Darf ich fragen, warum so viele von euch eine Abneigung gegen Windows 11 haben? Ich verstehe es nicht, bin aber offen dafür, es nachzuvollziehen, wenn es einen guten Grund gibt.
Im Grunde ist es weniger Windows 11 als Microsoft selbst. Aber hier mal meine Gründe Windows 11 noch fernzubleiben und Windows 10 ESU zu nutzen:
- Unnötiger Online- und Accountzwang: Microsoft suggeriert hier, dass eine aktive Internetverbindung und ein MS-Konto Pflicht sind, um das OS nutzen zu können. Was willst du machen, wenn das OS aber auf eine Kiste soll, die nicht ins Internet soll oder gar kein Internet vorhanden ist? Soll in D ja noch auch vorkommen, wir sind schließlich in D. Warum soll ich meinen Windows-User mit einem MS-Konto verknüpfen bzw. IST es im Grunde ja das MS-Konto und kein Windows-User mehr.
Windows-Passwort ändern? --> Passwort vom MS-Konto ändern (was man vllt. nicht will), MS-Konto gesperrt und gekündigt --> vllt. kein Zugriff mehr auf den Windows-User nach einer gewissen Zeit.
Der PC gehört doch eigentlich schon gar mehr wirklich dir, wenn Microsoft dir quasi den Saft abdrehen kann, in dem es einfach deinen MS-Account sperrt.
Unter Linux braucht man gar kein Online-Konto für den User und unter macOS ist die Apple-ID optional und nicht mit dem Mac-User verbunden, mehr noch, macOS fordert dich sogar dazu auf, das Passwort deines Mac-Users zu ändern, falls du im Begriff bist, diesem das Gleiche Passwort zu geben, wie deiner Apple-ID. Zeitgleich versucht Microsoft mit allen Mitteln Schlupflöcher im Code, mit denen man bei der Ersteinrichtung dennoch ein Lokales Konto erstellen kann, zu stopfen.
- Unnötig übertriebene HW-Anforderungen: Dass die HW-Anforderungen im Grunde mit jedem neuen Windows Major-Release nach oben gingen, ist zwar nichts neues, aber hier soll zwangsweise HW ausgemustert werden, die Windows 11 noch ohne Mühe stemmen kann. Durch SSE4.2/POPCNT, UEFI und x86_64 hat man im Grunde bereits eine unüberwindbare Barriere zu alter HW geschaffen, was mMn völlig ausreichend ist. Aber auch noch TPM 2.0 und mindestens eine Coffee Lake- oder Matisse-CPU zu verlangen produziert einfach unnötigen Elektroschrott, selbst ein i7-4790K wäre für Windows 11 noch komplett ausreichend.
Wenn die gestiegenen HW-Anforderungen wenigstens durch weggefallenen und bereinigten Code oder einer signifikanten Neuentwicklung erklärbar wären (dass Windows 11 quasi ein modernes OS für moderne PCs sein soll wie macOS für ARM), dann könnte ich das noch nachvollziehen und verstehen, aber das sind sie ja nicht. Das sind alles nur künstliche und in der Hinsicht visuelle Prüfungen á la IF-THEN-ELSE, die man bspw. mit Rufus ganz einfach ungehen kann.
- Mangelnde Qualitätssicherung:
Die Qualität von Windows Updates wird immer schlimmer. Ich verlange nicht, dass Windows komplett bugfrei ist, das kann es aufgrund der Definition von Software ohnehin nicht sein, keine Software ist bugfrei. Aber mittlerweile artet das so immens aus, dass selbst die Patchdays, die ja eigentlich Sicherheitslücken stopfen sollen, Probleme machen und man mittlerweile Angst haben muss. Auf den "Nach Updates suchen" Button zu klicken. Vllt. ist das auch nur meine subjektive Wahrnehmung, aber ich meine, dass die Windows Updates früher wesentlich hochwertiger in der Qualität waren und weniger Fehler enthielten. Jedenfalls bilde ich mir ein, dass es unter Windows XP und Windows 7 weniger Update-Fehler gab. Auch wenn der Updater selbst wegen der Update-Flut nach einer Neuinstallation die Hölle war.
Drucker-Probleme hier; zurückgesetzte Audio-Einstellungen dort; Windows will nach einem Update plötzlich den Bitlocker-Wiederherstellungsschlüssel; Updates, die sich nicht installieren können, weil die WinRE-Partition zu klein ist; zurückgesetzte Datenschutz-Einstellungen, und so weiter. Hab bestimmt noch was vergessen.
KI-Bumms:
Ich brauche in einem OS keine dümmliche KI, die kaum besser ist als Cortana. KI ist weiterhin nich weit davon entfernt, als mir wirklich im PC-Alltag helfen zu können. Genauso wenig brauche ich ein Tool ("Recall"), das quasi sekündlich Screenshots von meinem Bildschirm macht und dabei auch nur so mittelmäßig vertrauliche Inhalte erkennt.
Inkonsitente Entwicklung/Design-Sprache:
Wie viele Design-Sprachen hat Microsoft denn für Windows bisher auf den Weg gebracht und wie viele hat Microsoft konsequent zu Ende entwickelt? Das ist zwar nur meine persönliche Präferenz, aber Windows ist nach wie vor ein lebendes Museum aus 30 Jahren Entwicklungsgeschichte. Und das sieht man. Das OS sieht, egal wo man hin kommt, nie wie aus einem Guss aus. Linux sieht allerdings in vielerlei Hinsicht schon konsistenter aus, trotz der Koexistenz von GTK und Qt und macOS sieht tatsächlich an jeder Ecke und Kante gleich aus. DAS ist eine Augenweide.
Und dann noch das Desaster mit der Systemsteuerung und den neuen Einstellungen. Microsoft migriert jetzt seit 10/11/12 Jahren dir Systemsteuerung Stück für Stück in die neuen Einstellungen. Wie lange wollen die das noch machen, das muss doch mal irgendwann abgeschlossen sein? In der Zeit hat Apple macOS für ARM komplett neu geschrieben. (Mal abgesehen davon, dass ich die neue Einstellungen-App funktional jetzt auch nicht so der Burner finde.)
Niemand ist dazu verpflichtet sich deren Betriebssystem auf den Computer zu installieren.
Weil Windows (11) ja nur bei jedem Fertig-PC vorinstalliert ausgeliefert wird und die User eben das nutzen, was da drauf ist. Bei Selbstbau-PCs hingegen stimme ich dir zu, aber auch hier...
Wenn euch Microsoft nicht gefällt, geht zu Linux oder gleich Apple Produkten, oder lasst es einfach bleiben.
Wenn man Software einsetzt, die nur unter Windows funktionsfähig ist und man selbst Wine/Crossover/Proton nicht unter Linux oder macOS funktioniert, dann ist der Rat wenig hilfreich.
Microsoft ist mit Windows der Platzhirsch, weil es mit DOS und später Windows als Erstes da war mit einem OS für den Personal Computer und seine Marktmacht mit dubiosen Mitteln in der Vergangenheit sowie Verträgen mit den OEM zementiert hat. Wenn alle Welt für Windows entwickelt und Linux nicht eines Blickes würdigt, dann ist der Rat auch wieder wenig hilfreich. Und es gibt auch User, die wollen einfach kein Apple wegen dem goldenen Käfig oder wegen den Preisen oder weil es Apple ist. Zumal die Nutzung von macOS mit dem Kauf eines Apple-Geräts einhergeht, da die macOS-EULA die Nutzung des OS auf Nicht-Apple-Hardware untersagt. (Dies wird sich sowieso spätestens dann erledigt haben, wenn Apple mit der nächsten oder übernächsten macOS-Version den Support für Intel-Macs gänzlich killt. Denn darüber hinaus gibt es, glaube ich, nicht viele ARM-Geräte, die sich für macOS eignen würden.)
Es hat irgendwie den Anschein, als würde es dir Spaß machen, Microsoft in ihrem Handeln zu verteidigen, obwohl Microsoft im Grunde niemanden braucht, der sie verteidigt.
Aber Pu244 hat deine Aussagen ja bereits zerpflückt, also von daher...