Hach, die Welt könnte manchmal so einfach sein.
Ist das erste Mal dass ich mich zu DA:V äußere, weil ich finde dass die Diskussion an beiden Enden zu kranken scheint. Die "woke" Brüller kann ich nicht wirklich ernst nehmen, da mittlerweile alles was nicht ins Weltbild zu passen scheint bei einigen direkt "woke" ist, und man einen positiven Begriff nun zu einem negativ konnotierten Kampfbegriff umgedeutet hat. Zumal "es gibt eine optionale Protagonistin welche nicht durch und durch lolita-kawaii ist" ja schon der Untergang des Abendlandes zu sein scheint.
Allerdings darf man - wenn es nicht bloß der Unterfütterung des "Wokehasses" dient - durchaus berechtigte Kritik an dem Spiel äußern. Auch wenn man es nicht durchgespielt hat. Muss man ja auch nicht, dafür gibt es ja Reviews.
Ich habe die Reviews gelesen / gesehen, gute wie schlechte, und das Spiel bei einem Kumpel für ein paar Stunden auf PS5 gebackseated. Und was soll ich sagen? Holt mich nicht ab. Als DA:O Fan finde ich es sogar richtig enttäuschend, aber das ist erstmal nur persönliche Vorliebe.
Es gibt aber ein paar Punkte die für mich persönlich in einem AAA RPG schlechte Designentscheidungen zu sein scheinen. Was mich geärgert hat:
- graue Nebelwände die mir sagen dass ich da noch nicht hin kann. Finde ich Immersionsbrechend, zumal wir versucht haben an eine Truhe zu kommen die aber erst in einer Nebenmission erreichbar zu sein scheint, das habe ich aber nicht weiter verfolgt. Das haben Games in den 90ern schon eleganter hinbekommen: eine Wache die einen nicht vorbeilässt z.B., oder ein umgefallener Karren der den Weg versperrt.
- Die Begleiter können nicht sterben, richten dafür kaum Schaden an und lassen sich von mir nicht direkt steuern. Das fand ich schon in Mass Effect doof (auch wenn die Begleiter etwas mehr ausgerichtet haben gefühlt). Ich habe bei einem Party RPG gerne die Kontrolle wie bei BG3 z.B., ist aber alles natürlich Geschmackssache.
- Die brechenden Angriffe sehen irgendwie immer gleich aus, egal welche Kombination aus Skills ich gewählt habe. Fand ich schade, hätte dem Ganzen mehr taktische Tiefe gegeben wenn man z.B. damit Effekte / Debuffs hätte verteilen können. Vielleicht kam das ja noch, aber so weit haben wir dann doch nicht gespielt.
- Die Gefährten sind auf bestimmtes Equipment und einen bestimmten Stil festgelegt, Waffen sind für die Begleiter gelocked. Ist auch in Mass Effect und den Nachfolgern von DA:O so, fand ich total schade schon damals.
- sehr subjektiv: Das Feeling erinnert mich viel zu sehr an das aktuelle Marvel. Da bin ich schon seit Jahren raus. Die Grafik ging schon in Ordnung, war sehr liebevoll gestaltet und technisch sehr rund, Stil ist natürlich Geschmackssache. Aber alles was ich selber gespielt habe wirkte auf mich so oberflächlich: Emmrich fand ich persönlich interessant, aber Kaffeeassassine war halt... Kaffeeassassine. Ich mochte das Dunkle an DA:O, die Konflikte und was diese mit den Charakteren gemacht haben, die Vorurteile denen sie ausgesetzt waren, die Entscheidungen die man treffen konnte. Davon ist schon in Inquisition nicht mehr viel übrig geblieben. Das Ende von DA:V soll lt. Gamestar sich anfühlen wie ein großes Marvel Finale. Mag für viele cool sein, für mich war das eine Drohung.
Gibt noch mehr was mir nicht gefallen hat, aber das reichte mir um es nicht selber spielen zu wollen. Was ich selbst auch sehr bedauere, da Dragon Age in meinen Augen eine starke Marke war, die sich von der bunten DnD Welt entfernt hatte. Mir war auch BG3 zu "bunt" vom Stil her, aber der Rest hat gepasst. Deswegen war ich dem Grafikstil von DA:V auch aufgeschlossen gegenüber da das allein für mich kein Dealbreaker ist. Mir hat das Gameplay und die Stimmung nicht gepasst, hätte gerne wieder ein düsteres Fantasy RPG gespielt. Aber auch das ist - wie vieles - Geschmackssache.
Dennoch rechtfertigt das alles nicht den Hatetrain der im Internet gefahren ist, da war an vielen (nicht allen) Stellen erkennbar das es sich um was anderes gedreht hat als das Gameplay / die Story an sich. Meiner Meinung nach hat DA:V viele Probleme die mich von selber spielen abgehalten haben, DEI und "woke" sind für mich keine davon.