wurzeln-des-Mittelmeers zu sehen. Die ältesten mir bekannten Bezeichungen erlaubten sogar eine Unterscheidung zwischen vorwiegend nordwestlich und eher südlich der Sahara vorzufindenen Phänotypen und sie riefen bei allen Hörenden ein recht detailiertes geistiges Bild vor Augen. Es war klar, was gemeint war. Die neueste Form erlaubt jetzt nicht einmal mehr eine Unterscheidung von Einwohnern der Arktis oder des Südpazifiks.)

Auf die DU offensichtlich nicht stolz wärst, wenn Du sie durchführen würdest. Wäre vielleicht was anderes, wenn das gut bezahlte Jobs wären?
Wenn der Großteil der Menschen in diesen Jobs Männern wären, sähe das vielleicht anders aus...

Guck dich in traditionell geprägten Teilen der arabischen Welt um, wo die Berufstätigkeit von Frauen noch die Ausnahme ist und somit nahezu alle Jobs von Männern gemacht werden, und erzähl mir was von der Wertschätzung dieser Berufe dort. Ich denke nicht, dass du deinen Sexismusthesen bestätigt finden wirst.

Und ja, die Bezahlung korreliert damit: In kapitalistisch oder materialistisch geprägten Systemen richtet sich der Lohn danach, wieviele Leute einen Job machen könnten. Jobs, die jeder machen könnte, werden als minderwertig eingestuft, Jobs die nur wenige machen können, werden geachtet. Da bis vor 100-200 Jahren kaum Jobs gab, in denen es rein auf geistige Fähigkeiten ankam, richtet sich die in den Sprachgebrauch eingeflossene Wertschätzung also oft nach der körperlichen Anforderung einer Tätigkeit und korreliert dementsprechend mit dem überwiegend ausübenden Geschlecht - es gab (und gibt) keinen einzigen Job, den ausschließlich Frauen ausüben können. Aber es gab viele (und gibt noch ein paar sehr wenige) Jobs, die Männern vorbehalten blieben. Und damit hat man automatisch eine Hierarchie von Arbeitskräften die machen, was (nur) sie können und von Arbeitskräften die machen, was übrig bleibt.

Ich wäre sehr dafür, dass endlich mal zu ändern und Leistung als gleichwertig zu erachten. Aber das ist kein Problem der Sprache, dass ist ein Problem des Kapitalismus. Und gegen den engagieren sich die auffälligsten Genderaktivisten praktisch gar nicht, im Gegenteil: Die fordern immer mehr hochbezahlte Posten, also eine Aufweitung der Lohnschere, für [Frauen] (beliebige Minder- oder Mehrheit wählbar, für die sich jemand einsätzen könnte. Nur "alte weiße Männer" ist verboten).
Aber nie die Abschaffung von überbezahlten Spitzenpositionen. Obwohl das wirklich gegen Ungerechtigkeit in der Welt helfen würde.

Verstehe ich das richtig? Nur weil es 1500 Jahre gut so war, bloß nichts dran ändern?

Nö, du verstehst rein gar nicht, was ich gechrieben habe, sondern bringst stattdessen einen Standardvorwurf, der in solchen Dikussionen praktisch immer fällt, anstatt dem gegenüber zuzuhören. Ich habe keinerlei Bewertung in Richtung gut/schlecht vorgenommen, sondern ganz neutral die Ursprünge der heutigen Situation geschildert. Und dass diese zwar auf !vergangene! Diskriminierungen im Leben widerspiegeln, dass es aber keine Diskriminierungswerkzeuge in der Sprache waren.
Und ich habe auch dargelegt, ein wie langer Entwicklungsprozess die Sprachentwicklung ist und wie schwer es sein könnte, diesen zu beschleunigen.

aber manchmal muss man die Leute auch zu ihrem Glück zwingen, weil sie Ihre eigenen Interessen gar nicht vertreten, weil ihnen als Kind/JugendlicheR eingebläut worden ist, das es gut so ist.

Ich plädiere selbst sehr oft dafür, die Leute zum Glück aller zu zwingen. Aber ich bin entschieden dagegen, jemandem vorzuschreiben, womit er selbst sich glücklich zu fühlen hat. Das ist definitiv jedem selbst überlassen - undzwar nicht nur aus moralischer, sondern auch aus praktikabler Sicht. Was dabei herauskommt, wenn über individuelles Glück zentral entschieden wird, hat der real existierende Sozialismmus bewiesen. Unabhängig davon, ob du diese Ansicht teilst oder nicht, gilt das gesagte: Wenn du jemanden zwingst, solltest du nicht auf Harmonie, Freundschaft oder Respekt hoffen. Also nicht auf das, was du laut eigener Aussage anstrebst. Sondern auf das genau Gegenteil.
Gendern erzwingen für Respekt? Steht in einer Reihe mit Bomben für den Frieden, *** für Jungfräulichkeit und "soziale Medien" für soziales.

Davon abgesehen gebe ich dir übrigens vollkommen recht, dass das absolut größte Problem auf dem Weg zu einer fairen Post-Gender-Gesellschaft die Erziehung ist. Aber die kann man halt nur sehr eingeschränkt nachträglich hinbiegen. Stattdessen sollte man sich darauf konzentrieren, dass sie bei der nächsten Generation nicht schon wieder verfuscht wird. Das dauert dann zwar 60-100 Jahre, ehe der erhoffte Wandel da ist (und mit ihm dann vielleicht auch eine neue Sprache), aber es ist wenigstens zielstrebig.

Aber weil jegliche Kritik an Erziehung ja automatisch als Kritik an Frauen gelesen wird und Kritik an Frauen immer die Patrichatskeule nach sich zieht, werden auch heute wieder zehntausende Mädchen spielerisch auf die Berufe "Prinzesschen", "Kaffeekränzchenausrichterin" und "Haarstylisten" vorbereitet worden sein, während zehntausende Jungen sich als "Architekt", "Ingenieur", "Pilot" oder obersten Anführer von was-auch-immer gesehen haben.

Und wenn wir jetzt schon "künstlich" nachhelfen unsere Gesellschaft zu verbessern (enormer technischer Vorschritt, Rechte für Benachteiligte, etc), ist es doch nur logisch, auch die Sprache mitzunehmen, oder?

Wenn "künstlich" nachhilfst, die Höhe der Möbel in deiner Wohnung z.B. durch Neukauf zu ändern, ist es für dich dann auch "logisch", die Beinlänge deiner Kinder anzupassen?
Du vergleichst konstruierte Dinge, gar Technik, mit etwas gewachsenem und erwartest, die gesteuere, rasante Entwicklung des einen auf das andere zu übertragen. Das ist nicht logisch, dass ist irgendwo zwischen naiv und dämlich und eine ziemliche Ingoranz gegenüber den von mir vorgebrachten Argumenten.


Das sehe ich fundamental anders. Es geht um zweierlei Dinge beim Gendern: Erstens dem (wie du selber sagst, über Jahrhunderte eben auch durch die absichtliche Unterdrückung von Frauen) entstandenen generische Maskulin etwas entgegen zu setzen

Und was ist daran jetzt nicht "Kampf gegen die bestehende Sprache"? Über den Grad kann man vielleicht streiten, "entgegensetzen" ist eine schwächere Form der Auseinandersetzung als "Kampf", geht aber qualitativ in exakt die gleiche Richtung und du wirst in der gewachsenen deutschen Sprache nicht weit kommen, ohne dem generischen Maskulin zu begegnen. Deine Replik ließt sich für mich wie "Nein, ich habe doch nicht deine Bremsen durchgeschnitten! Ich habe nur eine Bremsleitung angeohrt, warum störst du dich daran?"

und zweitens über Sprache die non-binären Geschlechter sichtbarer zu machen.

Die aktuell dominierenden Genderversuche beschränken sich darauf, das Feminimum sichtbarer zu machen. Vielmehr kann man innerhalb der Sprache auch nicht machen, weil wir nur Maskulinum, Femininum und Neutrum haben und es als unhöflich gilt, letztes auf Personen zu beziehen. Mir wäre, mit Blick auf Gleichstellung der Geschlechter, auch noch kein Genderer begegnet, der eine dritte Form für Hermaphroditen einführen möchte, um diese gegenüber Männern und Frauen sichtbarer zu machen. Das wäre imho auch ein recht folgenreicher Schritt für unsere Kommunikation, denn die Unsichtbarkeit derart kleiner Gruppen vereinfacht den Sprachgebrauch halt ungemein.

Was du vielleicht auch noch meinst:
Es gibt Leute, die wollen die Sichtbarkeit von weiteren sexuellen Vorlieben steigern. Abgesehen davon, dass viele Vorschläge auch das schlicht unpraktisch sind und/oder nur einen Bruchteil des Spektrums abdecken und so gar keine Problemlösung darstellen und dass halt auch hier die "lasst es mal 2-3 Jahrhunderte gedeihen" grundform gilt, bringt das aber noch aus einem zweiten Grund massiven und imho berechtigten Widerstand:
WTF haben sexuelle Vorlieben in 99,99% der Unterhaltungen verloren??

Das generische Maskulinum signalisiert doch nicht "Person, die gerne Frauen bumst", sondern lässt die sexuelle Orientierung komplett offen. Wer das ändern will, arbeitet nicht an der Inklusivität der Sprache, sondern an ihrer Sexualisierung. Und sorry, aber das wäre in sehr vielen tatsächlich nicht angemessen. (Und mit Verlaub: Es gibt eine große Überlappung zwischen weitergreifenden Feminismus, der eine zunehmende Prüderie in der Gesellschaft fördert, und Gender-Aktivismus, sodass letztere sich in aller Regel nicht darauf berufen können, eine sexiere Sprache wäre allgemein mal angebracht.)

Was du (und andere) als Kampf gegen eine Sprache umdeuten, ist für mich der klägliche Versuch etwas in Stein zu
gemeißelt und als ewig gegeben zu definieren, was in Wahrheit über Jahrhunderte einem stetigen Wandel unterlag. Woran liegt das? Einfach nur Faulheit, Ignoranz oder verletzte Eitelkeit?

Ick bin en Berliner. Ich sprech die Leute schon heute nicht höflich an, von daher ist mir privat vollkommen egal, was du an neuen Formen der Höflichkeit binnen weniger Jahre durchdrücken möchtest. Ich werde es höchstwahrscheinlich schlicht ignorieren - aber nicht aus sexistischen Gründen, sondern weil ich vorgegaukelte, formallisierte Höflichkeit sowie für Zeitverschwendung halte :P .
Gut, beruflich muss ich manchmal doch etwas aus meiner Haut raus. Aber meine Standardanrede ist schon aus ganz anderen Gründen geschlechtsneutral und unpersönlich ;) .

Aber wie ich schon geschrieben habe: Imho kämpfen Leute wie du einen verdammt harten Kampf, der Leuten wie dir UND EUREN ANLIEGEN jede Menge Hass einbringen wird. Und das führt dazu, dass ihr, als offensichtlich politisch recht aktive Leute, keine Zeit mehr dafür habt, euch für wichtige Dinge einzusetzen und dass ihr in direkt zur Bedrohung für eine ganze Menge wichtige Dinge werdet. Wenn ich mir z.B. angucke, dass der Klimaschutz in Deutschland auf der Strecke bleibt, weil der einzige Partei, die sich realitisch dafür einsetzen könnte, wegen Genderdebatten die Wähler und die Koalitionspartner flöten gehen, dann finde ich das einfach nur schade.


Welche Entwicklung der deutschen Sprache hat denn für eine Spaltung oder Unruhe in der deutschen Bevölkerung ausgelöst?

Der letzte große Streit, der sich über Jahrzehnte hinzog, Öffentlichkeits- und Wahlkampagnen nach sich zog, die Stammtische in Flammen setzte, Verlage in Lager spaltete und 3-4-5 Schuljahrgängen nachhaltig die Bildung verschissen hat, drehte sich um ein paar Vereinfachungen der Kommasetzung, der Großsschreibung sowie Änderungen beim ß.
 
Die aktuell dominierenden Genderversuche beschränken sich darauf, das Feminimum sichtbarer zu machen. Vielmehr kann man innerhalb der Sprache auch nicht machen, weil wir nur Maskulinum, Femininum und Neutrum haben und es als unhöflich gilt, letztes auf Personen zu beziehen.
Nein. Siehe dazu die von mir zuvor verlinkten Inhalte.
 
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