Hab nun Prey auch vollständig gesehen. Der Film bietet viel verschenktes Potential. Da ist das frühe Zeigen des Predators ohne, dass es den Film voranbringt. Im Gegenteil, es erweitert die Kluft zwischen Zuschauer und Protagonisten noch weiter, als sie ohnehin schon ist. Dadurch wird es schwieriger sich in die hineinzuversetzen. Und dabei sind es nur Szenen, wo der Predator Tiere jagt. Das passt zwar zur Grundthematik "Beute", lenkt aber durch die Darstellung vom eigentlichen Thema ab.
Insgesamt sind meisten Szenen mit dem Predator nicht sonderlich gelungen. Die Kampfszenen mit den Menschen sind (bis auf die gegen die Indianer) comichaft und passen daher nicht zum ernsten Ton und der eher realistischen Darstellung der Indianer. Zweifelhafter Höhepunkt dabei ist die Szene, wo sich der Franzose quasi selbst erschießt - ein billiger Witz auf Kosten der Spannung und der etablierten Welt. Das Ableben des Predators ist aus anderen Gründen allerdings nicht minder dämlich.
Obwohl recht wenig gesprochen wird, muss Naru aus irgendwelchen Gründen entweder offensichtliche Dinge sagen oder ihre Motivation nennen. Ich habe bewusst "nennen" geschrieben, weil es eine plausible Erklärung, die sich z.B. aus ihrem Charakter ergeben könnte, nicht vorhanden ist.
Aus der vorherigen Diskussion im Vergleich zum originalen Predator: Es steht außer Frage, dass Dutchs Truppe deutlich mehr Charakterzeichnung hat, als die Hansels aus Narus Truppe. Die, bis auf ihren Bruder, nur aus A-löchern besteht.
Auch wenn Dutch nicht die überwältigende Charakterentwicklung hat, so erfährt man jedoch, dass aus seiner anfänglichen Überlegenheit beinahe eine Niederlage wird und der Kerl zumindest völlig am Ende seiner Kräfte am Schluss ausgeflogen wird. Das passiert bei Naru nicht, auch weil sie zu keiner Zeit wirklich in Gefahr zu verlieren ist. Ziemlich stoisch (zu stoisch) kehrt sie am Ende zu ihrer Siedlung zurück.
Im Gegensatz zu Naru foltert Dutch seine Gegner auch nicht, weil er ein unglaublich unwahrscheinliches Ableben seines Gegners zu vorhersehen vermag, wo selbst die Erklärung mit der Filmlogik ganz einfach nicht funktioniert.
So verschenkt der Film an vielen Stellen einfach zu holende Punkte, was sehr schade und unnötig ist, zumal er sich relativ viel Zeit nimmt die Welt von Naru detailiert aufzubauen. Eine 8 von 10 wäre er gewesen, wenn die Darstellung der Predators durchgängig geheimnisvoll, ernst, gefährlich und gerissen gewesen wäre. Die Aktion hätte stimmen müssen. Leider ziehen "glückliche" Zufälle und verschenkte (bzw. fehlende) Charaktermomente (wie z.B. die letzte Szene mit ihrem Bruder) die Qualität weiter nach unten. 6/10 maximal.