Intel wird hier gerade was CPUs fürs Unternehmens-Umfeld angeht maximal unter Druck gesetzt.
In Leistung und Effizienz gibt es nichts besseres.
Der hier aufgebaute Druck ist das Produkt aus guter Technik und Verfügbarkeit.
Ersteres ist bereits ein nicht ganz so eindeutiger Punkt, denn der Großteil sind Office-Rechner, die typischerweise keinen so hohen Leistungsbedarf haben und oftmals gar einen nennenswerten Teil ihrer Zeit an der Idle-Grenze laufen, aber da kann man sich drüber streiten, denn natürlich kann man jetzt auch gegenteilige Grenzerfahrungen hervorkramen (
auch wenn die im Mittel weitaus seltener vorkommen).
Weitaus relevanter ist jedoch der Punkt Verfügbakeit und da diese nur eingeschränkt gegeben ist, kann dementsprechend auch selbstredend eben kein "
maximaler Druck" auf Intel aufgebaut werden. Nichts anderes repräsentieren auch die Bilanzen der beiden Unternehmen seit etlichen Quartalen.
Es wird Druck aufgebaut, keine Frage, aber der ist derzeit noch überschaubar und weit weg von einem Maximum, das Intel weh tut, den dafür bedarf es nun einmal Volumen. Nicht umsonst wendet sich AMD zuerst primär an OEMs, was strategisch schlicht unumgänglich ist, da die AMD einen Vogel zeigen würden, wenn die mit dem Produkt ums Eck kämen und dann sagen würde "
Liefermengen? Mal sehen, aber wir liefer alles was geht." Mit derartigen Aussagen können OEMs, die Großserien aufsetzen wollen, nichts anfangen und dementsprechend muss AMD hier handfeste Zusagen in entsprechender Größenordnung machen (
zumindest für einige, ausgewählte der OEMs) und daher wird die Belieferung des Retail-Marktes hinten angestellt.
Aus einer vergleichbaren Ecke kann man ebenso Threadripper Pro betrachten, der zuerst exklusiv von Lenovo genutzt werden wird, wobei es hier AMD voraussichtich auch darum gegangen sein dürfte, einen Partner zufinden, der mit ihnen zusammen die Plattform aufbaut. (
Und auch hier dürfte die Konzentration der Lieferkapazitäten auf vorerst nur einen OEM eine Rolle gespielt haben.)
Ein weiterer Punkt, der dem vermeintlichem Druck abträglich ist, sind die Fertigungskosten. Im Office-Bereich fährt man weitestgehend noch mit 4-Kernern gut, ggf. 6-Kerner in der breiten Masse. Mit den 8 Kernen des Renoir-Vollausbaus kann man nur wenig Punkte sammeln (
und eine große/leistungsstarke iGPU interessiert hier auch nur in den wenigsten Fällen), jedoch fertigt AMD ausschließlich ein 8-Kern-Die, d. h. egal was AMD am Ende daraus macht (
4, 6, 8 Kerne mit wenigen oder mehr CUs), der Wafer kostet AMD immer gleich viel und wirft (
gemittelt) die gleiche Zahl an Chips aus, d. h. je mehr 4- und 6-Kerner AMD verkauft, desto teuerer wird es für sie, bzw. desto geringer wird ihre Marge.
Dagegen Intels 6-Kerner benötigen bereits geringfügig weniger Wafer-Flache als Renoir und dürften sehr hohe Yields erreichen aufgrund des jahrelang optimierten 14nm-Prozesses und sind bereits deutlich günstiger in der Herstellung und die 4-Kern-CPUs werden in der Fertigung gar noch einmal deutlich günstiger, sodass auch hier die tatsächliche Marktsituation längst nicht so einfach (
oder schwarz/weiß) ist, wie du es skizzierst. Intels Marge wird hier natürlicherweise schon weitaus besser sein, schlicht weil sie deutlich günstiger fertigen können und schlussendlich bedienen sie zudem auch noch den weitaus größeren Teil des Marktes. Von daher, etwas mehr Druck, zweifelsfrei, hoher oder gar maximaler Druck, unzweifelhaft nein. (
Btw ... bis zu den nächsten Quartalsergebnisse ist es ja nur noch einpaar Tage hin.)
Schlussendlich ist grundsätzlich zu differenzieren zwischen der Einzelerfahrung aus Anwedersicht und dem Marktgeschehen insgesamt.