Ein mir bekannter Professor rechnet seinen Studis, seit es UHD-2 („8K“) gibt, in der Vorlesung vor, warum diese Auflösung in der Praxis völlig überflüssig ist, eben weil die Winkelauflösung des menschlichen Auges, aus welcher sich der Sitzabstand ergibt, der erforderlich ist, um die Vorteile höherer Rasterauflösung mitnehmen zu können, der limitierende Faktor ist. Demgegenüber stehen die explodierenden Datenmengen, die transportiert und verarbeitet werden müssen. Das bringt nicht nur die klassische Broadcast-Infrastruktur mit SDI an die Grenzen der Physik (bei Olympia 2021 in Tokio waren 16 (!) SDI-Kabel pro Kamera erforderlich, um auf eine Kabellänge kommen zu können, die bis zum Ü-Wagen reichte), auch wenn da die Umstellung auf IP-basierte Netzwerke nach SMPTE 2110 in Zukunft Abhilfe schaffen wird; sondern vor allem steigt an allen Stellen, einschließlich bei den Endverbrauchern, der Strombedarf für die Geräte exponentiell, und das alles für eine Auflösung, aus der wir visuell keinen Nutzen ziehen können, denn bei der Distanz, auf die man an das Display rangehen muss, damit man einen Vorteil gegenüber UHD („4K“) hat, passt das komplette Bild nicht mehr ins Blickfeld. Selbst im Kino ist der Nutzen nicht gegeben, weil mit der Größe der Leinwand auch die nötigen Sitzabstände wachsen.
Und nein, entgegen dessen, was im Artikel behauptet wird, bringt diese Auflösung auch bei Mobilgeräten nichts. Bei den Bilddiagonalen von Laptops, Tablets oder gar Smartphones müsste man sich das Gerät für einen Gewinn gegenüber UHD so nah vors Gesicht halten, dass die Augen darauf gar nicht mehr fokussieren können. Haltet euer Smartphone einfach mal 10 cm vor eure Augen und achtet darauf, wie viel Anstrengung euch der Versuch abverlangt, in dem Bereich noch scharf zu sehen. Schon UHD ist zumindest bei Smartphones in der Praxis kompletter Humbug.
Es gibt Überlegungen beim Fernsehen, dass man z. B. aus einer einzigen Totalen mit 4320p-Auflösung dann flexibel und verlustfrei ein 2160p-Bild digital croppen und dieses übertragen könnte. Das ist aber ein Problem, das der Endverbraucher nicht hat, weil das Ursprungsmaterial bei ihm nie ankommt.
Warum ist „8K“ dann trotzdem immer noch in aller Munde? Aus demselben Grund, warum es im Endverbrauchermarkt Hi-Res-Audio gibt, obwohl bereits die CD die physikalischen Grenzen des menschlichen Gehörs genau trifft: Marketing schlägt Physik. Die Industrie will was verkaufen, und der Konsument will seinem Nachbarn oder dem World Wide Web zeigen, dass er den größeren (Fernseher) und die dickeren (Kopfhörer) hat. Und bei Rasterauflösung wirken die Anstiege bei den Zahlen beeindruckender als bei Farbauflösung, obwohl es bei Letzterer im Endverbraucherbereich Stand jetzt visuell noch viel mehr rauszuholen gäbe. Siehe auch folgende Anekdote: Schon bei der Einführung von HDTV und der Frage, ob man in 720p50 oder 1080i50 senden soll, kamen in einer groß angelegten Studie alle Probanden einstimmig zu dem Ergebnis, dass 720p50 visuell besser aussehe. Durchgesetzt hat sich... 1080i50, weil die Industrie der Auffassung war, dass sich die höhere Auflösung besser vermarkte. Nur die Öffentlich-Rechtlichen sind der Evidenz gefolgt und haben auf 720p50 gesetzt. Einzige Ausnahme war die ARD, die fand nämlich, dass es am Besten sei, die Nachteile beider Formate zu verheiraten und die Vorteile zu eliminieren: Produziert wird seit jeher in 1080i50 und gesendet in 720p50 – man hat also am Ende die niedrigere Rasterauflösung, die zudem noch vom nativen Format runterskaliert ist, aber statt echter Vollbilder noch schön Interlacing-Artefakte.
Kurz gesagt: Wer euch ein „8K“-Gerät (Zuspieler oder Display) zu verkaufen versucht, hofft, dass ihr weder nachgedacht, noch Ahnung habt. Und dass eure Freunde zu feige sind, zuzugeben, dass sie ebenfalls weder nachgedacht, noch Ahnung haben.