Da haste Recht - da bleibe ich aber bei dem Argument wer Konsumartikel finanziert hat generell andere Probleme als teuren RAM^^
So einfach finde ich das dann auch wieder nicht. So ein PC kann, im Unterschied zu einer Spielkonsole, noch einige Dinge mehr als zur Gaming, und sobald einmal einer da ist, nutzt man den auch ganz automatisch für berufliche Aufgaben. Sicher nicht zu 100 %, und je nach Beruf mit stark unterschiedlicher Gewichtung, aber eine reine Spaßmaschine ist so ein PC in der Praxis eigentlich nur bei Leuten, die dedizierte Rechner für unterschiedliche Zwecke anschaffen – bei den allermeisten Anwendern ist der PC eben genau das: Ein Personal Computer, der alle möglichen Aufgaben erfüllen muss. Und damit auch wieder, zumindest über Bande, hilfreich für den Beruf.
Bei der Grafikkarte ließe ich das Argument mit dem „reinen Konsum- bzw. Luxusgut“ noch eher durchgehen, weil bei einem Arbeits-PC, der „auch“ Gaming können darf, die Grafikkarte nicht vierstellig kosten muss und für reine Geschäftsaufgaben sogar eine iGPU reicht – es sei denn, wir reden über CAD, 3D-Modellierung oder Videoencoding auf einem Niveau, dass es als professionelle Tätigkeit durchgeht, die die Maschine wieder eigenständig refinanziert. Auch bei der CPU muss es nicht das Topmodell sein. Aber Arbeitsspeicher, um den es hier gerade geht, braucht jeder Rechner, auch wenn es kein übertakteter sein muss und beim Office-PC auch 16 GB reichen (drunter würde ich heute der Zukunftstauglichkeit wegen nicht mehr gehen). Und wenn der einem gerade jetzt abraucht, was spricht dagegen, den notfalls auch zu finanzieren?
Generell finde ich diesen oft herablassenden Ton gegenüber Leuten, die es wagen, eine Ratenzahlung in Anspruch nehmen, und diese sehr deutsche Mentalität, dass es den Charakter forme, alles eisern aus der Sparbüchse zu finanzieren wie früher den Trabi mit 2 Mark pro Tag (auf den man aber auch über 10 Jahre gewartet hat) und Schulden per se etwas Anrüchiges an sich haben – außer es ist wirklich „überlebensnotwendig“ (aus Sicht des Beurteilenden, nicht des Schuldners wohlgemerkt) – sowohl unangemessen als auch albern, zumal solche Belehrungen tendenziell von Leuten kommen, deren Einkommen merklich über dem Median liegt und die immer genug Bares rumliegen haben, um zufällig mal eben genau den Betrag locker machen zu können, der für Gut XY, das man auf keinen Fall in Raten finanzieren solle, notwendig ist. Mal rein hypothetisch: Wenn ich die Möglichkeit habe, 300 Euro zinsfrei über 6 Monate zu bezahlen (ggf. sogar mit der Möglichkeit straffreier frühzeitiger Sondertilgungen), was ist dann so schlimm daran, das zu tun? Vielleicht bin ich, wenn meinem Arbeitsspeicher frisch der blaue Rauch entwichen ist, gerade in einer Situation, in der mein Cashflow es wirklich nicht hergibt, das Geld genau jetzt auf einen Schlag auszuzahlen (gerade im Januar, wo sehr viele Jahresrechnungen fällig werden), aber über 6 Monate ist locker machbar und ich habe dadurch rein rechnerisch keine Nachteile – im Unterschied zu etlichen alternativen Möglichkeiten (wie z. B. Konto überziehen), die allesamt zinsbehaftet wären. 6 Monate später ist die Summe bezahlt, ich habe keine weiteren Schulden aufgenommen, nie eine Rechnung verspätet bezahlen müssen, keinen Schufa-Eintrag bekommen, nix – was genau habe ich da jetzt falsch gemacht, weil ich den Betrag nicht direkt in voller Höhe beglichen habe, sondern 250 Euro Barvermögen lieber für eine oder zwei unmittelbar anstehende Fälligkeiten bereitgehalten habe?
Und wo ich den Trabi schon erwähnt habe: Beim Auto ist es bis zu einem gewissen Grad auch ganz normal und akzeptiert, dass der Barkauf die Ausnahme ist und die allermeisten Leute ihr Auto in Raten abbezahlen (oder noch schlimmer: mieten bzw. „leasen“). Warum soll das bei einem PC oder Smartphone dann so schlimm sein? Auch die „braucht“ man, meistens auch für berufliche Zwecke, in meinem konkreten Fall brauche ich den PC sogar dringender als das Auto. Aber wie ich schon sagte: Entscheidend bei der Bewertung ist, was der Beurteilende sich anmaßt, für „notwendig“ oder „sinnvoll“ zu halten, nicht, was für den Schuldner notwendig und sinnvoll ist. Als Außenstehender, der nicht betroffen ist, weiß man sowas schließlich immer am besten. Und Autos sind halt allgemein so teuer, dass sie für die Mehrheit nicht aus der Portokasse zu finanzieren sind – sobald man selber betroffen ist, schlägt man plötzlich ganz andere Töne an, und sei es nur, dass man sich selbst als legitime Ausnahme betrachtet, bei den Anderen™ aber nicht von seiner Überzeugung abweicht. Für mich öffnet das aber ein weiteres Logikloch in der Kritik: Wenn Schulden per se schön ein Problem sind, sollten dann größere Schulden nicht per Definition ein größeres Problem sein?
Dass solche Finanzierungen für viele Leute, die sie in Anspruch nehmen, zum Problem werden, liegt in den allermeisten Fällen daran, dass sie diese Entscheidung nicht wohlüberlegt und nach sorgfältiger Abwägung und Kalkulation treffen und dass es sie oft dazu verleitet, zu viel auf einmal zu finanzieren – die monatlichen Raten sind ja so niedrig, da kann man noch was drauf packen –, bis die monatlichen Tilgungen in der Summe eben nicht mehr nur 2 bis 3 % des Einkommens verschlingen, sondern 10 bis 20 % oder noch mehr und damit in einem Bereich liegen, wo sie mit Fixkosten wie Miete, Strom, Internet, ggf. Krankenversicherung sowie mit dem Bedarf des täglichen Lebens (Nahrung, Hygiene etc.) konkurrieren. Manchmal ist es aber auch einfach ein unvorhergesehenes Ereignis, infolgedessen die Verbindlichkeiten nicht mehr bedient werden können. Wenn der Punkt erreicht ist, dass schon die Schuldentilgung durch Aufnahme neuer Schulden gestemmt werden muss, dann müssen alle Warnlampen auf einmal angehen.
Würde ich deswegen jemandem empfehlen, teuren Arbeitsspeicher in Raten zu finanzieren? Wie schon dargelegt: Abwägungssache. Wie dringend ist der Bedarf? Können die Einsatzzwecke ihn (zumindest in Teilen) refinanzieren? Mit welcher Hardware ist er momentan unterwegs? Ist es nur ein Aufrüstungswunsch oder muss etwas Defektes ersetzt werden? Geht es von den Spezifikationen her evtl. eine Nummer kleiner? (Bei 128 GB mit 7200 MT/s kann man sich das durchaus nochmal überlegen.) Wie fielen die Raten aus? Wie hoch ist der Zinssatz? Müsste er sich dafür anderweitig über Monate signifikant einschränken? Wie stabl ist sein Einkommen? Traut er sich finanziell und persönlich zu, die Raten bedienen zu können? Alles fragen, die man sich stellen und ehrlich beantworten muss, und wenn das Ergebnis positiv ausfällt, sehe ich nicht, warum eine Finanzierung schlimm sein sollte. Jedem, der ein RAM-Speicherkit finanziert, automatisch große finanzielle Schwierigkeiten, um nicht zu sagen Inkompetenz zu unterstellen, halte ich für anmaßend und undifferenziert.