AW: Terroranschläge in Europa und Konsequenzen
Ich stimme dem ersten Absatz vollkommen zu, dem zweiten teilweise. Im Gegensatz zum Nationalsozialismus welcher in nur ein paar wenigen Jahren der Verursacher für unglaubliches Leid auf der ganzen Welt war und heute noch ist, wurde in fast ganz Afrika, Südosteuropa und fast ganz Asien ca. 1400 Jahre islamisch regiert und in den Geschichtsbüchern wirst du nichts über Genozid finden.
Frag da mal die Bulgaren (bei denen gibt es da fast sowas wie ein Trauma zur osmanischen Herrschaft, das sich bis in die Lieder / Musik eingebrannt hat) oder die Östereicher, die können dir das eine oder andere über muslimisch / osmanische Herrschaft und Praktiken in Kriegen erzählen. Zimperlich ging man da auch nicht mit Angehörigen anderer Religionen um, auch wen man sie lange nicht nicht offen und direkt verfolgt und umgebracht hat wie in anderen Teilen Europas.
Vergessen sollte man auch nicht die gewaltsamen Unterdrückung arabischer Unabhängigkeitsbestrebungen durch die osmanischen (türkischen) Herrscher.
Im Gegenteil, der Genozid ist geschichtlich meistens in Europa (Judenverfolgung) oder von Europa aus (Kreuzzüge, Kolonialismus etc.) zu verorten. Schon ironisch, dass der moderne Europäer sich ganz plötzlich zum Retter der Moral gewandelt hat und der ganzen Welt "Ihr Barbaren!" zuruft.
Dieses "Barbarentum" ist vor allem eine direkte Folge durch die allumfassende Ausbreitung der Macht der christlichen Religion und umfassenden weltlichen Einfluss durch selbige gewesen, was auch dazu geführt hat das viele europäische Errungenschaften der Antike aus gründen der Machterhaltung durch die Kirche und ihren totalitären Herrschaftsstil / Einfluss verloren gegangen sind. Zudem spielte auch die Völkerwanderung und damit einhergehende teilweise tiefgreifende gesellschaftliche Unterschiede / Bräuche zwischen germanischen / slavischen Stämmen und der römisch / helenisch geprägten Welt sicher eine weitere Rolle für den Niedergang und damit einhergehende gewalttätige Konflikte.
Man sprach da nicht umsonst von einem "dunklen Zeitalter" in Europa.
Aber gerade die Erfahrungen aus dieser Zeit sollten uns Europäern auch eine Lehre sein wohin der übermäßige Einfluss von geistlicher Autorität auf weltliche Belange führt, vor allem heute wo die Entwicklung zwischen beiden Kulturkreisen leider relativ diametral verläuft und der Islam sich in vielen muslimischen Ländern stellenweise in eine Richtung entwickelt die man bei uns vor 400-500 Jahren durch zu starken Einfluss des Klerus auf weltliche Angelegenheiten hatte.
Das nämlich Nationalismus, Antisemitismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit ein Exportprodukt der Kolonialmächte sei, weil in der orientalischen Lyrik des Mittelalters Homosexualität ein weitverbreitetes Motiv war, Juden aus Europa in den Orient flohen und aufgenommen wurden, und Nationalismus dem Islam vom Grundprinzip her fremd ist.
Also das mit dem Export der Frauenfeindlichkeit halte ich für sehr weit hergeholt, das Rollenbild der Frau hat sich über die Jahrhunderte in der muslimischen Gesellschaft, meines Wissens nach, nicht wesentlich zu der der christlichen Gesellschaften unterschieden.
Was Homophobie angeht kenne ich auch keine Belege das es etwas wäre das explizit aus dem Abendland gekommen wäre.
Zudem, auch im Abendland Homosexualität nicht immer negativ wahrgenommen wurde. Im antiken Griechenland gab es sogar lange eine sehr hohe Offenheit gegenüber Homosexualität und auch kein Problem mit der Darstellung und Auslebung in der Öffentlichkeit.
Auch im Abendland ist eine langsam stetig zunehmende Inakzeptanz von Homosexualität erst mit dem steigenden Einfluss christlich-kirchlicher Macht im römischen Reich erfolgt, galt aber noch einige Jahrhunderte in der Gesellschaft durchaus als toleriert.
Eine wirklich zunehmend offene Ablehnung, hatte ich mal in einer Reportage der öffentlich rechtlichen zum Thema gehört, fand erst irgendwann im 18 Jahrhundert statt.
Antisemitismus und Nationalismus mögen von den Konzepten her in der muslimischen Welt von christlichen Staaten inspiriert worden seien, waren aber auch im osmanischen Reich nichts unbekanntes und sind vor allem wohl dadurch entstanden das man ab dem 18 Jahrhundert zusehends an Territorium, Macht und Einfluss verlor und entsprechend, wie so oft in der Menschheitsgeschichte, Sündenböcke gesucht hat die Schuld an den Problemen und Machtverlust tragen.
Und warum Nationalismus dem Orient prinzipiell Fremd sein soll musst du mal erklären, das halte ich absolut nicht haltbar.
Wäre Nationalismus etwas das im Orient nicht existent gewesen wäre hätte es in der osmanischen Geschichte wohl kaum immer wieder Bestrebungen gegeben (gerade von arabischen Stämmen) sich von der osmanischen Herrschaft zu lösen und wären diese wohl kaum von den Osmanen immer wieder niedergeschlagen worden.
Das streben nach nationaler Souveränität ist also auch dort nichts unbekanntes gewesen und auch setzte sich der Orient vor der osmanischen Herrschaft aus verschiedenen Nationen zusammen die nur in einem Punkt eine relative Gemeinsamkeit besaßen, die Religion, in allen anderen Belangen aber meist zimlich uneins waren, wie auch die Zeit der Kreuzzüge immer wieder zeigt.