Nur weil dein Land weg ist, sind die Leute es noch lange nicht.
Ne, aber die Leute, die ohne Land noch da sind, sind (wie schon mehrfach geschrieben) nicht sonderlich erfreut darüber, dass man ihnen ihr Land genommen hat.
Einen Mangel an Propaganda kann man deinem Link aber auch nicht gerade vorwerfen.
"...the map is a lie. ... the great majority was government land. While it is true that the Jews owned only a small percentage ..."
Äh ja: Wenn Land dass bislang unter der Kontrolle einer teilweise lokalen Regierung stand respektive von einer Kolonialverwaltung im Interesse der lokalen Bevölkerung verwaltet wurde, samt und sonders an eine aus nicht-Ansässigen bestehende Regierung übergeben wird, dann verlieren die lokal ansässigen überhaupt kein Land und es wird auch keinem der neuen etwas gegeben...
Der gleiche Autor würde vermutlich auch behaupten, dass die Native Americans nichts weggenommen wurde, weil sie hatten ja eh keine Grundbucheinträge in London hinterlegt. Und warum die Entwicklungen nach den Kriegen zwischen Israel und seinen Nachbarn, die 50% der Kartenreihe ausmachen und 100% der direkten heute Problemursache eine Lüge sein sollen, dafür versucht er nicht einmal Argumente zu erfinden.
Muss jedes Volk einen eigenen Staat haben?
Theoretisch nicht, es gibt ein paar Beispiele für Vielvölkerstaaten und auch für Gemeinschaften, die lange oder dauerhaft ohne eigenen Staat leben oder gelebt haben (z.B. Juden). Aber was quasi nie gut geht: Wenn ein Volk in einem Staat leben soll, den ein anderes Volks als "seinen" betrachtet. Das endet dann mit Apartheidsverhältnissen wie für die Palästinenser in der de-facto theologisch segregierten 1-Staat Lösung [Israel+Palästina] oder mit fortwärhender Flucht/Vertreibung wie mit Sinti und Roma in Europa. Auch die Sowjetunion hatte maßgeblich Probleme damit, dass Russland verdammt viel gleicherer unter gleichen war, im Laufe der chinesischen Geschichte gibt es x-Beispiele, wo ein Volk in einem vielvölkerreich alle anderen Unterdrückt hat, etc.
Sorry, aber da liegst du schlicht etwas falsch.
Der Nationalstaat ist mehr als eine zentrale Verwaltung.
Nationalstaaten unterscheidet zu den Staaten zuvor auch das sie keine erblichen Titel mehr sind, also der König von Spanien auch König von Deutschland werden kann, weil er einen Titel erbt.
Genauso verändern sich die Grenzen des Staates nicht mehr abhängig vom ererbten, sondern sind "fester Bestandteil" des Nationalstaates, unabhängig davon wer gerade die politische Macht im Land ausübt.
Es gäbe sicherlich noch weitere Punkte, die den Nationastaat vom vorrangegangenen Staatskonstrukt unterscheiden, aber das sind mit die markantesten Merkmale.
Ein wichtiger, in dem Kontext dieses hier imho sogar der einzige wichtige Punkt, wäre die Einheit von Staat, Staatsgebiet und Volk als "Nation". (Lang) Vorher gab es Herrscher, die hatten Kontrolle über ein Gebiet und in dem Gebiet lebten Untertanen. Ende. Wechselte der Herrscher oder Herrschaftsbereich (auf biologischem oder militärischen Wege), konnte sich der Staat als Verwaltungssystem und sein räumlicher Bezug radikal ändern, aber die Bevölkerung lebte immer noch an der gleichen Stelle. Diese "Heimat" war damals der Bezugspunkt der Menschen, scheiß egal wer gerade regiert hat, denn die Untertanen hatten ja eh wenig zu sagen - das aber in allen Staaten, zu denen sie gehören könnten. Mit dem Konzept der "Nation" änderte sich das. Man war auf einmal wer, man hatte Macht über sein Schicksal und anteilsmäßig über das seiner Landsleute und umgekehrt auch die über einen selbst und es gab keinen Obermotz mehr, der gemacht hat, was er wollte. Demnach wurde auf einmal auch wichtig, wer denn nun Landsleut ist und wer zu einem anderen Land gehört.
Genau das hätten die arabischen Völker (oder zumindest ein Teil ihrer intellektuellen Spitze, andere wollten eher ein Abendessen) des 19. und frühen 20. Jhd. auch gerne für sich gehabt: Wahlweise ein Territorium für die jeweilige Bevölerungsgruppe oder aber direkt ein Panarabien in dem sie sich selbst verwalten konnten, in/mit dem sie eine Nation sein konnten, anstatt erst von den Türken im Osmanen- und dann von Europäern im britischen Kolonialreich unterjochen zu lassen. Wie gesagt, der Maßstab kann schwanken (die Bayern haben ja z.B. auch bis heute nicht kapiert, was "Deutschland" sein soll außer eine Geldquelle), aber eins hatten auch die kleineren Nationalbewegungen, die sich z.B. nur auf einen Teil von "Palästina" o.ä. fokussierten, mit der übergreifenden panarabischen Bewegung gemeinsam: Sie wollten endlich die Fremdherrschaft loswerden.
Bekommen haben sie stattdessen Unterjochung durch (damals überwiegend) europäische Zionisten, welche ihnen noch mehr Rechte und Ansprache nahmen, als Briten und Osmanen zuvor.
Wie kommt man aus dem Konflikt raus und will "man" das überhaupt?
"Man" in Form eines größeren Teils der israelischen Gesellschaft und auch Regierung will die volle Kontrolle über das Gebiet für Juden und Vertreibung aller anderen.
"Man" in Form eines mittlerweile sehr großen Teils der Palästinenser will, nachdem man im Laufe der Jahrzehnte nach und nach die Hoffnung auf fast alles, was sinnvoller wäre, aufgegeben hat, nur noch Rache.
Wie kommt man aus einem Konflikt raus, in dem die einen Rache und die anderen Vertreibung wollen? "'til everyone is blind"
