Damit wärst du dann aber wieder bei Forschungs-/Erkundungsdrang, nicht bei Besiedlung.
Da nimmt man statt der Analogie zur menschlichen Neugier eben den ebenfalls menschlichen Drang, seinen Nachkommen Lebensraum zu verschaffen. Wie lange der Planet ausreicht (oder parallel stattfindende Verdrängungskämpfe als bewohnbar übersteht), hängt dann von vielen Faktoren ab.
Man ist grundsätzlich schnell dabei, gänzlich fremdartigen Spezies menschliche Verhaltensmuster zu unterstellen oder bestenfalls solche, die man sich als Mensch abstrakt vorstellen kann, auch wenn man diesen als solcher nicht folgt. Interessant wird es bei Verhaltensmuster, die uns gänzlich unverständlich sind, weil wir die zig evolutionären, sozialen und geschichtlichen Faktoren nicht kennen, die zu deren Ausprägung geführt haben.
Kann man formulieren. Ob die Religion damit ein Erfolg wird, darf aber bezweifelt werden, denn hier wird eine Belohnung nicht am Ende eines einzelnen Lebens, sondern erst nach mehreren Jahrhunderten aufeinander aufbauender Arbeit versprochen.
Beispielsweise wird Buddhisten das Durchleiden von unzähligen Leben/Inkarnationen verkauft, bis sie *vielleicht* irgendwann den angestrebten Zustand erreicht haben. Den Buddhismus gibt es seit 2600 Jahren und er zeigt keinerlei Ermüdungserscheinungen.
Bei den Zeugen Jehovas schaffen es nach Ende aller Tage lediglich 144.000 Auserwählte an die Seite des Herrn, trotzdem sind 8,5 Millionen Zeugen missionarisch tätig - nicht zu verwechseln mit der Zahl der Bekennenden. Tendenz steigend.
Sprich, bei Menschen klappt das. Warum sollte es bei Außerirdischen mit einem dafür möglicherweise sogar empfänglicheren Mindset nicht möglich sein?
Das ist ein ziemlich großer Schritt. Denn dafür braucht das Habitat einen leistungsfähigen Antrieb und eine autarke Energiequelle großer Stärke.
Annehmlichkeiten sind dagegen vergleichsweise einfach umzusetzen und für ein Generationenschiff so oder so nötig, denn das ist nun einmal nicht mit Pionieren bemannt. Sondern mit Kindern, Rentnern,...
Das sehe ich anders. Das Habitat bis zur "Beziehbarkeit" aufzubauen wäre ebenfalls ein Generationenprojekt. Es wird womöglich Jahrzehnte dauern, bis das Ganze auch nur *ein wenig* mehr ist als eine Baustelle in Form einer Raumstation - und Generationen, bis es ein Lebensraum ist. Und das leisten Pioniere.
Die selben Pioniere, die in so einem Setting auf einer ungemütlichen Raumstation für zukünftige Generationen und das Überleben der Spezies Mensch ackern, steigen auch in ein Generationenschiff. Dafür muss man zwar Antriebe und Energiequelle beschaffen, aber das ist letztlich keine weniger enorme Leistung als die Schaffung von Millionen Quadratkilometern künstlichen Lebensraums, der mit Schwerkraft, atembarer Luft und Einrichtungen zur autarken Versorgung und Schutz vor Strahlung und Meteoriten etc. versehen werden muss.
Um zugängliche Rohstoffe für ein Habitat in einem solaren Orbit zu bekommen, muss man ohnehin jahrelang durchs Sonnensystem tingeln - und zwar immer und immer wieder mit tonnenweise Rohstoffen im Gepäck. Wenn man das technisch leisten kann und die Geduld dafür hat, kann man die selben techniischen und zeitlichen Ressourcen auch in eine interstellare Reise stecken.
Grundsätzlich ist die Umsiedlung der Menschheit in Habitate ist ein ebenso ambitioniertes, wenn nicht unmögliches Unterfangen. Wir haben bald acht Milliarden Menschen auf diesem Planeten, und man kann sich ja ausrechnen, wie viel Platz diese brauchen und wie absurd viele Flüge man benötigt, um diese in die Habiate umzuziehen. Das ist mit Kindern und Senioren und etlichen anderen Menschen rein von der physischen Verfassung her nicht zu machen.
Kurz, es würden immer ein paar Auserwählte sein, die ein Mammutprojekt zu stemmen haben, ohne dass sie, ihre Kinder oder Kindeskinder, sondern erst viel spätere Generationen in den Genuss des vollendeten Werks kommen können.
Zum Beispiel "wir müssen einen Planeten finden!". Für ein bereits im All lebendes Volk ist so Gravitationstrichter voller unkontrollierter Umwelt eigentlich nur ein Rückschritt. Also wieso sollte man einen erobern?
Wenn ich mich mal eben selbst zitieren darf: "Ob sich die Erinnerung an die planetare Abstammung und die Sehnsucht nach planetaren Lebensraum verflüchtigt oder ganz im Gegenteil ins Sagenhafte steigert, kann man aus unserer Perspektive unmöglich absehen."
Aber: Grundbedürfnisse ändern sich nicht mal eben, nur weil man notgedrungen (!) im All an deren Erfüllung arbeiten muss. Keine Ahnung, wie Außerirdische da womöglich ticken, aber Menschen werden meiner Erfahrung immer nach einem Lebensumfeld streben, in dem sie sich entwickelt haben - also entweder ein möglichst erdähnliches Habitat oder eine erdähnliche neue Welt. Was es wird, hängt stark davon ab, was in diesem hypothetischen Setting aussichtsreicher zu bewerkstelligen ist - das kann, wie schon geschrieben, auch ein zweigleisiger Weg sein.
Und erobern ... Nun ja, die Frage ist, was das ausmacht. Ich muss es meiner Spezies leider zutrauen, dass sie eine andere Spezies auslöschen würde, um sich Lebensraum zu verschaffen. Das wäre eine Frage der Selbsterhaltung und der Machbarkeit: Wenn es machbarer oder effektiver erscheint, ein paar Generationen unterwegs zu sein und am Ende eine fremde Spezies auszulöschen (Unterwerfen geht nicht, zur Besetzung einer Welt fehlt so einer Expedition die Mannstärke ...), als sich im eigenen Sonnensystem zukunftssichere Habitate zu schaffen, würden Menschen das tun.
Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass außerirdische Spezies das ebenso tun würden. Es gibt aber auch keinen Grund anzunehmen, dass sie es
nicht tun würden.
Daher ist es zum gegenseitigen Vorteil tatsächlich besser, dass intelligente Leben im All bleibt fein säuberlich da, wo es gerade ist - so faszinierend ich mir das Gegenteil auch ausmalen kann.