Uff. Das war mir gar nicht so bewusst, dass das eine reine Partnerkarte war. Als jemand, der zumindest mal im Bereich Produktdesign geschnuppert hat mag ich mir die logistischen Konsequenzen gar nicht ausmalen. Bei einem geplanten Launch Mitte November war da sicher schon das ganze Tooling bestellt, wenn nicht sogar schon erste Karten mit finalen Teilen für letzte Tests zusammengebaut werden, damit die Produktion hochgefahren werden kann.
Wenn man nicht ausschließlich mit Luftfracht arbeitet (was in der Preisklasse noch denkbar wäre, aber für eine "70" schon nicht mehr typisch), dann muss man Karten die Mitte November in den Regalen stehen sollen, diese Woche einschiffen. Die Serienproduktion wird mit großer Sicherheit schon angelaufen sein und Tooling-Leaks gab es in der Vergangenheit teilweise schon zwei Quartale vor Marktstart, da ist gar nichts mehr zu retten.
Aber auch nicht unbedingt viel verloren. Bis auf etwaige kleine Einschübe mit dem Produktnamen verwenden die Boardpartner bei den Customs kaum noch kartenspezifische Elemente und Nvidia wird die Chipserie ja nicht in die Tonne treten. 95 Prozent der Investitionen in "4080 12 GB" kann man also weiternutzen, wenn die Karte mit leicht geänderten Takt- und Power-Specs als "3070" oder "ti" kommt. Aber bereits produzierte und verpackte Exemplare umzubranden ist alles andere als billig und zudem wird es nach so einem chaotischen Stopp nicht direkt einen Neustart geben. Das gesamte bereits in diesen Karten gebundene Kapital verpasst also das wichtige Weihnachtsgeschäft, kann die AMD-Konkurrenz-freie Zeit nicht nutzen und währenddessen fallen neben den Rebrandkosten auch noch Lagergebühren an. Glück im Unglück ist da noch, dass mittlerweile Endkundenhändler bis kurz vor Launch im unklaren belassen werden, sodass zumindest da keine Verträge platzen. Aber zum Beispiel die Containerslots dürften seit langem reserviert sein und die müssen auch bezahlt werden, wenn man nichts transportiert.
Ich bin gespannt, ob am Ende mal jemand die Mehrkosten durchsticht, die durch diesen Fail entstanden sind. Aber 50 Euro pro Karte würde ich locker für möglich halten.
Ja.
Und wenn Du ehrlich bist klappt das ja idR. auch.
Von daher Hut ab vor NV das die das nun anders machen.
Nicht falsch aber schon so was von ~Notlüge.
"Komischerweise" gab es die AMD RX 5x0 die mit 4GB und mit 8GB und es gab keine Probleme;
oder bei NV selber => ua. GTX 680 mit 2 oder 4GB, GTX 580 mit 1,5 oder 3GB....
Ich hätte also nicht gegen eine RTX 4080 16GB und eine RTX 4080 32GB.
Würde aber nicht passieren.
Mit Pech wird das nun eher eine RTX 4080 mit 8 GB (wenn das technisch einfach möglich ist)
Die jetzige "RTX 4080 12GB" könnte einfach zur RTX 4070 (TI) umgelabelt werden.
Alle genannten Karten hatten die gleiche GPU und unterschieden sich nur im Speicher, der explizit angegeben wurde. Aber die 4080/12 war eben auch vom Aufbau und von der Rechenleistung her ein ganz anderes Produkt. Das wäre so als wenn VW Audi den A4 und A6 in A6-12 und A6-16 umbenennt, weil der Kofferraum unterschiedlich groß ist.
Im GPU-Bereich ist das Ganze aber, wie schon früher von mir erwähnt, trotzdem kein neues Phänomen. In Vergangenheit hatte Nvidia z.B. die "6800 GS" mit 350 MHz und 128 MiB und die "6800 GS" mit 425 MHz und 256 MiB im Angebot.
Gibt es nicht zwischen NV und den Boardpartnern feste Losgrößen zur Abnahme der Packages, die teils sogar vorab fix zugeteilt werden und über deren "Zuteilung" NV sogar teils seine Produktpolitik steuert? Ich kenne natürlich - wie wohl die meisten - die Vertragsbeziehungen nicht, meine jedoch, dass es diesbzgl. schon früher entsprechende Debatten (gut begründete Spekulatius) etwa bzgl. der teils unterschiedlichen Lieferbarkeit gab. Deshalb gehe ich eher davon aus, nachdem die FE-Produktion v.a. bei der Vorgängerserie in der Ober- und Highendklasse m.W.n. längst eingestellt ist, dass das aktuelle "Überangebot" in genau diesem sich bei den neuen Varianten überlappenden Bereich auf Seiten von produzierten und nicht abverkauften Boardpartnerkarten liegt, die vermutlich genauso kalt vom vorzeitigen Platzen der Kryptoblase erwischt wurden und nun nicht mehr palettenweise ab Werk ihre Karten direkt an Miningfarmen verticken können.
Beides wären doch vllt. mal interessante Hintergrundrecherchen für Fachredaktionen wert? Für potentielle Kunden, die nicht unbedingt Early Adoptor spielen müssen oder genau jetzt die Leistung einer 4090 wirklich brauchen, könnte sich daraus nämlich ergeben, dass man bzgl. Kauf vllt. wirklich besser noch abwartet, was Richtung November noch so alles sich entwickelt. Gibt ja zudem schon das Gerücht, dass NV bereits unbeschränkte GPU-Chips aus der Produktion für nen 4090er-Upgrade sammelt. Da könnte also im Hintergrund deutlich mehr in Bewegung sein, als die vermeintlichen Warteschlangen vor 4090er-Shops vermitteln...
Vertragsdetails werden gehütet wie Kronjuwelen. Aber aus der Vergangenheit sind mir Kontingente nur als Kaufmöglichkeiten bekannt. Das heißt unterschiedliche Boardpartner durften begrenzten Mengen einkaufen, das ist sogar bis heute weit verbreitet bis runter auf Einzelhändlerniveau. Aber meinem Wissen nach hat Nvidia keine Möglichkeiten, jemanden zu einer Abnahme jenseits der bereits bestellten Mengen zu zwingen und es gibt keine Gerüchte, dass die Boardpartner zu viele 3000er geordert hätten. Wenn es Berichte über Angebotsmangel gab, schien es an diesem Ende der Pipeline in der Vergangenheit auch immer um wenige Monate zu gehen – was heute zu viel an die Kartenhersteller geliefert würde, wäre demnach erst im Juli geordert worden und da war der Crash schon lange absehbar. Nvidia seinerseits hat dagegen viel längere Vorlaufzeiten, gerade in diesem Fall wo sie den Fertiger wechseln. Die Produktionskapazitäten für jetzt verkaufte oder nicht verkaufte 3000er GPUs muss Nvidia 2021 bei Samsung für das erste oder zweite Quartal gebucht haben und es gibt auch kein 8-nm-Folgeprodukt, auf dass sie hätten umschwenken können. Das heißt irgendwann im Mai, Juni dürfte jemand bei Nvidia geklingelt haben "ich hätte hier (x.)xxx.xxx GA10X, wo kann ich die abstellen?" und seitdem sitzt man auf einem Berg von Chips, nach denen kein Boardpartner fragt. Jedenfalls nicht zu den Preisen, die Nvidia gerne hätte.