Die Berichte zu Kindstötungen sind zahlreich, Fotos sollen existieren (nein, ich werde nicht danach suchen. Weil ich sie nicht sehen will.) und es in unzweifelhaft, dass die Hamas in großer Zahl und absichtlich Unschuldige hingerichtet hat. Wenn man alle Erwachsenen in einer israelischen Siedlung abschlachtet, klingt es (leider) nicht unplausibel, dass man die Kinder mitgetötet hat.
Um ehrlich zu sein: Je nach Menschenbild kann es sogar als Gnade gemeint sein, ein Kind schnell zu erschießen, bevor man seine Eltern masakriert, anstatt es dabei zusehen und es dann mit diesem Erlebnis leben zu lassen. Das wäre imho nämlich das grausamste, was man u.a. auch den Eltern antun kann - schlimmer noch, als das Kind vor ihren Augen umzubringen.
("Kann"! Ich sag nicht, dass ich diese Sichtweise teile, aber es gibt Leute die sie vertreten. Die Angreifer dürften auch überwiegend radikalgläubige Muslime sind und iirc kommen getötete Kinder laut Koran automatisch ins Paradies. "Leben auf der Erde" besteht für Hamas-Kämpfer dagegen ausschließlich aus dem Dahinsiechen in Gaza. Denen ist wortwörtlich "ein Menschleben" nicht viel wert, weil sie nicht einmal ihr eigenes Leben lebenswert finden.)
Aber klar. Die Verschwörungstheorie, dass die pöse israelische Regierung die Morde nur erfunden hat, als Steigerung vermutlich bald "selbst durchgeführt hat", ist in so einer Situation eine Standard-Konstrukt und wir mit Sicherheit bereits von der Hamas und Hamas-Sympathisanten verbreitet.
Die Frage ist ob man die Hamas vernichten kann. Die Ideologie dahinter scheint in der Bevölkerung verwurzelt und die Aktionen Israels unterstützen diese Ideologie. Hamas zerstören könnten nur die Finanziers und Israel dürfte mit seinen Gewalttaten diese eher dazu bewegen die Finanzierung zu erhöhen. Oder anders gesagt, wenn man Hamas zerstören will müsste man Ziele in Katar und im Iran bombardieren.
Und in Saudi Arabien, in Ägypten, Europa, in ...
Sympathisanten und Unterstützer sind weit verbreitet und jedesmal, wenn man mit den Methoden des israelischen Militärs gegen die Hamas vorgeht (also mit einigen zivilen Opfern bei wenig militärischen Zielen, voraus in Hamas-nahen Quellen logischerweise sehr viele zivile Opfer ganz ohne militärische Ziele werden), dann werden es mehr Unterstützer. Mit Bomben kann man die Finanzierung der Hamas nicht beenden. Und erst recht nicht den Waffenschmuggel.
Die einzige Möglichkeit imho wäre eine vollkommene Abschottung des Gazastreifens mit 100%iger Kontrolle aller Ein- und Ausfuhren. Sowohl physischer Art als auch Daten - wenn die Hamas kein Konto mehr hat, auf dass sie zugreifen kann, kann man ihr auch kein Geld zukommen lassen.
Aber: So eine Totalblockade endet in einem Völkermord, wenn die Israelis nicht gleichzeitig die Organisation des zivilen Lebens und die Versorgung der gesamten Bevölkerung übernehmen. Aber genau davor drücken sie sich seit Jahrzehnten: Das Land der Palästinenser wird zwar als Staatsgebiet beansprucht, aber man weigert sich den Pflichten eines Staates nachzukommen und Einwohnern da die Grundrechte von Staatsbürgern zu gewähren. Wer der Zivilbevölkerung de facto den Kampf erklärt, mit dem aktuellen Stop der Trinkwasserzufuhr ein Kampf auf Leben und Tod binnen weniger Tage, der kann nicht auf Frieden hoffen.
Was können die normalen Israelis dafür was ihre Regierung oder radikale Siedler machen?
Was können Bürger einer Demokratie dafür, wenn die von ihnen
wiederholt gewählte Regierung Menschen- und Völkerrecht mit Füßen tritt?
Lass mal nachdenken...
Das ist in meinen Augen ein ganz wichtiger Punkt. Israel geht definitiv sehr rücksichtslos bei der Bekämpfung der Hamas und co. vor, aber der Tot der Zivilisten ist nicht das vorrangige Ziel und genau das wird ja auch häufig kritisiert.
Ich kann mich aber nicht daran erinnern dass die IDF auf Festivals fährt und wild alles abschlachtet. Das ist dann schon noch mal ein Unterschied.
Die israelische Armee geht mit weitaus hehern Absichten und mit weitaus unproblematischeren Methoden den Kampf, das stimmt. Aber es sind nicht problemfreie Methoden und die israelische Armee ist einfach sooo viel mächtiger und aktiver, dass sie unterm Strich im Zeitraum von der letzten Intifada bis Ende letzter Woche für mehr unschuldige Opfer verantwortlich war, als die Hamas. Sie hat dabei natürlich auch (wesentlich) mehr gewaltbereite Gegner getötet, klar. Aber jemand, der der Hamas ohnehin schon zugeneigt ist, wird das nicht als positiv wahrnehmen. Der sieht nur die toten Frauen und Kinder auf palästinensischer Seite (= seiner Seite. In seiner Nachbarschaft. In seiner Familie) und radikalisiert sich.
Die Zionisten des 19. Jh. sahen in der Gründung eines eigenen Staates die einzige Möglichkeit, ein sicheres, jüdisches Leben zu gewährleisten. Rechtsextrem war daran nichts, die frühen Zionisten bis hin zu den Anfängen der Kibbuz-Bewegung bewegten sich im sozialistischen und sozialdemokratischen Spektrum mit anarchistischen Auswüchsen.
Zionismus war immer auch nationalistisch und aktiv praktizierende Zionisten waren zu großen Teilen von Anfang an auch rassistisch/"fremden"feindlich/rechts sowie nicht selten gewaltbereite, also -extrem. Das ergibt sich einfach automatisch aus dem Grundgedanken, auf einenm praktisch vollständig besiedelten Planeten irgendwo einen eigenen Staat aufmachen zu können - das geht nicht, ohne das andere Leute ihre Heimat aufgeben.
Einige (eigentlich-)Zionisten waren dafür, das gesamte Staatsterritorium freizukaufen, kamen aber auch entsprechend schnell zu dem Schluss, dass auf lange Sicht unmöglich ist. Die sind nicht als rechtsextrem einzustufen, aber die haben sich halt auch nirgendwo an Siedlungsprojekten oder gar Israel beteiligt, sondern gaaannz langsam auf den gaaaaanz langen Weg gemacht, genug zusammenzusparen. Einige haben sich auch von der Idee "Staat" verabschiedet (wären also gar nicht mehr als Zionisten zu betrachten) und sich auf einzelne, geschlossene Siedlungen beschränkt - Teile der Kibbuz-Bewegung sind nicht vereinnahmend gegenüber Nachbarn. Aber die hätten halt über Jahrhunderte hinweg keinen Staat zusammengebracht.
Aber diejenigen, die die heute existierenden Resultate geprägt haben, die haben ihre selbst geschaffene Nation als "Gottes Volk" über andere gestellt und deren Entrechtung geplant und vorangetrieben, also ganz klassischer Rechtsextremismus. (Sozial-)demokratische oder gar sozialistische Ansichten gab es immer nur innerhalb der geplanten Gesellschaft/Nation - besser bekannt als National-Sozialismus. Den kann man nämlich nicht nur für Arier planen und praktizieren, sondern halt auch für Juden.
Hmm, eine legitim gewählte Vertretung der Palästinenser? Aber frag mich nicht wie so was genau ablaufen soll ^^
Es gibt aktuell keine demokratisch legitimierte Palästinenservertretung. Die letzte Wahl war 2006, nominell bis 2010 gültig. Und die hat übrigens die Hamas gewonnen, insbesondere im Gaza-Streifen.
Ist vielleicht naiv gedacht von mir, aber es gibt doch die Methode der Mediation, wo allparteiische Dritte lösungsorientiert und konstruktiv schlichten. Ich glaube nämlich nicht mehr daran, dass beide Seiten mit sich untereinander allein gelassen auf einen grünen Zweig kommen werden, und selbst objektive "Streitschlichter" werden da wohl nicht viel ausrichten können, da keine der beiden Seiten auch nur einen mm von ihren Forderungen und Bestrebungen abzurücken scheint.
Ist tatsächlich "naiv" im Sinne von "weltfremd": Sämtliche Verhandlungen über die Situation im Nahen Osten laufen seit Jahrzehnten über Ägypten, Katar, diverse EU-Mitglieder, USA, etc.. Hat ja seinen Grund, dass die ein "Oslo"-Abkommen geschlossen haben

. Ich habe keinen vollständigen Überblick, aber wenn man nicht die UN-Maßnahmen mitzählt, dann könnten sämtliche Friedensverträge Israels mit irgendwem auf dem Wege der Mediation zustande gekommen sein soll und alles, was Palästinenser Rechte gibt, sowieso.
Aber auch der beste Mediator kann nichts ausrichten, wenn auch nur eine geschweige denn beide Seiten die Vernichtung der anderen will.