ruyven_macaran
Trockeneisprofi (m/w)
Absolut korrekt! Das Recht muß dem Unrecht nicht weichen. Aber das kann in dem Fall die Polizei nicht alleine leisten. Die ist da auf Hilfe angewiesen. Im Zweifel mußt auch Du einen Beitrag leisten. Bspw. indem Du nach einer Demonstration entsprechende Täter anzeigst und möglicherweise eigenes Foto- oder Videomaterial zur Auswertung bereitstellst.
Privates Foto-/Videomaterial sind bekanntermaßen als Beweismittel nicht zugelassen (sonst würden auch einige Einsatzkräfte Probleme bekommen...), die Polizei filmt aber i.d.R. selber.
So oder schützen mich mögliche Handlungen nach der Demonstration nicht vor Polizeiattacken gegen mich, die durch irgendwen anders in der Menschenmenge provoziert wurden.
Da muss imho ein komplett anderes Einsatzkonzept her. Bislang werden Demonstranten von der Polizei als eine Masse behandelt, die ausschließlich am Rand begrenzt/getrieben wird. So kann man keine kriminellen Subjekte aus der 10ten Reihe fassen, sondern man richtet polizeiliche Aggression zwangsläufig gegen die wesentlich größere Zahl von Unschuldigen, die in der Nähe steht. Da kann man dann auch nicht mehr unterstützend aktiv werden.
Um einen Steinewerfer selektiv mit einem Wasserwerfer bekämpfen zu können, ohne Unschuldige zu treffen, müssten diese einen Bereich ~5m links&rechts und 20m davor/dahinter räumen. Bei einer durch Polizeisperren zusammengedränkten Menschenmenge wären das ggf. >1000 Leute, die sich in Bewegung setzen müssten, dafür aber überhaupt keinen Platz haben und selbst wenn, dann würden sie solange brauchen, dass man den Werfer schon am Boden festnageln müsste, damit er die halbe Stunde später noch da steht.
Was hier fehlt, ist ein polizeiliches Konzept zur Bekämpfung von Kriminellen in einer Menschenmenge. Ich will nicht sagen, dass das leicht ist, aber Privatleute können noch weniger dazu beitragen und es ist imho inakzeptabel, dass sie dafür bestraft werden.
(selbst wenn jemand -unter Gefährung der eigenen Gesundheit- versuchen sollte, einen Steineschmeißer zu stoppen und festzuhalten -was auch rechtlich heikel ist-, hätte er keine Möglichkeit, zeitnah eine Verhaftung herbeizuführen)
In Discos als Elternpaar rumsitzen wäre ja sehr wohl damit zu vereinbaren. Wenn man zwingend auf die Tanzfläche will, könnte man sich auch da abwechseln.
Lediglich auf Demonstrationen kannst Du ja, wie Du selbst anführst, die Menge nicht in Deinem Sinne kontrollieren. Die Gefährdungslage ist da also, selbst wenn die Demo "friedlich" ablaufen soll, immer eine ganz andere.
Das ich die "Menge nicht in meinem Sinne kontrollieren kann", ist überall in der Öffentlichkeit der Fall. Demos unterscheiden sich hier nicht vom ÖPNV.
Abgesehen davon wird von jeder Demo im Vorfeld gesagt, sie solle friedlich ablaufen. Anders wäre auch keine Genehmigung zu bekommen. Wie ernst es den Demonstranten damit in den einzelnen Fällen ist, läßt sich im Voraus leider kaum erahnen, aber im Nachhinein zumeist anzweifeln.
Mir wäre keine Demo (zumindest innerhalb Deutschlands) bekannt, bei der die friedlichen Absichten "der Demonstranten" (ich vermute mal, in deiner bekannt hochdifferenzierenden Art und Weise meinst du damit den typischen Demonstrantionsteilnehmer/die Mehrheit) anzuzweifeln wären. Es gibt immer wieder Probleme mit einer paar Krawalos, manchmal auch gewaltbereiten politischen Extremisten - ja. Diese gehören aber i.d.R. wedern den Veranstaltern noch den mehrheitlich demonstrierenden Interessensgemeinschaften an (sonst würde die Demo eben nicht genehmigt werden), sondern stellen eine getrennte Minderheit dar, die man von einer freien, öffentlichen Veranstaltung nur schwer ausschließen kann.
Zumindest nicht von Seiten der Veranstalter - die Polizei hätte die Möglichkeit, einschlägig vorbestraften Platzverweise zu erteilen. Problem hierbei: Es werden zwar immer wieder viele Personen bei Großveranstaltungen festgenommen und müssen eine Erkennungsdienstliche Behandlung sowie zeitweilige Freiheitsberaubung über sich ergehen lassen, zum Großteil sind es aber Unschuldige und selbst von denen, gegen die Beschuldigungen erhoben werden, werden so wenige auch verurteilt, dass die Medien gar nicht erst darüber berichten. Oder anders: Die Polizei ist zwar sehr gut darin, Unschuldige zu misshandeln, aber polizeiliche Erfolge und Strafen gibt es kaum und die offensichtlich existierenden Täter können dann auch nicht als vorbestraft aussortiert werden, bevor sie die nächste Demo sprengen.
Gut, bei soviel Kommunikationsbereitschaft ist natürlich Hopfen und Malz verloren, aber wie man sieht, kann man seine eigene Demo recht einfach von Leuten freihalten, die man aus irgendwelchen Gründen nicht da haben will. Es funktioniert und es wird gemacht.
Und dabei wollten wir nicht einmal mitdemonstrieren, sondern lediglich die Gelegenheit ergreifen, uns deren Standpunkte mal ungefiltert anzuhören.
Das ist, gelinde gesagt, in dem Zusammenhang eine nicht nachvollziehbare Unverschämtheit.
Deren Verhalten ist in der Tat ihren Zielen nicht zuträglich... - aber niemand sagt, dass alle Demonstrationsteilnehmer was von Diskussionskultur verstehen (genaugenommen ist eine Demonstration als solche schon so ziemlich das Gegenteil), nur dass sie in der Mehrheit nicht gewalttätig sind.
Was bei deiner Schilderung aber auffällt:
Die "unerwünschten Personen" wurden von der "Demo" (n Camp ist nicht die gleiche Situation, wie ein Umzug) entfernt, in dem man euch gesagt hat, ihr sollt verschwinden.
Was denkst du, was passiert, wenn du einem möchte-gern-linken Extremisten, der extra angereist ist, um z.B. "den Nazis die Straße Stein für Stein zurückzugeben" sagst, er soll von deiner Demo verschwinden?
a) ""anachrchistische""-Gewalttäter unterscheiden sich in ihrem Verhalten in keinster Weise von Icejester, wenn man sie darum bittet, gehen sie friedlich ihrer Wege.
b) du wachst 2h später im Krankenhaus wieder auf.
c) die angesprochene Person kann deiner Aufforderung leider keine folge leisten, weil sie darüber einen Lachkrampf bekommen hat und sich gerade am Boden windet
Die Leute, die ein Problem für Demonstrationen und eine Bedrohung für Polizisten darstellen, sind hochgradig gewaltbereit, sie sind z.T. sehr erfahren in der Anwendung von Gewalt, sie sind z.T. extra dafür ausgerüstet und sie sind nicht bereit, sich von irgendwelchen Gesetzen oder gar den Wünschen anderer in ihrem tun beschränken zu lassen. Solche Leute hälst du genausowenig mit Worten auf, wie ein Trupp Hells Angels beim sichern ihrer "Geschäftsgebiete" vor Konkurrenz oder einer Gruppe besoffener Neonazis beim "Türkenklopfen". Und die Gefahren für deine Gesundheit, wenn du es trotzdem oder gar mit etwas anderem als Worten versuchst, sind ebenfalls vergleichbar.
Genau für solche Subjekte haben wir eigentlich Eingreiftruppen der Polizei, aber sobald eine Masse Unschuldiger drum rum steht, kommen die nicht mehr zum Einsatz, sondern man hällt einen Wasserwerfer drauf.
Ich meine, vor knapp zehn Jahren hätten die mal szeneintern Aufrufe gestartet, daß Demos nur noch absolut diszipliniert, möglichst alkoholfrei und ohne jede Provokation von Polizei oder Bevölkerung stattzufinden haben. Das ist auch mal kurz durch die Presse gegangen. Und es hat augenscheinlich auch funktioniert. Wie die das genau geschafft haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Da habe ich keinen tieferen Einblick. Ich weiß nur, daß im Ergebnis die ganzen BePos wesentlich lieber Neonazi-Aufmärsche als linke Demos begleiten, weil sie mittlerweile wissen, daß es da einfach keinen Ärger mit den Demonstranten gibt. Und da muß man nochmal fragen: Wieso können denn andere Demonstranten nicht genauso diszipliniert sein?
Derartige Aufrufe gibt es auch von den Organisatoren anderer Demonstrationen ("diszipiliniert" wird vielleicht weniger betont
). Zugegeben zeigen sie etwas weniger Wirkung, vielleicht weil die strikte Hierrachie und die Bereichtschaft zur Unterordnung unter Führungspersönlichkeiten in der restlichen Gesellschaft einfach nicht so ausgeprägt ist.Das ist aber nicht das Problem. Angeheiterte Alt-68er (oder solche, die es gern wären, aber 20 Jahre zu spät geworden sind), die Polizisten anbrüllen, sind zwar n peinlicher Anblick für Mitdemonstranten und gehen den Polizisten vermutlich auf die Nerven - aber sie provozieren keine Reaktion. (auch wenn ich durchaus dafür wäre, gelegentlich mal Bescheide wegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit oder Störung der öffentlichen Ordnung zu verteilen)
Das Problem sind Leute, die Gewalt wollen und die keine Autorität anerkennen. Zum Teil Leute, die explizit nur deswegen Gewalt gegen Polizisten ausüben, weil das Polizisten sind - d.h. Vertreter der staatlichen Gewalt, die "aus Prinzip" abgelehnt wird (wenn nicht gleich "Staat" als solches).
Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, warum diese Leute nicht auf rechten Demos aufkreuzen. Zum einen mag das an der Ideologie liegen, es finden mehr Leute vom extrem links-kommunistischen Gruppierungen den Weg zu Anarchisten, als aus dem rechtsradikalen/staatsfeindlichen Milieu, zumal bei letzteren die Autorität der Gruppe und damit die Unterbindung durch Demonstrationsveranstalter lange erhalten bleiben sollte. (es soll aber mitlerweile auch extremistische Gruppierungen vom rechten Rand geben, die sich in Aussehen und Auftreten angepasst haben bzw. sich auf die Feindschaft gegenüber das jetzige System konzentrieren und damit am linken Rand fischen gehen)
Zum anderen gibt es aber den von mir genannten Grund: Polizeischutz. Ich habe keine Ahnung, wie es Deutschlandweit aussieht, aber bei der letzten großen Nazidemo hier in der Stadt wurde der Sammelbereich am Bahnhof komplett von der Polizei abgesperrt, Polizei im Bahnhof kontrollierte, wer wohin ging, es waren afaik Beamte in den Zügen präsent und es gab weitere Einheiten an wichtigen Bahnhöfen im Bereich der Zufahrt.
Jemand, der nicht den demonstierenden Gruppen zugehörte, hätte kaum eine Chance gehabt, sich unter diese Demonstration zu mischen. Und hätte er es geschafft, wäre er ein Gewalttäter unter 300 authoritätsbewussten Personen gewesen, die von mehrren hundert Polizisten begleitet wurden (genau weiß ichs nicht - von iirc über 2000 Polizisten wurden die meisten um die Gegendemonstration positioniert, als die Züge erstmal in Bewegung waren).
D.h. kaum eine Chance, reinzukommen, keine Chance zu entkommen - unschön.
Eine nicht-Neonazidemo spricht dagegen i.d.R. große Teile der Bevölkerung an und wird offen gestaltet. Man kann einfach hingehen und schon nimmt man Teil. Und man ist dann auch nicht einer unter 300, sondern einer unter 3000-10000, denen eine i.d.R. deutlich kleinere Anzahl von Beamten gegenübersteht. Also 100% Chance zum "druntermischen" und sehr gute Chancen, unbehelligt zu entkommen.
Imho ist das aber ein Problem, dass die Organistoren nicht lösen können - das muss die Polizei machen. Denn man kann eine Demonstration wohl schlecht verbieten, weil zuviele Leute das Anliegen unterstützen und teilnehmen möchten.
Denk doch mal logisch: Wenn privates Bildmaterial nicht als Beweismittel taugen würde, wäre wohl auch jede Videokamera an Tankstellen, in Kaufhäusern, Banken und Parkhäusern ziemlich sinnlos, oder?
Ich weiß nicht 100%ig, was du mir mit diesem Satz sagen willst, aber die Verwendung des Passiven zeigt deutlich, dass du nicht auf die Fragestellung eingeht:

.gif)