Weil im KI-Thread mal Selbstbewusstseins/Selbsterkennungsexperimente angesprochen wurden:
Putzerfische haben nicht nur den Spiegeltest bestanden, sondern dabei kürzlich auch Lernverhalten und Einblicke in ihr Lernverhalten gezeigt.
- Putzerfische, denen man einen Parasitenähnlichen Fleck aufmalt, fangen an sich zu scheuern, nachdem sie sich so in einem Spiegel gesehen haben. (Aber nicht, wenn der Spiegel fehlt oder wenn die Markierung fehlt.) Soweit, so langweilig. Spannender sind aber die Folgeversuche.
- Putzerfische, die sich mal im Spiegel gesehen haben, reagieren mit dem gleichen Scheurverhalten, wenn man ihnen ein Foto von sich mit Fleck zeigt.
- Putzerfische, die noch nie einen Spiegel gesehen haben, greifen Fotos von sich genauso an, wie Fotos von Artgenossen.
- Putzerfische, die sich zuvor im Spiegel gesehen haben, greifen nur noch Fotos von Artgenossen an, aber nicht mehr ihre eigenen Ebenbilder.
- Putzerfische, die sich zuvor im Spiegel gesehen haben, zeigen die gleiche Aggression gegenüber manipulierten Fotos, die einen Fisch mit ihrem eigenen Körper aber einem fremden Kopf zeigen, aber nicht gegenüber solchen mit ihrem Kopf auf einem fremden Körper.
=> Putzerfische sind in der Lage, anhand von Bewegungen ihr eigenes Spiegelbild als solches zu erkennen und sie merken sich bei dieser Gelegenheit, wie ihr Gesicht aussieht und sie sind anschließend in der Lage, dieses auch auf Fotos wiederzuerkennen und von Artgenossen zu unterscheiden.
Ziemlich beachtliche Leistung für ein kleines Fischchen, dass in seiner natürlichen Umgebung nie eine spiegelnde Oberflächen sehen wird (und somit auch nie sein eigenes Gesicht oder auch nur größere Teile seines Körpers) und dessen Sozialstruktur die Komplexität von "mein Territorium, dein Territorium" nicht überschreitet. Bei einem weiteren Versuch wurde übrigens festgestellt, dass sie diese Fähigkeit auch noch für "sein Territorium" nutzen, also einen ex-Revierinhaber aus der Nachbarschaft, der sein altes Gebiet von ihnen zurückholen will, als einen ganz fremden. Da auch diese Fähigkeit in freier Wildbahn wenig direkten Nutzen hat, müsssen diese Tiere also allgemein ein Personenkonzept einschließlich "ich", "Bekannter A", "Bekannter B", ..., "Fremder", etc. haben, während die Mehrheit der Menschheit sie vermutlich weiterhin für simple Reaktionsautomaten handelt, denen man jegliche Intelligenz und jegliches Reflexionsvermögen abspricht, während man sie langsam in einem Eimer erstecken lässt oder alternativ bei lebendigem Leib einmal quer durch den Schlund pierct, um sie als Köder einzusetzen.