Da haben wir's! Offenbar verstehen selbst hier in diesem Expertenforum viele nicht den eher üblen Sachverhalt

... puhh ... aber ein Rechenbeispiel:
Falls das Rohöl 80 cent/Liter kostet, fallen darauf so 9,5 cent Mehrwertsteuer an. Dafür hätte der Verbraucher allerdings erst einen Liter Brent gekauft. Richtig?
Falsch.
Erstens gilt für den Einkauf von Rohöl nicht der Mehrwertsteuersatz von 19 %, zweitens verrechnen Unternehmen die Mehrwertsteuer mit ihren Ausgaben und drittens betrifft sie schon seit über 100 Jahren keine Wertschöpfungsstufen mehr (Die Unterscheidung zwischen Mehrwert- und Umsatzsteur möchte ich dir lieber gar nicht erst zumuten ...).
Viertens werden Kraftstoffe aus Perspektive des Endverbrauchers seit 2007 mit 19 % versteuert. Wenn das Versteuerte nicht teurer wird, kann logischerweise auch eine prozentuale Abgabe nicht erhöhen. Also muss erst der Grundpreis (also abzüglich fixem Energiesteursatz und fixer CO2-Abgabe) steigen, damit die Mehrwertsteuerabgabe größer ausfallen kann. Logisch, nicht wahr?
Um das zu begreifen, muss man noch nicht einmal in einem "Expertenforum" sein. Es genügt im Regelfall, die sechste Klasse abgeschlossen und alle Sinne beisammen zu haben.
Vor 2 Jahren hat der Liter Rohöl 25% von dem gekostet, was er jetzt kostet.
Nur habe ich damals leider nicht für 50cent getankt, sondern für mehr als das doppelte.
Wie hängt der Preis nochmal am Rohöl fest.
Auch vor zwei Jahren war der Energiesteuersatz pro Liter der selbe feste Betrag wie heute und auch vor zwei Jahren wurde der Abgabepreis mit exakt den selben 19% besteuert wie heute. Das Einzige, was sich verändert, ist der Grundpreis, und dieser
skaliert logischerweise mit dem Rohölpreis. Er ist aber nicht
identisch mit dem Rohölpreis. Es sei denn, du tankst zufällig Rohöl aus erster Hand und ohne Zeitverzug ab Quelle.
Wenn beispielsweise der Rohölpreis niedrig ist, aber gerade noch teurer gehandelte Reserven in andere petrochemische Produkte umgewandelt werden, dann werden die Inhaber besagter Reserven den Teufel tun und den Preis für das verarbeitete Produkt am Börsenpreis für die Rohstufe orientieren.
Um genau die Frage geht es übrigens derzeit: Die Rohölpreise gehen seit einiger Zeit wieder herunter, die Kraftstoffpreise jedoch nicht im selben Maße. Was, wie du zugeben musst, seltsam ist, denn weder wurde Energiesteuersatz zwischenzeitlich erhöht, noch kam in den letzten Tagen und Wochen eine neue Abgabe hinzu. Wir kommen also zwangsläufig imme wieder zum einzigen Bestandteil des Abgabepreises, der veränderlich ist.
Warum
genau Mineralölkonzerne im Abgabebereich so auffällig schleppend auf die Entwicklung des Börsenpreises reagieren, müsstest du sie selbst fragen. Rechne aber nicht so bald mit einer Antwort: Die Politik hat die Frage schon vor dir gestellt und bisher keine klare Antwort erhalten. Aber wenn ich mich mal ganz weit aus dem Fenster lehnen darf: Ich vermute, es wird den selben Grund haben, der es bei ähnlichen Verhältnissen schon in den vergangenen Jahrzehnten vorlag: Man kann auf diesem Wege einen hübschen Gewinn machen. Da Mineralölkonzerne in aller Regel sowohl Förderer von Öl als auch Vermarkter von petrochemischen Produkten sind, können sie ihre Gewinne von für sie ungünstigen Schwankungen des Rohölpreises entkoppeln.
Wem das zu abstrakt ist: Auch die Preise von Brötchen beim Bäcker steigen in aller Regel mit steigenden Getreidepreisen, sinken jedoch nicht mit sinkenden Rohstoffpreisen. Und zwar ganz einfach deshalb, weil die spezifische Teuerung (nicht zu verwechseln mit der Inflation) permanent ist und Ausschläge nach unten eher temporär sind.