Also wenn ich das richtig verstehe, wenn ein Natoland ein Terrorakt erleidet
dies nicht zu einer Natohandlung führt?
Ist das nicht ein Angriff in dem Sinne?
Nein. Dazu gibt es zwar einen unschönen Präzedenzfall, in dem die NATO-Mitglieder so entschieden haben. Aber es gab und gibt afaik kein Statut, dass diese Entscheidung auch nur begründet geschweige denn erzwingt. Wenn die NATO einen Terroranschlag als großen Kriegsanlass wertet, dann weil alle ihre Mitglieder das wollen. Wir hatten ja vor und nach 9/11 zahlreiche Anschläge, die ganz normal als zwar heftige, aber letztlich eben Polizei und Diplomatie unterstehende Kriminalität gewertet wurden.
Der Nato-Rat stellte damals fest, dass dann ein Bündnisfall vorläge, wenn der Angriff definitiv vom Ausland erfolgte.
Nur erfolgten die Anschläge damals definitiv von US-Boden aus. Zwar nicht von US-Bürgern und auch nicht mit US-Hintermännern, aber das war bei den Anschlägen in Madrid, Paris, London oder Brüssel auch nicht der Fall. Trotzdem wurden die nicht zu einem internationalen Kriegsakt erklärt. Auch bei vorherigen Anschlägen in der US of A kam niemand auf diese Idee.
Also alles was ich bis jetzt von verschiedenen Politikern in den letzten 2 Wochen in sehr vielen verschiedenen Sendungen gehört habe, "müsste" DE militärisch eingreifen, wenn Israel darum bitten würde, bis hin zu DE Soldaten auf Israelischen Boden.
Abgeleitet wird das daraus; "Die Sicherheit Israels ist Staatsraison der Bundesrepublik Deutschland".
Etwas ähnliches gibt es in den USA.
Wenn Scholz und Co Wort halten würden, dann ergäbe sich das tatsächlich aus ihren vollmundigen Bekenntnissen. Aber wenn Scholz und Co Wort halten würden, dann sähen z.B. auch gewisse Cum-Ex-Ermittlungen, der Klimaschutz, die Versorgung für Kinder und Alte, die Schulen, etc. in Deutschland GANZ anders aus.
Bei der Größe und Militärstruktur von Israel sowie der Entscheidungsfreude unserer Regierung und der Einsatzbereitschaft unseres Militärs bin ich zuversichtlich, dass auch im Worst Case kein deutscher Soldat für/in Israel wird kämpfen müssen. Entweder weil Israel alle Nachbarn unterworfen hat, bevor Scholz sich entschieden hat, was genau "uneingeschränkte Solidarität" denn nun bedeutet oder weil es kein Israel mehr gibt, ehe er das entschieden hat. Der letzte große/mehr als bilatereale Krieg in der Region dauerte knapp drei Wochen, der vorletzte knapp eine Woche. Ich würde für Deutschland mal mindestens 1,5 Monate politische Entscheidungsfindung und von der Bundeswehr mindestens 1,5 Monate Vorbereitungsphase für erste, kleinere Einsätze erwarten.
Der Konflikt ist anders aber trotzdem ähnlich. Und heute schaffen wir es, mit unseren Nachbarn friedlich umzugehen. Naja noch, mal schauen, was die neuen Faschisten noch so alles machen werden. Von daher ist das, was wir in Israel erleben zwar jenseits aller Menschenrechte, aber wann und von wem wurden die wirklich über längere Zeitraum gelebt?
Vollständig, uneingschränkt, über lange Zeiträume: Von niemandem.
Aber umgekehrt, vollständig, uneingeschränkt über lange Zeiträume gegen jemand unmittelbar benachbarten überhaupt nicht: Auch von niemandem. Respektive niemandem weiteren. Diese gegenseitige totale Vernichtung, an der Zionisten und arabische Extremisten seit mittlerweile über 100 Jahren kontinuierlich arbeiten, ist absolut einzigartig. In anderen Teilen der Welt gab es schlimme, über Phasen sogar weitaus schlimmere Konflikte, aber meist dauerten die nur wenige Monate bis ein paar Jahre. Das Wüten der Nazis in Europa dürfte mit das Ärgste gewesen sein, woran auf beiden Seiten große Teiles eines Volkes beteiligt waren und die wirklich heiße Zeit dauerte in den meisten Regionen kaum fünf Jahre an. (Diktator-gegen-Volk gab es häufiger, aber Vergleiche damit bringen einen nicht weiter)
Das heißt alle anderen Verstöße waren immer nur "Episoden in einem Leben" und Teil der Versöhnung war es sehr oft, zu dem "davor" zurückzukehren. Im Nahen Osten haben wir dagegen einen Konflikt, der sich mittlerweile über vier bis fünf Generationen erstreckt. Die, die heute darunter leiden, kennen überhaupt kein "davor". Die, denen man die Schuld für den Anfang geben könnte (auf welcher Seite auch immer), sind allesamt schon lange tot. Man muss sich nur mal vor Augen halten, dass schon aus rein biologischen, aber auch ehtnographischen Gründen, auf manch Grundstück in Israel acht oder mehr Parteien legitime Ansprüche erheben können.
Sowas wieder ins Lot zu bringen erfordert vollkommen neue Lösungsansätze, wie sie noch in keinem anderen Konflikt benötigt oder angewandt wurden. Aber außer "bitte seht es doch endlich mal selber ein" hat noch niemanden einen gefunden.