Zitat aus dem Artikel der Deutschen Welle: "Vier palästinensischen Familien droht die Zwangsräumung durch jüdische Siedlerorganisationen im Ostjerusalemer Stadtteil Scheich Dscharrah. Die angekündigte Vertreibung hat Proteste und Zusammenstöße in Israel ausgelöst."
Es sind übrigens keine vier Familien, denen im Rahmen der aktuellen Rechtslage "Zwangsräumung" droht, sondern über 100 Haushalte in ganz Jerusalem, was bei den dort noch über teilweise 3-4 Generationen hinweg auch quer aufrechterhaltenen Familienbeziehungen und der guten Vernetzung innerhalb der Communities bedeutet, dass ettliche tausend bis knapp zehntausend Menschen eine direkte persönliche Beziehung zu einer betroffenen Person haben. Das ist eine Kleinstadt voll "was tust du mein Bruda an, ey?"
Bei vier Familien sollte die Zwangsräumung lediglich jetzt vollzogen wurden - in einer Straße, in der nahezu jedes Haus von einem Israeli beansprucht wird. Dazu kommen weitere, nicht historisch begründete Enteignungen von Palästinensern im gesamten Umfeld Ostjerusalems Zwecks bau neuer Siedlungen außerhalb Israels. Jeder dort sieht einen mehr oder minder berechtigten Anlass, sich davor zu fürchten, dass ihm in 5-10-15 Jahren genauso geht, wie jetzt diesen vier Familien.
Die einzige Überraschung ist, dass es ausgrechnet diesmal so hart esakliert, denn es ist auch bei weitem nicht die erste Räumung, die durchgezogen wird. Allerdings ist das Timing mit der letzten Ramdanwoche und kurz bevor ultraorthdoxe Zionisten die Anektion Ostjerusalems feiern natürlich auch besonders brenzlig. In dem Umfeld gibt es fast jedes Jahr Zoff und ich würde mich nicht wundern, wenn die direkte Bedorhungslage durch Corona (Israel: Imweltmeister. Palästina: Wegen Israel kaum Möglichkeiten, überhaupt Impfstoff zu importieren) die Stimmung zusätzlich angeheizt hat.
Es wird immer so getan als wäre das eine ganz neue Dimension, das da Raketen auf Israel fliegen, das haben wir seit Jahrzehnten, neu ist daran im Grunde nur die Anzahl der Raketen die da geflogen kommt, das liegt aber hauptsächtlich daran das die Iron Dome Abwehr der Israelis inzwischen so gut ist das es eben kaum noch einen Zweck hätte da nur eine Hand voll auf einmal zu schießen, wie es früher war.
Ansonsten ist die Effektivität der Angriffe mit den Raketen genauso bescheiden wie sie es seit jeher war, weil was schießen die Palästinenser den da, schlecht selbstgebastelte ungelenkte Raketen, in etwa der Größe wie man sie von alten russischen Katjusha-Werfern kennt, die Teile sind kaum effektiver als deutsche V1 Angriffe auf England aus dem Zweiten Weltkrieg.
Wesentlich ineffektiver. Die palästinenischen Raketen sind zum Teil noch kleiner als eine Katjusha, sodass sie leicht von 1-2 Personen getragen werden können. Entsprechend klein sind die Sprengköpfe, die in der Regel nur im Umkreis von 1-2 Metern Mauern zerschlagen können. Die in Israel üblichen Raketen"bunker" müssen abseits der Tür nicht stabiler sein, als ein US-amerikanischer Tornado-Unterstand. Der 1-Tonnen-Sprenkopf von V1 und V2 (wobei sich letztere oft zu tief in den Boden gebohrt hat) hat dagegen halbe Blöcke zum Einsturz gebracht.
Die große Anzahl würde ich übrigens nicht als Reaktion auf Iron Dome betrachten, allenfalls das koordinierte Salvenfeuern, denn die Hamas hat eigentlich so viel geschossen, wie sie konnte. Nachdem es jetzt relativ lange keine große militärische Auseinandersetzung gab und vielleicht auch weil im Rahmen des arabischen Frühlings das Schmuggeln etwas leichter wurden, haben sie einfach ein größeres Arsenal in Reserve. Aber es sind halt immer noch Geschosse, die durch einen kleinen Tunnel passen müssen oder von einem Hinterhofschmied und einem Garagen-Chemiker vor Ort gebaut wurden.
Israel ist inzwischen auf Platz 8 der Rüstungsexporteure weltweit, denen werden die Raketen nicht so schnell ausgehen.
Israel hat eine Luftwaffe und kann einfach Freifallbomben drauf fallen lassen. Dass sie überhaupt derart große Kaliber wie im Moment einsetzen würde ich als Mischung aus "Übung", "Angeben"/"Drohen" und "Altbestand aufbrauchen" betrachten, aber es besteht kein militärische Sinn darin, mehrere Häuse in die Luft zu jagen, weil von einem davon ein Raketenabschuss improvisiert wurde. Die Hamas kämpft extrem asymmetrisch, deren ""Stellungen"" stellen keinerlei strategischen Wert dar und sind vermutlich oft schon geräumt, ehe die Israelis eintreffen und die Nachbarn einäschern. Das ist das gleiche Dilemma, vor dem die NATO in Afganistand und die USA im Irak standen, nur ohne die Freiflächen zwischen den Städten: Wie bekämpft man einen Feind, der zwar nur eine kleine Gefahr darstellt, sich aber nur im Moment eines Angreifs von Zivilisten/ziviler Infrastruktur unterscheiden lässt?
Mehr als 1.000 Raketen Richtung Israel abgefeuert - Über 50 Tote in Gaza
Die Lage in Israel scheint zu eskalieren. Die Hamas tut ihrer eigenen Bevölkerung keinen Gefallen damit.
So werden sie nie mehr Freiheiten erreichen.
Wird der Hamas egal sein. Jeder von den Isrealis Getötete, der bislang nichts mit der Hamas zu tun hatte, entspricht 2-5 Familien im Angehörigenkreis, die in Zukunft die Hamas unterstützen werden. Durch die Gegenschläge gewinnen sie also hinzu. Auch die zerstörte Infrastruktur ist Wasser auf die Mühlen der Radikalen: Der Bevölkerung in Gaza geht es sowieso schlecht. Je eindeutiger man den Israelis dafür die Schuld geben kann (und "die Schule, die du suchst, hat die IAF beseitgt" ist sehr eindeutig), desto größer der Hass und desto größer der Support für die Hamas.
Umgekehrt: Was haben sie zu verlieren? Außer dem nackten Leben, dass den zum Märtyrertum neigenden Hamas-Angehörigen in vielen Fällen weniger Wert ist als der eigente Nationalismus, haben die Israelis ihnen schon alles genommen und in den letzten 1-2 Jahrzehnten keinerlei Perspektiven gelassen. Im Gegenteil, in den letzten 4 Jahren hat Israel dank Trump seine Ansprüche auf Palästina deutlich ausgeweitet. Die Hamas führt keinen Kampf mehr in der Hoffnung auf einen Sieg, ihr Ziel vor Augen ist nicht mehr der Aufbau eines Staates, in dem Plästinenser vernunftig leben können. Die haben den Untergang vor Augen, wenn nicht heute dann in 50 Jahren, und führen einen Kampf mit dem Ziel, soviele ihre Feinde wie möglich mit in den Abgrund zu reißen. Ansonsten wären sie mit ihren minimalen Möglichkeiten auch keine Bedrohung, sondern ein paar Witzfiguren - aber jemand, der nichts mehr zu verlieren hat (oder zumindest dieser Meinung ist), ist immer gefährlich.
Was ich überhaupt nicht verstehe ist, wo diese Logik, die Israel Kritik als "links" einzuordnen herkommt?!
Oder dauernd von linker Politik als Antisemitus zu sprechen.
In den Köpfen einiger, insbesondere rechts-konservativer, hat sich festgesetzt das jeder, der für Muslime eintritt "links" ist und jeder, der etwas gegen Personen, die zufällig jüdisch sind, "Antisemit" ist. Letzteres ist sogar mittlerweile eine ziemlich weit verbreitete und teilweise staatliche unterstütze Einstellung, siehe BSD. Ersteres führt dazu, dass selbst von türkischen oder kurdischen Nationalisten aneinander verübte Straftaten von einigen als "linke Gewalt" gegen Neoneaziaktivitäten aufgerechnet werden. Weil Nationalismus ja eine ur-linke Einstellung ist, deswegen singen die auch immer "die Nationale" und so...
du musst zugeben, dass "Mieter mit geschütztem Status bezahlen jahrzehntelang, trotz entsprechender Vereinbarung, Miete nicht, und sehen sich daher mit Räumungsklage konfrontiert" irgendwie anders klingt als "Siedler werfen Menschen aus ihren Häusern".
Jo, klingt es. Hat aber auch wenig mit dem Lage dort zu tun. Die zu räumenden Familien sind nicht zur Miete in ein Haus eingezogen, sondern in eins das ihnen überlassen wurde. Sie haben zu dem Zeitpunkt auch keinen Mietvertrag unterzeichnet (zumindest lese ich das nirgends und wüsste auch nicht, wie ein Israeli im damaligen Jordanien als Vermieter hätte auftreten sollen). Was du so hübsch ausformuliert hast, ist die Betrachtungsweise der Israelis, die Anspruch auf diese Häuse erheben, aber es gibt nicht die Lage wieder, wie sie vor Ort wahrgenommen und als Zündfunke genommen wird und es ist auch, wie von mir dargelegt, eine juristisch kaum haltbare Position, denn Israel selbst erachtet in ähnlich, nur spiegelbildlich gelagerten Fällen Ansprüche aus dieser Zeit als nichtig und gemäß internationalem Recht/UNO gilt in dem Gebiet nicht einmal israelisches, sondern palästinensisches Recht.
Soweit ich weiß haben die Steinewerfer sich in die Mosche zurückgezogen. Vermutlich um eben genau die gewünschten Bilder zu provozieren. Zumindest denke ich nicht, dass die israelischen Bullen zum Spaß die Moschee gestürmt haben.
Es ist durchaus möglich, dass sie sich dahin zurückgezogen haben, spätestens als der Sturm losging. Aber da war eine fünfstellige Zahl von Menschen zum Gebet versammelt und es war somit von vorneherein unmöglich, die Schuldigen auch nur zu identifizieren, geschweige denn Festzunehmen. In weit die Israelis Spaß an ihrer Aktion hatten, kann ich nicht sagen, aber es war offensichtlich dass das einzige Ergebniss das exakte Gegenteil von Spaß bei den 9990 nicht-Steineschmeißern und keinerlei polizeiliche Erfolge gegen die 10 anderen sein wird.
Das Menschen sich wegen ihres primitiven Aberglaubens dann von sowas triggern lassen, ist sehr bedauerlich
Der (Aber)Glauben hat damit weniger etwas zu tun (auch wenn der Koran tatsächlich SEHR klare Anweisungen hat, wie mit Leuten zu verfahren ist, die eine x-beliebige Moschee missachten, geschweige denn ausgerechnet DIESE Moschee), das ist einfach eine Frage von Respekt. Und natürlich wäre es wünschenswert, wenn man über diesem Schlag ins Gesicht stehen und die andere Wange hinhalten würde - wie bei jedem einzelnen Schritt den irgendwer in dieser Region im letzten halben Jahrhundert gemacht hat. Da gilt für mich: Sack auf, alle rein, Sack zu, Knüppel drauf - geht garantiert nicht daneben. (D.h. eigentlich kann man den Knüppel auch mir reinwerfen und sich zurücklehnen) Ich habe zwar etwas Mitleid mit beiden Seiten, weil vermutlich immer noch 40-80% Unschuldige unter den Leidtragenden sind, aber verglichen mit Eskalationen woanders in der Welt, wo es 94-98% sind, ist das wenig. Nur: Umgekehrt kann ich es noch weniger ab, wenn irgend eins der eindeutigen Arschlöcher in der Gegend einen Heiligenschein aufgesetzt bekommt. Und alles, was dank seiner Uniform eindeutig erkennbar ist und an einer Aktion beteiligt ist, nach der es mehr Verletzte (oder Tote) als vorher gibt, fällt definitiv in die Kategorie Arschloch.