Aogo und Lehmann, Identitätspolitik und Cancel Cultur "at it's best"

Um es mal konkret zu machen, ohne dich dabei beleidigen zu wollen, ist es für mich völlig unverständlich, sich als türkisch oder arabisch stämmig in Deutschland, als PoC zu bezeichnen, mit Verweis auf "weißen" Kolonialismus, Sklaverei und "Alte weiße Männer, wenn der Kulturraum aus dem man stammt, haargenau das gleiche gemacht hat.
Der türkische und arabische Raum hat selber extrem unter dem westeuropäischen Kolonialismus (Massenmorde, willkürliche Aufteilung von Ländereien, Kulturlimperialismus etc.) gelitten.
Desweiteren gibt es nicht die kaukasische Gesellschaft und den kaukasischen Rassismus, das ist schlicht und einfach Schwachsinn!
Doch gibt es, nennt sich Rassentheorie und besagt, dass Europäer die Spitze in der Evolutionshierarchie darstellt. Verleugne es so viel du willst, das ist historischer Fakt!
Um mal die völlige Absurdität, dieser ganzen PoC - Kolonialismus - Sklaverei - kaukasischen Rassismus Geschichte aufzuzeigen, wenden wir uns der Gegenwart zu und werfen ein Blick nach Europa. Wo wollen Flüchtlinge im Moment in der EU/Europa am wenigsten "untergebracht" werden, welche Staaten haben seit 20 Jahren unglaublich niedrige Einwanderer/Migrations "Quoten"?
Natürlich wollen sie nach Europa, wo der Lebensstandard mit der Beste ist auf der Welt. Perfiderweise liegt es aber mit daran, dass die Heimatländer dieser Menschen von europäischen Kolonialisten die letzten Jahrhunderte ausgebeutet wurden.
Auch ist es völliger Schwachsinn einen Vergleich zwischen z.B. den USA und Deutschland in Sachen gesellschaftlichen und politischen Rassismus anzustellen, denn ich behaupte mal frank und frei, das wir in Deutschland gesellschaftlich und politisch um Lichtjahre weiter sind, alleine wenn man sich die Gesetzeslage anschaut, Training der Polizei, Verhalten des öffentlichen Dienstes, gesellschaftliches Zusammenleben oder im negativen Sinne, gesellschaftliche Übergriffe.
Hier gebe ich dir recht! Wobei wir auch hier das Problem von Racial Profiling haben. Das weiß ich aus erster Hand von einem Freund, der Polizist ist.
Mein Anspruch bezieht sich ausschließlich auf Deutschland, weil ich fühle mich bestimmt nicht mit allen kaukasischen Gesellschaften verbunden oder empfinde deren Migrations oder Diskriminierungspolitik empfehlenswert, genauso wenig wie ich das gegenüber asiatischen oder arabischen Gesellschaften tue.
Und wenn ich mir Deutschland so ansehe, gibt es sehr wenig bis keine anderen Länder auf der Welt, wo politisch und gesellschaftlich so viel getan wird und wurde gegen Rassismus und gegen rassistische Diskriminierung.
Das betrifft sowohl Politik als auch Gesellschaft.
Ja, wird es tatsächlich, du musst auch bitte nicht so argumentieren, dass ich oder jemand anderes so tut, als wäre alles schlimm hier.
Niemand wird je Rassismus und Diskriminierung jemals völlig stoppen können, wer das annimmt ist für mich Fantast, woran man sich messen lassen muss sind die Ergebnisse und der Vergleich zu anderen Gesellschaften und da stehen wir zienlich gut da im Vergleich zur gesammten Welt.
Kann sein, dass du damit cool bist, weil du als weißer deutscher Mann mit Sicherheit nie wirklich Rassismus und Benachteiligung in deinem Leben, aufgrund deines Aussehens, Namens, deiner Religion und Herkunft, erlebt hast (und bitte komm mir nicht jetzt mit Alman und Kartoffel, das ist einfach nur lächerlich im Vergleich, zu wirklich schädigenden Rassismuserfahrungen).

Aber als jemand der von Rassismus häufiger im Leben direkt und indirekt (Familienmitglieder und Freunde) betroffen ist, ist es für mich essentiell wichtig weiter darüber zu reden und aufmerksam zu machen. Ich kenne nämlich keinen mit Migrationshintergrund, der in diesem Land nicht im Leben von Rassismus betroffen war. Die damalige Me Two Kampagne, hatte es ja deutlich gezeigt, dass es enorm vielen Menschen in diesem Land genauso geht. Sollen wir jetzt weiter schweigen, nur weil du findest, dass unsere Gesellschaft im Vergleich zur gesamten Welt ziemlich gut da stehen?

Das ist das völlig absurde und schizophrene an der Sache!
Und kein Mensch kann das irgendwie auch nur Ansatzweise nochvollziehbar darstellen.
Du überzeichnest dermaßen, dass ich mich ernsthaft frage, was dir überhaupt bei diesem Thema im Kopf vorgeht.
Deutsche, jüdischen Glaubens, die hier in Deutschland rassistisch beleidigt werden, ob nun von Rechts oder aus dem türkisch und arabischen Raum, sind natürlich auch keine PoC, wer soll das eigentlich begreifen?
Natürlich sind Juden auch PoC's. Wie wär's mit mehr Fragen und aufmerksam zuhören oder lesen, als vorab unrichtige Annahmen treffen.
 
Der türkische und arabische Raum hat selber extrem unter dem westeuropäischen Kolonialismus (Massenmorde, willkürliche Aufteilung von Ländereien, Kulturlimperialismus etc.) gelitten.
Ist das dein Ernst? :D
Nein wirklich, das klingt grad für dieses Beispiel extrem witzig.
Der türkische Raum? Das war das osmanische Reich, die haben selbst beim Großmächtekonzert mitgemacht
mal gewonnen mal verloren, aber sie jetzt als Opfer von Kolonialismus darzustellen? Lachhaft
Auch Massenmorde ja geil, der größte Massenmord (in diesem Teil der Welt) den haben die Türken ganz alleine geschafft.
Willkürliche Grenzziehungen, ja nach dem ersten Weltkrieg gab es die, aber waren die Grenzen des
osmanischen Reiches nicht genau so willkürlich weil auf Eroberungen beruhend.
Doch gibt es, nennt sich Rassentheorie und besagt, dass Europäer die Spitze in der Evolutionshierarchie darstellt. Verleugne es so viel du willst, das ist historischer Fakt!
Dummerweise waren Kaukasier selbst Opfer von dieser Theorie weil es eben keine Wissenschaft war sondern Willkür.
Natürlich wollen sie nach Europa, wo der Lebensstandard mit der Beste ist auf der Welt.
Er hat aber europäische Länder unterschieden...
Natürlich sind Juden auch PoC's. Wie wär's mit mehr Fragen und aufmerksam zuhören oder lesen, als vorab unrichtige Annahmen treffen.
Soll ich mal meine jüdische Freundin fragen ob sie sich als POC sieht?
(So langsam wird es witzlos, aber ich habe viele Frauen kennengelernt)

Das ist trotzdem recht krude, wenn ein Kurde nach Deutschland kommt ist er dann plötzlich PoC obwohl er hier als Minderheit deutlich besser behandelt wird als in der Türkei oder war er in der Türkei schon PoC obwohl es in der Türkei keine weiße Mehrheitsgesellschaft gibt? Oder sind für die türkischen Kurden die Türken Weiße und wenn Türken nach Deutschland kommen sind sie plötzlich PoC und nicht mehr weiß?

Warte auf Antworten
 
Der türkische und arabische Raum hat selber extrem unter dem westeuropäischen Kolonialismus (Massenmorde, willkürliche Aufteilung von Ländereien, Kulturlimperialismus etc.) gelitten.
Das meinst du jetzt ernst?
Man kann über dein historisches Nichtwissen nur noch massiv den Kopf schütteln, oder ist es die neue Opfermentalität, die bei allen Bevölkerungsteilen neuerdings in Deutschland vorherrscht?
Das Osmanische Reich herrschte seit 1648 über den gesammten arabischen und norafrikanischen Raum, da gab es keine Europäer, bis 1870 die Engländer und Franzosen über Schulden des Staatswesen von Agypten kontrollierten und 1910 die Italienr in Lybien einmarschierten. Danach gab es eine willkürliche Grenzziehung von 1919 bis around 1950, danach war der arabische Raum wieder komplett selbständig, die Türkei stand nie unter europäische Einfluss in Form von Kolonialismus.
Also du vergleichst fasr 300 Jahre osmanische Kolonialhgerrschaft mit 40 Jahren europäischer und kommst zu obiger Aussage, man kann nur noch lachen.
Doch gibt es, nennt sich Rassentheorie und besagt, dass Europäer die Spitze in der Evolutionshierarchie darstellt. Verleugne es so viel du willst, das ist historischer Fakt!
Ja deshalb waren die Hauptopfer auch kaukasisch jüdisch gläubige Menschen und andere willkürlich festgelegte kaukasische "Untermenschen".
Natürlich wollen sie nach Europa, wo der Lebensstandard mit der Beste ist auf der Welt. Perfiderweise liegt es aber mit daran, dass die Heimatländer dieser Menschen von europäischen Kolonialisten die letzten Jahrhunderte ausgebeutet wurden.
Du hast nicht ansatzweise verstanden, was ich geschrieben habe und was ich damit aufzeigen wollte.
Ja, wird es tatsächlich, du musst auch bitte nicht so argumentieren, dass ich oder jemand anderes so tut, als wäre alles schlimm hier.
Doch das hast DU schon mehrfach, inklusive der Unterstellung das man in Deutschland nicht so genau wüsste, ob nicht wieder das gleiche passiert wie bei den Nazis mit den Juden, ich suche dir gerne deinen Post heraus, wenn du es willst.
Kann sein, dass du damit cool bist, weil du als weißer deutscher Mann mit Sicherheit nie wirklich Rassismus und Benachteiligung in deinem Leben, aufgrund deines Aussehens, Namens, deiner Religion und Herkunft, erlebt hast (und bitte komm mir nicht jetzt mit Alman und Kartoffel, das ist einfach nur lächerlich im Vergleich, zu wirklich schädigenden Rassismuserfahrungen).
Habe ich, als ich einige Zeit hauptsächlich in China und im weiteren asiatischen Raum gearbeitet habe.
Ich bin auch schon am spanischen Strand im Urlaub von Schweizern als Nazi bezeichnet worden, alleine das ich die Frage meiner Herkunft mit Deutschland und Hannover beantwortet habe, in gemütlicher Runde mit 10 Leuten am Strand und mit Gitarre (Die Jungs waren gerade zur Gruppe getreten und man hat sich vorher weder je gesehen noch ein Wort gewechselt). Ähnliches ist mir in Holland passiert beides 1990.

Du überzeichnest dermaßen, dass ich mich ernsthaft frage, was dir überhaupt bei diesem Thema im Kopf vorgeht.
Nein ich stelle nur die Absurdität des Ganzen dar.
Natürlich sind Juden auch PoC's. Wie wär's mit mehr Fragen und aufmerksam zuhören oder lesen, als vorab unrichtige Annahmen treffen.
Wie kommt es?
Also sind es dann Polen und Italiener, Spanier oder andere Kaukasier, die in Deutschland rassistische Diskriminierung erfahren haben genauso?
Kurze Einweihung:
People of Colour ist eine Selbstbezeichnung von Menschen mit Rassismuserfahrung, die nicht als weiß, deutsch und westlich wahrgenommen werden.
Du glaubst ernsthaft, das sich Deutsche jüdischen Glaubens, nicht als weiß, deutsch und westlich sehen?
Da wette ich mal stark dagegen! Man könnte ja mal Michel Friedman eine Mail schicken, wie er das so sieht.
 
Zuletzt bearbeitet:
... Das allein sagt aber noch absolut nichts darüber aus, ob dieser Begriff heute noch "okay" ist, ob er es jemals war, oder ob er rassistisch ist
...
Ihr könnt euch also gerne einreden, dass N3ger ja kein rassistisches Schimpfwort sei, richtiger wird es davon nicht.

Um es mal klipp und klar zu sagen: Eine Bedeutung erhält ein Ausdruck durch die Intention, mit er verwendet wird.

Kurze Zusammenfassung:
PoC meint Menschengruppen, die in einer Mehrheitsgesellschaft als "coloured" also andersfarbig bzw andersartig wahrgenommen werden und daher u.a. Rassismus erfahren.

Da ich (und alle anderen nicht-Rassisten wohl auch) niemanden als "farbig" oder gar einer anderen Art zugehörig wahrnehme, gibt es aus meiner Perspektive gemäß deiner Definition keine "People of Colour".

Die Begriffe "Weiß"/"Schwarz" meinen ähnliche gesellschaftliche Kategorien, primär in Bezug auf Europa/Nordamerika. Weiß steht dabei für die dominante Position der Mehrheitsgesellschaft und Schwarz für eine diskriminierte Minderheit.

Gibt es hier noch andere, die diese Definition zum ersten Mal hören? Falls ja würde ich sie für unbrauchbar halten, denn was nützt ein Wort, dessen (vermeintliche) Bedeutung niemand versteht? Auf alle Fälle ist sie unbrauchbar, denn für die dominierende Mehrheitsgesellschaft haben wir bereits das Wort "Mehrheitsgesellschaft", warum sollte man tatsächlich plötzlich "Weiß" sagen? Und was nützt es, "Schwarz" als Platzhalter für eine x-beliebige diskriminierte Minderheit zu nehmen? Unter "Schwarz" verstehen die meisten zunächst eine Farbe. Sehr unintuitiv, wenn man jetzt zum Beispiel Katholiken in der DDR als "Schwarz" bezeichnen sollte, anstatt sie einfach "diskriminierte Minderheit" zu nennen, was jeder auf Anhieb versteht.

Spanisch- bzw portugiesichstämmige sind heute noch in den meisten südamerikanischen Ländern finanziell, bildungstechnisch und de-facto rechtlich privilegiert. Deswegen kann man, wenn man die Theorie teilt, durchaus sagen, dass Spanier und Portugiesen also "Weiß" sind, im Vergleich zur indigenen Bevölkerung Südamerikas. Das hat aber, wie gesagt, hier sowieso niemand getan.

Da Spanien weitaus weniger Sklaven aus Afrika importiert hat und die Zahl der zugewanderten Kolonialisten weitaus größer war als die Zahl der überlebenden Indigenen, hat in den meisten Teilen Lateinamerikas die Bevölkerungsmehrheit iberische Wurzeln. In Mexico beispielsweise 90% insgesamt, 30% sogar ausschließlich. Sind die jetzt gemäß deiner Definition in Mexico "Weiß", weil Europäer, aber "Schwarz" sobald sie zum arbeiten in die USA fahren und da als angehörige der Latino-Minderheit zählen? Das finde ich reichlich verwirrend, wenn das vermeintliche personenbezogene Adjektiv "Weiß" und "Schwarz" (seit wann schreibt man Adjektive eigentlich groß? Ist dass das neue "korrekte" Deutsch?) auf einmal noch einen geographischen Bezug hat. Kann ich, als scheinbar unzureichend informierte Person nachschlagen, wer wo als was zählt? Ist ein Inuit in Südafrika "Weiß" oder "Schwarz"? Wer versucht wen zu diskriminieren, wenn sich ein Ire und ein Araber in einer balinesischen Bar prügeln? Macht es einen Unterschied, wenn statt mir als Deutschem ein Japaner dazwischen geht? Im Vergleich zur deutschen Muttersprache sind diese neu geprägten Begriffe wirklich kompliziert in der Anwendung...


Kurze Einweihung:
People of Colour ist eine Selbstbezeichnung von Menschen mit Rassismuserfahrung, die nicht als weiß, deutsch und westlich wahrgenommen werden.

Eben hieß es noch, dass PoC Menschen wären die "als "coloured" also andersfarbig bzw andersartig wahrgenommen werden". Jetzt hängt es auch noch von der Wahrnehmung durch andere ab, ob jemand PoC ist oder nicht? Und von seiner individuellen Lebensgeschichte? Das heißt man kann von außen nie sagen, ob jemand PoC ist oder nicht, weil man ihn erst fragen muss, ob er Rassismus erfahren hat? Und er kann umgekehrt nicht sagen, ob er PoC ist, solange er nicht weiß, wie ich ihn wahrnehme? Und sind Polen mit Sonnenbrand, die ich als nicht-weiß (nicht nicht-Weiß, wobei das ggf. geographisch eingegrenzt werden muss, s.o.), östlich und nicht-deutsch wahrnehme, auch People of Colour?

Es geht nicht um Hautfarben, sondern um die Benennung von Rassismus und den Machtverhältnissen in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft.

Ich glaube, man würde wesentlich besser verstanden werden, wenn man Rassimus und Macht sprechen würde...


Lieber Don, bei allem Respekt, aber das Thema hatten wir doch echt lange im Thread Alter weißer Mann besprochen

Wenn ich diesen Thread richtig in Erinnerung habe, dann endete er mit Schweigen im Walde, sobald mal ein paar Argumente vorgebracht/kritischere Nachfragen zwecks Verständnisbildung gestellt wurden. Ich warte bis heute auf Antworten oder auch nur Reaktionen der Fraktion, die gerne bestehende Wörter umdeutet, um wenigstens verstehen zu können, was genau sie denn in ihrer zwar aus deutschen Lauten bestehenden, aber nicht dem Deutschen entsprechenden Sprache ausdrücken wollen.
 
Es ist eine Herabsetzung seiner Stellung.
Genau so wie alles was mit Quote... anfängt
 
Rassismus und Diskriminierungs Erfahrung ist eben nicht ausschließlich ein "coloured" Problem, sondern es wird dazu heute politisch gemacht
Eben hieß es noch, dass PoC Menschen wären die "als "coloured" also andersfarbig bzw andersartig wahrgenommen werden". Jetzt hängt es auch noch von der Wahrnehmung durch andere ab, ob jemand PoC ist oder nicht? Und von seiner individuellen Lebensgeschichte?
PoC sind die Menschen, die in einer Gesellschaft eben nicht dem klassischen Bild der Mehrheitsbevölkerung entsprechen und daher mit hoher Wahrscheinlichkeit Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen machen. Das "andersartig wahrgenommen werden" bezieht sich auf den Unterschied zur Mehrheitsgesellschaft.
Da sehe ich jetzt gerade keinen Widerspruch in meinen Aussagen.
genauso wie der Kolonialismus Bezug, der eigentlich auch nur wirklich auf GB, Spanien, Portugal und die USA einigermaßen anwendbar ist
Kolonialismus - Beteiligte Länder im Überblick
Spätmittelalter: Genua, Venedig,
Klassiche Kolonialmächte: Portugal, Spanien, Vereinigtes Königreich, Frankreich, Niederlande, Dänemark, Deutsches Reich, Italien, Russland, Belgien, Osmanisches Reich, Japan
Halb-Kolonialmächte: Österreich-Ungarn, Schweden, Norwegen, Brandenburg-Preußen, Kurland, Pisa
Um in Europa zu bleiben, haben hauptsächlich "weiße" Minderheiten Diskriminierung und Rassismus erfahren, bis hin zum Holocaust.
Du hast offensichtlich nach wie vor die Definition des Begriffs "Weiß" in diesem Kontext nicht verstanden. Es geht nicht um die Hautfarbe.
Abgesehen davon galten die von Rassismus betroffenen in der Geschichte eben nicht als "klassisch weiß": Iren wurden als "white negro", eine minderwertige Menschenrasse bezeichnet, obwohl sie ja auch eine weiße Hautfabe haben, Osteuropäer galten als Slawen und damit auch als minderwertig und dem klassischen Mitteleuropäer nicht gleichgestellt. Gleiches gilt für Juden. Natürlich hatten sie in der Regel eine weiße Hautfarbe, aber sie waren dem als Ideal geltenden weißen Mitteleuropäer (bzw us-amerikaner) eben nicht gleichgestellt, sie galten als eine andere, minderwertige Rasse.
Genauso wie dieser ganze Kolonialismus Bezug eine absolut einseitige Nordamerika Zentrierung ist, in Europa eigentlich nur nur wirklich auf GB anwendbar.
siehe oben. Ist natürlich sehr bequem, einfach die Kolonialgeschichte Europas auszublenden und dann zu behaupten, alles würde keinen Sinn ergeben
Außerhalb von GB, Spanien und Portugal, gab es in keinem europäischen Land irgendeine nennenswerte Anzahl von Menschen (Bevölkerungsanteil), der jemals am Kolonialismus beteiligt gewesen wäre,
Siehe oben. Über die genauen Bevölkerungsanteile, die aktiv selbst am Kolonialismus mitgearbeitet haben, kann man sicherlich streiten. Da die oben genannten Länder aber alle erhebliche wirtschaftliche Interessen verfolgten und dementsprechend profitierten, ist der Verweis auf Anteile in der europäischen Zivilbevölkerung eine schlechte Ausrede.
Es müssten ja dann auch alle Kurden in der Türkei PoC sein.
Ja. Wie gesagt, ließ dir die Definition von PoC nochmal durch.
Und schon wieder Hautfarbe. Alter Schwede! Es geht bei PoC nicht um Hautfarbe in 1. Linie.
Genau das!
Wie gesagt, man kann diese Definition kritisieren, aber dafür sollte man sie erstmal verstehen...
ist es für mich völlig unverständlich, sich als türkisch oder arabisch stämmig in Deutschland, als PoC zu bezeichnen, mit Verweis auf "weißen" Kolonialismus, Sklaverei und "Alte weiße Männer, wenn der Kulturraum aus dem man stammt, haargenau das gleiche gemacht hat.
Diese Aussage ist aus 3 Gründen schlichtweg falsch:
1. Dass Menschen aus einem Kulturraum stammen, der in der Geschichte Täter in Bezug auf Rassismus war, entzieht ihnen nicht das Recht, als Opfer von Rassismus darauf aufmerksam zu machen.
2. Es ist eben genau der Sinn der Bezeichnung PoC, in Bezug auf die Gesellschaft zu sein. Wenn arabischstämmige Menschen in Deutschland Rassismus ausgesetzt sind, sind sie PoC.
3. Der Verweis auf Kolonialismus, Sklaverei und "alte weiße männer" ist ein von dir konstruierter Strohmann. PoC sind nicht PoC wegen vergangenenem Rassismus, sondern wegen aktuellem, existierenden Rassismus.
Dummerweise waren Kaukasier selbst Opfer von dieser Theorie weil es eben keine Wissenschaft war sondern Willkür.
Ja die armen weißen Europäer und Amerikaner, die sich selbst eine Pseudowissenschaft ausgedacht haben, um sich selbst als Herrenrasse zu sehen und Sklaverei, Massenmorde, Zwangsarbeit, Unterdrückung etc. zu rechtfertigen. Die weißen sind hier natürlich die eigentlichen Opfer, wie konnte ich das nur übersehen!
Da ich (und alle anderen nicht-Rassisten wohl auch) niemanden als "farbig" oder gar einer anderen Art zugehörig wahrnehme, gibt es aus meiner Perspektive gemäß deiner Definition keine "People of Colour".
Selbstverständlich werden z.B. arabischstämmige Menschen anders wahrgenommen als weiße, das ist ein gesellschaftlicher Fakt. Der Verweis darauf, dass du als Individuum angeblich keine Unterschiede zwischen Menschen verschiedener Kulturkreise siehst, ist dafür irellevant.
Gibt es hier noch andere, die diese Definition zum ersten Mal hören? Falls ja würde ich sie für unbrauchbar halten, denn was nützt ein Wort, dessen (vermeintliche) Bedeutung niemand versteht?
Der Begriff stammt ja auch aus dem akademischen Bereich. Wie ich schon mehrfach gesagt habe, kann man sich zurecht darüber streiten, ob er sich für die allgemeine Öffentlichkeit überhaupt eignet. Das ändert aber nichts daran, dass er existiert, wissenschaftlich von manchen verwendet (und von anderen kritisiert) wird und eine bestimmte Bedeutung hat.
Und was nützt es, "Schwarz" als Platzhalter für eine x-beliebige diskriminierte Minderheit zu nehmen?
Irgendeinen Begriff braucht man halt, wenn man auf verschiedenen wissenschaftlichen Ebenen über Diskriminierung reden will. Ob dieser konkrete Begriff jetzt sinnvoll ist, oder nicht, ist nochmal eine andere Frage.
Sind die jetzt gemäß deiner Definition in Mexico "Weiß", weil Europäer, aber "Schwarz" sobald sie zum arbeiten in die USA fahren und da als angehörige der Latino-Minderheit zählen?
Wie oben bereits gesagt, diese Begriffe sind natürlich abhängig von der Gesellschaft. Wenn du in Mexiko Teil der Mehrheitsgesellschaft bist, hast du einen anderen Status als als Minderheit in den USA.
Das ist übrigens auch nicht "meine" Definition, ich hab mir das ja nicht ausgedacht.
Wer versucht wen zu diskriminieren, wenn sich ein Ire und ein Araber in einer balinesischen Bar prügeln? Macht es einen Unterschied, wenn statt mir als Deutschem ein Japaner dazwischen geht?
Es geht bei Weiß/Schwarz/PoC um gesellschaftliche Strukturen. Wenn zwei Individuen sich prügeln, kann das rassistische Gründe haben, muss es aber nicht.
 
PoC sind die Menschen, die in einer Gesellschaft eben nicht dem klassischen Bild der Mehrheitsbevölkerung entsprechen und daher mit hoher Wahrscheinlichkeit Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen machen.
Also bin ich ein PoC
Ich werde wegen meiner Hautfarbe ständig gefragt woher ich komme.
Kolonialgeschicht
Es ging um Kolonialismus in Verbindung mit Sklaverei.
Die weißen sind hier natürlich die eigentlichen Opfer, wie konnte ich das nur übersehen!
Ja natürlich, im Holocaust waren es zum Beispiel die europäischen Juden.
Und du weißt doch "Wer Jude ist entscheide ich" - Göring

Dieses PoC Konzept ist ziemlich krude.
 
Nur um das nochmal klarzustellen: Ich selbst halte die Begriffe "Weiß"/"Schwarz" für ungeeignet, eben weil sie in der allgemeinen Bevökerung eine absolut klare Definition haben und es nur unnötig kompliziert ist, den Begriffen jetzt eine komplett andere Bedeutung zu geben. Wie sinnvoll das auf einer wissenschaftlichen Ebene ist, weiß ich nicht, ich bin kein Gesellschaftswissenschaftler.
Das heißt aber nicht, dass die Probleme, die mit diesen Begriffen beschrieben werden, nicht exisitieren würden. Mehrheiten tendieren dazu, Minderheiten zu Unterdrücken, Menschen haben Vorurteile, Gesellschaften etablieren Machtstrukturen. Diese Strukturen und Tendenzen zu analysieren und zu benennen, damit man dagegen vorgehen kann, ist wichtig. Das ist unabhängig von den konkreten Bezeichnungen.


Also bin ich ein PoC
Ich werde wegen meiner Hautfarbe ständig gefragt woher ich komme.
Ja.
Es ging um Kolonialismus in Verbindung mit Sklaverei.
Ich werde dir jetzt nicht im Detail alle Verbindungen aller europäischen Länder zur Sklaverei einzeln erläutern.
Kurzfassung, zusätzlich zu den von dir genannten Ländern:
Frankreich: Hat Sklavenhandel in den eigenen Kolonien 1848 abgeschafft, war davor wie jede andere Kolonialmacht dran beteiligt
Niederlande: Sklaverei und Sklavenhandel bis 1863, Dutch West India Company für Sklavenhandel zwischen Karibik und Südamerika (zusammenarbeit mit Spanien)
Dänemark: Sklaverei in Dänisch-Westindien, Sklavenhandel zwischen Westafrika und Zentralamerika bis 1850
Deutsches Reich: Unter Wilhelm II wurde die Sklaverei offiziell abgeschafft, trotzdem waren zu dem Zeitpunkt ca 10% der ostafrikanischen Bevölkerung Sklaven, es wurden ca 1000 chinesische Zwangsarbeiter dazugeholt und von der deutschen Besatzung "freigekaufte" Sklaven wurden weiter als Sklaven gehandelt, weil man ihnen ja mit dem Freikauf schon genug "bezahlt" hätte. Das ganze übrigens bis in das 20. Jahrhundert hinein.
Belgien: Kongogräuel - Sklaverei, Zwangsarbeit, 8 bis 10 Millionen Tote.
 
Zuletzt bearbeitet:
PoC sind die Menschen, die in einer Gesellschaft eben nicht dem klassischen Bild der Mehrheitsbevölkerung entsprechen und daher mit hoher Wahrscheinlichkeit Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen machen.

Das ist jetzt die dritte Definition von "PoC", die ich binnen 24 Stunden lese und sie widerspricht beiden vorangehenden.

Ganz ehrlich:
Der hier mehrfach geäußerte Vorwurf, dass ein Gesprächspartner wohl gar nicht wisse, was PoC eigentlich bedeutet, scheint mir auf alle Anwesenden zuzutreffen. Einige verwenden den undefinierten Begriff deswegen nicht, bei anderen bedeutet er je nach Aussprechenden, ggf. sogar je nach Tageszeit/Datum etwas anderes. Da braucht man sich dann übrigens auch nicht wundern, wenn man missverstanden wird:
Der Sinn von Sprache ist es, Informationen zu übermitteln. Deswegen steht in einer Sprache jedes Wort für einen möglichst präzise festgelegten Begriff und wird nur, dann aber immer, genutzt um diesen seinem Gegenüber zu kommunizieren. Ein Wort, dass kein abgrenzbare Begrifflichkeit hat, ist im Rahmen einer Sprache nicht anwendbar. (Und damit auch ungeeignet, ältere Begriffe zu ersetzen.)

Das "andersartig wahrgenommen werden" bezieht sich auf den Unterschied zur Mehrheitsgesellschaft.
Da sehe ich jetzt gerade keinen Widerspruch in meinen Aussagen.

In deinem Fall hast du erst gesagt, dass PoC Personen sind, die Rassismuserfahrungen gemacht haben. Jetzt sagst du, dass es Personen sind, die Rassismuserfahrungen machen könnten. Das kein harter Widerspruch, aber zwischen "Opfer von Rassimus" und "durch Rassismus gefärdet" gibt es Unterschied, der spätestens bei z.B. Hilfsangeboten eine Rolle spielt. Deswegen sagt man auf deutsch "Rassimusopfer", wenn man Rassismusopfer meint und "Rassimusgefährdete", wenn man Rassismusgefährdete meint, aber nie "Person of Colour", wenn der gegenüber eins von beiden verstehen soll. Außerdem erfasste deine erste Definition als "andersfarbig" wahrgenommene Menschen, in einem nichtrassistischem Umfeld also niemanden. Und die Mehrheit der Deutschen sieht sich als nichtrassistisch (ob das stimmt wäre ein anderes Thema, aber man kann Sprache nur vom eigenen Erkentnissstand ausgehend verwenden). Deine zweite Definition verweist dagegen auf ein "klassisches Weltbild". Ein eher diffuser, aber mit Sicherheit auf zurückliegende, rassistischere Zeiten verweisender Rahmen. Ein italienischerstämmiger Zuwanderer wäre zum Beispiel nach der "klassischen" deutschen Mehrheitsmeinung der 60er Jahre und somit gemäß Defintion 2 eine Person of Colour, nach deiner ersten, im Heute verankerten Definition wäre er es nicht.

Verwirrender ist aber der Widerspruch zwischen deiner und Ja--sins Definition:
Dir geht es um die Wahrnehmung einer Person, ihm um die Person selbst. Huti in Ruanda erfüllen sein Kriterium, "nicht weiß" zu sein, aber sie erfüllen nicht dein Kriterium, von der (ruandischen) Mehrheitsgesellschaft als "andersfarbig" wahrgenommen zu werden. Ihr meint also andere Menschen, wenn ihr von "People of Colour" sprecht und es für Dritte kaum möglich, den Überblick zu behalten. Und damit seit ihr keine Ausnahme. Egal, wo mir "Person of Colour" begegnet, es scheint immer jemand anderen zu meinen oder gar nur ein austauschbarer Kampfbegriff zu sein. So wie früher Sozialisten für die "Unterdrückten der Welt" auf dir Straße gegangen sind, ohne zu wissen, wer von wem unterdrückt wird, setzt man sich heute für "Persons of Colour" ein. Wer das eigentlich ist und welche Probleme er hat, ist dabei egal und bestenfalls diffus bekannt, aber es klingt hübsch und richtig, mal zu fordern, dass jemand anders (!) etwas für diese "PoC" tut. Und "der andere" aka Politik und restliche Gesellschaft stehen dann da und fassen sich an den Kopf.

Selbstverständlich werden z.B. arabischstämmige Menschen anders wahrgenommen als weiße, das ist ein gesellschaftlicher Fakt. Der Verweis darauf, dass du als Individuum angeblich keine Unterschiede zwischen Menschen verschiedener Kulturkreise siehst, ist dafür irellevant.

Und wer legt fest, was "fakt" und "relevant" ist? So, wie du es beschreibst, habe ich als Individuum ja gar keine Chance, (m)eine Sprache zu wählen, sondern muss das von jemand anderem machen lassen.

Der Begriff stammt ja auch aus dem akademischen Bereich. Wie ich schon mehrfach gesagt habe, kann man sich zurecht darüber streiten, ob er sich für die allgemeine Öffentlichkeit überhaupt eignet. Das ändert aber nichts daran, dass er existiert, wissenschaftlich von manchen verwendet (und von anderen kritisiert) wird und eine bestimmte Bedeutung hat.

Wenn wissenschaftliche Begriffe EINE BESTIMMTE Bedeutung haben, eignen sie sich in der Regel auch für die Öffentlichkeit. Manchmal bereitet die Aussprache Probleme, aber im Allgemeinen kommt die Allgemeinheit erstaunlich gut mit Fachbegriffen zu recht, wenn man ihr die Bedeutung erklärt und es tatsächlich Bedarf gibt: RNA. R-Wert. Inzidenz. Aerosol. Schmierinfektion. Alles Fachbegriffe, zu denen 90% des Forums vor 18 Monaten nichts hätten sagen können (obwohl RNA Schulstoff ist) und deren Bedeutung heute 90% des Forums zumindest soweit bekannt ist, wie sie ihren Alltag betrifft. Einige hier werden sich auch noch an Albedo erinnern oder können sagen, was ein Zytokinsturm ist. Aber das sind eben wirklich Fachbegriffe, das heißt sie haben genau eine (Fach-)Bedeutung und keine scheinbare Überschneidung mit bereits etablierten Wörtern ("Weiß" & "Schwarz" wären selbst mit Definition in Unterhaltungen unbrauchbar, da akustisch nicht von weiß und schwarz zu unterscheiden). "People of Colour" hat dagegen gefühlt so viele Bedeutungen, wie es Leute gibt, die es schon benutzen und oben drauf noch wortwörtlich "Farbige", was ""man nicht sagen darf"".

Ist es nicht vollkommen verständlich, dass die Mehrheit so ein Wort nicht in ihren Wortschatz übernehmen kann?

Irgendeinen Begriff braucht man halt, wenn man auf verschiedenen wissenschaftlichen Ebenen über Diskriminierung reden will. Ob dieser konkrete Begriff jetzt sinnvoll ist, oder nicht, ist nochmal eine andere Frage.

Was spricht denn dagegen, Diskriminierte mit dem Wort "Diskriminierte" zu bezeichnen? Das passt und ist für jeden sogar ohne fachwissenschaftliche Vorkenntnisse verständlich.

Wie oben bereits gesagt, diese Begriffe sind natürlich abhängig von der Gesellschaft. Wenn du in Mexiko Teil der Mehrheitsgesellschaft bist, hast du einen anderen Status als als Minderheit in den USA.
Das ist übrigens auch nicht "meine" Definition, ich hab mir das ja nicht ausgedacht.

Hmm. Dann sind diese Begriffe also gar nicht dafür gedacht, über Menschen zu reden, sondern nur in Dikussionen verwendbar, die sich mit einer (vermeintlich) geschlossenen Gesellschaft beschäftigen?
Klingt für mich mal wieder nach einem typischen US-Phänomen: Leute, deren geistiger Horizont wenig mehr als ein Standpunkt ist, haben etwas geprägt, dass nur im US-Kontext Sinn macht, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken, dass die Welt aus mehr als nur der US of A besteht. Und das wäre für sich auch kein Problem, aber irgendwer (die gleichen oder andere) halten die Arbeiten trotz dieser schweren Schwäche für wichtig oder gar vorbildlich und hier wird von einigen sowieso jeder US-Trend unhinterfragt übernommen.

Passend hierzu ist mir übrigens auch "People of Colour" anfangs vor allem in Verbindung mit US-zentrierter US-Rassismusforschung begegnet, die sich meist in einem abgeschlossen, kaum auf Europa übertragbaren Kontext abspielt. Im Zuge von blm wurde es dann auf einmal auch in Europa immer beliebter, wo es aber außerhalb seines Kontextes auf einmal allesmögliche bedeuten kann. Ähnlich wie bei "Natives". Das ist so ähnlich, wie wenn sich zwei Elektrotechniker über "Drosseln" unterhalten und dann kommt ein Ornithologe hinzu... . Verürzte oder eigentlich unzutreffende Sprache von Fachleuten kann im Gegensatz zu definierten Fachbbegriffen tatsächlich nicht außerhalb des Elfenbeinturms verwendet werden.
Nur um das nochmal klarzustellen: Ich selbst halte die Begriffe "Weiß"/"Schwarz" für ungeeignet, eben weil sie in der allgemeinen Bevökerung eine absolut klare Definition haben und es nur unnötig kompliziert ist, den Begriffen jetzt eine komplett andere Bedeutung zu geben. Wie sinnvoll das auf einer wissenschaftlichen Ebene ist, weiß ich nicht, ich bin kein Gesellschaftswissenschaftler.

Letzere haben leider, genauso wie andere Geisteswissenschaften (ich hab da schon einige Debatten mit Politologen geführt..) die schlechte Angewohnheit, bereits vergebene Worte neu als Fachbegriffe definieren zu wollen. Und zwar auch noch jeder Wissenschaftler für sich, sodass ""Fachbegriffe"" bei rauskommen, die zehn verschiedene Bedeutungen haben, von denen die Mehrheit jeweils für genau ein Buch zutreffend ist und der Rest inklarem Widerspruch zur etablierten Verwendung des Wortes steht. Und dann ist man später empört darüber, wenn einen die Gesellschaft nicht ernst nimmt/ignoriert/versteht.
Manchmal glaube ich, die sollten das erste Semester zu den Germanisten gesetzt werden und/oder nur the Meaning of Liff als einziges Lehrbuch abarbeiten, bis sie seine Implikationen verstanden haben.
 
Zuletzt bearbeitet:
PoC meint Menschengruppen, die in einer Mehrheitsgesellschaft als "coloured" also andersfarbig bzw andersartig wahrgenommen werden und daher u.a. Rassismus erfahren.
People of Colour ist eine Selbstbezeichnung von Menschen mit Rassismuserfahrung, die nicht als weiß, deutsch und westlich wahrgenommen werden. PoC sind nicht unbedingt Teil der afrikanischen Diaspora, ursprünglich ist der Begriff u.a. zur Solidarisierung mit Schwarzen Menschen entstanden. Schwarz und weiß sind dabei politische Begriffe. Es geht nicht um Hautfarben, sondern um die Benennung von Rassismus und den Machtverhältnissen in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft.
PoC sind die Menschen, die in einer Gesellschaft eben nicht dem klassischen Bild der Mehrheitsbevölkerung entsprechen und daher mit hoher Wahrscheinlichkeit Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen machen. Das "andersartig wahrgenommen werden" bezieht sich auf den Unterschied zur Mehrheitsgesellschaft.
Da sehe ich jetzt gerade keinen Widerspruch in meinen Aussagen.
Die drei "verschiedenen" Definitionen.
Gemeinsamkeiten aller Definitionen:
1. werden als andersartig, nicht klassisch deutsch (-> Bild der Mehrheitsbevölkerung) wahrgenommen
2. Meint Opfer von Rassismus und Machtverhältnissen in der Gesellschaft

Unterschiede: Meine Ungenauigkeit, als ich zum dritten Mal meinte, die Definition irgendwie verständlich umschreiben zu müssen. Wenn ich es richtig verstehe, geht es also um konkrete Rassismuserfahrungen, nicht um potentielle. Mein Fehler.
Den Begriff "coloured" hatte ich aus einer Definition übernommen, die ich woanders gelesen hatte. Dieser eignet sich aber wohl tatsächlich eher für den us-amerikanischen Diskurs und weniger für den deutschen...

@ruyven_macaran hab ich da irgendwas übersehen, deiner Meinung nach? @Ja---sin was denkst du, passt die Definition?

Ihr meint also andere Menschen, wenn ihr von "People of Colour" sprecht und es für Dritte kaum möglich, den Überblick zu behalten. Und damit seit ihr keine Ausnahme. Egal, wo mir "Person of Colour" begegnet, es scheint immer jemand anderen zu meinen oder gar nur ein austauschbarer Kampfbegriff zu sein.
Auch wenn ich denke, dass Ja--sin und ich mehr oder weniger das gleiche meinten, hast du insofern recht, als dass der Begriff als Selbstbezeichnung von allen möglichen Menschen, Wissenschaftlern und Aktivisten zum Teil sehr unterschiedlich benutzt wird. Hat vielleicht auch etwas mit der tendenziell sehr verkürzten Art der Kommunikation auf Twitter & Co. zu tun.
Das wird im akademischen Bereich wahrscheinlich nochmal anders behandelt.

Und wer legt fest, was "fakt" und "relevant" ist? So, wie du es beschreibst, habe ich als Individuum ja gar keine Chance, (m)eine Sprache zu wählen, sondern muss das von jemand anderem machen lassen.
Naja, ein Fakt wird dadurch zum Fakt, dass er belegbar ist. Das als z.B. arabisch wahrgenommene Menschen Opfer von Rassismus sind, ist ein Fakt.
Auszug Wikipedia:
Anhand der von Thilo Sarrazin mit abwertenden Aussagen zu Türken und Arabern in den Jahren 2009 (Interview in Lettre International) und 2010 (Deutschland schafft sich ab) ausgelösten und teilweise rassistisch geführten Migrationsdebatte zeigten die ICERD-Rüge der Vereinten Nationen und der 5.ECRI-Prüfbericht des Europarates den mangelhaften Schutz vor Diskriminierung und Hassreden in Deutschland auf. Die Bundesregierung versprach eine Untersuchung.[115][116]

Die Leiterin des Netzwerks „Schule ohne Rassismus – Schule mit CourageSanem Kleff äußerte Mitte März 2018 in einem Interview, dass zwar entsprechende Zahlen im Zusammenhang mit der Ausübung körperlicher Gewalt zurückgingen, verbale Angriffe an deutschen Schulen jedoch massiv zunähmen.[117]

Der Sozialwissenschaftler Johannes Zuber kam in seiner 2015 veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass der gegenwärtige Rassismus in Deutschland kein Randphänomen darstelle, wie dies Politik und gesellschaftliche Eliten überwiegend behaupteten, sondern wieder ein Bestandteil des Lebensalltags in der deutschen Gesellschaft sei. Die biologistisch-rassistische Ideologie bleibe der theoretische Mittelpunkt abwertender, ausgrenzender sowie diskriminierender Praktiken und Verhaltensweisen. Erschreckend dabei scheinen aus heutiger Perspektive die tiefen Wurzeln, die biologistisch-rassistische sowie partiell nationalsozialistische und eugenische Theoreme in der deutschen Gesellschaft aufweisen.[118]
Alternativ gibt es natürlich auch konkrete Untersuchungen, z.B. über Diskriminierung auf dem Mietmarkt.
Außerdem war das was ich sagen wollte das folgende: Es gibt rassistische Strukturen in der deutschen Gesellschaft, diese werden dadurch nicht weniger existent, dass es auch nicht-rassistische Menschen gibt. Wenn du dich also als nicht-rassistisch wahrnimmst, ist das erstmal gut, ist doch aber für die Debatte über rassistische Strukturen in Deutschland nicht relevant?! Wenn dem so wäre, gäbe es die Diskussion nicht, denn die meisten Menschen halten sich nicht für rassistisch, unabhängig davon, ob sie nicht trotzdem (evtl unbewusst) rassistisch handeln.

Ist es nicht vollkommen verständlich, dass die Mehrheit so ein Wort nicht in ihren Wortschatz übernehmen kann?
Ich verlange nicht, dass jeder dieses Wort in seinen Wortschatz mit aufnimmt. Wie ich schon mehrfach gesagt habe, man kann über die Sinnhaftigkeit von solchen Bezeichnungen respektvoll(!) diskutieren.
Trotzdem muss man sich nicht über Menschen die dies tun erheben, von identitätspolitischer Ideologie faseln und dabei noch einen riesigen Strohmann aufbauen, der im Endeffekt auf dem eigenen Unwissen bezüglich der Geschichte des Kolonialismus basiert. Genau das ist hier aber passiert.

Was spricht denn dagegen, Diskriminierte mit dem Wort "Diskriminierte" zu bezeichnen? Das passt und ist für jeden sogar ohne fachwissenschaftliche Vorkenntnisse verständlich.
Ich würde sagen, nichts. Ich spreche aber auch nur für mich selbst. PoC gilt ja als Selbstbezeichnung und auch wenn ich den Begriff eigentlich kaum benutze, obwohl ich es könnte, heißt das ja nicht, dass er nicht für andere vielleicht wichtiger ist, weswegen sie ihn benutzen.

Hmm. Dann sind diese Begriffe also gar nicht dafür gedacht, über Menschen zu reden, sondern nur in Dikussionen verwendbar, die sich mit einer (vermeintlich) geschlossenen Gesellschaft beschäftigen?
Man kann damit auch über Menschen reden, aber eben im Kontext der Gesellschaft, in der sie sich befinden. Hängt wohl sehr vom konkreten Thema/Inhalt ab.
Passend hierzu ist mir übrigens auch "People of Colour" anfangs vor allem in Verbindung mit US-zentrierter US-Rassismusforschung begegnet, die sich meist in einem abgeschlossen, kaum auf Europa übertragbaren Kontext abspielt. Im Zuge von blm wurde es dann auf einmal auch in Europa immer beliebter, wo es aber außerhalb seines Kontextes auf einmal allesmögliche bedeuten kann.
Man sollte hier zwischen den Twitter-Aktivisten und der wissenschaftlichen Forschung unterscheiden. Während erstere gerne einfach Trends aus den USA übernehmen, arbeiten letztere ja konkret am europäischen/deutschen Kontext. Auch hier existieren rassistische Strukturen, es sind nur andere (und in einem anderen Ausmaß) als in den USA.

Letzere haben leider, genauso wie andere Geisteswissenschaften (ich hab da schon einige Debatten mit Politologen geführt..) die schlechte Angewohnheit, bereits vergebene Worte neu als Fachbegriffe definieren zu wollen. Und zwar auch noch jeder Wissenschaftler für sich, sodass ""Fachbegriffe"" bei rauskommen, die zehn verschiedene Bedeutungen haben, von denen die Mehrheit jeweils für genau ein Buch zutreffend ist und der Rest inklarem Widerspruch zur etablierten Verwendung des Wortes steht. Und dann ist man später empört darüber, wenn einen die Gesellschaft nicht ernst nimmt/ignoriert/versteht.
Ja, das ist wohl ein generelles Problem der Wissenschaftskommunikation.
Das Problem fängt schon an, englische Begriffe zu benutzen die im Deutschen oft eine andere Bedeutung haben. Höre ich auch immer wieder von US-Amerikanern.
Um klarer zu sehen wäre eine Trennung von Judentum, dem Glauben und einem Israeli zu machen.
[...]
Den Zusammenhang zwischen englischen vs deutschen Begriffen, der Position von US-Amerikanern zu Anglizismen(?) und den Zusammenhängen von Judentum und dem israelischen Staat sehe ich jetzt nicht wirklich, diese Themen würden hier aber auch unnötigerweise nochmal ein ganz anderes Fass aufmachen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Die drei "verschiedenen" Definitionen.
Gemeinsamkeiten aller Definitionen:
1. werden als andersartig, nicht klassisch deutsch (-> Bild der Mehrheitsbevölkerung) wahrgenommen
2. Meint Opfer von Rassismus und Machtverhältnissen in der Gesellschaft

Unterschiede: Meine Ungenauigkeit, als ich zum dritten Mal meinte, die Definition irgendwie verständlich umschreiben zu müssen. Wenn ich es richtig verstehe, geht es also um konkrete Rassismuserfahrungen, nicht um potentielle. Mein Fehler.
Den Begriff "coloured" hatte ich aus einer Definition übernommen, die ich woanders gelesen hatte. Dieser eignet sich aber wohl tatsächlich eher für den us-amerikanischen Diskurs und weniger für den deutschen...

@ruyven_macaran hab ich da irgendwas übersehen, deiner Meinung nach? @Ja---sin was denkst du, passt die Definition?
People of Colour ist ein Sammelbegriff für all die Gruppen in Deutschland, die direkt oder indirekt Rassismus-Erfahrungen gemacht haben.
Ich würde sagen, nichts. Ich spreche aber auch nur für mich selbst. PoC gilt ja als Selbstbezeichnung und auch wenn ich den Begriff eigentlich kaum benutze, obwohl ich es könnte, heißt das ja nicht, dass er nicht für andere vielleicht wichtiger ist, weswegen sie ihn benutzen.
Ich benutze ihn für mich auch nicht im Alltag, sehe mich aber darunter, nach obiger Definition.
Den Zusammenhang zwischen englischen vs deutschen Begriffen, der Position von US-Amerikanern zu Anglizismen(?) und den Zusammenhängen von Judentum und dem israelischen Staat sehe ich jetzt nicht wirklich, diese Themen würden hier aber auch unnötigerweise nochmal ein ganz anderes Fass aufmachen.
Ich glaube, dass Albatros1 diesen Thread hier, mit dem Israel-Thread verwechselt hat :ugly:
 
Die drei "verschiedenen" Definitionen.
Gemeinsamkeiten aller Definitionen:
1. werden als andersartig, nicht klassisch deutsch (-> Bild der Mehrheitsbevölkerung) wahrgenommen
2. Meint Opfer von Rassismus und Machtverhältnissen in der Gesellschaft

Unterschiede: Meine Ungenauigkeit, als ich zum dritten Mal meinte, die Definition irgendwie verständlich umschreiben zu müssen. Wenn ich es richtig verstehe, geht es also um konkrete Rassismuserfahrungen, nicht um potentielle. Mein Fehler.
Den Begriff "coloured" hatte ich aus einer Definition übernommen, die ich woanders gelesen hatte. Dieser eignet sich aber wohl tatsächlich eher für den us-amerikanischen Diskurs und weniger für den deutschen...

@ruyven_macaran hab ich da irgendwas übersehen, deiner Meinung nach?

Das musst du wissen, was du mit dem Wort meinen willst :). Rein formell wird es in der Praxis natürlich unterschiedliche Auffassungen geben, was "klassisch deutsch"/"Bild der Mehrheitsbevölkerung" ist. Da werden die versammelten Feuilletonleser sicherlich eine andere Aufassung von der vorherrschenden Meindung in "ihrem" Deutschland haben, als "Wir sind das Volk"-AfDler. Aber das hat man natürlich immer, dass sich ein Begriff auf anderen Abstützt und außerhalb der Naturwissenschaften wird das immer leicht instabil, für die Verwendung hier im Forum sollte es reichen. Gegenüber einer breiten Öffentlichkeit (z.B. "es muss mehr für PoC getan werden") ist der Begriff aber meiner Meinung nach so ebensowenig geeignet, wie für Vorwürfe gegenüber Einzelpersonen, da man eigentlich immer erst vorher deren Wissensstand über Diskriminierungen bestimmter Bevölkerungsgruppen erfragen müsste, ehe man sich seien kann, dass der Gegenüber dieses als "Person of Colour" wahrnimmt.

Was mir ganz allgemein noch nicht klar ist: In welchem Kontext bringt einem der Begriff "Person of Colour" gegenüber zum Beispiel "Rassismusopfer" weiter? Jedes Rassismusopfer erfüllt Punkt 2. der Definition und da es Rassismus nur gegen Leute gibt, die als "anders" wahrgenommen werden, auch Punkt 1. Soweit ich es verstehe, ist also jedes "Rassismusopfer" auch eine "Person of Colour" und jede "Person of Colour" ist auch ein "Rassismusopfer", solange alle in der Diskussion angesprochenen Personen einigermaßen gut informiert sind. Einen Unterschied zwischen beiden Begriffen ergibt sich erst, wenn jemand ein Diskriminierungsopfer nicht als solches erkennt, weil er um die Diskriminierung nicht weiß. Dann ist es immer noch objektiv ein "Diskriminierungsopfer", aber aus seiner Sicht ist es mangels Wahrnehmung keine "Person of Colour". Das ist aber wirklich ein sehr spitzfindiger Unterschied und in einer objektiven Diskussion über Rassismus und Gesellschaft sollte es im Zweifelsfall immer um "Rassismusopfer" gehen. Mit davon abgegrenzten "Persons of Colour", also Wahrnehmungsaspekten, sollte man sich nur auseinandersetzen, wenn man eine psychologische Diskussion über das Weltbild einzelner, vor allem das von unbewusst rassistisch Handelnden führt.


Was übrigens alle bislang hier genutzten Definition gemeinsam habe: Als Ersatzwort für N3g3r ist PoC gemäß dieser Definition absolut ungeeignet. Die Schnittmenge zwischen beiden Begriffen ist sogar ziemlich klein.

Auch wenn ich denke, dass Ja--sin und ich mehr oder weniger das gleiche meinten, hast du insofern recht, als dass der Begriff als Selbstbezeichnung von allen möglichen Menschen, Wissenschaftlern und Aktivisten zum Teil sehr unterschiedlich benutzt wird. Hat vielleicht auch etwas mit der tendenziell sehr verkürzten Art der Kommunikation auf Twitter & Co. zu tun.
Das wird im akademischen Bereich wahrscheinlich nochmal anders behandelt.

Möglich. Für kontroverse Diskussionen reicht es jedenfalls nicht, "mehr oder minder" das Gleiche zu meinen (ihr habt ganz sicher große Überlappungen), da geht es um oft exakte Grenzen. Schließlich ist es normalerweise der erste Schritt einer Kontoverse, Gemeinsamkeiten und Differenzen auszuloten: Wo bin ich mir dem Gegenüber schon einer Meinung und wo Widersprechen wir uns. In Schritt 2 differenziert man dann aus, wieso man verschiedener Meinung ist. Aber Schritt 1 ist ja schon vollkommen unmöglich, wenn man wegen sprachlicher Ungeauigkeiten nur eine grobe Ahnung hat, was die Meinung des Gegenübers eigentlich besagt. Das ist beinahe eine noch schlimmere Sprachbarriere wie zwischen einem Muttersprachler und jemandem mit mäßigen Fremdsprachenkenntnissen. Bei so einer Paarung ist wenigstens beiden klar, wenn etwas nicht verstanden ist. Aber wenn ein Wort von verschiedenen Leuten deutlich unterschiedlich gebraucht wird, bleiben große Verständissprobleme und gar Missverständniss leicht unbemerkt. Außerhalb dieses Forums sind mir zum Beispiel Verwendungen von PoC geläufig, die alle Personen nicht kaukasischer Herkunft umfassen, auch die die in ihren Heimatländern leben und deswegen keinerlei Diskriminierung ausgesetzt sind. Gleiches Wort, ganz anderer Inhalt.

Außerdem war das was ich sagen wollte das folgende: Es gibt rassistische Strukturen in der deutschen Gesellschaft, diese werden dadurch nicht weniger existent, dass es auch nicht-rassistische Menschen gibt. Wenn du dich also als nicht-rassistisch wahrnimmst, ist das erstmal gut, ist doch aber für die Debatte über rassistische Strukturen in Deutschland nicht relevant?! Wenn dem so wäre, gäbe es die Diskussion nicht, denn die meisten Menschen halten sich nicht für rassistisch, unabhängig davon, ob sie nicht trotzdem (evtl unbewusst) rassistisch handeln.

Objektiv hast du recht, aber für Debatte macht es einen großen Unterschied: Oft diskutiert man ja eher darüber, ob es eine Form von Diskriminierung überhaupt gibt, ob sie rassistisch ist, etc.. Für einen allwissenden Beobachter wäre Rassismus zwar ein Fakt, aber für alle anderen ist er oft eine Wahrnehmungsfrage. Erst wenn sich alle Diskussionsteilnehmer einig wären, wer wann wie wo vom wem rassistisch diskriminiert wurde, erst dann hätten die Diskussionsteilnehmer einen Konsens, wer alles "People of Colour" ist. Aber das wäre doch das im Prinzip das Ende der Diskussion und die Frage ist, wie man sich auf dem Weg dahin ausdrückt? Nur ein knallharter Nazi würde sich hinstellen und sagen "Jo, der wird voll diskriminiert. Geil." Mit dem braucht dann aber auch nicht mehr diskutieren.

Hier zum Beispiel ging es darum, ob jemand, sagen wir ein Khoisan [in Deutschland] diskriminiert wird, wenn jemand das Wort "N3g3rschwanz" allgemein (nicht in Bezug auf ihn) in den Mund nimmt und ob man deswegen dieses Wort allgemein bannen sollte, damit niemand diskriminiert wird. Für jemanden, der abstreitet, dass der Gebrauch dieses Wortes eine diskriminierende Wirkung hat, liegt keine Diskriminierung vor und der Khoisan wäre aus seiner Sicht KEINE Person of colour, da er eben nicht diskriminiert wird. Wenn jetzt die Gegenseite folgende Äußerung macht "Natürlich ist das Diskriminierung, du alter weißer Mann hast einfach keine Ahnung um die Lebensumstände von Person of Colour", dann ist das ein Oxymoron, dass garantiert in den falschen Hals wandert:
- Der Gegenüber nimmt an, dass es bislang gar nicht um Person of Colour geht, also ist die Replik für ihn ein Themenwechsel => Auf seine [arschgeilüberlegenen] Argumente zum Thema wird (vermeintlich) gar nicht eingegangen. Er fühlt sich ignoriert
- Das "neu" angesprochene Thema Person of Colour steltl umgekehrt aus seiner Sicht einen whataboutism dar. Die Gegenseite ignoriert ihn nicht nur, sie springt auch noch zu einem Thema, bei dem sie automatisch richtig liegt (er selbst ist ja auch der Meinung, dass diejenigen, die ER als PoC wahrnimmt, diskriminiert werden) und verwendet dieses nicht-Argument gegen ihn. Er fühlt sich verarscht.
- Gekoppelt wird dieser "Themenwechsel" mit dem Vorwurf, keine Ahnung zu haben. Dabei hat er (seiner Meinung nach) noch gar nichts zu PoC gesagt, die Gegenseite kann also gar nicht über sein Wissen oder Unwissen bescheid wissen, sondern spricht es ihm pauschal ab. Er fühlt sich beleidigt.

Ich denke, jeder kann sich vorstellen, wie so eine Diskussion weitergehen wird, wenn sich der gegenüber ignoriert, verarscht und beleidigt fühlt, weil ein Wort verwendet wurde, bei dem er unmöglich die Bedeutung hören konnte, die sein Gegenüber eigentlich zum Ausdruck bringen wollte. Und selbst wenn durch schieres Glück beide Seiten noch einmal zusammenfinden, ist die nächste Eskalationsstufe ja schon vorbereitet: Dadurch dass eine Seite auf die Bezeichnung des besprochenen Khoisan als "Person of Colour" besteht, verlangt sie im Prinzip dass dessen Diskriminierung als Fakt anerkannt wird, dabei war ja genau diese strittig. Damit kommuniziert man also gleichzeitig eine Dikussionsverweigerung und beansprucht auch noch die Deutungshoheit über etwas, was eigentlich noch zu beurteilen wäre. Ignoriert, verarscht beleidigt, nicht der Diskussion würdig befunden und dann auch noch das Recht abgestritten, überhaupt etwas selbst beurteilen zu dürfen/können - selbst wenn jemand sein Gegenüber vor der Diskussion nicht als überhebliches Arschloch empfunden hätte, dass als Denkpolizei auftritt und einem den Mund verbietet, wie das bei zwangsläufig zwischen "links" und "rechts" geführten Rassimsdiskussionen der Fall ist: Spätestens nach diesem Wortwechsel von nur 2-3 Aussagen wäre es der Fall.

Ich würde sagen, nichts. Ich spreche aber auch nur für mich selbst. PoC gilt ja als Selbstbezeichnung und auch wenn ich den Begriff eigentlich kaum benutze, obwohl ich es könnte, heißt das ja nicht, dass er nicht für andere vielleicht wichtiger ist, weswegen sie ihn benutzen.

Das mit der Selbstbezeichnung wurde hier schon mehrfach angesprochen, macht die Angelegenheit aber noch problematischer, oder? Wenn man nicht gerade offiziell ernannter Vertreter einer Gruppe von Menschen ist, kann man ja eigentlich nur für sich selbst sprechen. Dieses lyrisch ich durch "Persons of Colour" als eine Gruppe darzustellen, gibt dem gesagten eigentlich nur eine Nuance: Selbstüberhöhung. Das wirkt dann ähnlich, wie der AfDler, der einem erklärt, was "wir" in Deutschland so alles nicht haben wollen/dulden/was "wir" machen/als gut befinden/wie "wir" etwas handhaben/etc.. Wo man sich dann auch jedesmal fragt, ob dieses Arschloch, mit dem niemand der mehr als 3 Hirnzellen hat, eine gemeinsame Gruppe bilden will, die ganze zeit mit "wir" den plural majestatis benutzt oder ob er tatsächlich dem Wahn anhängt, für mehrere zu sprechen. Genau dieser Eindruck entsteht bei mir, wenn jemand, der spezifische Repressionserfahrungen aufweist, sich anmaßt eine Gruppe mit allenmöglichen "Persons of Colour" zu bilden, ohne diese jemals gefragt zu haben. (Oder auch nur ein objektiver Beurteiler seiner eigenen Erfahrungen zu sein. Wenn z.B. einer beim Bewergungsgespräch den klassischen Gangsta-Chauvi gegenüber der Sekretärin hat raushängen lassen und den Job nicht bekommt, wird er sich vermutlich auch als diskriminierte "Person of Colour" fühlen. Dabei ist er eigentlich Sexist und gehört garantiert nicht zur gleichen Gruppe wie eine Frau, die wegen ihrem türkischen Nachnamen erst gar nicht zum Gespräch eingeladen wurde.)

Man sollte hier zwischen den Twitter-Aktivisten und der wissenschaftlichen Forschung unterscheiden. Während erstere gerne einfach Trends aus den USA übernehmen, arbeiten letztere ja konkret am europäischen/deutschen Kontext. Auch hier existieren rassistische Strukturen, es sind nur andere (und in einem anderen Ausmaß) als in den USA.

Existieren und sollte man. Leider wird es verdammt unübersichtlich, jedesmal zu überprüfen ob jemand tatsächlich aus dem hiesigen Kontext spricht oder etwas zu Unrecht übernommen hat. Im Prinzip muss man da jedesmal den vollen Rechercheaufwand selbst bringen - oder man ignoriert Leute gleich ganz, wenn sie mit außerhalb des US-Kontextes nur schlecht anwendbaren Begriffen um sich schmeißen, in der Annahme, dass ihr Inhalt genauso unbrauchbar ist.

Ja, das ist wohl ein generelles Problem der Wissenschaftskommunikation.

Mir ist es bislang nur im Kontext mit Geisteswissenschaften begegnet. Wenn Juristen Fachsprache auspacken, scheitert man (nach 5 Minuten :ugly:) daran, die Grammatik des ersten Satzes im Kopf zu sortieren. Wenn Wirtschaftswissenschaftler loslegen, kriegt man meistens das Kotzen vor soviel Menschenverachtung, versteht aber ebenfalls jedes Wort. Bei Mediziner und Chemikern kriegt man die langen Ketten kurioser Silben nicht schnell genug verdaut, bei Physikern wäre man schon froh, wenn sie Silben statt Rechenzeichen benutzen würden und bei Geowissenschaftlern und Biologen fehlen einem schlicht die Grundlagen, um die für sich sehr sinnvoll und verständlich klingenden Sätze richtig einordnen zu können. Aber immer sortieren sich die Fachbegriff entweder in "Jo, verstanden" oder "Häh? Das Wort habe ich noch nie gehört. Bitte erklären." Nur bei Geisteswissenschaftlern steht man da und denkt, man hätte etwas verstanden, weil das Fachschinesisch wie normale Sprache klang, dabei hat man vor allem missverstanden.
Und ebenfalls Geisteswissenschaften-exklusiv scheint mir zu sein, dass einem das nicht nur als Laien so geht. Wenn man einem Soziologen einen Textauszug von einem Soziologen unter die Nase hält, mit Bitte um Erklärung, will der entweder drei Tage den Kontext recherchieren, oder sagt einem was SEINER Meinung nach die Aussage müsste, liefert aber (wenn er ehrlich ist) auch gleich noch drei alternative Lesarten mit. Vielleicht ist Geschichte deswegen so ein beliebtes Nebenfach für Geisteswissenschaftler, weil die auch im Hauptfach archäoglische Quellenanalyse betreiben müssen, um die aktuellen Veröffentlichungen ihrer eigenen Zunft zu verstehen :D .
 
Sicherlich ist es eine Herabsetzung, aber rassistisch ist es nicht.
-ismen beinhalten oft (nicht immer!) per Definition Herabsetzungen. Bei Sexismus wird das Geschlecht herabgesetzt, bei Nationalismus andere Nationen, bei Fanatismus sind es andere Meinungen, bei Kulturalismus andere Kulturen, und bei Rassismus die andere Hautfarbe/Ethnie.

Und wie ich es verstanden habe im Interview mit Lanz, empfand Aogo es nicht per se rassistisch. Er empfand es beleidigend, dass Lehmann damit meinen könnte, dass Aogo nicht aufgrund seiner Fähigkeiten seinen Job bekommen habe, sondern nur um eine Quote zu erfüllen. Aogo hat sich selber als Person herabgesetzt gefühlt und nicht aufgrund seiner Hautfarbe.
 
Und wie ich es verstanden habe im Interview mit Lanz, empfand Aogo es nicht per se rassistisch. Er empfand es beleidigend, dass Lehmann damit meinen könnte, dass Aogo nicht aufgrund seiner Fähigkeiten seinen Job bekommen habe, sondern nur um eine Quote zu erfüllen. Aogo hat sich selber als Person herabgesetzt gefühlt und nicht aufgrund seiner Hautfarbe.
Na dann ein Grund mehr das mit Lehmann persönlich zu klären und es nicht öffentlich zu machen.
Immerhin kann diese Frage auch aus einem Kontext mit dem Sky Mitarbeiter entstanden sein.
Wenn ich das gemacht hätte, würde ich mir jedenfalls lange Vorwürfe machen, jemanden wegen einer ungeschickten privaten Äußerung die Karriere zerstört zu haben.
 
Na dann ein Grund mehr das mit Lehmann persönlich zu klären und es nicht öffentlich zu machen.
Lehmann hatte ebenfalls nicht vor, etwas mit Aogo persönlich zu klären. Letzterer erhielt die Nachricht nur versehentlich und musste daraus natürlich den Eindruck gewinnen, er würde von Lehmann hinterrücks gegen ihn gewühlt.

Angesichts dessen fühlen sich die wenigsten Menschen bemüßigt, ausgerechnet diese Person zu schonen.
 
Lehmann hatte ebenfalls nicht vor, etwas mit Aogo persönlich zu klären.
Woher möchtest du das bitte wissen? Am nächsten Tag hätte er sich entschuldigt und alles wäre gegessen gewesen.

Letzterer erhielt die Nachricht nur versehentlich und musste daraus natürlich den Eindruck gewinnen, er würde von Lehmann hinterrücks gegen ihn gewühlt.
Nicht unbedingt, Lehmann könnte auch mit SKY diskutiert haben, welche Kommentatoren und Experten sie aus welchen Gründen angestellt haben. Und dann diese Frage gestellt haben.
 
Woher möchtest du das bitte wissen? Am nächsten Tag hätte er sich entschuldigt und alles wäre gegessen gewesen.
Wenn ich wissen will, ob jemand womöglich ein "Quotenschwarzer" ist, frage ich erst einmal alle Anderen, statt den Betreffenden selbst, ob er sich als einen solchen sieht?

Nicht unbedingt, Lehmann könnte auch mit SKY diskutiert haben, welche Kommentatoren und Experten sie aus welchen Gründen angestellt haben. Und dann diese Frage gestellt haben.
Der Originaltext lautete "Ist Dennis eigentlich euer Quotenschwarzer? :)".

Wie kann Herr Lehmann diesen Anstellungshintergrund vermuten, ohne im selben Atemzug in Frage zu stellen oder sogar auszuschließen, dass Aogo aufgrund seiner Kompetenz als Kommentator verpflichtet wurde? Damit würde sich schließlich die Frage erübrigen.
 
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