Ich denke, die Bewertung von Nutzen und Risiken sollte man den Betreffenden überlassen. Was wir von außen nicht verstehen müssen und können wir auch nicht verstehen. Ja, es ist schwer, wenn man Menschen vor der Pubertät z.B. die Option des Kinderkriegens nimmt. Aber mit 14 treffen wir den ganzen Tag Entscheidungen, z.B. ob ich auf einen Baum klettere oder nicht. Und auch das kann mein Leben für immer verändern.
Alles, was man über "vom Baum fallen" wissen muss, lernt man in den ersten 1-2 Lebensjahren. Mit 3-4 hat man erste Hinweise, um "oben vom Baum runtergucken" einzuordnen und mit 6-10 weiß man auch einiges über den Weg dazwischen. Und trotzdem gilt es als grob fahrlässig, sein Kind überhaupt, geschweige denn unbeaufsichtig und eigenverantwortlich herumklettern zu lassen.
Wieviel weiß ein/e 14 jährige/r/s über das Hormonsystem, plastische Chirurgie, Umgang und Wahrnehmung in der Gesamtgesellschaft (heute und in den nächsten 80 Jahren), Partnerwahl, Sex, Familienplanung? Kinder so sorgsam aufzuklären, dass eine Entscheidung dieser Tragweite auch nur halbwegs fundiert einschätzen können, würde solange dauern, dass sie vor Ende der Aufklärung volljährig sind.
Mutige Aussage. Gerade im bürgerlichen Kreis erlebe ich auch sehr oft eine Reflektion des Verhaltens anderer auf einen selber und den eigenen Stand.
"bürgerlich" ist was anderes als "intellektuell".
Würdest Du Dich als CEO aktuell noch mit Gerhard Schröder treffen?
Würdest du eine Geschlechtsumwandlung aus beruflichen Gründen vornehmen? Wenn nicht, warum spielt dann der Beruf eine Rolle? Wer bislang mit Schröder befreundet war, wird sich vermutlich auch weiterhin mit ihm treffen. Wer seine Einstellung zu Putin nicht mag, wird aber vermutlich nicht mit ihm befreundet gewesen sein und ihn bislang auch nicht privat getroffen gehaben.
"Intellektuelles Umfeld" ist sehr weit gefasst. Sobald die Gruppe nach Wirtschaftskraft sortierst wird, ...
...ist das keine Einteilung nach Intellektualität mehr. Aber ja, ich stimme dir zu: Wenn nach Karrieregeilheit sortierst, hast du am oberen Ende mehr Arschlöcher.
Z.B. in Motorradkluft auf grillfeste im Bürgerlichen Kreis zu kommen führt zu merkwürdigen Reaktionen. Man wird sofort in eine bestimmte Ecke geschoben.
Schon wieder bürgerlich

. Und schief angeguckt wirst du überall, wenn in gruppenuntypischer Kleidung erscheinst. Kannst dich auch im Zweireiher an den Grill von den Maurern stellen, die werden genauso irritiert gucken. Oder im Kaftan in eine ostdeutsche Gartensparte. Motorradklamotten dagegen werden meiner Erfahrung nach noch ziemlich weitläufig tolleriert bzw. ab einem gewissen Anspruch als geschmack- oder respektlos abgetan, ohne Schubladeneinordnung. Motorradfahrer gibt es schließlich in allen Schichten. (Wenn man kein Motorrad fährt und trotzdem in Lederkombi erscheint, sieht die Sache natürlich anders aus.)
Ich persönlich mag Diskussionen wie diese nicht. Nichtbetroffene haben einfach den Mund zu halten,
Ich mags nicht, wenn gleichzeitig Aufmerksamkeit für Minderheiten gefordert und dann allen anderen der Mund bzw. gleich die eigene Meinung verboten wird.
wenn Betroffene medizinische Behandlungen wollen oder nicht. Oder gibt es auch öffentliche Diskussionen darüber, ob sich Menschen selber sterilisieren dürfen und ob sie Behandlungen gegen Krebs machen oder nicht? Das sind einfach sehr persönliche Themen und Entscheidungen. Und die haben wir anderen zu akzeptieren.
Ja, solche Diskussionen gibt es. Versuch mal als 18-Jährige eine Tubenligatur zu bekommen. Werden dich viele Ärzte wieder nach Hause schicken und die Kasse zahlt sowieso nichts. Und wehe, du erzählst sowas im Bekanntenkreis krum. Und genauso kritisch werden Leute betrachtet, die sich trotz guter Aussichten z.B. aus religiösen Gründen gegen eine bestimmte Krebsbehandlung entscheiden, auch wenn das gegenüber einem dem Tode geweihten meist diplomatisch zum Ausdruck gebracht wird.
Hier geht es aber gar nicht um "Menschen" im Allgemeinen, worunter im Prinzip immer Erwachsene gemeint sind. Da wird allgemein etwas weniger geredet bzw. irgendwann mit einem "na wenn er unbedingt meint. Muss er halt selber wissen, ist ja erwachsen" abgetan. Hier geht es aber um Kinder und Jugendliche. Also die Dinger, bei denen sich die restliche Gesellschaft schon einmischt, wenn Erziehung in der Öffentlichkeit praktiziert wird (oder wenn man sich über den Mangel an selbiger beklagt) und denen aus mehr oder minder guten Gründen alles mögliche untersagt wird. Nicht reif genug, einen Kredit aufzunehmen, nicht verantwortungsbewusst genug um ein Tattoo auszuwählen, nicht zurechnungsfähig genug um zu Heiraten, nichtmal in der Lage einen Haushalt für die nächste Woche zu planen, unfähig über Konsum von weichen geschweige denn harten Drogen zu entscheiden und, je nach dem wo genau du die Grenze ziehst, nichtmal ein vollwertiger Teilnehmer am Straßenverkehr. Aber in der Lage, über eine Geschlechtsänderung zu entscheiden?
Versteh mich nicht falsch: Meiner Meinung nach könnte und sollte man Jugendlichen einiges mehr zutrauen (wenn man sie entsprechend zur Verantwortung erzieht...), schon allein damit sie nicht mit 18 und einen Tag auf die Fresse fliegen. Aber es gibt eine ganze Menge kleinere, leichter abzuschätzende, dem Leben eines Kindes nähere Dinge, die die Gesellschaft einem Kind nicht zutraut, als eine Geschlechtsumwandlung. In ihren Auswirkungen auf Körper und weiteres Leben würde ich die mit einer umfangreichen Schönheits-OP und Sterilisation und Heirat und Auswanderung zusammen. Alles Dinge, über die Jugendliche nicht selbst entscheiden dürfen oder die ihnen sogar ganz vorenthalten sind.