Ich finde, jeder, der nen PC nutzt, wird auch ein Smartphone nutzen.
Dann ist das, was du "findest", offensichtlich nicht korrekt und muss sich der unverrückbaren Wirklichkeit beugen, dass NICHT jeder PC-Nutzer auch ein Smartphone nutzt. Ich führe ein PC-Kundendienstunternehmen und habe tagtäglich mit vielen Kunden und deren Benutzerverhaltensweisen zu tun --> und lass dir gesagt sein: die Quote an meinen Kunden jeder Alters- und Zielgruppe, die neben dem PC ein Smartphone nutzt, ist bei Weitem nicht 100% und bei Weitem nicht so viel, wie du das hier so tollkühn in den Raum stellst. Auch ich selbst benutze kein derartiges Gerät. Die Gründe hierfür wirst du im Laufe meines nachfolgenden Statements hoffentlich erkennen.
Der Grundgedanke, den Smarphone"muffel" haben ist IMHO etwas altbacken, wenn man das so sagen will. Z.B. E-Mails checken. Ja, man überprüft sie manuell am PC, zu bestimmten Zeiten. Beim Smartphone wird aber wohl niemand seine E-Mails prüfen, indem er drei mal am Tag die E-Mail app öffnet. Nein, man bekommt ne PushNachricht bzw. Meldung, dass ne neue E-Mail eingegangen ist, und die wird dann auch direkt angezeigt. Alternativ einfach nur ein Icon das anzeigt, wie viele E-Mails ungelesen sind.
Es gibt tatsächlich Leute, die am PC eine manuelle E-Mail Prüfung durchführen. Aber ich muss deiner totalen Pauschalisierung hier etwas entgegenwirken, denn diese Methode wird meinen Beobachtungen nach lange nicht von allen so genutzt. Kann es sein, dass du von dir auf Andere schließt?
Mit einem Smartphone hat man natürlich das von dir angesprochene, sofortige und dynamische E-Mail-System. Das beinhaltet aber interessante Nebeneffekte. Du bist nicht selbstbestimmt, wann du Nachrichten empfängst. Du bekommst sie einfach, sofort und ohne Nachfrage. Du hast keinen Einfluss darauf. Du nimmst eine ausschließlich passive Rolle ein und wartest, bis dir deine Maschine das Denken und Handeln abnimmt. Du musst nicht agieren, nur reagieren. Du hast in der Phase keinen Output, nur Input. DU SELBST entscheidest nicht, ob du Nachrichten haben willst. Es wird einfach über deinen Kopf hinweg entschieden. Dein Wille ist hierbei nicht von Bedeutung. Dein Wille kommt hier gar nicht mehr zur Geltung, auf Dauer kann der entsprechende Teil im Gehirn verkümmern. Solche Phänomene hat der renommierte Hirnforscher Manfred Spitzer bereits nachgewiesen.
Zudem kann man quasi in Echtzeit auf E-Mail reagieren, und somit verliert die E-Mail auch auf gewisse weise den Gedanken einer langsamen Briefnachricht, sondern wird zu nem schnellen kommunikationsmittel.
Das ist soweit richtig. Der Echtzeitfaktor ist bei der Smartphone-Methode zweifelsfrei gegeben. Aber eine klassische E-Mail hat den gewissen „Reiz des Unbekannten“. Du weißt als „Manueller“ E-Mail Nutzer einfach nicht, wann sie tatsächlich eintrifft. Das hat weniger mit Romantik, als viel mehr mit dem Grundgedanken des Begriffes „Geduld“ zu tun. Geduld zu lernen, sich in Geduld zu üben, sie zu vertiefen und mit in sein Leben zu integrieren ist ein wichtiges Kriterium, um im „Real Life“ klarzukommen. Denn verdammt viele Angelegenheiten des Real Life setzen u.U. ein hohes Maß an Geduld voraus. Durch die von dir in den Himmel gelobte Echtzeit-E-Mailbearbeitung kommt die Geduld zu kurz. Es gibt keine Pufferzeit, um differenziert über E-Mails nachzudenken. Die E-Mail wird hier einfach nur „schnell“ konsumiert, also nebenbei und ohne Hirn abgearbeitet, sei es in der Straßenbahn, während dem Fußweg durch die belebte Innenstadt oder in einer anderen „Nebenbei-Situation“. Bevor man sich richtig mit einem Sachverhalt einer E-Mail auseinandersetzt, geht es auch schon „schnell“ weiter. Auf diese Weise lernt man weder, Geduld zu haben, noch lernt man, sich auf die „Essenz“ einer E-Mail und den damit verbundenen Tiefgang einzulassen. Und da die Kommunikation mit seinen Mitmenschen ein sehr primäres Unterfangen ist, kann man die eben genannten Effekte auch nicht herunterspielen.
Bei mir ist der Grundgedanke eines Smartphones eben eine elektronische Erweiterung meines selbst. Quasi MEINE digitalschnittstelle, die absolut IMMER dabei ist. .
Ein Smartphone ersetzt mit seinem Navi das eigenständige interpretieren und lesen einer Landkarte und das Nachfragen bei Passanten, die einem gerade über den Weg laufen. Es ersetzt das eigene Nachdenken, den eigenen Einsatz des Gehirns. Du selbst lernst rein garnichts durch die Verwendung des Smartphone-Navis, es findet keinerlei Entwicklungsprozess in deinem Kopf statt. Du verlässt dich nur auf die Technik, frisst ihr aus der Hand, nimmst die Entscheidungen der Maschine als Wahrheit und korrekt hin. Du vertraust einem Gerät, das dir gegenüber niemals Vertrauen entgegenbringen kann. Oft geben Leute einen Zielort ins Navi ein, der 100M vor Ihnen bereits ausführlichst beschildert ist. Was wäre, wenn du z.B. deine Traumfrau in einer Situation kennenlernst, in die du mit einem Navi nie geraten wärst?
Du musstl nichts selber machen, nur stupide in das Gerät eingeben. In deinem Gehirn bilden sich keine entsprechenden Verknüpfungen, es entwickelt sich hier rein garnichts weiter. Wenn aber etwas schief läuft, kannst du die Verantwortung auf die Maschine schieben, damit du (eigentlich lebenswichtige) Konsequenzen und Entscheidungen vermeiden kannst. Hier geht auch der Begriff „Konfrontation“ verloren, fürs Leben lernt man da nichts.
ich kann meine GPS position markieren, um anderen zu zeigen, wo ich gerade bin, ich kann über facebook mit zig kontakten kommunizieren, gruppenchats etc. (sowas ist einfach nur genial, wenn man z.B. auf nem größeren Fest ist, und mit unterschiedlichen Gruppen unterwegs ist.) Neben dem realen "Netz" durch Gespräche entsteht einfach so nebenbei ein virtuelles netz am selben Ort, das unabhängig von der Position der Menschen funktioniert. .
Traurig, wenn sowas als „sinnvolles Feature“ gepriesen wird. Durch die GPS Markierung und Etablierung eines virtuellen Netzes, das parallel zum „echten“ Netz steht, wird doch alles berechenbar und vorhersehbar. Es entsteht kein Überraschungseffekt mehr, keine spontane Reaktion oder der prickelnde Moment, wenn man einen lieben Menschen auf dem Fest ZUFÄLLIG trifft. Alles wird kategorisiert und fremdgesteuert. Es gibt keine Kontraste, kein Unvorhergesehenes mehr. Das hat keinerlei Reiz! Was genau ist an einem Parallellnetz „genial“? Dass du, wenn dich eine Gruppe gerade ankotzt, sofort zur nächsten wechseln kannst? Dieser Grund wird zumindest in meinen Kreisen öfter mal genannt. Sowas fördert in keinster Weise die Sozialkompetenz. Allein Konsum, Unverbindlichkeit und die feige Vermeidung von Konsequenzen wären hier als Beigeschmack solchen Verhaltens zu nennen. Wenn Menschen oder Gruppen jederzeit mit einer „Reservegruppe“ ersetzbar sind, dann entsteht niemals ein soziales Geflecht, vielmehr soziale und geistige Armut. Dein tolles Smartphone ermöglicht es effizient, ein solches Szenario hervorzubringen und die Menschen im Grunde genommen immer weiter voneinander zu entfernen.
mit google Suche und Wikipedia und youtoube kann ich mir nahezu jede Information und jedes Wissen, das ich gerade brauche aneigenen. (man muss ne Krawatte neu binden, weis z.B. nicht auswendig, weis geht, youtube tutorial, nachmachen, fertig). .
Das Thema Google möchte ich hier nur kurz anschneiden. Der Googlekonzern ist kein Wohltätigkeitsverein, sondern ein profitgeiler Datendealer. Die Nutzung von Googlediensten am Heim-PC war nicht lukrativ und flächendeckend genug, daher gibt es jetzt Android und die mobile Google-Suche. Damit der Konzern nicht nur zuhause, sondern überall seine Finger im Spiel haben kann. Google ist ein ultimativer Datenschutzsünder, genauso wie Facebook.
Ein Youtube-Tutorial über das Krawattenbinden ist sicherlich in einer akuten Situation hilfreich. Da hörst du von mir keinen Widerspruch. Es ist aber psychologisch erwiesen, dass derartig aufgenommene „Lerninhalte“ speziell für Leute, die es niemals zuvor selber gemacht haben, genauso schnell wieder vergessen werden, wie sie konsumiert werden. Denn das Tutorial sieht man sich bestenfalls 2-3 mal hintereinander an, bis die Krawatte sitzt. Danach (höchstwahrscheinlich) nicht mehr, denn man braucht es ja erstmal nicht. Und einige Monate später bist du wieder in der Situation, eine Krawatte binden zu müssen? Da weiß eine Person, welche nicht gerade über die seltene Gabe des fotografischen Gedächtnisses verfügt garantiert nicht mehr, wie das damals, beim ersten Mal gemacht wurde
à und WIEDER bist du abhängig von deiner Maschine, die dir dein Gedächtnis ersetzt. Wieder musst du auf Youtube zurückgreifen, um eine Krawatte zu binden. DU hast es dir nicht gemerkt. Du kannst es ohne deine Maschine nicht wiederholen. Weil du es nicht über längere Zeit selber geübt, selber ausprobiert, selber gemacht hast. Das gleiche gilt für Wikipediainhalte. Zum Thema „selber machen und lernen“ gibt es einen berühmten Satz von Konfuzius, den darfst du allerdings selber recherchieren. Unter der Voraussetzung, dass man ja eigentlich garnix lernen WILL, braucht man sich aber dann nicht wundern, wenn das irgendwann auf böse Art und Weise auf einen zurückkommt.
Wecker.
Video, Foto und musik live an die Anlage oder den TV streamen. Den PC oder TV fernbedienen.
Ersatz für TV-Zeitschrift, Zeitung, Magazine und Bücher. .
Gut, vieles davon sehe ich ebenfalls als nützliches Feature an. Aber ein Ersatz für Bücher bzw. klassische Printmedien? Ein Display kann niemals den „Flair“ richtiger Papierseiten ersetzen. Außerdem ist ein Buch nicht an die -viel zu kurzen- Akkulaufzeiten von Smartphones oder generell an eine Energieversorgung gebunden. Es nimmt mehr Raum ein, ist aber unabhängiger.
Es ist einfach unglaublich, wie mächtig und nützlich ein Smartphone ist. .
Ja, ein Smartphone ist mächtig. Es beinhaltet extrem viele Möglichkeiten, sich nicht mehr selber um diverse Angelegenheiten kümmern zu müssen. Das eigene Gehirn verkümmert, der Benutzer verblödet durch seine eigene Passivität)(ähnlich der Volksseuche des 20. Jahrhunderts – dem TV) (siehe „Vorsicht Bildschirm“ und unzähligen anderen Publikationen von Manfred Spitzer)
Ja, ein Smartphone ist nützlich. Es befriedigt den ungesunden Egoismus und das Prestige. Es ermöglicht stumpfen Massenkonsum und Massenverblendung. Den wahren Profit erhalten die Hersteller und Partner, die den Gewinn dazu verwenden, die Kunden noch mehr zu blenden und zu verblöden.
Und ja, man kann es auch einfach ausschalten.... .
Diese Aussage ist sowas von naiv. Auf eine besonders interessante Art kommt sie sogar beschwichtigend rüber. Nennen wir den Teufel mal beim Namen: Wer – zum Teufel – schaltet sein Smartphone regelmäßig und selbstständig aus? Die Ausnahmen, wenn man mal extrem genervt ist oder wenn das Gerät defekt oder längere Zeit unauffindbar ist, zählen hier nicht dazu. Es ist doch deinen Angaben nach so praktisch! Und so mächtig! Und so nützlich! Warum sollte man ein derart tolles Gerät abschalten wollen? Tatsächlich ist es so, dass tendenziell wenige bekennende Smartphonefreunde das Gerät einfach so abschalten. Das Teil ist aus, wenn der Akku leer ist und keine Stromverbindung möglich ist. Und sonst läuft es. Das ist nicht nur in meinen Kreisen so, sondern auch unzählige Umfragen und Studien belegen dies.
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„Das mit den Smartphones ist halt einfach die Weiterentwicklung. Wenn Smartphones schlecht wären, würde es sie ja nicht geben.“ Das wird ja immer als Verteidigung Derjenigen verwendet, die jede (meist hart beworbene) Technikneuerung sofort und hirnlos annehmen.
Ich habe nichts gegen Weiterentwicklung. Im Gegenteil. Aber was ist schon Weiterentwicklung, wenn diese IN DIE FALSCHE RICHTUNG geht? Jawohl, ich sehe die Momentane Richtung als FALSCH an. Denn wenn der momentane Trend so weitergeht, entfernen sich die Menschen immer mehr voneinander und sind – in jeder Lebenslage - nur noch über Technologie fähig, mit anderen zu interagieren. Das kanns einfach nicht sein. Das ist Abhängigkeit in Höchstform. Zwar tue ich gerade das gleiche: Ich greife auf Technologie zurück, um euch diesen Kommentar zu präsentieren. Aber wer differenziert denken kann, der weiß, dass dieser Fakt in eine völlig andere Diskussion gehört, die im Rahmen dieser Smartphonethematik absolut fehl am Platz ist. Also bitte erspart mir das entsprechende Gesülze.
Ich bezeichne mich selbst als Technikbegeistert. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich JEDE neue Technik für gut heißen muss, um diesen „Titel“ tragen zu dürfen. Ich zeichne mich vielmehr dadurch als Technikbegeisterter aus, indem ich die Spreu vom Weizen trennen kann und für mich unnötiges (also z.B. Smartphones) nicht benutze. Ein Begeisterter muss nicht zwangsläufig ein Ja-zu-allem-Sager sein.