Und wie lautet diese "richtige" Einordnung? "Kategorie: Zufällig zusammengewürfelt, möglicherweise komplett falsch"? Dann kann man sich die Nutzung der KI komplett sparen. Bereits heute werden ChatGPT von der mehr oder minder mündigen Mehrheit als Informationsquelle genutzt. Ohne zu berücksichtigen, ob ChatGPT überhaupt eine belastbare Informationsquelle ist.
Die Antwort kennst Du doch und Du machst es bestimmt schon richtig: Wenn Du Hilfe für ein Programm brauchst, kannst Du ChatGPT fragen und wirst wohl den Code da ausprobieren, wo er maximal den Schaden anrichten kann, den Du für ausgewogen gegenüber der Aufwandseinsparung hältst.
Du kämst sicher nicht auf die Idee, damit !ungetestet! die Steuereung eines Atomkraftwerks zu modifizieren, wenn deren Optimierung im Gedankenexperiment dein Job wäre, oder? Und die dumme Mehrheit, die sich sofort blind auf ChatGPT verlässt, war schon vor ChatGPT für diesen Job unqualifiziert.
Deine Differenzierung zwischen Fehlinformationen, die von einem Menschen mehr oder minder bewusst verbreitet werden und Fehlinformationen, die eine KI deiner Einstufung nach unbewusst ausgibt, kann ich dabei nicht teilen. Wenn man seinen Flug verpasst, weil einem eine vermeintliche Informationsquelle die falsche Bahnverbindung genannt hat, hat man seinen Flug verpasst – da ist es vollkommen egal, welcher Art die Informationsquelle war.
Auch wenns die Wahrsagerin aus dem Fernsehen war? Muss man selbst garnichtmehr mitdenken, was eine zuverlässige Informationsquelle ist? Was war mit der Frau, die den Anweisungen ihres Navis über die Schienen in ihren eigenen tödlichen Unfall folgte? Hätte die noch ohne Navi die volle Schuld aber mit plötzlich gar keine mehr?
Mal ganz abgesehen davon: Zweifelst Du an "meiner" Einstufung von ChatGPT als schwache KI? Wenn ja, dann machen wir grade ein gaaaaanz anderes Faß auf.
Und wenn nach ein paar Jahren etablierter KI-Nutzung der unter Zeitdruck stehende Pilot möglicherweise die benötigte Treibstoffmenge für den Flug von der gleichen KI hat berechnen lassen, ist man möglicherweise froh darüber, am Gate zurückgeblieben zu sein.
Die Differenzierung ist aber juristisch entscheidend und damit ist das Ganze nunmal eine juristische Frage. Und übrigens, der Artikel zum Thread hier behandelt ja wohl ein rein juristisches Problem, oder?
Du bist schon wieder auf juristischer statt praktischer Ebene unterwegs. Unternehmen müssen sehr wohl, die mögliche Folgen z.B. eines neuen Produktes vorher prüfen, sonst stehen auch bei uns mit einem Bein im Knast. Manager haben schon empfindliche Geldstrafen für nicht hinreichend durchdachte Äußerungen kassiert und spätestens bei sicherheitsrelevanten Fragen gibt es sehr viele Vorschriften, deren Einhaltung proaktiv zu prüfen ist. Das hat nichts damit zu tun, ob die Justiz auch vorab ermittelt, ob derartige Prüfungen erfolgt sind, aber sie sind vorgeschrieben.
Du zählst grade alles juristische Aspekte auf, nur mal so angemerkt.
Und bei KIs prinzipbedingt so gut wie unmöglich.
Richtig, und deshalb: Kennzeichnungspflicht!
Deswegen gibt es zwei Jahrzehnte nach den ersten Demonstrationen vollautonom fahrender Autos immer noch nicht mehr als stark eingeschränkte, händisch programmierte Selbstfahrmechanismen in der EU: Kein Hersteller, keine Versicherung, kein Halter möchten haften, wenn die KI doch in eine Kindergartengruppe lenkt und auf 120 beschleunigt.
Ups, wieso benutzt Du jetzt nicht Deine Argumentation von oben? Nach der wäre es doch für alle Beteiligten genau dasselbe, wenn eine KI oder eine natürliche Person das macht...
Und im Gegensatz zu gewissen US-amerikanischen Open-Beta-Programme kann man die Verantwortung bei uns auch nicht mit einem einfachen Disclaimer auf den schlecht informierte, gedankenlosen (Nicht-)Fahrer abschieben.
Und das ist gut so, denn Menschen ist das Erlernen hinreichend guter Fahrkünste durchaus zuzumuten. Das Landen von Flugzeugen geschieht als Gegenbeispiel seit geraumer Zeit vollautomatisch, wenngleich von wachen Menschen aufmerksam überwacht. Die müssen das gut selber können, um es hinreichend zu beurteilen und sonst könnten sie auch nicht rechtzeitig eingreifen.
Am anderen Ende des Spektrums gibts z.B. Lifts oder Rolltreppen. Es wird unterstellt, dass deren Benutzung hinreichen selbsterklärend und sicher ist, dass selbst Kinder dafür keinen Schein machen müssen.
Es gibt also sehrwohl praktikable Lösungsansätze für diese Art von Problem. Fragt sich nur, ob das Autofahren wirklich stressfreier wird, wenn der Fahrer jetzt praktisch weniger Kontrolle aufgrund einer Totzeit zum Eingreifen hat, aber dennoch dieselbe Verantwortung tragen muß.