Mich nervt das langsam. Andauernd wird (nicht nur hier im Forum) behauptet, dass die USA für praktisch alle Weltprobleme verantwortlich ist. Wenn man dann genauer nachfragt, kommt immer als Begründung "War doch in Afghanistan auch so" etc.
Man kann ja solche Behauptungen aufstellen, aber dann bitte etwas differenzierter (also nicht: "USA ist an allem schuld", sondern: "USA hat ... gemacht und das hatte ... zur Folge)
Im Irak lässt sich nach nunmehr 35 Jahren direkter Einmischung der USA vermutlich fast jede beliebige "ursächliche" Verknüpfung herstellen...
Interessanter fände ich mal zu begründen, wieso die Eroberung Syrischer Städte überhaupt ein Problem -hausgemacht oder nicht- der USA sein soll?
Eigentlich haben wir derzeit die erste Situation seit langem, in der die USA sich in der Region mal tatsächlich darum bemüht, jemanden/etwas zu schützen, anstatt nur irgendwas zu zerstören. (Was zwar nicht heißt, dass sie die angemessenen Mittel einsetzen und sich nur um diese eine Ziel bemühen würden - aber würden alle erhobenen Vorwürfe zu 100% zutreffen, dann sollten sie sich eigentlich einen Dreck um dieses syrisch-irakische Problem kümmen und zu Hause bleiben.)
Das Saddam Hussein zwar ein von den USA installierter Diktator, aber eben auch ein Gegengewicht zu dem von der Sowjetunion und spaeter Russland verdeckt unterstuetzten Iran war, wird ausgeblendet. Das diese Entwicklung, die heute gemeinhin unter dem Begriff "kalter Krieg" subsummiert wird und die zwei maechtige Gegenspieler - die Sowjetunion und die USA - hatte, eine Folge des zweiten Weltkrieges war, wird ausgeblendet. Ebenso wie die Umstaende, die in den zweiten Weltkrieg gefuehrt haben. To be continued.
Die UdSSR hat den Iran nenneswert unterstützt? Im Gegensatz zum Westen hat sie ihn zwar nicht unbedingt boykottiert, aber dass es da irgendwelche engeren Beziehungen gab, wäre mir nicht bekannt. Da hat der Iran zu China oder Indien auch keine schlechteren Beziehungen. Umgekehrt war der vergleichsweise säkulare Hussein für die areligiöse UdSSR definitiv der sympatischere Handelspartner im Vergleich zur iranischen Theokratie. (Was man auch an den Waffenlieferungen
sieht, die primär in den Irak gingen)
Nö, das ganze zu einem Stellvertreterkrieg ins große "Weste=gut, Osten=Böse"-Schema klappt nicht. Die Nordatlantik-Anreiner hatten ihr ganz eigenes Hühnchen mit denen zu rupfen, die die schöne Monarchie im Iran gestürzt haben und Hussein war einfach ein schönes Werkzeug, um sich nicht selbst die Finger schmutzig zu machen.
In sofern ist der Vergleich mit anderen Aktionen von NATO-Staaten im nahen und mittleren Osten nicht ganz ungerechtfertigt:
Aus dem guten, verbündeten absoluten Diktator und Tyrann Hussein wurde der böse, feindliche absolute Diktator und Tyrann Hussein.
Aus den guten, verbündeten radikal-islamischen Mudjahedin gingen die bösen, feindlichen radikal-islamischen Taliban hervor
Und unter den guten, verbündeten islamistischen Oppositionelen gegen Assad war die böse, feindliche, islamistische IS.
Es gibt also in der Tat ein paar Präzedenzfälle für "Ooops, wir haben die falschen bewaffnet".
Wie lange es wohl dauert, bis jemandem auffällt, dass es zwischen
kurdischen Pechmerga, die man militärisch unterstützt, den syrisch-
kurdischen Milizen, die man militärisch unterstützt, und der
kurdischen PKK, die die NATO als terroristische Vereinigung bekämpft und zu entwaffnen versucht, eine Verbindung geben könnte?
Politik findet nicht im luftleeren Raum statt und beginnt nicht am 20. Oktober 2014 um 9 Uhr morgens. Ihre Optionen und Spielraeume sind das Produkt einer nicht mehr zu aendernden Geschichte. Deshalb geht es bei Realpolitik eben oft nicht darum, was das Beste, sondern das am wenigsten Schlimme ist.
Aber davon lassen sich die Truther und Amerikahasser hier im Forum ihre linksdrehende Laune natuerlich nicht verhageln.[/QUOTE]