Ich hab gerade mal geschaut und es gibt aktuell noch stellenanzeigen von Mindfactory in allen Bereichen. Zwar ziemlich generell gehalten und alle "ab sofort", jedoch stellen Firmen eigentlich keine Stellenanzeigen mehr online, wenn es wirklich den Bach runter geht.
Weil über Bewerber landen oft auch genug Infos in die Öffentlichkeit.
Ich meine, klar müssen sie die nicht raus nehmen, da wird aber irgendwer täglich Bewerbungen bekommen, der weiß das sie die stellen eh nie besetzen werden.
Abgesehen von der bereits geäußerten Möglichkeit, dass die Stellenausschreibungen schlicht alt oder fake sein könnten, kann ein Anstieg von "ab sofort"-Gesuchen sogar ein Hinweis auf schlechte Bedingungen sein: Die bestehenden Mitarbeiter wissen, das was im Busch ist, und wer kann, der sucht das Weite – auch wenn er (noch) gebraucht wird. Als EKWB letztes Jahr in die Abwärtsspirale gerät, habe ich meinen Ex-Ansprechpartner z.B. auch plötzlich bei einem Mitbewerber und kurze Zeit später bei einem anderen Unternehmen aus der PC-Branche gesehen.
Klar haben Konsument:innen das Recht. Machen dies allerdings viele Kund:innen, dann hat dies Auswirkungen auf die Angebotsstruktur. An sich sollte Niedrigpreisstrategie zu mehr Marktanteil führen und hierdurch Mitbewerberinnen verdrängen.
Inwieweit diese Strategie bei Mindfactory womöglich nicht zum Erfolg geführt hat, bleibt wohl offen bis offizielles bekannt ist.
Nochmal - die Konsument:innen haben das Recht, müssen dann aber auch mit den Konsequenzen (weniger Anbieterinnen, Geschäftesterben in Innenstädten) leben. An diesem Punkt will ich Deine Händlerinnen/Mitbewerberinneliste um Amazon ergänzen. Die Konkurrenz und Präsenz/Dominanz dieses Konzern ist sicher nicht zu unterschätzen. Amazon ist im Internet allgegenwärtig, wenn es um Angebote von Hardware geht. Inhaltlich passt sich hieran folgender Inhalt ein ...
Zu berücksichtigen ist sicher die
negative Reallohnentwicklung vieler Menschen in Deutschland. Diesen ist sicher kein Vorwurf zu machen, dass sie sich aus Ermangelung an Geld bei ihren Käufen an günstigen Angeboten orientieren. Allerdings lässt sich der Vorwurf an eine durchaus große Menge an Konsument:innen richten, die ohne Not bei Billigshops oder aus Bequemlichkeit bei Konzernen wie Amazon kaufen. Von solchen Konsument:innen und deren Rechtfertigungen kann mensch auch hier im Forum lesen. Die Polemik "Geiz ist geil" trifft durchaus auf einige Leute zu, so mein Eindruck. Gesellschaftlich gesehen und viele weitere Konsumbereiche einbeziehend hat das gewisse Ausmaße erreicht. Mensch denke an den Trend der Mittelschicht bei Aldi & Co einzukaufen. Das sind dann Strategien nicht nur des Erhalts sondern auch der Erweiterung des Wohlstands. Nach dem Motto: Was an der einen Stelle gespart wird, kann an anderer, neuer Stelle ausgegeben werden bspw. ein weiterer Urlaubsflug. So formt sich das Bild vom entgrenzten Konsum im noch(!) vorhandenen Überfluss auf Kosten der eigenen Lebensgrundlagen aufgrund der Natur- und Klimazerstörungen die mit der für den Konsum verbundenen Produktion bzw. Bereitstellung der Dienstleistungen einhergehen.
Edit: klar, zwar mache ich vieles bezüglich Konsum nicht, gänzlich kann und würde ich mich von der Kritik aber nicht ausnehmen.
Es ist leider keineswegs so, dass teurere Händler automatisch besser für den Kunden, für die Mitarbeiter oder gar Umwelt und Klima sind. Viele sind einfach nur teurer und dementsprechend niedrig ist bei den Kunden die Bereitschaft, mehr zu zahlen, wenn das am Ende gegebenenfalls nur zu einer höheren Rendite bei den Eigentümern führt. "Fair Trade" ist im EDV-Bereich noch nicht angekommen.
Erstens über Querfinanzierung, aber auch über die schiere Größe und dadurch offene Möglichkeiten wie problematische Kunden schlicht rauswerfen.
Amazon hat ein internes "Ratingsystem", bei dem jeder Account anhand seines Kaufverhaltens (Umsatz, Regelmäßigkeit, Alter, Rücksendungen/Reklamatioonen und einige weitere Parameter) eine Bewertung hat. Ist diese gut ist amazon sehr kulant, ist diese schlecht ist die Kulanz nicht mehr vorhanden und ab einem gewissen Schwellwert gibts auch "Sanktionen" dass der Account beispielsweise bestimmte Warengruppen oder Werte nicht mehr kaufen kann oder ganz gesperrt wird.
Sowas kannste als kleiner(er) Händler eher nicht machen, zumindest nicht in so einer ausgefeilten Art.
Um den Bogen zu Mindfactory zu schlagen: Wenn man mit der Marge an der absoluten Mindestgrenze ist (oder offenbar darunter) gibts natürlich keinerlei Spielraum für Kulanz oder ähnliches (selbst ein Minimum an Flexibilität das sogar für BEIDE Parteien günstiger gewesen wäre gab es nicht wie ich damals im Blog ausführlicher beschrieben habe).
In der globalisierten Internetshopwelt ist das Konzept "billig billig klick nach mir die Sintflut verklag mich doch" ganz offensichtlich lukrativer als ein "Preis mit Marge dafür guter Kundenservice" - und dass das so ist sind die Leute auch einfach selber Schuld.
Mindfactory hatte eigentlich immer relativ gute Bewertungen in Preisvergleichen und der mit Abstand am häufigsten für Kulanz und einfache Problemabwicklung gelobte Laden ist ausgerechnet Amazon – was ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann. (Auch wenn deren Bewertungen dafür umso schlechter sind.) Umgekehrt kann ich, ebenfalls aus eigener Erfahrung und ähnlicher Situation berichten, dass einer der hier zwischenzeitlich als "teuer" genannten, heute nicht mehr existierenden Anbieter, schon lange vor seiner Pleite eher Kundenschädigung denn Kundenservice bot. Auch bei kleineren Anbietern habe ich Reinfälle erlebt, was mich wieder zu oberem Punkt zurückbringt: Es gibt Billig-Preise, da stehen die Chancen auf einen guten Shop dahinter eher schlecht. Und es gibt hohe Preise, da sind die Chancen nur unwesentlich besser – aber mehr bezahlen muss man definitiv. Vor allem die Masse an virtuellen Vermarktern, die den physischen Handel komplett über (zentrale) Dienstleister abwickeln, macht es Endkunden schwer, eine Firma zu finden, die für einen Aufpreis tatsächlich Mehrwert bietet.
Das FAR stammt der Idee nach eigentlich aus den 90er. Aus einer Zeit als der Quelle-Katalog das Fernabsatzmedium Nr. 1 war und der Otto-Katalog die stärkste Konkurrenz. Internet war noch nicht einmal Neuland und Amazon noch der Regenwald, aus dem später die verkauften Bücher gemacht wurden. Das hat man dann 20 Jahre später noch einmal "verbraucherfreundlicher" gestaltet.
Das FAR müsste dringend reformiert werden. Der Verbraucher muss nicht mehr so krass bei Fernabsatzverträgen über Kaufsachen geschützt werden, weil diese Vertragsart nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel geworden ist. Willkür und Missbrauch nehmen überhand und schaden merklich den Marktteilnehmern und Verbrauchern. Aber wehe man erdreistet sich ernsthaft "verbraucherschützende Regeln" aufweichen zu wollen. Mistgabel und Scheiterhaufen bitte!
Es würde wohl schon viele FAR-Vorgänge verhindern, wenn der Händler einen Pauschalbetrag für den entstandenen Aufwand einbehalten könnte.
Ach, sobald es zur Regel geworden ist, Endkunden anzuschmieren, kann man deren Schutz komplett einstellen?
Hintergedanke des FAR war eigentlich mal eine Nivellierung der Konkurrenzsituation zwischen Fernabsatz- und stationärem Einzelhandel: Letzterer bietet dem Kunden schon vor Kaufabschluss Service und Möglichkeiten, die sich via Katalog (oder Webseite) teilweise mehr schlecht als recht nachstellen lassen. Damit die Kunden In Fällen von "besonders schlecht" nicht die leidtragenden sind, wurden die Fernvermarkter daher dazu verdonnert, im Nachhinein für etwaige Probleme gerade zu stehen. Der Niedergang des stationären Einzelhandels spricht dafür, dass trotz dieser Regelung noch erhebliche Vorteile auf Seiten der Fernhändler bleiben.
Das gilt selbst für Bereiche, in denen der auszugleichende Service eher gering ausgeprägt war/ist und Fernhändler somit im Zweifelsfall zu mehr Kundenfreundlichkeit verdonnert sind. Eine CPU zum Beispiel muss man nicht anprobieren, die hat auch der stationäre Einzelhandel einfach nur verkauft. Aber dennoch waren die Bedingungen hart genug, damit je Einzugsbereich selten mehr als 3-4 stationäre Händler existieren konnten. Neu aufgemachte Läden gingen entweder Pleite oder haben bestehende Verdrängt. Der FAR-Kuchen dagegen ist, trotz der härteren Regeln, offensichtlich nahrhaft genug, um 3-4 Dutzend Anbieter ein dauerhaftes Überleben zu sichern. Vermutlich hilft das FAR unter dem Strich sogar der Händlervielfalt, schließlich läge ohne ein Großteil des Risikos beim Kunden – und der würde kompensieren, in dem er nur noch bei wenigen großen, dann noch übermächtigen Monopolisten kaufen würde. Das FAR dagegen garantiert gewisse Mindeststands auch bei der kleinsten, neuesten Klitsche, von der man noch nie etwas gehört hat – der man unter diesen Bedingungen aber eine Chance gibt.