Blog Von Fortsetzungen und Spielspaß

Owly-K

PCGH-Community-Veteran(in)
In letzter Zeit nervten mich ein paar Fortsetzungen von Spielereihen. Nicht weil sie grundsätzlich schlecht waren. Ihren Reiz hatten sie schon irgendwie, aber sie waren nicht mehr so gut wie der Vorgänger. Zumindest für meinen Geschmack.

GTA IV

So möchte ich meinen Eindruck von der GTA-Reihe, speziell dem vierten Teil, beleuchten. Die ersten beiden Teile habe ich mir damals bei einem Freund angeschaut und war kein großer Fan davon. Micro Machines mit Knarren war nichts für mich. Bei Teil 3 war das schon was anderes: Eine große, frei befahrbare Spielwelt mit diesem abgedrehten Gangsterambiente konnte auch mich überzeugen.

Da ich aber bei Games kein Gewohnheitskäufer bin, war "mein" nächster Teil GTA: San Andreas. Und ich liebte es von Anfang an. Egal ob die Minispiele, das veränderbare Aussehen von CJ, das ganze "Homie"-Gequatsche, die abwechslungsreiche Welt: Ich fand es rundum gelungen. Und als ich es durch hatte, fragte ich mich (ja, wirklich und ehrlich): "Wie wollen die das im nächsten Teil noch toppen?"

Und mit GTA IV kam dann die einzig mögliche Antwort: Gar nicht. Da der PC-Release viel später als für PS3 erfolgte, ließen mich die Schilderungen einiger Konsoleros bereits Schlimmes ahnen. Gekauft habe ich es trotzdem. Ich Esel.

Keine Taxi- oder Lkw-Missionen, keine Abwechslungsreiche Landschaft, keine Flugzeuge oder Jetpacks, kein Fahrzeugtuning. Keine Garagen mehr; statt dessen doofe Parkplätze, von denen mir schon mehr als einmal irgendein KI-Idiot meine mühsam zusammengeklauten Karren geschoben hat (die dann logischerweise beim nächsten Save weg waren). Statt der sympathischen Homies jetzt mürrische Kriegveteranen und ein Hauptcharakter mit dem Charme eines Eisbergs.

Bedenkt man dann noch die Bugs und Anmeldezwänge bei der PC-Version, hätte ich das Game besser im Regal gelassen. Darüber nachgedacht hatte ich tatsächlich, aber die Neugier siegte. Das passiert mir so schnell nicht noch einmal. Sollte sich der nächste Teil wieder als eine solche Spaßbremse entpuppen, erkunde ich lieber San Andreas aufs Neue. Schön mit einem Cabrio auf einer leeren Küstenstraße nach San Fierro brettern, Tom Petty im Radio. So gefällt es mir.

Need for Speed: Shift

Zur NfS-Reihe bin ich erst sehr spät gekommen. Frühere Teile wie NfS: Porsche habe ich zwar durchaus schon mal irgendwo gesehen oder auch gezockt, aber mein "richtiger" Einstieg, also der Kauf des Spiels, war NfS: Underground 2 für die PS2. Als Lückenfüller war es ganz OK, meist spielte ich ohnehin Gran Turismo. Genial fand ich aber die zahlreichen Tuningoptionen. Das Kind in mir pimpte gerne virtuelle Karren und so brachte ich mehr Stunden damit zu, als man als sinnvoll erachten könnte. Das Racing selbst empfand ich als solide Arcade-Action; lediglich die Drag-Rennen waren für mich als Viertelmeilen-Fanatiker eine Beleidigung.

Irgendwie gelangten dann noch Most Wanted (PC) und Carbon (wieder PS2) in mein Regal. Von beiden war ich nur mäßig begeistert; Neuerungen musste man mit der Lupe suchen, bzw. waren die Games in manchen Belangen auch wieder ein Rückschritt.

Den nächsten Teil hätte ich mir schon gar nicht mehr gekauft, wäre er nicht als Runderneuerung der Reihe angekündigt worden. Das neue Setting mit Rennstrecke statt Verfolgungsjagd gefiel mir. Außerdem war ein Dragmodus vorgesehen und ich kaufte mir NfS: Pro Street sofort nach Release.

Und ich weiß, es gibt da draußen viele Pro Street-Hasser. Auch ich muss gestehen, das Spiel hatte seine Bugs und die Grafik war nicht gerade ein Knaller. Aber: Das Mischungsverhältnis von Simulation und Arcade war für mich gerade richtig. Und die Beschleunigungsrennen sind definitiv die beste virtuelle Umsetzung von Dragracing, die ich jemals gesehen habe. Wheelie-Rennen ausgenommen, natürlich. Die wurden wieder, wie auch das Driften, so arcademäßig-albern umgesetzt, dass einem der Spaß dran vergehen konnte. Und so stand ich mit meinem ollen Dodge Charger an so mancher Startlinie. Besonders online gegen Kiddies mit Pagani und ohne Talent ein Heidenspaß. Auch die Hochgeschwindigkeitsrennen, bei denen ich nicht gerade mit dem besten Auto fast immer aufs Treppchen fuhr, hatten ihren Reiz.

Kurz: Ich mochte Pro Street. Schlagt mich, lacht mich aus, gebt mir Straßennamen. Egal.

NfS: Undercover lasse ich aus. Und zwar aus zwei Gründen: Weil ich es nicht gekauft habe und weil ich ohnehin NfS: Shift als den "richtigen" Pro Street-Nachfolger ansehe. Wegen dem Setting und dem Simulationsanteil? Genau.

Also, meine Kritik an Shift ist schon Jammern auf hohem Niveau, das ist mir klar. Ich spiele es auch durchaus noch. Aber fehlendes Dragracing, anfangs noch ein buggy Onlinemodus, die noch immer besch...ränkte Menüführung und die noch immer verpixelten Vinyls machen mir das Game nicht unbedingt angenehmer. Außerdem muss ich auf die aktuellen Modelle von Camaro und Challenger zurückgreifen, während die Nipponheizer Karren aus allen Epochen fahren dürfen. Naja; vielleicht wäre es wirklich nicht so sinnvoll, mit einem Classic Muscle über eine kurvige Piste zu donnern (in Pro Street habe ich es trotzdem gemacht...) Update: Offenbar will man jetzt wenigstens die Muscle Cars nachreichen - das ist doch schon mal was.

Es kommt mir so vor, als wäre das Driften etwas realistischer geworden. Aber ich war sowieso noch nie ein Drift-Fan, also spielt das kaum eine Rolle. Shift ist kein schlechtes Spiel, aber für meinen persönlichen Geschmack ein Rückschritt.

Risen

Klar, Risen ist gar keine Fortsetzung. Oder? Sagen wir mal so: Gothic 2 und 3 habe ich gespielt und den dritten Teil fand ich gar nicht so schlecht, wenn man mal nicht an die haaresträubenden Bugs denkt. Aber nach der Hälfte des Spiels setzte eine Art Routine ein, die nach etwa drei Vierteln durch einen leichten Hauch von Langeweile ergänzt wurde.

Und jetzt spiele ich Risen. Das Look & Feel ist exakt das gleiche. Das Kampfsystem immer noch hakelig, die Figuren immer noch optisch schauderhaft. Die Namen der NPCs klingen immer noch schwer nach Gothic, die Viecher sind im wesentlichen auch alle bekannt. Dass ich als Kämpfer einen Feuerball per Spruchrolle auf die Gegner schleudern kann, das geht nicht mehr, dafür gibt es den ein oder anderen neuen Zauber. Alles in allem: Gothic 3.5. Und als die Spielwelt erkundet war, stellte sich bei mir wieder der gleiche Hauch von Langeweile ein.

Die Entwickler hatten ihre Chance für einen kompletten Reset und machten dann alles genau so wie zuvor. Das kann man mögen, aber - sorry - ich nicht. Wenigstens ein bisschen Weiterentwicklung wäre toll gewesen.


Also, eins möchte ich den Spieleentwicklern mal mit an die Hand geben: Weniger ist nicht immer mehr. Klasse statt Masse? Stimmt schon, aber durch die Reduktion der Masse erreicht man noch lange keine Klasse.
 
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