Naja Auswahl hat nichts damit zu tun ob ich trotzdem lieber spiel xy zocke, da kann es noch so viel Auswahl geben. Trotzdem gehe ich diese tiefen Eingriffe nicht mit, sondern greife dann eben zur Konsolen Version. An dem puren gaming Gerät können Sie gerne machen was Sie wollen aber nicht auf meinen Arbeitsgerät wo halt auch dran gezockt wird.
Deine Lösung erscheint mir zumindest vertretbar – ich bin zwar selber kein Fan von Konsolen und habe die wenigen, die ich besitze, auch nie groß ausgereizt, weil diese noch stärker abgeschotteten Systeme aus meiner Sicht außer Exklusivspielen und ggf. noch dem geringeren Preis (der sich über die Spielkosten langfristig auch ins Gegenteil verkehrt) für mich kein Kaufargument zu bieten haben –, da ist der Deal aber prinzipiell von vornherein klar („prinzipiell“, weil auch Konsolenhersteller regelmäßig die Vertragsbedingungen nachträglich einseitig ändern und du von der weiteren Nutzung ausgeschlossen wirst, bis du „zustimmst“, wie das heute gang und gäbe ist). Mein Punkt war aber: Andere Mütter haben auch schöne Töchter. Die geben sich auch mit weniger zufrieden. Man muss nur mal die rosarote Brille absetzen bzw. die Scheuklappen ablegen und sich auf etwas Anderes einlassen. Das geht sogar gemeinsam in der Zockergruppe, wenn man sich mit den richtigen Leuten umgibt.
Wenn die Community sich weigert, die üblichen Anticheat Möglichkeiten einzubauen und eine (oder mehrere) Distros so anzupassen, das diese möglich werden - dann wird das auch nix.
Erst einmal eine grundsätzliche Sache für mein Verständnis:
Wenn eine Anwendungssoftware auf macOS nicht verfügbar ist, dann ist nicht Apple, sondern deren Hersteller schuld, weil er sie nicht an das Betriebssystem anpasst.
Wenn eine Anwendungssoftware auf Linux nicht verfügbar ist, dann ist nicht deren Hersteller, sondern die Linux-Community schuld, weil sie das Betriebssystem nicht an die Anwendungssoftware anpasst?
Was denn nun?
Was mich aber noch viel brennender interessiert: Warum sollte die Linux-Community in genau dem Punkt, um den es hier geht – Kernel-Level-Anticheat – überhaupt nachgeben?
Wenn es auf macOS wunderbar ohne Kernel-Level-Zugriff funktioniert, warum wird es dann auf Windows erzwungen und bei Linux ist es ein Ausschlussgrund? Die Tatsache, dass weiter gecheatet wird, spricht nicht gerade für die Wirksamkeit.
Um Cheater wirksam zu bekämpfen, braucht man keinen Kernel-Level-Zugriff, sondern letztendlich eine konsequente Verfolgung und Sanktionierung aufseiten des Spielanbieters. Wunderbar funktioniert neben klarer Kennzeichnung und Ausschlüssen auch Shadowbanning, indem man die Cheater im Matchmaking nur noch mit anderen Cheatern zusammenwürfelt, gern auch auf dedizierten Servern, wo sie sich dann vom Rest abgeschottet gegenseitig das Leben zur Hölle machen können. Das lässt sich bis zu einem gewissen Grad automatisieren, eine Moderation kann dies aber nicht ersetzen. Dafür braucht man halt Personal, und das kostet bei Spielen mit tausenden, wenn nicht gar Millionen Spielern, Geld. Was machen Publisher, die kumuliert im Jahr mehr Umsatz machen als alle anderen Unterhaltungsindustrien (Film, Fernsehen, Musik, Literatur, Veranstaltungen...)
zusammen, stattdessen? Sie zwingen uns, Rootkits zu installieren (nachdem macOS gezeigt hat, dass es auch ohne ginge) und unsere Systeme so angreifbarer zu machen. Mal ganz abgesehen von dem Scheiß, den sie damit anrichten können, externalisieren sie die Kosten für die Cheaterbekämpfung auf uns, die Spieler, die für die Spiele Geld bezahlen. Eine Branche, die dicke Klopse wie Bobby Kotick zu Multimilliardären macht, welche sich für ihre Kundschaft genauso wenig interessieren wie für die Produkte, die sie vertreiben, ist nicht in der Lage, Leute dafür zu bezahlen, dass sie Cheater bannen, ohne dafür Hintertüren in unsere Computer einzubauen.
Warum lässt man sich das überhaupt bieten, nur um ein einziges Videospiel zu spielen, das nichts zum Lebensunterhalt beiträgt oder in sonst einer Weise, objektiv betrachtet, notwendig ist? Und warum sollte die Linux-Community sich darauf einlassen, diese Hintertüren jetzt auch noch in Linux-Systeme zu implementieren bzw. dies zuzulassen, wo man sich nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen für Linux entscheidet? Das bringt mich zu meiner ursprünglichen Aussage zurück: Wenn du willst, dass Linux so unfrei wird wie Windows und so unsicher wie Windows; dann bleib einfach bei Windows. Das Letzte, was ich sehen will, ist, wie die Errungenschaften und die Kernkompetenzen von Linux zerlegt werden, nur wegen einer Handvoll übergriffiger Publisher und deren Kundschaft, die weder fähig, noch gewillt ist, auch nur einigermaßen vernünftig Prioritäten zu setzen.
Und dasselbe passiert bei der restlichen Software. Einige Programme die ich habe, erfordern spezielle Software zur Aktivierung. Selbst wenn die Software in Bottles rennt, so kriegt man die da nicht legal aktiviert. Bei Plugins dasselbe. Kannste knicken weil OS keinen Support dafür hat.
Das hat eher etwas damit zu tun, dass vielen Anbietern ein quelloffenes Betriebssystem generell ein Dorn im Auge ist und sie jedem, der es nutzt, pauschal unterstellen, dass er damit nur beabsichtige, ihren Abspielschutz zu umgehen. Deswegen kannst du ja auch z. B. mit Netflix im Browser auf Linux maximal 720p bekommen, selbst wenn du für UHD ehrlich bezahlt hast. (Und dann wundern sie sich über Piraterie, wo man zumindest 1080p bekommt – mit geringerer Kompression und als DRM-freies MP4-File, das auf jedem Gerät abspielbar ist.)
Sowohl Davinci Resolve als auch REAPER zeigen, dass man erfolgreich sein kann, ohne seine zahlende Kundschaft erst durch zwanzig brennende Reifen springen und barfuß auf Glasscherben drei Kilometer sackhüpfen zu lassen, bevor sie die bezahlte Software auch benutzen darf, und Linux daher auch kein Hindernis sein muss. Und zumindest hinter REAPER steckt eine verhältnismäßig kleine Bude, die für das, was sie bietet, fast schon unverschämt günstige Preise nimmt. Warum sind die in der Lage, ohne DRM und mit Linux-Entwicklung profitabel zu wirtschaften, und Größen wie Adobe oder AVID mit ihrer ebenso verbuggten wie teuren Software sind es nicht? Und warum ist iLok nicht imstande, seinen verschissenen Client für Linux zu adaptieren, damit man seine versilberten USB-Dongles dort verwenden kann, was wiederum eine Voraussetzung für etliche teure Audio-Plugins oder für Pro Tools ist? (Andererseits sind viele Pro-Tools-User von der Mentalität her mit Linux ähnlich inkompatibel wie Gamer™, die sich Kernel-Level-Anticheat wünschen, um Battlefield zocken zu können.)
Aber es gibt Hoffnung: Steinberg scheint den Schuss so langsam gehört zu haben, denn seit letztem Herbst sind sowohl ASIO als auch VST3 quelloffen (GPLv3 bzw. MIT-Lizenz). Das dürfte ihnen den Weg auf Linux ebnen und damit für einen Schub an Geräte- und Plugin-Unterstützung sorgen. Fehlt mir nur noch eine Möglichkeit, auf Linux in Dolby Atmos zu mischen.