Volksentscheid in Berlin: Umwandlung von Wohnungen in Sozialwohnungen

Ich kann von meiner Seite nur sagen: Ja meine Eltern überlegen wegen der Mietpreisbremse tatsächlich ihre Berliner Wohnung zu verkaufen. Und dass der Käufer die dann auf Spekulation leer stehen lässt so dass sie erstmal aus dem Angebot verschwindet ist zumindest nicht ausgeschlossen.

Das ist aber bei keinem Spekulanten ausgeschlossen und war/ist einer der verschärfenden Faktoren für die explodierenden Mieten in den Boomstädten. Da der Wertzuwachs der Wohnungen durch die Mietpreisbremse aber verlangsamt oder sogar umgekehrt wurde (offensichtlich sehen auch deine Eltern da keine großen Chancen auf einen schnellen Euro mehr), ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein reiner Spekulant investiert, jetzt aber deutlich geringer als noch vor zwei Jahren.
 
Das wäre mir neu!
Hast du dafür eine Quelle?

Nach meinem Wissen wurde in Wien schon seit 100 und mehr Jahren gemeinütziger und sozialer Wohnungsbau von der Politik gefördert und die Stadt Wien hat nicht eine einzige Wohnung in dieser Zeit verkauft. So ziemlich alle Neubauten in den 1920er und 1930er Jahren waren Gemeinde oder Genossenschaftswohnungen und noch Heute sind mehr als die Hälfte aller neu fertiggestellten Wohnungen im Jahr, Gemeinde oder Genossenschaftswohnungen!

Stimmt das war ein Fehler in meiner Behauptung.
Man hat den privaten Wohnungsbau durch Steuern so unwirtschaftlich gemacht, dass man günstig Grundstücke kaufen konnte.
Hab das irgendwie als Enteignung abgespeichert gehabt, ist es ja auch irgendwie.
 
Eher nicht, da sich die wenigsten eine Eigentumswohnung in einer Stadt wie Berlin leisten können.

Genau deshalb gibt es den Mietendeckel.

Da bist Du aber auf dem Holzweg. Zum einen ist es ja mal grundsätzlich so, dass man mit dem Mietendeckel und den ganzen Initiativen es ja eigentlich, zumindest hat man das medial ins Schaufenster gestellt, gegen die großen Investmentgesellschaften (Deutsche Wohnen, Vonovia, Akelius etc.) vorgehen wollte. Am Ende des Tages geht sowas aber nach hinten los denn es sind eben genau nicht die institutionellen Gesellschaften die verkaufen sondern eher die Kleinvermieter. Also der Kreis der tendenziell eher noch human vermietet und oft auch sogar im gleichen Haus wohnt. Genau diese Gruppe wird jetzt aber zunehmend über einen Verkauf nachdenken. Und jetzt gibt es bei den aktuellen Marktpreisen zwei, drei Optionen wer die Wohnung kauft:

a) die Stadt durch Vorkaufsrechte oder ähnliches. Wird eher nur selten der Fall sein. Zu aufwändig im Klein, Klein und auch zu teuer und tritt dann eher beim Verkauf eines ganzen Mietshauses auf aber nicht bei einzelnen Wohnungen.
b) institutionelle Investoren und Firmen die sich auf Immobilienvermarktung spezialisiert haben. Das wird schon eher passieren. Und das ist dann am Ende eben genau das was man ja eigentlich nicht haben will
c) Zuzügler die dann selber drinn wohnen wollen. Wird auch passieren denn viele von denen die dazu ziehen und einen Job haben, haben den eher im doch besseren Gehaltssegment.
d) ausländische Anleger die einfach nur Geld unterbringen wollen.

Alleine die Tatsache dass so viele Menschen mehr in die Stadt ziehen als Wohnraum gebaut wird und dass durch die Gelddruckerei der EZB aber auch anderer Notenbanken weltweit das Schulden machen so extrem verbilligt wird am Ende insbesondere b, c und d befördern. Das wird dem Mietmarkt in Berlin massiv Wohnungen entziehen. Je länger das Instrument genutzt wird umso mehr wird sich das beschleunigen. Durch die Corona Krise und deren Folgen weltweit ist jetzt nicht gerade davon auszugehen dass die Zinsen massiv steigen werden. Eher werden die auch noch über die nächsten 10 Jahre extrem niedrig bleiben. Allein das wird weiter Sachanlagen wie Immobilien, Aktien, Gold etc. weiter massiv verteuern.

Der einzige Gegentrend könnte hier sein, dass durch Corona Firmenpleiten der Markt für Gewerbeimmobilien zusammenbricht und somit Flächen umgewandelt und dem Mietmarkt zugeführt werden können. Der Mietendeckel jedoch wird das Problem eher verschlimmern und nicht lösen.

Am Ende ändert der Mietendeckel ja nichts an der Tatsache, dass für ein Gut das zu vergeben ist (eine Wohnung) am Ende hunderte Interessenten schlange stehen. Für solche Ungleichgewichte gibt es den Preis als Ventil. Mit Regulierungen wie den Mietendeckel lassen sich solche Ungleichgewichte nicht beheben. Sie fördern exakt das Gegenteilige (siehe oben) und vor allem fördern sie einen massiven Schwarzmarkt. Es werden die wenigen Mietwohnungen die noch frei vergeben werden können unter der Hand weggehen. Dazu gibt es dann Handgelder, überteuerte Ablösesummen für Möbeleinbauten, möblierte bzw. teilmöblierte Wohnungen, Aufsplittung in temporäre Miniappartments für Expats, Studenten usw. Der Markt wird da immer extrem erfinderisch denn am Ende bleibt es ja bei der mathematischen Regel, dass auf der einen Seite ein Gut eben exakt einmal da ist und auf der anderen Seite hunderte das Gut haben wollen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich habe beim Mietendeckel komischerweise noch nie gehört, dass man nicht mehr kostendeckend vermieten kann. Nur, dass man nicht mehr viel verdient und meine Güte das ist doch kein Problem.
Wohnen ist ein Grundbedürfnis, damit muss nicht viel Geld gemacht werden.
Die Stadt müsste aber optimalerweise einen Weg finden die Wohnungen möglichst billig in die eigenen Hände bekommen.
 
Ich habe beim Mietendeckel komischerweise noch nie gehört, dass man nicht mehr kostendeckend vermieten kann. Nur, dass man nicht mehr viel verdient und meine Güte das ist doch kein Problem.

Das kommt ganz auf die Bausubstanz bzw. das Objekt an. Es kann ein Objekt gewesen sein, dessen Kaufpreis bereits recht hoch war. Es kann auch ein Altbau sein der teuer und aufwändig saniert werden muss. Es gibt viele Variablen. Und am Ende hast Du ja auch als Käufer ein Risiko. Du hast den Kredit an der Backe den Du abzahlen musst, Du hast Instandhaltung, allerlei gesetzliche Auflagen die sich auch mal ändern (z.B. Rauchmelder und ähnliches) und Du hast potentiell auch das Risiko von Mietausfall oder im schlimmsten Fall eines Mietnomaden der dir die ganze Wohnung abwohnt. Diesem Risiko muss eine entsprechende Rendite gegenüber stehen und die kann nicht lauten Kostendeckend oder Minirendite. Dann macht das keiner mehr oder die Bausubstanz verfällt. Zudem zwingt das Finanzamt dich dazu auch Gewinne zu erwirtschaften denn ansonsten wirst Du der Liebhaberei bezichtigt und Dir werden Investitionsabschreibungen gestrichen.



Wohnen ist ein Grundbedürfnis, damit muss nicht viel Geld gemacht werden.

Natürlich ist es das. Aber es ist kein Grundbedürfnis ohne Einschränkungen und schon gar nicht auf meine private Kosten. Es lässt sich nämlich auch trefflich darüber streiten bis zu welchem Flächenbedarf, Wohnungszustand und Lage das Grundbedürfnis gehen darf. Ich würde sagen die sanierte Altbauwohnung in zentraler Lage mit 50 bis 60qm für den Single gehören ganz sicher nicht zum Grundbedürfnis. Da reichen auch 30qm in weniger zentraler Lage. Hier verweise ich mal auf einschlägige Statistiken zum Flächenbedarf. Der ist stark steigend in den letzten 10 bis 15 Jahren.

Die Stadt müsste aber optimalerweise einen Weg finden die Wohnungen möglichst billig in die eigenen Hände bekommen.
Dann muss sie wohl oder übel selber bauen und eben mehr Bauland ausweisen und Baugenehmigungen erteilen. Dann fallen auch die Preise. Ansonsten muss sie halt teuer kaufen. Stell ich mir schwierig vor in einer Stadt die ohne Länderfinanzausgleich eh schon am Ende ist.
 
Ich habe beim Mietendeckel komischerweise noch nie gehört, dass man nicht mehr kostendeckend vermieten kann. Nur, dass man nicht mehr viel verdient und meine Güte das ist doch kein Problem.
Wohnen ist ein Grundbedürfnis, damit muss nicht viel Geld gemacht werden.
Die Stadt müsste aber optimalerweise einen Weg finden die Wohnungen möglichst billig in die eigenen Hände bekommen.
Es geht in erste Linie um das Anlegen von Geld. Dann muss auch was hinterher rauskommen.
Vermieten birgt ein Risiko. Irgendwas geht kaputt, du musst es bezahlen.
Der Mieter zahlt keine Miete, erstmal dein Problem, Wasser musst du ihm auch weiterhin bezahlen.
Wieso sollte sich jemand sowas antun wenn nicht ordentlich Gewinn bei rauskommt, der das kompensiert bzw. Rücklagen schafft?
 
Warum sollte jemand ohne Gewinn den Aufwand betreiben?
Das macht einfach keinen Sinn.
Stimmt, deswegen kauft auch niemand Staatsanleihen von Deutschland weil die sogar negative Zinsen haben und man nur durch Verkauf eventuell Gewinn machen kann.
Wenn die Wertanlage sicher ist werden immer Leute investieren auch wenn wenig raus springt.
 
Stimmt, deswegen kauft auch niemand Staatsanleihen von Deutschland weil die sogar negative Zinsen haben und man nur durch Verkauf eventuell Gewinn machen kann.
Wenn die Wertanlage sicher ist werden immer Leute investieren auch wenn wenig raus springt.

Banken werde gezwungen, in "sichere" Dinge zu investieren, da nehmen die dann manchmal auch Staatsanleihen.
 
Und es ist eine recht sichere Wertanlage.
Ich persönlich möchte mein Geld gar nicht mit sowas machen das fühlt sich irgendwie unethisch an.
 
Wie gesagt, ich sehe das generell unethisch solange nicht für alle die unbedingt Wohnraum vor Ort brauchen auch Wohnraum vorhanden ist damit Gewinn zu machen.
Wer Wohnraum vor Ort braucht ist dann die andere Frage, dafür könnte man mit einem Punktesystem arbeiten.
Es geht zum Beispiel gar nicht, dass die Oma, die schon 50 Jahre in Berlin wohnt plötzlich aus der Stadt weg ziehen muss weil sie es sich nicht mehr leisten kann.

Überkapazitäten könnte man dann teurer vermieten.
 
Die meisten neu privaten Gebäude in den Städten sind auch heute schon für Gewerbe und Eigentum. Private Baustellen für Mietwohnungen gibt es praktisch nicht.

Und es widerspricht fundamental der Wirtschafts und Gesellschaftsordnung in der wir leben!

Die lässt sich anpassen.
Und wie immer ist Anpassung nötig, wenn sich die Umgebungsbedingungen ändern. Wer sich nicht anpasst stirbt aus.
 
Ein Investor baut Wohnungen und diese Wohnungen werden dann an Private als Eigentumswohnungen verkauft, die absolute Mehrzahl davon, als fremdgenutzte Eigentumsimmobilie (Anlageobjekt), die dem Wohnungsmarkt zur Vermietung zugeführt wird.

Es ist also als Eigentumswohnung gebaut und nicht als Mietwohnung, mit entsprechendem Mietspiegel (z.B. 5€/m²). So wie ich es gesagt habe.
Wo ist da also eine Lüge?
 
So eine Aussage entbehrt nicht einer gewissen Ironie wenn sie von jemanden kommt, der Betriebssystem und Software aus dem FOSS-Bereich einsetzt.

Mit einem gewaltigen Unterschied, es besteht kein Risiko und die "Eigentum verpflichtet"-Kreischer können einem auch nichts.
Wenn man keinen Bock mehr hat mitzuwirken lässt man es, es gibt dann keine Konsequenzen für einen persönlich.
 
Wenn du mal groß bist, wirst vielleicht auch du noch verstehen das Profit nicht alles ist.


Achja: Zusätzlich zu den Genossenschaften könnte man auch noch Mietshaussyndikate und Organisierte Gruppenselbsthilfe nennen. Diese verdammten Sozialisten machen sich aber auch überall breit. :schief: :P
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Denn kein einigermaßen vernunftsbegabter Private wird dann sein Geld für fremdgenutzte Immobilien zur Verfügung stellen, da er keine Rendite auf sein Kapital bekommt, nicht mal die Inflation.
Welche Rendite bekommt man denn für deutsche Staatsanleihen heute?
Wie gefragt sind unsere Staatsanleihen?

D.h.
Wenn es keine Gewinne gibt darf es im Prinzip aber auch kein unkalkulierbares Risiko geben, dann funktioniert das schon.
 
Ja wo ist das Problem, dass wir die Immobilien auch noch aus dieser Gleichung raus nehmen?

Nimm es wie beim Wasser, jeder bekommt billiges Leitungswasser, aber auch jeder kann das VOSS Wasser kaufen. Es darf nur nie dazu kommen, dass niemand das VOSS Wasser kaufen muss weil er keine andere Wahl hat.
 
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