Was ich sehr interessant finde ist die Aussage über deren Server.
Mir war bisher noch kein Raptor Lake Xeon in die Finger gekommen. Ich dachte, Raptor Lake seien reine Desktops.
Jetzt weiß ich auch warum. Das sind die kleinsten Xeons die man kaufen kann.
Maximal 8 Kerne und, nur Dual Chanel RAM, und für den Desktop-Sockel 1700. Das sind also tatsächlich Desktop-CPUs, mit Xeon Label.
Diese Xeon E-2400 für Mini-Server gibt es auch erst seit Anfang diesen Jahres. Wenn da also jemand Probleme mit schon länger laufenden Servern hat, dann nutzt er stinknormale Desktop-Raptor-Lakes. "W680" unterstreicht ja, dass Core i schon seit Alder Lake auch den Workstation-Markt bedient und einige Nutzer zweckentfremden so etwas scheinbar als Billig-Server.
Soweit ich weiß verrecken die CPUs nicht, sie stürzen "nur" ab.
Genaues Wissen ist in diesem Themenfeld rar. Aber allem Anschein nach sinkt die Taktbarkeit der CPUs ab. D.h. irgendwann stürzen sie mit den Stock-Spannungen ab. Man kann zwar die Spannung hochschrauben, aber da das Schadensbild stark nach Elektromigration aussieht, sollte das nicht lange vorhalten und die CPU in noch schlechterem Zustand zurücklassen. Es liegt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ein erhöhter Verschleiß wegen Betrieb mit zu fordernden Einstellungen vor.
Unklar bleibt leider weiterhin: Welche Einstellungen sind das?
Solange niemand sagt, was er dann da tatsächlich wie am laufen hatte, sondern nur laut über seinen Schaden jammert, fällt es schwer, die Schuld dem Nutzer, dem Mainboard-Hersteller oder Intel zuzuschieben.
Die haben damals den Pentium III 1,13 GHz zurückgezogen, da der eventuell hätte instabil sein können. Wenn sie das gewußt hätten, dann wären sie dagegen vorgegangen.
Der erste 1,13 wurde zurückgezogen, nachdem einige Tester intensiv darüber berichtet haben, dass die Testmuster nicht "instabil sein können", sondern schlicht instabil waren. Und der Rückzug kam eben auch erst dann, als Reaktion.
Allerdings war der 1,13 auch ein aus der Not geborener Schnellschuss. AMD und Intel haben 1999/2000 alle paar Wochen im Wechsel je eine CPU releast. Athlon 700 vs. Pentium III 733 => 800 vs 800 => 850 vs 866 und im März wurde dann 900 gegen 933 erwartet. Intel hatte zusätzlich noch 1000 in Reserve, um später klar vor dem Athlon 950 zu landen. AMD hat den dann einfach am gleichen Tag wie den 900 releast und auch noch den 1000 oben drauf gepackt. Der PIII 1000 konnte damit zwar gleichziehen (in Anwendungen schneller, in Spielen langsamer), aber Intel war überrumpelt und mit drei Tagen Verspätung nur gleichzuziehen war nicht genug. Also hat man den 1,13 improvisiert – ohne die nötige Sorgfalt.
PCGH Plus: Warum brauchen CPUs unterschiedlicher Hersteller verschiedene Mainboards? Wir blicken zurück auf die lebhafte Entwicklung der späten 90er.
www.pcgameshardware.de
Der 14900K dagegen ist von langer Hand geplant und getestet. Es scheint schwer vorstellbar, dass es bei den üblichen Produktvorbereitungen gar keine Probleme gab und jetzt der erste Betreiber sogar schon Ausfälle bei
allen Exemplaren unter gleichen Bedingungen beansprucht. Etwas Serienstreuung gibt es immer und 1-2 Prozent Problemfälle in Situationen, welche die Vorserie durchgängig gemeistert hat – okay. Aber kein 10 Prozent, keine 50 Prozent und schon gar nicht 100 Prozent. Da müssen sich die Rahmenbedingungen geändert haben.
Leider machen die Leute mit Schäden zu diesen Bedingungen genauso wenig exakte Angaben, wie Intel zu den Specs.
Der W680 Chipsatz hat das Problem auch, dort können die MB-Anbieter fast nicht pfuschen.
Das Problem dürfte also allein bei Intel liegen.
Die CPU-Steuerung funktioniert auf W680-Platinen genauso wie bei allen Sockel-1700-Mainboards. Das ist schließlich die gleiche Technik und diese legt 100 Prozent der Verantwortung in die Hände des Mainboard-Herstellers. Es wäre denkbar respektive wünschenswert, dass Workstation-Platinen konservativere Werte fahren als OC-Modelle. Aber ich habe viel zu hohe Power Limits auch schon bei B760 gefunden, wo das ebenfalls wünschenswert und sinnvoll wäre, nur verhalten sich Mainboard-Hersteller eben nicht zwingend sinnvoll und wünschenswert. Auf alle Fälle ist ein finalisiertes Z790-UEFI für W680 zu kopieren einfacher, als neue Einstellungen durchzutesten.
Leider scheinen sich die Youtuber, denen konkrete Schadensfälle zugespielt werden, auf kräftige Headlines zu konzentrieren und kein Interesse an einer nachvollziehbaren Dokumentation des eigentlich abgelaufenen zu haben. Daher kann man die Betriebsbedingungen dieser Billig-Server aktuell in beide Richtungen mutmaßen, aber nichts genaues sagen. (Zumindest habe ich bislang kein Video gesehen, dass Power-Limits und Kernspannungen dokumentiert.)